Zitat

    Ich nicht, weil es eben nicht nur um das Zusammenleben geht und Wörter sondern um ganz konkrete Rechte.

    Ja, und?


    Es sagt ja niemand was dagegen, wenn Homosexuelle sich eine eigene Form von dauerhafter Partnerschaft ausdenken, dieser einen eigenen Namen geben und sich das vom Staat dann anerkennen lassen, mit konkreten Rechten und Pflichten, ähnlich der Ehe.


    Die Frage ist, warum man eine homosexuelle Partnerschaft unbedingt mit dem Begriff "Ehe" belegen muss, obwohl dieser Begriff kulturell nunmal per Definition unpassend ist und viele Menschen, denen die Ehe wichtig ist, sich dadurch angegriffen fühlen?


    Um nochmal auf das Sauna-Beispiel zurückzukommen:


    Es ist doch Unsinn, dass Herren "diskriminiert" würden, weil sie zur Damensauna keinen Zugang bekommen. Sollen sie halt die Damen in ihrer Damensauna einfach in Ruhe lassen und sich eine eigene Sauna für sich gründen. Dann haben die Damen ihre Ruhe und die Herren haben es genauso gut wie die Damen, nur halt in einer Extra-Sauna.

    Zauberfee


    Ja, die Zivilehe gibt es seit gut 150 Jahren und in den 150 Jahren hat sie nicht gerade zu überbordender Verwirrung gesorgt obwohl im Zivilrecht schon seit einiger Zeit Dinge möglich sind die nach katholischem Recht nicht möglich sind. Genau wie vorher keine Verwirrung herrschte weil im katholischen Ritus andere Verbote herrschen als im protestantischen oder orthodoxen Ritus.


    Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass es dem protestantischen Paar völlig wumpe ist ob der katholische oder orthodoxe Priester ihre Ehe als vor Gott geschloßenes Sakrament anerkennt oder nicht, denn sie glauben ja an die Rechtmäßigkeit ihres Rituses.


    Und von 150 Jahren trat eben eine weitere Ehe dazu, nämlich die staatliche. Niemand ist verwirrt wenn ich sage das ich einen Ehemann habe, die Frage ob das auch vor Gott anerkannt ist oder nicht, stellt sich nicht, weil das eine überaus persönliche Sace ist ob man darauf wert legt und wenn nach welchem Bekenntnis. Ich bin nach Recht und Gesetz verheiratet, mit allen rechtlichen Implikationen fürs Erben und soweiter. Der kirchliche Teil ist da völlig irrelevant, der hat nur Auswirkungen auf meine Seele, auch aus der Sicht der Kirche.


    Und die Ehe ist schon seit Jahrhunderten kein starres Konzept sondern hat in den letzten hundert Jahren eine deutliche Neudefinition erlebt. Von einem überwiegenden geschäftlichen Konzept zu einer privaten Liebesveranstaltung.

    Zitat

    Die Frage ist, warum man eine homosexuelle Partnerschaft unbedingt mit dem Begriff "Ehe" belegen muss, obwohl dieser Begriff kulturell nunmal per Definition unpassend ist und viele Menschen, denen die Ehe wichtig ist, sich dadurch angegriffen fühlen?

    1. Weil damit eben rechtliche Implikationen verbunden sind die bisher in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft nicht mit inbegriffen waren, Ehegattensplitting, beispielsweise.


    und 2. Wieso sollten die Menschen die sich durch die Öffnung angegriffen fühlen in ihrer Verletzung wichtiger sein als die Menschen die sich durch den Ausschluß von der Ehe angegriffen fühlen?

    Zitat

    Die Frage ist, warum man eine homosexuelle Partnerschaft unbedingt mit dem Begriff "Ehe" belegen muss, obwohl dieser Begriff kulturell nunmal per Definition unpassend ist und viele Menschen, denen die Ehe wichtig ist, sich dadurch angegriffen fühlen?

