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    Huch! Man hole einen Spaten herbei, ich wurde unter den frisch gestaunten Bauklötzen begraben!

    Da ist Selbstbefreiung angesagt, ohne Spaten. Die beginnt damit, sich nicht mit zusammengewürfelten Klötzen von Zitaten die Sicht zu versperren. Dein Ansatz dazu ist schon vielversprechend:

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    So wie es gut ist, dass es Küchenmesser gibt, aber wenn man mit einem davon erstochen wird, wars für einen persönlich doch eher scheiße.

    Das unterliegt dem "Handicap-Prinzip". Aber warum gleich so martialisch? Schon Darwin schwante es, dass eine Auslese nie vollkommen ist. Ob er an die Homosexualität gedacht hatte, bleibt dahingestellt. Auf jeden Fall reichten Zeit und Ressourcen für die Ausprägung der Paar-Geschlechtlichkeit, trotz der Handicaps: Warum die Verschwendung zur Ausprägung eines bunten Gefieders bei Paradiesvögeln? Der Hahn könnte einfach kraftstrotzend vor der Henne auf- und ab marschieren, um sie zu beeindrucken. Das wäre aber kein echtes Signal! Da muss er schon mehr bieten und sich notfalls mit Rivalen auseinandersetzen. Chance und Risiko scheinen da untrennbar zu sein.

    Belafonte

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    Schon Darwin schwante es, dass eine Auslese nie vollkommen ist. Ob er an die Homosexualität gedacht hatte, bleibt dahingestellt. Auf jeden Fall reichten Zeit und Ressourcen für die Ausprägung der Paar-Geschlechtlichkeit, trotz der Handicaps

    Du weißt aber schon, dass es Homosexualität nicht erst seit 2017 gibt, gell? ;-D


    Wenn es Homosexualität schon so lange gegeben hat, wie Heterosexualität, dann hat die Evolution doch recht gehabt, oder?

    Das ist so irrsinnig. Als ob nur Dinge eine Berechtigung hätten die hinsichtlich eines evolutionären Vorteils gut zu bewerten wären. Da wären wir ja in nullkommanichts wieder bei der Euthanasie, denn welchen evolutionären Vorteil bieten wollen Behinderungen? Und wie rechtfertigen wir dann medizinische Behandlungen? Das ist alles Blödsinn.


    Es gibt Homosexualität. Sie kommt bei sovielen verschiedenen Arten vor, dass man nicht davon ausgehen kann, dass es sich um eine kulturelle Sache handelt, man kann also niemanden dazu erziehen. Also müssen wir einen Umgang damit finden. Wir müssen nicht jubeln, nicht feiern, oder sonst was, aber einen normalen Umgang finden. Um Homosexuellen den Zugang zu einer Rechtsform zu verweigern müssten wir, damit das grundgesetzkonform wird, Homosexuellen die Menschlichkeit aberkennen. Kann niemand wirklich wollen, dass wir das wieder anfangen.


    Schade finde ich das der Beitrag zur Homophobie aus sicht eines Betroffenen in dieser albernen Evolutionsdebatte untergangen ist. Daher noch einmal von mir Paul Klings Beitrag:

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    Phobien sind ja erstmal Ängste, nicht Feindseligkeiten. Da ich selbst unter einer leichten, wenn auch nicht zur Feindseligkeit ausgebauten Homophobie leide, kann ich das vielleicht so erklären: Angst macht, was an Verletzungen erinnert (gleichgeschlechtliche sexuelle Übergriffe durch Männer) oder nicht durch Ausprobieren abgebaute soziale Rollenunsicherheiten berührt (die gelegentlich empfundene sexuelle Attraktivität des eigenen Geschlechts). Das erste unterscheidet Menschen und Tiere nicht (auch Tiere können traumatisiert sein), das zweite, da es um soziale Rollen geht, ist spezifisch für menschliche Gesellschaften.

    Aber der Begriff ist ja nicht zufällig gewählt. Ich würde sagen, dass er nahe legt, dass die Aggressionen Homosexuellen gegenüber aus Angst vor ihnen geboren ist. Das wäre nicht so selten, also das Angst in Aggressionen umschlägt. Nun wäre halt interessant ob der Ablehnung wirklich Ängste zu Grunde liegen. Deshalb fand ich den Beitrag interessant.

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    Das ist so irrsinnig. Als ob nur Dinge eine Berechtigung hätten die hinsichtlich eines evolutionären Vorteils gut zu bewerten wären.

    Ich denke nicht, dass hier jemand Zweifel an der Berechtigung der Homosexualität geäußert hat.


    Im Wesentlichen ging es tatsächlich um das Thema "Ehe für alle". Der Ehebegriff ist heute ein anderer, meines Wissens erstmals in der Geschichte.

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    Schade finde ich das der Beitrag zur Homophobie aus sicht eines Betroffenen in dieser albernen Evolutionsdebatte untergangen ist.

    Das war ein bemerkenswerter Beitrag! Er spricht im Kern die Rollenunsicherheit an. Das geht aber beide Seiten an! Weiter oben beschrieb ich ein persönliches Erlebnis. Als junger Bursche hatte ich einen Dienstauftrag in einem "Vergnügungsviertel" zu erledigen und geriet an ein Schwulenpaar, das keine große Distanz untereinender hielt. Ich selber fühlte mich wie ein Freund des Hauses angesprochen. So ging das natürlich nicht. Viel gewonnen wäre mit einem pfleglichen Rollenverhalten, aber viel Zustimmung erntete ich hier mit dieser Einstellung bisher nicht.

