Es ist einfach besser den Mund zu halten!

    Hallo zusammen,


    das mag heute durchaus ein subjektiver Eindruck sein, aber ich habe extrem oft und zunehmend das Gefühl, dass es sehr oft besser ist kritische Gedanken für sich zu behalten. Als Gesellschaft haben wir das ja sehr gut katalyisiert und uns zeitgemäße Feindbilder, wie Neonazis geschaffen. Die Menschen, die tatsächlich Raubbau an der Gesellschaft und der Erde betreiben, werden ja oft nicht mal kritisiert.


    Ich werde da einfach das Gefühl nicht los, dass uns jegliche Relation fehlt. Wir stehen im Prinzip alle Montag morgens auf, um einem System zu dienen, dass Kinderarbeit fördert, Waffenexporte, das Quälen von Tieren und die Erde auf eine Weise ausbeutet, die unweigerlich zum Kollaps führen muss. Und das wird einfach nicht hinterfragt. Ich habe heute zwei Filme zu den Naziverbrechen gesehen und da herrschte eben auch diese kollektive "Demenz" - ich weiß von nichts, ich sehe und höre nichts. Wieso lernen wir Menschen daraus nichts?


    Ich kenne es aus dem Internet sehr oft, dass man schnell selbst in die Schusslinie gerät, wenn man solche Dinge anspricht. Es ist völlig okay die NS-Zeit zu verurteilen, aber sobald man die "Verbrechen der Neuzeit" anschlägt, wird ganz schnell zurück geschossen, weil man dann plötzlich das Verhalten vieler kritisiert. Es geht mir hier weniger um die Tatbestände als solche, sondern vielmehr um das kollektive Wegsehen und das hinterher auch immer niemand Verantwortung trägt, dass es offensichtlich immer nur um Interessen geht und Konsequenzen dann in Kauf genommen werden, wenn sie nicht an die eigene Haustür klopfen.


    Das hat sich so viele Male in der Geschichte der Menschheit wiederholt, dass ich mir in der Tat die Frage stellen muss, wann wir daraus lernen?!

  • 241 Antworten

    Hab neulich auch mal drüber nachgedacht - mit dem Gedanken, Moral und Ethik sind nicht Zweck und Ziel des Menschseins, sondern Selbsterhalt und Fortpflanzung sind es, und Moral und Ethik sind lediglich Werkzeuge zu diesem Zweck (die da entsprechend ihre Vorteile haben).


    Moralisch/ethisches Handen ist aber in der Regel mit einem (kurzfristig-affektiven) Nachteil verbunden, von daher kann man aus alledem logisch ableiten, dass Moral und Ethik selektiv ausgeschaltet werden können, wenn der Nachteil zu groß wird, existenziell groß; auf diese Art ist es dann möglich, sich unmoralisch zu verhalten, ohne dass das Gewissen quengelt.


    Dieses, verbunden damit dass offenbar der kurzfristige Vorteil höher bewertet wird als der langfristig-nachhaltige (ersterer löst Dopamin-Stöße aus, letztere nicht), führt zu den beschriebenen Gegenebheiten.


    Ich befürchte, so ist die Menschheit halt einfach.

    Zitat

    dass offenbar der kurzfristige Vorteil höher bewertet wird als der langfristig-nachhaltige

    und ich glaube, das liegt daran, dass der Mensch sich evolutionär selber überholt hat. Die technologische Entwicklung der letzten Jahrhunderte ging viel zu schnell als das eine Anpassung hätte erfolgen können. Die Bewertungsprozesse, die eine Handlung anhand ihrer zu erwartenden Folgen bewerten, sind auf den Kontext ausgerichtet, in dem eine Handlung "Normalerweise" Auswirkungen haben kann, und die sind, wenn man z.b. den Steinzeitmenschen betrachtet, relativ überschaubar, sowohl was örtliche als auch zeitliche Ausdehnung angeht. Er hatte schlichtweg nicht die Mittel, nennenswerten Schaden an Mensch und Umwelt anzurichten. Von daher gibt es keine gescheite Bewertung von Handlungen, die langfristige Effekte mit einbezieht und das Ergebnis nicht nur rational, sondern unmittelbar-emotional ins Bewusstsein bringt. Von daher gewinnt quasi immer der unmittelbare (mit Dopamin belohnte) Vorteil in Konkurrenz zu dem langfristig-nachhaltigen.

