Evoluzzer

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    Es geht mMn nicht darum, wo etwas auf der Welt am günstigsten hergestellt werden kann. Es geht PRIMÄR darum, dass Menschen, egal wo auf der Welt, einen Job haben, mit dem sie ihre Existenz bestreiten können.

    Wenn primär darum geht, dass Menschen, egal wo auf der Welt, einen Job haben, dann musst du zwangsläufig für Freihandel sein, denn


    wenn Trumps Zölle erfolgreich sind, verlieren Chinesische Stahlarbeiter ihre Jobs und amerikanische Verbraucher müssen mehr für den Stahl zahlen. Der höhere Stahlpreis gefährdet dann weitere Jobs in Amerika, weil die Amerikaner weniger Geld für andere Dinge haben.


    In einem Handelskrieg gibt es keine Gewinner, außer einzelnen, nationalen Konzernen und ihren Lobbys, denen die eingeführten Zölle "zufällig" nutzen. Die Allgemeinheit verliert auf beiden Seiten. In Fall der amerikanischen Stahlzölle verlieren sowohl Chinesen, als auch die Amerikaner. Die Frage ist lediglich, wer von beiden mehr verliert. Verlierer sind alle. Trump baut darauf, dass es die andere Seite mehr verlieren wird.

    Auch wenn ich mir wahrscheinlich wieder den Mund fusselig rede, aber ich schreib trotzdem mal was dazu...

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    Wenn primär darum geht, dass Menschen, egal wo auf der Welt, einen Job haben, dann musst du zwangsläufig für Freihandel sein

    Freihandel an sich ist nichts Schlechtes, das ist nicht das Problem, was ich an TTIP/CETA habe. Nur - es geht bei diesen Abkommen überhaupt nicht um Freihandel, das ist nur Ettikettenschwindel.

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    Dabei geht es nicht darum, für die Menschen das bessere herauszuholen, sondern für den Profit. Da werden schon mal soziale und wirtschaftliche Unterschiede gnadenlos missbraucht, da wird massiv an der Umwelt Raubbau betrieben. Da wird Menschen der Konsum massiv in die Köpfe gehämmert, da wird auf Leistung zu Lasten menschlichen Wohlergehens gedrückt ...

    Und den Menschen wird eingetrichtert, wenn sie dagegen sind, sind sie gegen Freihandel und gegen Arbeitsplätze und was weiß ich noch alles. Nur um Kritik gleich im Ansatz zu ersticken und die Kritiker gleich zu stigmatisieren. Aber das macht man in der heutigen Zeit ja gern...

    Ich würde unter Freihandel gerne eine globale soziale Marktwirtschaft verstehen, wo Waren frei gehanelt werden können, solange deren Herstellung in den Herkunftsländern unter den gleichen sozialen Standards und Umweltschutzauflagen erfolgt wie in den Empfängerländern.


    Andernfalls sollten Zölle erhoben werden, um den "Standortnachteil" Sozial- und Umweltstandards auszugleichen und einen diesbezüglichen Raubbau an den Ressourcen der Herkunftsländer zu verhindern.


    Ich denke, wenn ein Absatzmarkt wie die EU ihre Grenzen für Dumpingprodukte (also unter der Ausbeutung von Mensch und Umwelt im Preis gedrückte Waren) dicht machen würde, dann hätte das einen stärkeren Einfluss auf die Produktionsbedingungen als jahrzehntelange politische Verhandlungen.

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    Ich würde unter Freihandel gerne eine globale soziale Marktwirtschaft verstehen, wo Waren frei gehanelt werden können, solange deren Herstellung in den Herkunftsländern unter den gleichen sozialen Standards und Umweltschutzauflagen erfolgt wie in den Empfängerländern.


    Andernfalls sollten Zölle erhoben werden, um den "Standortnachteil" Sozial- und Umweltstandards auszugleichen und einen diesbezüglichen Raubbau an den Ressourcen der Herkunftsländer zu verhindern.


    Graue Socke

    So hätte ich das auch gerne. Heißt aber auch, keine subventionierten EU-Agrarüberschüsse mehr nach Afrika liefern und dort den Bauern das Leben damit schwer machen.


    Dann muss der Deutsche eben mal wieder mehr für Lebensmittel bezahlen und kann sich nicht das neueste und teuerste Smartphone leisten (welches auch nur wieder unter Dumpinglöhnen hergestellt wurde... ). Böser Kapitalismus.

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    Dann muss der Deutsche eben mal wieder mehr für Lebensmittel bezahlen

    Völlig richtig. Ich wäre dafür, daß der Wert der Lebensmittel wieder mehr geschätzt würde.


    Allerdings... das würde auch die Sozialkosten in die Höhe treiben, weil die Regelsätze des Grundbedarfs entsprechend steigen müßten.

    Bin voll bei Socke und Evoluzzer.

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    Ich denke, wenn ein Absatzmarkt wie die EU ihre Grenzen für Dumpingprodukte (also unter der Ausbeutung von Mensch und Umwelt im Preis gedrückte Waren) dicht machen würde, dann hätte das einen stärkeren Einfluss auf die Produktionsbedingungen als jahrzehntelange politische Verhandlungen.

    Regelt das Problem garantiert binnen weniger Monate. Es würde ja schon helfen wenn das mal für den Verbraucher transparent gemacht werden würde. Am liebsten häte ich ja ein Siegel für alles um den ganzen privaten Kram auf dem Markt grundsätzlich überflüßig zu machen, sofern man nicht bei Vollmon von Jungfrauen gepflückte Blümchen wünscht. Ein Siegel, drei Segmente in Ampelfarben. Gesundheit, Umwelt, Soziales und das bitte danke in Ampelfarben und staatlich sowieso unangekündigt kontrolliert. Solange der Verbraucher beim Siegelschwindel ständig auf dem laufenden bleiben muss, darf man sich nicht über eine gewisse Müdigkeit in Punkto "Verantworlicher Konsument" wundern.