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    Aber der Begriff ist ja nicht zufällig gewählt. Ich würde sagen, dass er nahe legt, dass die Aggressionen Homosexuellen gegenüber aus Angst vor ihnen geboren ist. Das wäre nicht so selten, also das Angst in Aggressionen umschlägt. Nun wäre halt interessant ob der Ablehnung wirklich Ängste zu Grunde liegen. Deshalb fand ich den Beitrag interessant.

    Aber mal im Ernst ... wovor sollte man denn da bitte Angst haben ? Mit welcher Begründung ? Was soll Homosexualität - noch dazu die anderer, es geht ja nicht mal um die eigene Sexualität - in einem Ankratzen, dass Unsicherheit und Angst verursacht ?


    Und ja, schon klar, Ängste haben idR nicht die Angewohnheit, sonderlich rational zu sein. Und trotzdem - normalerweise machen die meisten Ängste irgendwie Sinn. Angst vor beengten Räumen. Höhenangst. Angst vor Spinnen. Angst im Dunkeln. Alles irgendwie objektiv nachvollziehbar. Aber Homophobie ?

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    Der Ehebegriff ist heute ein anderer, meines Wissens erstmals in der Geschichte.

    Äh, nö ? Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sich die Ehe aus dem Jahre 1156 doch ziemlich krass von der Pre-Ehe für alle-Ehe von 2016 unterscheidet. Außer du legst den Fokus wieder bloss aufs Kinderkriegen und die Geschlechterbinarität.

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    ..in dieser albernen Evolutionsdebatte untergangen ist....

    Das ist Schade, dass du so denkst. Ich habe das ja angestoßen und fand es durchaus interessant darüber nachzudenken.

    Ich fand diese Diskussion auch eher blödsinnig.


    Wer nach dem evolutionären Sinn fragt, müsste eigentlich auch darüber nachdenken, welche Konsequenzen es hat, wenn man diese Frage mit Nein beantwortet.


    Denn es ist nun mal Quatsch, eine Frage zu stellen, die man von vornherein mit Ja beantwortet.



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    Angst macht, was an Verletzungen erinnert (gleichgeschlechtliche sexuelle Übergriffe durch Männer) oder nicht durch Ausprobieren abgebaute soziale Rollenunsicherheiten berührt (die gelegentlich empfundene sexuelle Attraktivität des eigenen Geschlechts).

    Bemerkenswert finde ich daran die zweite Möglichkeit: Angst macht, was nicht durch Ausprobieren abgebaute soziale Rollenunsicherheit berührt.


    Denn es ist so: In der Zeit des Übergangs vom Kind zum Jugendlichen verändern sich die Rollen.


    Jungs haben aus dieser Rollenunsicherheit heraus zunächst eine unreflektierte emotionale Abwehr, die sich in politisch nicht unbedingt korrekten Äußerungen gegenüber Mädchen ("iih ein Mädchen") oder anderen Jungen ("bist Du schwul, oder was?") zeigt, wenn ihnen in dieser Phase der sozialen Neuorientierung jemand zu nahe kommt.


    Wer sich in diesem Alter nicht ausreichend ausprobieren kann und damit diese Rollenunsicherheit abbaut, wird als Erwachsener dann eventuell als Frauenhasser oder Homosexuellenhasser abgestempelt.

    immer wieder nett den Faden hier zu verfolgen.


    Da wird einem wenigsten mal richtig klar in welcher abstrusen Welt so mancher Mitbürger so verweilt.


    Da war meine langer Diskurs mit einem Mitglied der "charismatischen Bewegung" ja noch harmlos, erinnert mich trotzdem immer wieder an unseren lieben Belafonte o:)


    Was bin ich froh, dass die Politik hier besseren Rat wusste.

    Irgendwie hängt doch alles mit allem zusammen. Wenn es um menschliches Verhalten geht, hier um menschliches Paarverhalten und gesetzliche Regelungen dazu, dann ist auch die Evolution nicht fehl am Platze. Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass diese, für welche Probleme auch immer, viel zu wenig ins Kalkül gezogen wird. Sehr viel öfter als mensch denkt, ist sie nämlich ursächlich und bestimmend für gewünschtes oder ungewünschtes Verhalten. Wobei es nicht die Evolution als solche ist, sondern der Status quo unserer Gehirne, nämlich wie sie funktionieren, und aus der biologischen Nummer kommt keiner raus, da kann sich einer einbilden oder auch ignorieren, was er/sie/es will.


    Allerdings halte ich es für wenig zielführend, Einzelschicksale als Erklärungsversuche für etwas Allgemeineres anzuführen.


    Homophobie hin oder her, müssten da nicht sehr viel mehr Frauen unter einer Männerphobie leiden?


    Und was genau steckt hinter einer Homophobie? Die Angst, ungewollt einen Penis in den Hintern gesteckt zu bekommen, oder die Angst, danach als sozial geächtet dazustehen?


    Was das nun mit Ehe-für-Alle zu tun hat? Wir versuchen uns Anfeindungen der Ehe-für-Alle zu erklären, da darf man dann auch schon mal ausholen oder eine Meta-Ebene betreten, sonst bleiben wir ja so dumm wie wir sind.


    Dumm genug, sind wir nämlich, sonst hätten wir mit dem biologischen Phänomen Homosexualität nicht so viele Probleme.


    Was uns Probleme macht, ist unser Denken und nicht ein Schwanz, der in einem männlichen Anus landet.