    Naja von "Fehler" kann man nur sprechen wenn es in einem größeren Kontext "richtig" und "falsch" gibt, was eigentlich nicht der Fall ist. Wenn eine Spezies, die erfolgreich in Einklang mit sich und ihrer Umwelt lebt, "richtig" und "das Ziel" ist, dann ist der Mensch wohl eher ein Fehler, ja.


    Ansonsten ist es einfach so, wie es ist. Die Eigenschaften von starker Gier und Neugierde und einem starken Drang zu streben haben den Menschen soweit gebracht, wie er gekommen ist (was recht weit ist), aber ab einer gewissen Grenze verkehren sie sich ins Gegenteil und werden zum evolultionären Nachteil.


    Rein logisch betrachtet wird wohl jede Rasse irgendwann an den Punkt kommen, weil zu einer niedrigeren Evolutionsstufe Eigenschaften wie "Gier Drang und Streben" Vorteilhaft sind und sich immer durchsetzen werden. Bezahlt wird die Rechnung halt erst später.


    Hast Du Dich mal mit Schopenhauer beschäftigt? Der hat dafür das philosophische Grundgerüst (der "Weltwille"und sein universeller Pessimismus).

    Homo sapiens ist ein Egotier. -Nach mir die Sintflut- ist die Einstellung der meisten. Eigene Bedürfnisbefriedigung steht an erster Stelle.


    Deswegen schaufeln wir als Masse unser eigenes Grab. Der Planet macht das nicht mehr unendlich lange mit. Dann ist es eh Schicht im Schacht mit uns.

    Wie arm der Mensch ist, zeigt, wie die Gehirnwäsche an ihm funktioniert! Diese ist inzwischen so weit gediehen, einem alles vernichtenden Krieg zuzustimmen, bloß um der Kriegshetze gegen Russland z. B. ein modernes Gewand - dies' der historischen Kriegstreiber - sich umzuhängen. Die Lüge ist immer obenauf - sagte schon Goethe -, und keine Kraft wird mehr gesteuert als diese!

    Wichtig ist, dass man sich organisiert. Als Einzelperson erreicht man nichts und wird als lächerlich abgesehen. In der Gruppe (zum Beispiel Bürgerinitiativen ) sieht das schon etwas anders aus.


    Sehr schwierig wird es immer wenn wirtschaftliche Belange eine Rolle spielen. In Hamburg gibt es zahlreiche Bürgerinitiativen gegen fluglärm. Die Stadt Hamburg rückt aber keinen Millimeter von ihrem Minimalstschutz ab. Die haben so viel Angst vor den Lobbyisten, da geht nix. Ausser Klage.

    Zitat

    . Wir stehen im Prinzip alle Montag morgens auf, um einem System zu dienen, dass Kinderarbeit fördert, Waffenexporte,

    Gegen Waffenexporte kannst du zum Beispiel diese Petition von terre des hommes, die sich gleichzeitig auch für die Sicherung der Kinderrechte einsetzen, unterzeichnen.


    https://weact.campact.de/petitions/stoppt-waffenexporte?utm_campaign=%2Fkb-weact%2F&utm_term=box&utm_content=random-d&bucket=nl-18-03-29&utm_source=%2Fkb-weact%2F2018-i-user-petitions%2F&source=nl-18-03-29&utm_medium=Email

    Ich empfehle zu dem das eigene Kreditinstitut eines genauen Blicks zu unterziehen. Da gibt es nämlich auch Banken mit deutlichen ethisch-ökologischen Kriterien die kein Geld in Waffen und Nahrungsmittelspekulatioenen anlegen. Alles folgt dem Geld und wenn wir unser Geld sprechen lassen, werde wir am ehesten gehört.