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    Solange der Verbraucher beim Siegelschwindel ständig auf dem laufenden bleiben muss, darf man sich nicht über eine gewisse Müdigkeit in Punkto "Verantworlicher Konsument" wundern.

    Damit würdest Du allerdings nur die Zweifelnden dazu bewegen, sich zu beteiligen. Also, die Transparenz allein würde m.E. nicht viel ändern. Geiz ist für die meisten immer noch geil, solange man persönlich nicht im Überfluß lebt. Verstehe ich auch.

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    Graue Socke


    Ich würde unter Freihandel gerne eine globale soziale Marktwirtschaft verstehen, wo Waren frei gehandelt werden können, solange deren Herstellung in den Herkunftsländern unter den gleichen sozialen Standards und Umweltschutzauflagen erfolgt wie in den Empfängerländern.


    Andernfalls sollten Zölle erhoben werden, um den "Standortnachteil" Sozial- und Umweltstandards auszugleichen und einen diesbezüglichen Raubbau an den Ressourcen der Herkunftsländer zu verhindern.

    Das wäre vernünftig. Und genau aus dem Grunde wird es SO nicht kommen. Leider....

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    Allerdings... das würde auch die Sozialkosten in die Höhe treiben, weil die Regelsätze des Grundbedarfs entsprechend steigen müßten.

    Na, man könnte man ja die überhitzten Mieten angehen. Dann würde sich das halten lassen. Und der Grundbedarf ist in seiner Berechnungsweise eh fragwürdig.

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    Damit würdest Du allerdings nur die Zweifelnden dazu bewegen, sich zu beteiligen. Also, die Transparenz allein würde m.E. nicht viel ändern. Geiz ist für die meisten immer noch geil, solange man persönlich nicht im Überfluß lebt. Verstehe ich auch.

    Das erlebe ich anders, könnte natürlich aber auch Filterblase-Problem sein. Viele die ich kenne und die lange wirklich bemüht waren gute Produkte zu kaufen haben inzwischen aufgegeben, weil sie sich so verarscht fühlen. wieso die Kleidung von Primark? United Benetton produziert ja auch nicht anders, ist also auch egal. Wieso die billige Schokolade? Na, Rainforest Alliance hat ja die Standards auch gesenkt und überhaupt, was sich da alles bio nennen darf, lohnt doch nicht.


    Selbst im Punkto Individualverkehr kenne ich diese Argumentationslinie. "Wieso soll ich mich durch den beschissenen Öffi-Verkehr quälen, wenn sie einfach nur immer weiter dafür sorgen, dass die LKWs auf der Straße sind und die Waren nicht auf der Schiene landen?"


    Und ich kann die Leute verstehen. Wenn morgen die Damen und Herren von Gepa beschließen ihre Ideale in den Wind zu schießen und einfach auf Teufel komm raus Geld zu verdienen, dann können die ihre Produktionsstandards drastisch senken und ich werde die letzte sein die es erfährt. Bis dahin sind die entsprechenden Personen unglaublich reich und selbst wenn es rauskommt, werden die am Ende straffrei ausgehen oder sie zahlen eine lächerlich kleine Strafsumme.


    Aber im Zweifelsfalle bin ich als verbraucherin dann verantwortlich, weil "der Verbraucher will diese oder jene Produkte ja so". Ich denke der Trend zu regionalen Sachen zeigt sehr deutlich, dass schon viele Leute bereit sind mehr Geld auszugeben, aber vom Biomarkt sehr enttäuscht sind.

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    Das wäre vernünftig. Und genau aus dem Grunde wird es SO nicht kommen. Leider....

    Aber genau damit hätte sich ein Scheiss-auf-Konventionen-Typ wie Trump mal positiv profilieren können - Protektionismus nicht nach dem Motto "Mimimi, alle sind gegen mich!" sondern "Wir schützen unsere Standards!"




    However, egal ob von staatlicher oder Verbraucherseite - um in diese Richtung zu gehen, führt kein Weg an einer global agierenden, unabhängigen Zertifizierungsstelle vorbei, die überprüft, ob die Produktionsbedingungen und die Bezahlung den festgelegten Standards entspricht und dann die Warenkennzeichnung bzw. Einfuhrbeschränkungen möglich macht.

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    egal ob von staatlicher oder Verbraucherseite - um in diese Richtung zu gehen, führt kein Weg an einer global agierenden, unabhängigen Zertifizierungsstelle vorbei, die überprüft, ob die Produktionsbedingungen und die Bezahlung den festgelegten Standards entspricht und dann die Warenkennzeichnung bzw. Einfuhrbeschränkungen möglich macht.

    und weil von den entscheidungen dieser zertifizierungsbehörde riesige summen in zwei- bis drei-stelliger milliardenhöhe abhängen, wird es niemals gelingen, massive korruption in dieser behörde zu verhindern.


    nein, ich bin da bei sensibelman und danae: je größer und zentralistischer die strukturen, desto schwerfälliger, manipulierbarer und korrumpierbarer.

    Und vor allem würde diese Form der globalen Zusammenarbeit ja wieder einen nicht unerhebliche Abgabe von Kompetenzen (oder zumindest einen Einblick/Eingriff in national-interne Vorgänge) beduten, und Gott bewahre, das können wir nicht haben, nicht mal wenn es den Menschen dient.