    Weil die Politik es vor Jahren vermasselt hat. Sie gab den Homosexuellen zwar die Möglichkeit sich zu binden, aber nicht mit den gleichen Rechten. Hätte sie das Problem schon 2001 gelöst, dann wäre heute der Aufschrei nicht zu riesig.


    Wir leben im 21. Jahrhundert, also lasst die Kirche im Dorf. ;-)


    P.s. An uns Homos ;-D


    Hat sich jemand darüber Gedanken gemacht, wie folgende Situation gehandhabt wird: Wenn zwei Frauen zukünftig (durch Spermaspende) Kinder planen, ob man dann automatisch als Co-Mutter eingetragen wird? :=o

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    Sollen sie halt die Damen in ihrer Damensauna einfach in Ruhe lassen und sich eine eigene Sauna für sich gründen. Dann haben die Damen ihre Ruhe und die Herren haben es genauso gut wie die Damen, nur halt in einer Extra-Sauna.

    So sehe ich das auch, Zauberfee :)z . Nur mit dem Namensteil (vor dem Zitierten) bin ich nicht einverstanden. Du sagst ja, dass die Herren aus Rücksicht auf eine lange Damensaunentradition, die vielen Damen heilig ist, ihre Herrensauna nicht Herrensauna nennen sollen, sondern z.B. Heißraum.


    Das ist das, was mich an der Sauna-Analogie stört: Es geht nicht darum, dass in eine Damensauna nun plötzlich Herren dürfen (als würden wir plötzlich unsere Ehe öffnen und weiteren Leuten Zutritt zu unserem intimen Eheraum gewähren), sondern dass den Herren weiterhin untersagt bleiben soll, sich eine Sauna zu bauen, bzw. abgemildert, sie dürfen schon, aber dann sollen sie es nicht Sauna nennen. Ich verstehe schon, dass Damen nicht plötzlich Herren in ihrer Sauna sitzen haben wollen, aber was stört es das Damensaunakränzchen in Stuttgart, wenn in Köln eine Herrensauna aufgemacht wird? Oder in Berlin gar eine Gemischte?


    Klar bin ich nicht erbaut, wenn meine Frau plötzlich ihre lesbische Seite entdeckt, mit ihrer Freundin zusammenzieht und mir das "Kein Zutritt"-Schild vor die Nase setzt. Das wäre eine Änderung unserer Ehe. Aber was stört meine Frau und mich, wenn woanders ein lesbisches Pärchen heiratet? Mit meiner Toleranz ist es ebenso: Ich toleriere (nein, stimmt nicht, ich akzeptiere sogar) gleichgeschlechtliche Ehen. Dennoch hätte ich die von gerald von wien prognostizierten Schwierigkeiten, wenn meine Frau sich als Lesbierin outen würde. Allerdings würde ich dann erst recht für die gleichgeschlechtliche Ehe kämpfen, um anderen Männern dieses Leid so weit wie möglich zu ersparen. Wer homosexuell ist, soll sich ohne Nachteile outen, um nicht einen heterosexuellen Menschen (und sich) ins Unglück zu stürzen, nur weil die heilige Tradition das so will.

    Zitat

    und 2. Wieso sollten die Menschen die sich durch die Öffnung angegriffen fühlen in ihrer Verletzung wichtiger sein als die Menschen die sich durch den Ausschluß von der Ehe angegriffen fühlen?

    Danae, Du willst damit aber nicht sagen, dass, nachdem jahrelang die eine Seite verletzt wurde, nun die andere Seite dran ist verletzt zu werden. Wenn du anerkennst, dass die Öffnung eine Verletzung für viele Menschen darstellt, dann halte ich es für eine staatliche Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, dass niemand verletzt wird.


    Nein, eine solche Verletzung würde ich nie anerkennen, und der Staat muss klarstellen, was nicht als Verletzung anerkannt werden kann: Niemand darf unter Hinweis auf die eigene Verletztheit einen Übergriff auf den Gleichheitsgrundsatz für andere Menschen rechtfertigen. Wir haben hoffentlich aus der Geschichte gelernt, dass jeder dann am besten lebt, wenn ihm kein Zacken aus der Krone fällt, wenn andere anders leben. Solange sie ihre eigene Sauna bauen und nicht in meiner Sauna Platz nehmen wollen. Ich gehe ja auch nicht in Ihre. Leben und leben lassen nennt man das.

