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    Es kommt - mal wieder - nicht auf die sexuelle Orientierung an, sondern auf die Verantwortung für Kinder.

    und an dieser stelle ist es auch völlig unverständlich, warum zwischen verheirateten menschen, und nicht verheirateten menschen (in beiden fällen mit kindern) unterschiede gemacht werden.

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    Einen Eltern-Vertrag? :-/ oder elterliche Erweiterung der Ehe ":/

    eine entkoppelung der absicherungsmöglichkeiten, die der familiengründung dienen, von dem konzept "ehe".


    "eltern- vertrag" klingt gut.


    sollte auch für patchworkfamilien möglich sein und von der "biologischen elternschaft" somit getrennt, sondern den realitäten der einzelnen familien angepasst.

    mond+sterne

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    bin ich dagegen, die Menschheit in Homosexuelle und Heterosexuelle einzuteilen.

    Evoluzzer

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    dass die Ehe ein menschliches Konstrukt ist, welches schon immer Veränderungen unterworfen war. (...) ein Mini-Gesellschaftsvertrag mit vielen Funktionen.

    Nur dass die Ehe auf andere Weise konstruiert ist als Homo- und Heterosexualität. Der Kern mit dem auf Dauer gemeinsamen Haushalt als Grundlage des Aufziehens von Kindern ist Jahrtausende alt. Sie ist auf jeden Fall viel älter als die im Moment gerade aktuelle Vorstellung, dass ein Mensch irgendwie in seinem inneren Wesen, vielleicht in seinen Genen, eine sexuelle Orientierung hat, ähnlich wie ein Geschlecht. Unsere Vorstellung von Geschlecht ändert sich in letzter Zeit, und die Auffassung nimmt zu, dass Geschlecht etwas ist, das man tut oder frei wählen kann, das jedenfalls konstruiert ist. Umgekehrt bei der sexuellen Orientierung. Die steckt erst "innen drin" und wartet aufs Coming Out, seitdem Karl Heinrich Ulrichs (der erste Schwule der Weltgeschichte) vor kaum 150 Jahren die "Urninge" erfunden hat, die aufgrund ihrer "Natur" gleichgeschlechtlich begehren. Und nur in diesem Zusammenhang ist es diskriminierend und quasi rassistisch, den von Natur aus Homosexuellen irgendetwas zu verweigern, was den von Natur aus Heterosexuellen zugestanden wird. Wäre Homosexualität einfach eine freie Lebensstil-Entscheidung wie z.B. keinen Fernseher zu haben, wäre es viel weniger ausgrenzend zu sagen, tja, könnt ihr gerne so machen, zahlt ihr auch keine GEZ, aber bei der Berechnung der Zuschauerquoten lassen wir euch halt weg.

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    wie willst du das dann regeln?

    Es ist geregelt. Man mag mit den bestehenden Regelungen unzufrieden sein. Dann wären das Ansatzpunkte für ein Reformvorhaben.


    Ich persönliche habe wenig Handlungsbedarf, erfülle aber auch die unausgesprochenen Erwartungen: Verliebt, verlobt, verheiratet, ein Kind zweites Kind, drittes Kind. Und bald kommt der erste Enkel ;-D . Meine Frau hat nicht gearbeitet solange die Kinder klein waren und findet nun Erfüllung in ihrem Beruf, jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind. Die intensive Sorge um unsere Eltern steht noch aus. Einer ist bereits gestorben ohne Pflegebedarf, bei einer ist Pflege schon am Horizont sichtbar, die anderen beiden halten sich bislang sehr gut. Dumm nur, dass ich seit einiger Zeit arbeitslos bin, das könnte die Rentenrechnung kaputt machen.


    Ein wenig neidisch bin ich schon, wenn ich sehe, wie kinderlose Doppelverdiener ein grandios finanziell gepolstertes Altern auf sich zukommen lassen können. Aber der Neid ist klein im Vergleich zu dem Mitleid, das ich empfinde, wenn ich mir die einsame Trostlosigkeit vorstelle, wenn man als letzter Überlebender seiner einstigen Familie das Lebensende fristen muss. Tragisch für jene, die es gern anders gehabt hätten aber keine Möglichkeit dazu. Schmerzlich für jene, die es sich selbst zuschreiben müssen. Aber das ist das Rad des Lebens: Von der Wiege bis zur Bahre. Das meiste kommt, wie es kommt. Einiges kann durch eigene Entscheidungen beeinflusst werden.


