"Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant"

    Oder: Sollte man aktuell Verstöße gegen das Beherbergungsverbot melden?


    Zitat

    Anonymer Hinweisgeber meldet Urlauber-Familie aus Berlin der Polizei

    Ein anonymer Hinweisgeber hat der Polizei gemeldet, dass sich eine vierköpfige Familie aus Berlin über das Wochenende in einem Ferienhaus in Neuruppin eingemietet habe. Beamte seien am Freitagabend diesem Hinweis auf einen Verstoß gegen das Beherbergungsverbot nachgegangen, berichtete die Polizeidirektion Nord am Sonntag. Einen negativen Corona-Test habe die Familie nicht nachweisen können.

    Das Ferienhaus stehe aber in einem ländlich gelegenen Ortsteil der Stadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin ohne direkte Nachbarhäuser, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Außerdem hätten die beiden kleinen Kinder bereits geschlafen. Daher sei die Familie von den Beamten über die geltenden Abstands- und Hygieneregeln belehrt worden, habe aber in dem Ferienhaus bleiben dürfen. Die Polizei habe das zuständige Gesundheitsamt informiert, das nun über mögliche Konsequenzen entscheiden müsse.

    https://www.welt.de/vermischte…s-Berlin-der-Polizei.html


    Eure Meinung dazu? Sollten wir zum Wohle aller im Rahmen der Pandemie-Bekämpfung jetzt die Augen offen halten und solche Urlauber "melden"? Oder geht das zu weit?


    Mir wurde gerade ganz mulmig der Meldung...

  • 520 Antworten

    Wenn ich das in diesem Fall richtig verstanden habe, absolut unsinnig und dafür solle es Ausnahmeregelungen geben: Es ist was anderes, wenn ein geschlossener Familienverband ein Ferienhaus (abgeschlossener Bereich, Raum nur für die Leute) bewohnt, statt in einem rappelvollen Hotel zwischen vielen Fremden rumzuspringen.

    Heißt aber auch, dass es durchaus auch Fälle gibt, wo eine Meldung so dringlich ist, dass es für mich nicht unter Denunziantentum fällt. Einzelfallabhängig also

    ein einfaches niesen reicht schon aus, um komisch angeschaut zu werden.


    abstand halten, hände waschen, nicht in‘s gesicht fassen, maske tragen, öfters lüften, ..


    reichen schon aus, um das schlimmste zu verhindern.


    aber wenn ich in der früh zur arbeit fahre und mädels beim abknutschen sehe, da frage ich mich schon, wer verhindert das?

    Ich finde so ein Verhalten unmöglich. Nicht das der Urlauber, sondern das der "Verpetzer".

    Wer, wo, wie Urlaub macht, geht mich doch gar nichts an bzw. ob das innerhalb des Erlaubten liegt oder nicht, ist ja nicht mein Problem. Sollten die Leute zufällig von der Polizei erwischt werden, müssen am Ende ja sie selbst (und der Vermieter) dafür gerade stehen.

    Zitat

    da frage ich mich schon, wer verhindert das?

    oder sollte ich zum denunzianten werden? :_Daber wo keine einsicht, ältere zu gefährden, hilft auch keine belehrung, leider

    mnef schrieb:

    Heißt aber auch, dass es durchaus auch Fälle gibt, wo eine Meldung so dringlich ist, dass es für mich nicht unter Denunziantentum fällt. Einzelfallabhängig also

    Was für ein Fall wäre denn "dringlich"?

    Zitat

    Verpetzer

    die wird es immer geben, das lässt sich nunmal nicht verhindern.


    mehr zusammenhalten in der corona-krise würde uns besser stehen, als mit dem finger zu zeigen. aber das ist ein generelles, gesellschaftliches problem. lästern, denunzieren, mobben sind weit verbreitet

    Das entscheid ich dann. Spontan aus der Hüfte geschossen: Wenn ich weiß, dass ein Erkrankter gerade im vollen Speisesaal des Familienresorts am Futtern ist z.B.

    mnef schrieb:
    Lis Boa schrieb:

    Mir wurde gerade ganz mulmig der Meldung...

    Weil...?

    Weil ich mich frage, welche Ausmaße das noch annehmen wird. Es erinnert mich an ein dunkles Stück deutscher Vergangenheit. Gut, man kennt die genauen Hintergründe hier nicht, aber ich frage mich schon nach der Motivation, eine Familie zu melden, die übers Wochenende ein Ferienhaus in einem ländlich gelegenen Ortsteil ohne direkte Nachbarhäuser bewohnt.

