Das Lebenspartnerschaftsgesetz gibt es in Deutschland schon fast genauso lange. Zu den Erfahrungswerten mit diesem Gesetz habe ich aus den Medien allerdings nichts gehört.


    Wobei ich mir im Zusammenhang mit der Ehe unter "länger" etwas mehr vorstelle als eine Zeitspanne von unter zwanzig Jahren.

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    Mein Scheidungsprozess hat exakt zwanzig Minuten gedauert.

    Der Schlussakkord! Und die Unterschrift ging noch schneller, vielleicht nur fünf Sekunden.

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    Für uns (kinderlos) war das Zusammenziehen eine viel größere Sache als das Heiraten.

    Da ist nichts gegen zu sagen. Neben der materiellen Dimension gibt es die emotionale.


    Meine frühere Freundin bot sich als Nichttrinkerin regelmäßig als Fahrerin an, wenn mal wieder eine feuchtfröhliche Feier anstand. Ich hatte schon einen ordentlichen Stiefel intus, als sie mich an meiner Tür absetzte. Dann fragte sie, ob wir uns zusammentun sollen. Ich nickte nur wortlos. In der Rückschau war das ohne Zweifel für mich die größte Sache. Dennoch war die Heirat mit ihren Rechten und Pflichten sozusagen das Siegel, das uns beiden Sicherheit bot.

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    Dennoch war die Heirat mit ihren Rechten und Pflichten sozusagen das Siegel, das uns beiden Sicherheit bot.

    Da ist doch auch überhaupt nix gegen zu sgaen, Belafonte, und ich freue mich für euch, wenn das für euch alles klappt und prima ist. Andere gewichten das halt anders. Es ist doch überhaupt kein Problem, dass es für Dich ist, wie es ist, es ist nur ein Problem, wenn Du es verallgemeinerst und so tust, als wäre das keine persönliche Empfindung, sondern gottgegeben oder ein Naturgesetz.

    Belafonte,

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    Wir müssen gewiss nicht darüber diskutieren, dass eine Ehe die denkbar stärkste Form der Partnerbeziehung ist. Dahinter steht die Absicht, überstürzte Trennungen aus irgendwelchen Launen heraus zu erschweren. So manche/r gewinnt Zeit zum Nachdenken, dass es eben doch weitergehen kann. Der Kehrschluss ist, dass eine nicht-eheliche Verbindung einfacher gelöst werden kann.

    Doch, über den von mir hervorgehobenen Satz muss man diskutieren. Der ist nämlich völliger Quatsch. Glaubst du wirklich, die Leute heiraten nur deshalb, damit sie bei Problemen Zeit haben zu überlegen, ob eine Trennung sinnvoll ist? Du traust den Menschen wirklich wenig zu. Natürlich ist eine nicht-eheliche Verbindung leichter zu lösen, aber das macht man nicht mal einfach nur so. Da spielen die gleichen Gefühle wie bei einer Ehe eine Rolle. Aber wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr. Ehe hin oder her.


    Ich finde es richtig übel, wie du die Ehe auf ein Podest stellst. Ist ja schon fast sektenmäßig.

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    Doch, über den von mir hervorgehobenen Satz muss man diskutieren. Der ist nämlich völliger Quatsch.

    Ich darf nicht müde werden, meinen Satz zu verteidigen. Die "denkbar stärkste Form" ergibt sich aus der Summe einer emotionalen Bindung, der "Romeo-und-Julia-Bindung", und der rechtlichen Bindung. Also die Summe macht es, eins plus eins.

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    Ich finde es richtig übel, wie du die Ehe auf ein Podest stellst.Ist ja schon fast sektenmäßig

    Du darfst mir gerne widersprechen, aber bitte nicht mit einer Benotung wie beim Eistanz sondern mit einem Hinweis auf Denkfehler. Aber darauf warte ich in diesen Faden bisher vergeblich.

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    Aus der Perspektive desjenigen, der verlassen wird, gibt einem die Ehe ein Gefühl der Sicherheit, dass es so schnell nicht geht.

