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    Es hat zumindest in der neueren amerikanischen Geschichte kaum einen Präsidenten gegeben, dem vom Tag des Amtsantritts an mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden als Obama. Das hatte weniger mit den von ihm verfochtenen Vorstellungen zu tun, als mit dem Umstand, dass er halt ein Schwarzer war.

    ach gottchen, als ultralinker sieht man natürlich immer und überall rassisten am werk. %-|


    dass er 6 seiner 8 regierungsjahre einen republikanisch dominierten kongress gegen sich hatte, hat natürlich nichts damit zu tun, nein, es war natürlich rassismus. und dass während seiner amtszeit seine partei quer durchs land massenweise gouverneursposten und mehrheiten in den parlamenten der gliedstaaten verlor, hatte natürlich auch nichts mit seiner politik und der seiner partei zu tun sondern nur mit seiner hautfarbe. wie stellt ihr euch das vor? dass sich der wähler in north dakota natürlich denkt: "bah, mir stinkts, dass ein schwarzer in washington präsident ist. also wähle ich lieber den demokratischen gouverneur hier in north dakota ab, obwohl ich seine politik gut finde, nur um es dem bimbo im weißen haus mal so richtig zu zeigen"?


    und was ist mit der aussenpolitik - mit seinem versagen in syrien und libyen, seinem verpennen der entwicklung auf der krim und in der ostukraine, seinem verschleppen des nordkoreaproblems? was mit dem überstürzten truppenabzug aus dem irak und afghanistan, der dort große probleme verursacht hat? geschah auch das alles weil ihm rassisten in washington knüppel zwischen die beine geworfen haben?


    und was ist mit den ersten zwei jahren seiner präsidentschaft, als er eine mehrheit im kongress im rücken hatte, im senat sogar eine sehr seltene filibuster-proof majority? dass er mit dieser mehrheit ausser dem halbgaren obamacare, das hohe kosten von der (mehrheitlich nicht-weißen, zu den demokraten neigenden) unterschicht auf die (mehrheitlich weiße, zu den republikanern neigenden) mittelschicht umverteilt, wenig nennenswertes gemacht hat, lag sicher auch an den rassisten überall in washington? wobei während dieser ersten zwei jahre ja seine eigene partei überall mehrheiten hatte, so dass die rassisten während dieser zeit gar nicht in der lage waren, ihm knüppel zwischen die beine zu werfen.




    also: als er durchregieren konnte, hat er eine mittelmässige gesundheitsreform mit vielen problemen und schattenseiten verabschiedet und sonst wenig. in der aussenpolitik, wo ihm kaum jemand reinreden kann, hat er viel murks fabriziert. quer durchs land wurde seine partei in regionalen wahlen, fernab von washington, vom wähler abgestraft. und das alles passierte laut euch, weil die menschen in den usa halt immer noch verkappte rassisten sind, die keinen - ich zitiere - "nigger im weißen haus" sehen wollen?


    das macht keinen sinn und ist absurd. dass rassistische beweggründe auch eine rolle beim widerstand gegen obama gespielt haben, bestreite ich gar nicht. aber als hauptgrund für den widerstand, der ihn die letzten 6 seiner 8 jahre gebremst hat, taugt das nie und nimmer. nein, der hauptgrund ist, dass ein erheblicher teil der wähler seine politik schlicht und ergreifend abgelehnt hat. aber genau diese simple tatsache hat ja auch clinton schon nicht begreifen wollen. mit bekanntem resultat.


    diese ganze "alles schuld der rassisten"-these klingt für mich nach einer dieser "einfachen antworten", vor denen mich heribert prantl in der süddeutschen seit jahren warnt. :)D

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    Das sehe ich wie Schrund. Dafür, dass sie ihm kaum einen Cm Luft gelassen haben, hat Obama sich nicht so schlecht gehalten.

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    Dem schließe ich mich auch. Hätte Obama gekonnt wie er gewollt hat, wer weiß was er alles hätte erreichen können. Spielt jetzt natürlich keine Rolle mehr.

    damit wir uns nicht falsch verstehen: ich selbst halte obama für keinen schlechten präsidenten. es gab licht und schatten, und einfach hatte er es in der tat nicht. dennoch kann man meiner meinung nach kaum abstreiten, dass es obama mit seiner moralischen überheblichkeit, seinem zur schau getragenen bildungsbürger-habitus und seiner linksliberalen identitäts-politik war, der den weg für trump bereitet hat. obama's fehler und schwächen sind imho der haupgrund, aus dem wir uns heute mit einem präsident trump rumschlagen müssen/dürfen.

    Ah ne, ich glaube der Weg für einen Trump, der wird in den USA schon ganz lange bereitet. Undzwar nicht nur in der Politik, sondern in der kompletten Medienlandschaft, im extrem defizitären Schulsystem und in einem gnadenlosen Wirtschaftssystem.


    Das Trump sich von einem schwarzen Präsidenten provoziert fühlte, seine Äußerungen hinsichtlich Obamas Herkunft sind da ziemlich eindeutig, ist halt dann der letzte Stein. Und das ist dann doch ein lange lange unbearbeiteter latenter Rassismus in den Staaten.

    mag sein danae, aber ohne obama hätte es wohl dennoch keinen trump gegeben. und dass es in den usa einen latenten rassismus gibt und dass dieser beim widerstand gegen obama eine rolle gespielt hat, bestreite ich wie schon gesagt gar nicht.


    was ich aber - siehe die argumente auf der letzten seite - absolut ablehne ist schrund's these, der widerstand gegen obama wäre weniger von einer ablehnung seiner politik getragen als viel mehr von einer ablehnung seiner hautfarbe:

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    Es hat zumindest in der neueren amerikanischen Geschichte kaum einen Präsidenten gegeben, dem vom Tag des Amtsantritts an mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden als Obama. Das hatte weniger mit den von ihm verfochtenen Vorstellungen zu tun, als mit dem Umstand, dass er halt ein Schwarzer war.

    diese these macht einfach keinen sinn, wenn man mal näher darüber nachdenkt.

