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    Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Ehe für alle auch alleinstehende Heterosexuelle eine Ehe eingehen werden, wenn sie sich gut verstehen, nicht mehr auf einen gegengeschlechtlichen Partner hoffen und im Alter nicht alleine sein wollen. Und sich die Vorteile einer Ehe sichern wollen.

    Interessant. Friendship with benefits. Wobei sich die benefits dann gerade nicht auf Sex beziehen.


    Das Potenzial ist erheblich: Alle Singles. Das ist definitiv eine viel größere Grundgesamtheit als die Gruppe der Homosexuellen.

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    Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Ehe für alle auch alleinstehende Heterosexuelle eine Ehe eingehen werden, wenn sie sich gut verstehen.... Versorgungsehen hat es schon immer gegeben. Warum sollten zwei gute Freundinnen nicht heiraten, wenn es Vorteile bringt? Dazu müssen sie nicht homosexuell sein. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass bei Männern da die Hemmschwelle größer ist als bei Frauen.

    Ich weiß nicht, wie viele Ehepaare in einem bestimmter Alter noch Sex haben. Umfragen hierzu sind mit Vorsicht zu genießen. Und eine homosexuelle Neigung wird wohl kein Standesbeamter erfragen wollen.


    Dass dies überwiegend Frauen wären, würde ich aus dem Bauch heraus bestätigen.

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    und in Österreich kam nun der Verfassungsgerichtshof der Politik zuvor, schön zu sehen dass die Gewaltenteilung einwandfrei funktioniert ;-)

    Ich bin ganz Deiner Meinung. ;-)


    Die Befürworter der "Ehe für alle" jubeln, und ihnen ist es egal, wenn der politische Weg auf dem die "Ehe für alle" eingeführt wurde, nicht so ganz einwandfrei war.


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    und in Österreich kam nun der Verfassungsgerichtshof der Politik zuvor, schön zu sehen dass die Gewaltenteilung einwandfrei funktioniert.

    Gewaltenteilung? Ich dachte immer die Gesetzgebung obliegt dem Parlament und nicht der Justiz. Im Parlament wurde die "Ehe für alle" (oder real eigentlich "Ehe für Homos") demokratisch erst vor kurzem abgelehnt. Eine handvoll Richter hebelt nun diese demokratische Entscheidung aus. ???

    Es ist weder "Ehe für alle" noch "Ehe für Homos". Es ist gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare wie für Ehepaare.


    Nach Ansicht des Gerichts darf über diese Frage nicht politisch entschieden werden, weil ein Eherecht, das Ehepaaren andere Rechte gibt als gleichgeschlechtlichen Paaren, nicht zu einer Republik passt, in der es gleiche Rechte für alle Bürger gibt.

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    Gewaltenteilung? Ich dachte immer die Gesetzgebung obliegt dem Parlament und nicht der Justiz. Im Parlament wurde die "Ehe für alle" (oder real eigentlich "Ehe für Homos") demokratisch erst vor kurzem abgelehnt. Eine handvoll Richter hebelt nun diese demokratische Entscheidung aus.

    Genau ist IST Gewaltenteilung. Die Richter hebeln ja nicht eine demokratische Entscheidung aus, sie sagen nur, dass diese Entscheidung im Widerspruch zu anderen Entscheidungen steht, und zwar solchen, die in der Verfassung festgelegt wurden und welche zu ändern eine 2/3 Mehrheit erfordert. Auch das Parlament ist an die Verfassung gebunden und darf nicht gegen die Verfassung entscheiden. U.a. um das zu gewährleisten gibt es die Gewaltenteilung, so dass der eine die Machenschaften der anderen unter die Lupe nehmen kann und ggf. sagt: "So nicht, mein Freundchen."

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    Nach Ansicht des Gerichts darf über diese Frage nicht politisch entschieden werden, weil ein Eherecht, das Ehepaaren andere Rechte gibt als gleichgeschlechtlichen Paaren, nicht zu einer Republik passt, in der es gleiche Rechte für alle Bürger gibt.

    Dann ist die Wehrpflicht in Österreich auch verfassungswidrig, weil sie ja nur für Männer gilt und Frauen davon befreit sind?

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    Die Richter hebeln ja nicht eine demokratische Entscheidung aus, sie sagen nur, dass diese Entscheidung im Widerspruch zu anderen Entscheidungen steht, und zwar solchen, die in der Verfassung festgelegt wurden und welche zu ändern eine 2/3 Mehrheit erfordert.

    Aber das heisst doch, dass eine handvoll Richter per Urteil eine neue Definition von "Ehe" einführt, gegen den demokratischen Willen des Volkes, der sich im Parlament erst vor wenigen Wochen geäussert hat?

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    Dann ist die Wehrpflicht in Österreich auch verfassungswidrig, weil sie ja nur für Männer gilt und Frauen davon befreit sind?

    Zum Glück sind Verfassungsrichter gut ausgebildete und erfahrene Juristen, die sich in den Strukturen der verfassungsrechtlich gemeinten Rechtehierarchien auskennen. Sie erkennen so auch, dass der Einzug in eine Ehe und der Einzug an eine Kriegsfront unterschiedlicher Abwägungen bedarf, so dass in einem Fall die Geschlechterfrage nachrangig, im anderen vorrangig ist.


    Natürlich wäre auch eine Verfassung denkbar, die die Gleichheit der Geschlechter über alles stellt. In so einem Land müssen dann Frauen aus Prinzip auch an die Front. Aber die von Österreich und auch von Deutschland hat eine andere Feinjustierung.

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    Aber das heisst doch, dass eine handvoll Richter per Urteil eine neue Definition von "Ehe" einführt, gegen den demokratischen Willen des Volkes, der sich im Parlament erst vor wenigen Wochen geäussert hat?

    Ich denke, Zauberfee, dass sich die Richter dieser Interpretation dessen, was sie getan haben, nicht anschließen werden. Aus ihrer Sicht, so vermute ich, haben sie lediglich die bestehende Definition angeschaut und gesagt, dass es verfassungswidrig ist, einem homosexuellen Paar das, was sie beim Anschauen gesehen haben, zu verweigern.


    Ein extremes Beispiel, das du sicher nachvollziehen kannst: Angenommen, das Parlament hätte mit demokratischer Mehrheit beschlossen, eine Minderheit, die sich nicht durchsetzen konnte, zu eliminieren. Ist ja nicht so, dass sowas noch nicht vorgekommen ist. Da braucht es einfach die Justiz, die sagt: "Hey, geht nicht. Punkt." Ist ja nicht die private Meinung einer Handvoll Richter. Stell dir vor, was Donald Trump am liebsten alles aushebeln würde. Geht auch nicht.