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    Und du hättest wohl kaum weniger Probleme wenn deine Frau sich in einen anderen Mann verlieben würde.

    Dann wüsste ich wenigstens, mit wem ich mich prügeln kann ;-D .


    Mir ging es um den Unterschied "Änderung einer Ehe (Sauna)" vs. "Schließen einer neuen Ehe (Bau einer neuen Saune)".

    Hi! Es gab hier mal einen sehr langen Faden über "Ehe auf Zeit" die eher allgemeines Entsetzen auslöste. Nach 33 Jahren Ehe würde ich mich doch für eine eingetragene Lebensgemeinschaft auf Zeit für Alle aussprechen. Ich fände es gar nicht schlecht, wenn man seinen Liebesschwur alle 5 bis 7 Jahre erneuern müsste, das stärkt die gegenseitige Achtung und die Scheidung wäre überflüssig. Wer unbedingt die Ehe will, mag dies kirchlich tun. Zuviele ändern sich nach dem Jawort schlagartig, weil sie sich des Partners für immer sicher glauben, oder mit den Jahren in der heutigen, schnelllebigen Zeit...

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    Es gab hier mal einen sehr langen Faden über "Ehe auf Zeit" die eher allgemeines Entsetzen auslöste.

    Willst du dieses Entsetzen nun hier provozieren? ]:D .


    Du siehst doch: viel weniger stößt schon auf genug Unverständnis ;-) . Ich habe auch schon überlegt, auf die Änderungen ein und der selben Ehe im Laufe eines Lebens hinzuweisen, fand aber, dass das hier nicht her passt, denn die Eckpunkte, um die es hier geht, sind davon eher nicht betroffen. Trotzdem finde ich es wichtiger, sich zu überlegen, wie sich die eigene Ehe ändert, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder der Ruhestand ungewohnt viel gemeinsame Zeit nach sich zieht, als darüber nachzudenken, ob die eigene Ehe nun besudelt ist, weil auch homosexuelle Paare heiraten dürfen.

    LovHus


    Nun, ich kann den Leuten aber nicht sagen durch was sie sich verletzt fühlen dürfen oder nicht. Es gibt auch Leute die sich von der Gleichberechtigung von Mann und Frau oder auch schwarzen zund weißen verletzt, ja gar herabgewürdigt fühlen. Ich kann das den Leuten nicht absprechen, kann aber sagen, dass das Problem da in meinen Augen bei einem selbst liegt, wenn man sich so sehr in Abhängigkeit von eigenen Privilegien definiert und das ist das Prinzip der GLeichberechtigung für so grundlegend halte, dass es dem Einzelnen zuzumuten ist damit klar kommen zulernen. So wie ich auch erwarte das die Menschen mit der Einschränkung umgehen lernen, dass sie gegebenenfalls jemanden nicht einfach umlegen dürfen.

    Zitat

    1. Weil damit eben rechtliche Implikationen verbunden sind die bisher in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft nicht mit inbegriffen waren, Ehegattensplitting, beispielsweise.

    Das Splitting gab es bereits für eingetragene Lebenspartnerschaften. Meines Wissens hatten eingetragene Lebensparnterschaften schon so gut wie alle Rechte. Die evtl. noch fehlenden Rechte hätte man ja auch einfach einführen können. Wäre kein Problem gewesen. Warum musste man also die Ehe jetzt umdefinieren? Ich verstehe den Sinn auch gar nicht.

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    Ich kann das den Leuten nicht absprechen, kann aber sagen, dass das Problem da in meinen Augen bei einem selbst liegt, wenn man sich so sehr in Abhängigkeit von eigenen Privilegien definiert und das ist das Prinzip der GLeichberechtigung für so grundlegend halte, dass es dem Einzelnen zuzumuten ist damit klar kommen zulernen.

    Gleichberechtigung ist aber was anderes als "Gleichheit".