    Mit dem Leben ist es wie mit der Ehe: Es gibt kein "Leben für alle" sowenig wie eine "Ehe für alle". Jeder lebt sein eigenes Leben, jedes Paar seine eigene Ehe. Und beides, hoffentlich, in einer Gesellschaft, die Wert darauf legt, dass man sich umeinander kümmert, ohne im Detail vorzuschreiben, wie das zu erfolgen hat. Damit es nicht nur Normglück gibt, sondern jeder nach seiner Façon glücklich werden kann.

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    Will ich meinem Partner damit versprechen, dass ich mit ihm eine Verbindung fürs Leben eingehe und fest davon überzeugt bin, dass es für immer hält (ich alter Spießer). Zudem will ich dass mein Partner im Krankheitsfall zu mir kann und auch entscheidungsberechtigt ist, in dem Fall, dass ich selbst keine Entscheidung mehr treffen kann.

    Für ein Versprechen an den Partner/die Partnerin benötige ich keine dritte Person in Form eines Standesbeamten oder eines Priesters. Ansonsten halte ich so einen Treueschwur für eine ziemliche Blase, da niemand in die Zukunft sehen kann. Niemand weiß, ob er seine Partnerin/seinen Partner in 20 Jahren noch lieben wird. Sicherlich kann man sich darum "bemühen", die Bedingungen so zu gestalten, dass die Liebe genährt wird. Ich halte das aber sinnvoller, sich darum von einem Tag zum anderen zu kümmern, als in ungewisse Zeiträume zu blicken. Ich bleibe nicht mit meiner Frau zusammen, weil ich irgendetwas geschworen habe, sondern weil ich sie liebe- nicht mehr und nicht weniger.


    Und im Krankheitsfall: Das ließe sich einfach per Verfügung regeln.

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    In der Ehe gibt es automatisch einige Rechte und Pflichten die eben genau darauf ausgelegt sind, dass man eine Familie gründet. Beispielsweise die Zugewinngemeinschaft, das automatische gemeinsame Sorgerecht und viele Dinge mehr.

    Das ließe sich einfach notariell als Partnerschaftbaustein unterschreiben lassen, es ließe sich individueller gestalten- dann ließe sich das auch leichter lösen und es entfiele der ganze Ehestreitheckmeck im Falle einer Scheidung. Wenn ich mir den Flickenteppich von Menschen ansehe, die ein oder mehrfach geschieden sind, inklusive Patchworkfamilien, oder von geschiedenen Partnern, so sehe ich in der Ehe letztendlich keinen besonderen Vorteil.


    Die Betreuung und Verantwortung von Kindern sollte ohnehin separat geregelt werden, da ziemlich viele Kinder nicht Kinder beider Ehepartner sind. Die Zugewinngemeinschaft ist ein überflüssiges staatliches Konstrukt, das steuerliche Berechnungen verkompliziert und Ungerechtigkeiten schafft.. Ehe staatlicher Gesetze wegen? Was soll das? Menschen sollten nicht auf Grund staatlicher Vergünstigungen zur Ehe genötigt oder ermuntert werden. Meines Erachtens steckt da noch der religiöse Kalk dahinter. Menschen sollten zusammenfinden, weil sie sich lieben- und das sollte reichen und der einzige Grund des Zusammenlebens sein (Kinder sollten nicht in Partnerschaften aufwachsen, die nur der Kinder wegen noch bestehen bleiben und wo die Liebe fehlt).

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    Ein wenig neidisch bin ich schon, wenn ich sehe, wie kinderlose Doppelverdiener ein grandios finanziell gepolstertes Altern auf sich zukommen lassen können. Aber der Neid ist klein im Vergleich zu dem Mitleid, das ich empfinde, wenn ich mir die einsame Trostlosigkeit vorstelle, wenn man als letzter Überlebender seiner einstigen Familie das Lebensende fristen muss.

    Off-Topic, aber: findest du das nicht selbst etwas zu schwarz-weiß gedacht?