    Das Endergebnis ist doch das gleiche, nur gegebenenfalls mit mehr Quälerei vorher. Und weshalb sollte ich jemanden an meiner Seite wollen, der
    a) mich gar nicht mehr wirklich will, und
    b) von so trägem Wesen ist, dass er trotzdem noch eine Weile länger mit mir rumhängt, weil er vor den Anstrengungen einer Scheidung zurückscheut?


    Also - ich weiß ja, dass es Leute gibt, die das noch unter "Beziehung" und "besser als nichts" verbuchen. Ich verstehe das nicht. Tausend Mal lieber Single als kaputte Beziehung.

    Diese Einstellung hatte ich in meiner Jugend ebenfalls. Und selbstverständlich ist daran nichts verkehrt, auch wenn ich es heute etwas relativiere.


    Denn leider musste ich die Erfahrung machen, die Welt ist nicht so, wie ich sie gerne hätte, und das Leben ist ein Kompromiss. Man muss sich häufig für das kleinere Übel entscheiden, weil das große Gute nicht zur Auswahl steht.


    Und die Frage, ob man lieber in einer kaputten Beziehung oder als Single vor sich hinvegetieren möchte, ist für mich eine Frage nach dem kleineren Übel.


    :)D

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    Denn leider musste ich die Erfahrung machen, die Welt ist nicht so, wie ich sie gerne hätte, und das Leben ist ein Kompromiss. Man muss sich häufig für das kleinere Übel entscheiden, weil das große Gute nicht zur Auswahl steht.

    Würdest du wirklich eine Beziehung tolerieren, in der dich deine Partnerin nur erträgt?

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    Und die Frage, ob man lieber in einer kaputten Beziehung oder als Single vor sich hinvegetieren möchte, ist für mich eine Frage nach dem kleineren Übel.

    Uff. Für mich wäre das eher Anlass zu der Frage, was bei mir gerade so richtig unrund läuft und wie ich das wieder hinbiege. Wieso "als Single vor sich hinvegetieren"? Meine Mutter ist nach dem Tod meines Vaters keine Beziehung mehr eingegangen, und ihr geht es verflixt gut, sie reist viel, wuselt wild durch die Gegend, und als meine Schwester sie mal gefragt hat, ob sie gern wieder jemanden hätte, da sagte sie: "Na, wenn ich mich verlieben sollte, dann wärs halt so, aber ich bin ganz froh, wenn nicht ... ich hätte überhaupt keine Ahnung, wo ich die Zeit für einen Mann hernehmen sollte."
    Wenn man ohne Beziehung vor sich hinvegetiert, dann ist da etwas in Schieflage, und ich glaube, dass man dann auch IN einer Beziehung Schwierigkeiten hat. Der andere kann das ja nicht auffangen, das muss man schon selbst tun, das ist die eigene Verantwortung. Und ganz ehrlich, ich würde niemanden, den ich angeblich gernhabe, damit belasten wollen, indem ich mich an ihn kralle, damit er notdürftig kompensiert, dass ich mit mir selbst nicht klarkomme. Und ich würde mir jemanden, der das so bei mir versucht, auf gar keinen Fall ans Bein binden, ich bin doch nicht verrückt und lasse mir mein Leben versauen? Wenn ich jemanden liebe und unbedingt mein Leben mit ihm verbringen will et vice versa, und es geht ihm nicht gut, dann ist das was völlig anderes, aber jemand, der eine kaputte Beziehung mit mir als das kleinere Übel dem Alleinsein gegenüber empfindet ... das hat mit Liebe nichts zu tun, das ist eher eine Beziehung, wie ein Blutegel sie mit einem nackten Bein führt. Und ich habe es schon beobachtet, dass Leute tatsächlich sozusagen sich an jemanden drangehängt haben, DAMIT es ihm auch schlechtgeht. Eine kaputte Beziehung krampfhaft aufrechtzuerhalten, obwohl der andere eigentlich lieber gehen will, kann auch ziemlich große Anteile an Verachtung und Hass beinhalten, so ein "wenn es mir nicht gut geht, dann soll es dir auch nicht gutgehen!" Und ganz ehrlich - dann muss man sich nicht wundern, dass das nicht hinhaut und für alle beteiligten, auch einen selbst, zu einer sehr schrecklichen Lebenserfahrung wird.