    Mh, ich bin mir nicht sicher, einfach weil man dazu genau angucken müsste wer was wann wie blockiert und kritisiert hat und aus welcher Motivation heraus.


    Und vielleicht hätte es diesmal keinen Trump gegeben, aber irgendwann wäre sicher einer gekommen. Dafür haben sie zu konsequent daraufhin gearbeitet.

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    Mh, ich bin mir nicht sicher, einfach weil man dazu genau angucken müsste wer was wann wie blockiert und kritisiert hat und aus welcher Motivation heraus.

    ich habs doch schon erläutert: für viele angehörige der unteren mittelschicht war obamacare schlecht. aussenpolitisch konnte obama keiner reinreden und dennoch hat er dort viel murks gemacht. seine linksliberale identitätspolitik kam abseits der urbanen küstenstreifen nicht gut an. und die schwindsucht der demokratischen partei auf bundesstaatsebene während seiner präsidentschaft lässt sich auch nur schwerlich mit seiner hautfarbe erklären.

    Wie gesagt, ich bin da vorsichtig. Ich weiß nämlich nicht wer wann wo weshalb Stimmung gemacht hat und werde es nie rausfinden.


    Für den großen Systemwechsel hat es jedenfalls nicht gereicht, aber drunter wird es in amerika weder für die Unter- noch für die Mittelschicht in absehbarer Zeit erträglicher. Aber nachdem schon die ursprüngliche Form der Gesundheitsreform nicht durchsetzbar war, war ein Systemwechsel wohl noch weniger zu erwarten oder durchzusetzen. Ich glaube nicht, dass der Mann hätte viel richtig machen können. Weder aussenpolitisch noch innenpolitisch. Der Kahn sinkt, da kann man nur noch flickschustern oder endlich das Schiff wechseln.

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    dennoch kann man meiner meinung nach kaum abstreiten, dass es obama mit seiner moralischen überheblichkeit, seinem zur schau getragenen bildungsbürger-habitus und seiner linksliberalen identitäts-politik war, der den weg für trump bereitet hat.

    Ja, achgottchen. Wenn das eine Analyse sein soll, dann ist sie an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten. Im übrigen ist die Amtszeit des Barack Obama hinreichend dokumentiert, so dass ich hierzu nichts mehr schreiben will, zumal das auch hier im Faden schon des Langen und Breiten ausgewalzt wurde. Wenn man bei Obama nach einem roten Faden sucht, dann sieht der, grob gesprochen, so aus, dass er versucht hat, in allen wichtigen Fragen einen parteiübergreifenden Konsens herzustellen. Das war vermutlich ein Fehler. Jedenfalls gab es dafür von den Reps vor allem eins, nämlich auf die Fresse und zwar von Anfang an. Und selbstverständlich sind dort rassistische Töne gespuckt worden. Kann man alles nachlesen.

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    Es hat zumindest in der neueren amerikanischen Geschichte kaum einen Präsidenten gegeben, dem vom Tag des Amtsantritts an mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden als Obama.

    Wer hat ihm denn Knüppel zwischen die Beine geworfen?


    Dass die Opposition den Präsidenten hart kritisiert und immer gegen seine Vorhaben zu stimmt ist jetzt nicht ungewöhnlich. Das ergeht Trump doch nicht anders.


    Obama hatte auch die ersten zwei Jahre seiner Amtszeit die Mehrheit in beiden Kongresskammern.

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    diese ganze "alles schuld der rassisten"-these klingt für mich nach einer dieser "einfachen antworten", vor denen mich heribert prantl in der süddeutschen seit jahren warnt. :)D

    Mir kommt es allgemein so vor, dass seit Obamas Regierungszeit in den Medien überall "Rassismus" gegen Schwarze gewittert wird und sehr oft weissen US-Bürgern automatisch Rassismus unterstellt wird. Ob weissen Polizisten im Dienst, weissen Richtern und Staatsanwälten etc.


    Das ist sozusagen Rassismus gegen Weisse. Oder kommt mir das nur so vor?

    Ich wollte noch eine Anmerkung zu den ersten beiden Obama-Jahren machen, in denen er die Mehrheit im Kongress hatte. Es war mitnichten so, dass er während der zwei Jahre am Drops gelutscht und nichts gemacht hat. Es ist in diesen zwei Jahren tatsächlich ziemlich viel gemacht worden. Unter anderem sind zwei gigantische Konjunkturprogramme aufgelegt worden, ohne die in den USA wahrscheinlich die Lichter ausgegangen wären. Dazu gab es noch den ersten Teil der Gesundheitsreform und ein paar Sachen mehr. So moronig wie der Trump ist er jedenfalls nicht rumgehockt. Kann man alles nachlesen. So, jetzt isses aber definitiv gut.

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    Ja, achgottchen. Wenn das eine Analyse sein soll, dann ist sie an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten.

    das ist nicht meine analyse gewesen sondern das fazit, das ich aus einer ganzen reihe an von mir dargelegten argumenten zog. wenn du diese argumente allesamt ignorierst, und dann auch die chuzpe hast, mir oberflächlichkeit vorzuwerfen, ist in der tat hopfen und malz verloren. glaub von mir aus ruhig weiter an deine these, dass vor allem obamas hautfarbe und nicht etwa seine politik abgelehnt wurde.