    @ LovHus

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    Ich glaube ich verstehe jetzt, was du meinst. Aber dann ist es doch ein Missverständnis. "Ehe für alle" ist keine neue Ehe (neue Ehen hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, wie lonalao ausgeführt hat und ich schätze, es gibt immer noch Männer, die der alten Ehe nachtrauern in der Gottes Wille, dass der Mann über das Weib bestimme, nicht verwässert wurde), sondern meint einfach nur, dass auch bisher nicht zugelassene Paare heiraten dürfen.

    Ich kann nur von mir persönlich schreiben. Für mich ist eine Ehe definiert als lebenslange Partnerschaft von Mann und Frau. Ich denke viele Millionen Menschen teilen diese Ansicht. Und es entspricht auch der Definition von Ehe, wie sie halt schon seit vielen Jahrhunderten existiert. Und es entspricht dem, was das Bundesverfassungsgericht schon immer bis hin zu seinen jüngsten Urteilen immer wieder gesagt hat.


    Die "Ehe für alle" ist deshalb keine Ehe mehr, sondern halt ein neues Modell, das sie Ehe ersetzt und abgelöst hat.

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    Ich kann mir eine Menschengruppe vorstellen, die ein dickes Problem damit hat, dass das Wesensmerkmal Verschiedengeschlechtlichkeit nicht mehr Wesensmerkmal aller Ehen ist. Ich denke an die Menschen, die im Konflikt standen, ob sie in den Stand der Ehe treten sollen, oder zu ihrer geschlechtlichen Identität stehen. Ich spreche von homosexuellen Menschen, die einen gegengeschlechtlichen Partner geheiratet haben. Nun können sie auch ihrer Neigung folgend einen gleichgeschlechtlichen Partner heiraten. Was werden sie tun? Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Um so besser, dass ein solcher Konflikt nun der Vergangenheit angehört.

    Naja, dafür hat man nun aber neue Konflikte geschaffen. Denn was sollen nun christliche oder muslimische Paare machen?


    Klar, man kann auch ohne staatliche Ehe leben oder man heiratet kirchlich oder privat. Das wäre auch die beste Alternative. Problematisch wären dann aber die Benachteiligungen und Diskriminierungen für Ehepaare, die halt privat geheiratet haben und die "Ehe für alle" aus Glaubens- oder Gewissensgründen nicht eingehen können, weil das für die halt keine Ehe mehr ist, sondern etwas anderes, was sie moralisch nicht gutheissen können?


    Ich finde man sollte da einfach einen Weg ermöglichen für die vielen Paare, die mit der "Ehe für alle" nichts anfangen können.

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    Klar, man kann auch ohne staatliche Ehe leben oder man heiratet kirchlich oder privat. Das wäre auch die beste Alternative. Problematisch wären dann aber die Benachteiligungen und Diskriminierungen für Ehepaare, die halt privat geheiratet haben und die "Ehe für alle" aus Glaubens- oder Gewissensgründen nicht eingehen können, weil das für die halt keine Ehe mehr ist, sondern etwas anderes, was sie moralisch nicht gutheissen können?

    Die können dann halt konsequenterweise auch nicht von den Vorteilen der Zivilehe profitieren, wenn sie diese ablehnen. Ich kann darin keine Diskriminierung oder Benachteiligung erkennen, denn es steht ja nun jedem Paar frei, diesen Bund einzugehen oder es eben zu lassen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren zuvor, denn diese durften den Bund schlicht nicht schließen. Ihn nicht (mehr) schließen zu wollen, nur weil ihn andere jetzt auch schließen dürfen, ist die freie Entscheidung eines jeden. Staatliche Parallelvereinbarungen für jene einzuführen, die sich moralisch von der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare distanzieren möchten und die dann deshalb nur von verschiedengeschlechtlichen Paare abgeschlossen werden dürfen, läuft wie gesagt der Entscheidung des Bundestages entgegen, wonach gleichgeschlechtliche Paare als gleichberechtigt und gleichwertig gelten. Das kann man drehen und wenden, wie man möchte...