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    Diese Einstellung hatte ich in meiner Jugend ebenfalls.

    Deine jetzige Einstellung hat nichts mit abgeklärter Altersweisheit zu tun. Das ist einfach nur ... irgendwie kaputt. Und sehr traurig. Ich würde Dir wirklich wünschen, dass Du dem Leben deutlich mehr abgewinnen und Deine eigene Gesellschaft mehr schätzen könntest.

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    Für mich wäre das eher Anlass zu der Frage, was bei mir gerade so richtig unrund läuft und wie ich das wieder hinbiege. Wieso "als Single vor sich hinvegetieren"? Meine Mutter ist nach dem Tod meines Vaters keine Beziehung mehr eingegangen, und ihr geht es verflixt gut, sie reist viel, wuselt wild durch die Gegend, und als meine Schwester sie mal gefragt hat, ob sie gern wieder jemanden hätte, da sagte sie: "Na, wenn ich mich verlieben sollte, dann wärs halt so, aber ich bin ganz froh, wenn nicht ... ich hätte überhaupt keine Ahnung, wo ich die Zeit für einen Mann hernehmen sollte."


    Wenn man ohne Beziehung vor sich hinvegetiert, dann ist da etwas in Schieflage, und ich glaube, dass man dann auch IN einer Beziehung Schwierigkeiten hat. Der andere kann das ja nicht auffangen, das muss man schon selbst tun, das ist die eigene Verantwortung. Und ganz ehrlich, ich würde niemanden, den ich angeblich gernhabe, damit belasten wollen, indem ich mich an ihn kralle, damit er notdürftig kompensiert, dass ich mit mir selbst nicht klarkomme. Und ich würde mir jemanden, der das so bei mir versucht, auf gar keinen Fall ans Bein binden, ich bin doch nicht verrückt und lasse mir mein Leben versauen? Wenn ich jemanden liebe und unbedingt mein Leben mit ihm verbringen will et vice versa, und es geht ihm nicht gut, dann ist das was völlig anderes, aber jemand, der eine kaputte Beziehung mit mir als das kleinere Übel dem Alleinsein gegenüber empfindet ...

    Du argumentierst von vorne bis hinten so, wie ich mich entschieden habe.


    Deine Botschaft ist folglich: Ich habe alles richtig gemacht.

    Sprich, Du hast Dich getrennt? Für mich klang das bisher anders, aber das kann auch an Vorurteilen meinerseits liegen, dann habe ich

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    Aus der Perspektive desjenigen, der verlassen wird, gibt einem die Ehe ein Gefühl der Sicherheit, dass es so schnell nicht geht.

    vermutlich falsch interpretiert.


    Ja, wenn Du lieber Single bist, als an einer völlig kaputten Beziehung festzuhalten, dann finde ich das fairer und auch klüger. Nur dass Du dann "vor Dich hinvegetierst", so oder so, das klingt nichtsdestotrotz echt hart.

    Das ist etwas ot. Vor einiger Zeit haben wir bei einer Feier neben einem, uns zunächst unbekannten, Frauenpärchen gesessen. Später am Abend haben wir so über das, damals ganz neue, Ehe-für-alle Gesetz gesprochen und ich habe die eine von beiden gefragt, ob sie denn jetzt heiraten wollen und sie meinte, erstmal nicht. Und ich sagte, das kann ich verstehen bei uns hat es auch sehr lange gedauert bis wir geheiratet haben.


    Es war so schön. Eine ganz normale Unterhaltung an einem schönen Abend, über so Beziehungs- und Heiratsachen. Keine Unterschiede, nur das das eine Pärchen halt Frau+Frau war. Und das war auf dem konservativen Land und meine Kumpels, so kam es mir vor, ham die voll akzeptiert. Sogar meine Mutter. So stelle ich mir das 21. Jahrhundert vor.