    Klar, man kann sagen, wer da Urlaub macht, geht vielleicht auch einkaufen und besucht Einrichtungen im Ort, wodurch andere gefährdet werden könnten, aber puh, ich weiß nicht. Ich wurde letzte Woche beim Einkaufen auch schon angesprochen, weil wir jetzt ein Leasing-Auto mit Großstadtkennzeichen aus einer "Hotspot-Region" haben. Nach der Erklärung war derjenige sichtlich erleichtert, was mir zeigt, dass viele offenbar wirklich einfach nur Angst haben, aber in mir löst diese "Beobachtung" untereinander eine gewisse Beklemmung aus. Kann aber auch an mir liegen, noch geht's ja ganz manierlich zu hierzulande. Bin allerdings gespannt wie es mit den Beherbergungsverboten und der Reisefreiheit allgemein weitergeht.

    Ich weiß nicht ob ich Lis Boa richtig verstanden habe, aber ich würde sagen, hier geht es um Petzen aus Prinzip. Wie ein kleines Kind mit dem Finger zeigen und rufen "Das hat dir Mama/Papa Soundso (hier beliebigen Namen eines/einer Politikers/Politikerin einfügen) aber verboten!"

    Lis Boa schrieb:

    Weil ich mich frage, welche Ausmaße das noch annehmen wird. Es erinnert mich an ein dunkles Stück deutscher Vergangenheit. Gut, man kennt die genauen Hintergründe hier nicht, aber ich frage mich schon nach der Motivation, eine Familie zu melden, die übers Wochenende ein Ferienhaus in einem ländlich gelegenen Ortsteil ohne direkte Nachbarhäuser bewohnt.

    Klar, man kann sagen, wer da Urlaub macht, geht vielleicht auch einkaufen und besucht Einrichtungen im Ort, wodurch andere gefährdet werden könnten, aber puh, ich weiß nicht. Ich wurde letzte Woche beim Einkaufen auch schon angesprochen, weil wir jetzt ein Leasing-Auto mit Großstadtkennzeichen aus einer "Hotspot-Region" haben. Nach der Erklärung war derjenige sichtlich erleichtert, was mir zeigt, dass viele offenbar wirklich einfach nur Angst haben, aber in mir löst diese "Beobachtung" untereinander eine gewisse Beklemmung aus. Kann aber auch an mir liegen, noch geht's ja ganz manierlich zu hierzulande. Bin allerdings gespannt wie es mit den Beherbergungsverboten und der Reisefreiheit allgemein weitergeht.

    Ich bin da ganz deiner Meinung.

    Gerade nochmal nachgelesen: Nicht Betroffen vom Beherbergungsverbot sind ja z.B. Tagesausflügler und Privatübernachtungen. D.h. wenn jemand aus einem "Risikogebiet" kommt, darf er anderswo problemlos einkaufen und Essen gehen, Museen, Kinos, Schwimmbäder und private Feiern besuchen - alles erlaubt, solange derjenige danach wieder nach Hause fährt ODER z.B. bei Freunden übernachtet. Also verstehe ich es gleich doppelt nicht, wieso man jemanden meldet, der ein einzelnes Ferienhaus ohne direkte Nachbarhäuser bewohnt.

    Ich gerate so langsam doch ein wenig in Zwiespalt mit diesen Corona-Regeln. In diesem Fall handelt es sich um Urlaub in einem Ferienhaus, nicht in einem Hotel. Dann waren die vermutlich im Auto unterwegs. Wären sie mit dem Zug gekommen und mit dem Taxi gefahren, hätte keiner was gemerkt. Und ich glaube, in so einem Fall - selbst wenn die Familie infiziert wäre - wäre die Gefahr einer Virusverbreitung geringer als anderswo.


    Vielleicht wollte die Familie einen Test machen, wusste aber nicht, wie und wo ? Oder die Gelegenheit für den Urlaub ergab sich ganz fix ?


    Soll halt das Gesundheitsamt jetzt schnell einen Corona-Test anordnen, Ergebnisse sind ja mittlerweile schnell da.


    Was ich eventuell melden würde: wenn ich WEISS, jemand hat den Virus und läuft munter zwischen den Menschen rum. Oder ggf eine Party wo Leute OHNE ABSTAND feiern ? Und der o.g.Spruch passt zwar manchmal, aber nicht immer !