    Um was geht's dir jetzt? Den NS-Vergleich mit der heutigen Zeit kriege ich ehrlich gesagt nicht auf die Kette.

    Zitat

    Wir stehen im Prinzip alle Montag morgens auf, um einem System zu dienen, dass Kinderarbeit fördert, Waffenexporte, das Quälen von Tieren und die Erde auf eine Weise ausbeutet, die unweigerlich zum Kollaps führen muss.

    Nein. Jeder hat die Möglichkeit, sich nach bestem Wissen und Gewissen zu informieren und kann sich genau überlegen, ob er "diesem System" dient oder nicht. Es hat nur Konsequenzen. Aber es ist keine Frage des Schweigens, sondern primär der eigenen Entscheidungen.


    Du könntest dich z.B. fragen, wer dein Smartphone gefertigt hat. Oder dein T-Shirt. Oder woher deine Bratwurst kommt. Hast du das schon mal getan und zu welchem Ergebnis bist du gekommen? Welche Schlüsse ziehst du daraus? Ist das alles alternativlos? Geht es nur darum, den Mund aufzumachen, oder geht es um echtes Handeln?


    Du darfst nie vergessen, dass dieses "System" nur funktioniert, wenn es der Konsument mitmacht. Da bringt es nichts, gegen Lobbyisten zu meckern. Du musst gegen die Gesellschaft meckern, deren Teil du bist. ??Es soll ja Leute geben, die Demos gegen den Kapitalismus organisieren, und sich das Megafon dafür bei Amazon bestellen.??


    Vor zwei Jahren hatten wir z.B. eine Bewerberin für meinen Bereich auf dem Stuhl, die wollte ganz klar wissen, welche ethischen Grundsätze unser Konzern bei der Geldanlage hätte. Sie würde die Stelle nicht antreten, wenn Geldanlagen in Nahrungsmitteln oder Waffengeschäften wären. Es ist also nicht so, dass das Bewusstsein nicht da wäre. Und dass man nicht darüber reden könnte.

    Ich denke, es gibt einige Leute, denen der Thematiken bewusst sind, sie aber ignorieren. Ich rede viel und gerne über umweltrelevante Themen, aber fast nur mit Leuten, die sich auch dafür interessieren und in dieser Hinsicht bewusster leben.


    Es ist aus meiner Sicht gar nicht möglich "ahnungslos" durch die Welt zu gehen. Informationen sind nicht nur leicht zu beschaffen, sondern werden auch gut vorgekaut zu bestimmten Zeiten verbreitet (z. B. Earth Day). Prioritäten muss aber jeder selber im Leben setzen. Das folgende Interview hat vor kurzem ein User (ich weiß leider nicht mehr welcher) gepostet: http://www.deutschlandfunk.de/…?dram%3Aarticle_id=397260. Fand ich sehr interessant und es kommen sehr viele Faktoren zur Sprache.


    @danae87

    Zitat

    Banken mit deutlichen ethisch-ökologischen Kriterien

    Das hat mich daran erinnert, dass ich meine Bank wechseln wollte. Ich habe mich vor Monaten informiert und es dann schlichtweg vergessen. Danke :)z

    Was ist denn dann die alternative zur Arbeit von Montag bis Freitag?


    Im Internet kann man wunderbar darüber reden. Änder wird sich dadurch gar nichts.


    Es werden immer mehr Menschen auf der Erde, also muss es aktuell auch immer mehr Wachstum geben. Aber die Natur hat vorgesorgt und die Fortpflanzung wird immer schwieriger. Dauert nur noch etwas. :D

    Zitat

    Im Internet kann man wunderbar darüber reden. Änder wird sich dadurch gar nichts.

    Die Aufklärung, das Denken und das nachfolgende Handeln sind extrem schleichende und langwierige Prozesse, die in einer Momentaufnahme von 50 Jahren kaum sichtbar sind. Gesellschaftlich ändert sich dennoch Einiges- das lässt sich an Hand der Menscheheitsgeschichte zeigen- wenn auch nicht überall gleichzeitig.