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    Die können dann halt konsequenterweise auch nicht von den Vorteilen der Zivilehe profitieren, wenn sie diese ablehnen. Ich kann darin keine Diskriminierung oder Benachteiligung erkennen, denn es steht ja nun jedem Paar frei, diesen Bund einzugehen oder es eben zu lassen.

    Demokratie funktioniert nunmal so, dass sich die Mehrheit durchsetzt. Das ist für die Minderheit ja schon schlimm genug. Aber muss man die Menschen der Minderheit deswegen auch noch demütigen und ihnen ihre Würde nehmen? Warum kann man nicht Regelungen finden, die auch der Minderheit noch ihre Ehre lässt und ihnen Wege eröffnet? Wer gesellschaftlichen Frieden möchte, sollte doch für einen Ausgleich sein.

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    Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren zuvor, denn diese durften den Bund schlicht nicht schließen.

    Selbstverständlich durften sie es.


    Aber aus Gefühlsgründen bevorzugen sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

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    Demokratie funktioniert nunmal so, dass sich die Mehrheit durchsetzt. Das ist für die Minderheit ja schon schlimm genug. Aber muss man die Menschen der Minderheit deswegen auch noch demütigen und ihnen ihre Würde nehmen?

    Und homosexuelle Paare demütigen indem man nun für moralinsaure Hetero-Paare wieder eine eigene Form der Ehe erfindet um sich von den Schwulen und Lesben abgrenzen zu können ist okay oder was ?

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    Warum kann man nicht Regelungen finden, die auch der Minderheit noch ihre Ehre lässt und ihnen Wege eröffnet? Wer gesellschaftlichen Frieden möchte, sollte doch für einen Ausgleich sein.

    Der Ausgleich wurde letzten Freitag geschaffen.

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    Demokratie funktioniert nunmal so, dass sich die Mehrheit durchsetzt. Das ist für die Minderheit ja schon schlimm genug. Aber muss man die Menschen der Minderheit deswegen auch noch demütigen und ihnen ihre Würde nehmen? Warum kann man nicht Regelungen finden, die auch der Minderheit noch ihre Ehre lässt und ihnen Wege eröffnet?

    Würde und Ehre? Ich glaube, an dieser Stelle steige ich lieber aus. Es ist im Grunde sowieso alles gesagt.

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    Selbstverständlich durften sie es.

    Nein, gleichgeschlechtliche Paare durften diesen Bund nicht schließen. Das schrieb ich. Was du meinst, ist, dass homosexuelle Menschen eine Ehe mit einem Menschen des anderen Geschlechts eingehen konnten. Das ist etwas anderes.

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    Würde und Ehre?

    Ja, warum will man z.B. gläubige Christen oder Muslime vor die Wahl stellen:"Entweder ihr stimmt der "Ehe für alle" zu oder ihr werdet finanziell und rechtlich massiv benachteiligt?" Das ist doch demütigend bzw. diskriminierend. Diese Menschen haben dann nur die Wahl gegen ihren Glauben/ihr Gewissen zu handeln oder schwere Nachteile hinzunehmen. Und da stelle ich halt einfach die Frage, ob man denn so mit der Minderheit umgehen muss und ob man nicht einen friedlichen Weg für beide Seiten finden kann.


    Ich finde es irgendwie komisch einerseits das Ende der Diskriminierung von Homosexuellen zu feiern und gleichzeitig eine neue Diskriminierung für andere Menschen einzuführen. Warum kann man nicht eher aus Fehlern der Vergangenheit lernen, indem man Wege findet, die beiden Seiten gerecht werden?


    Wenn der Staat nun eine Parallelinstitution zur "Ehe für alle" einführen würde (z.B. eine Art eingetragene Partnerschaft für Hetero-Paare), würde den Homosexuellen absolut nichts weggenommen. Sie hätten auch weiterhin ihre "Ehe für alle" mit sämtlichen Rechten und Pflichten. Die Rechte der Homosexuellen würden dabei überhaupt nicht tangiert. Man würde einfach nur für all die Paare, die mit der "Ehe für alle" ein Problem haben, einen zweiten Weg schaffen, der sie z.B. rechtlich absichert, ohne eben die "Ehe für alle" unterstützen zu müssen.


    Toleranz und Respekt ist meiner Meinung nach keine Einbahnstrasse.