    Zitat

    Es werden immer mehr Menschen auf der Erde, also muss es aktuell auch immer mehr Wachstum geben. Aber die Natur hat vorgesorgt und die Fortpflanzung wird immer schwieriger. Dauert nur noch etwas. :-D

    Es werden derzeit zwar immer mehr Menschen auf der Welt, aber das Wachstum der Menschheit ist nicht grenzenlos- gerade in hochindustrialisierten Ländern, in aufgeklärten Kulturen geht das Bevölkerungswachstum sogar ins Negative. Also kann man daraus Schlussfolgerungen treffen. Und Wachstum geht nicht zwangsläufig proportional mmit dem Ressourcnverbrauch einher.


    Ich denke, dass die Basis allen menschlichen Handelns ein bestimmtes Wirtschaftssystem ist, dass das Handeln so produziert, wie es das Wirtschaftssystem "erwartet"- eben was es antreibt.


    Und menschliche Änderungen im Handeln, die auch eine Änderung des Wirtsschaftssystems hervorrufen können (sehr langsam und allmählich) beginnen mit Bildung, mit Wissen und mit der Fähigkeit kausal die richtigen Schlüsse zu ziehen (wenn ich oder viele das tun, dann folgt daraus das oder das ...)- und das nicht nur kurzfristig sondern auch langfristiger.


    Ich halte Aufklärung und Bildung für extrem wichtig und mit dem Internet hat man da ein Mittel in der Hand, das das beschleunigen könnte.


    Und jeder einzelne kann Beiträge leisten: Wie und was er konsumiert (sozial gerechter produziert, umweltmäßig besser produziert, wieviel Verkehr mit fossilen Brennstoffen verursache ich, wie wird meine Energie/mein Strom produziert, wie er sein Leben gestaltet , wen er mit seinem Geld (Banken) oder seiner Wahl (Politiker) unterstützt, ...


    Ich stelle immer wieder fest, dass fast alle Probleme bei zu geringer Bildung von Menschen anfangen- und das gar nicht mal nur bei der allgemeinen Bevölkerung, sondern gerade bei denen, die für die Bildung maßgeblich mitverantwortlich sein sollten: Journalisten, Unternehmer, Politiker, Lehrer ...


    Wenn Menschen nicht wissen, warum und wie ein Handeln auch langfristig sinnvoll oder vernünftig wäre, dann werden sie es nicht tun.


    Um aufgeklärte, vernünftig handelnde Menschen zu haben, bedarf es noch Einiges an menschlicher geistiger Entwicklung.


    Je schneller diese Entwicklung erfolgt, umso weniger Probleme werden Menschen jetzt und in Zukunft haben. Ich versuche zu tun, was ich meine tun zu können. U.a. dafür habe ich mich sehr breit gefächert gebildet und bin weiterhin dabei: Ökologie, Energie und Rohstoffe, Soziales, Geschichte, Ideologie/Religion/Kultur, Technik, Naturwissenschaft, Medizin, ...


    Der Unterschied zu vielen Marketingfuzzies besteht darin, dass ich mein Wissen und mein Denken nicht aus Erwägungen des weitgehend persönlichen Vorteils heraus unter Menschen bringe ... Ich hoffe, zur Aufklärung beitragen zu können- mitunter auch im produktiven Diskurs ...

    Was ich ganz fatal finde ist die Einstellung: "Ich als Einzelner kann eh nix tun." Genau das ist falsch. Nämlich, wenn genau jeder das denkt, dann passiert wirklich nichts. Es geht genau darum das zu tun was man denkt was man tun muß. Und wenn alle anderen um einen herum es nicht tun. Nicht davon abhalten lassen. Jede Bewegung hat mal damit angefangen, dass ein Mensch dachte so müßte es sein.

    Zitat

    Es geht genau darum das zu tun was man denkt was man tun muß. Und wenn alle anderen um einen herum es nicht tun. Nicht davon abhalten lassen. Jede Bewegung hat mal damit angefangen, dass ein Mensch dachte so müßte es sein.

    :)z :)^