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    Ich denke er erwartet, daß man die Polizei dabei unterstützt, Straftaten zu verhindern oder aufzudecken.

    Na Moment mal. Ich verwehre mich schon mal schärfstens dagegen, dass hier pauschal von Kriminellen gesprochen wird und das mit voller Absicht, weil man jetzt natürlich alle DemoteilnehmerInnen kriminalisieren will und das geht so nicht. Es kann nicht sein, dass , nur weil man schwarz angezogen ist, gleich als VerdächtigeR gilt und bei der Polizei denunziert wird.

    Nein, das geht so nicht und ich glaube auch nicht, dass jemand Demonstrationszügen pauschal Kriminalität unterstellen möchte. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Militanten/Kriminellen (ich mache da keinen Unterschied, da Militanz zwangsläufig Straftaten nach sich zieht) unter den Demonstranten in einer Minderheit sind. Und das wissen zumindest die meisten - nur wer ideologisch einseitig tickt, würde behaupten, dass die G20-Gegner alles Kriminelle sind.


    Aber genau diese Minderheit ist es doch, bei der man eigentlich meinen sollte, dass diese problemlos von den anderen 80% des Demonstrationszuges in Schach gehalten werden kann? Was tun 5 umstehende friedliche Demonstranten, wenn einer die Zwille rausholt oder den Stein aus dem Boden rüttelt oder gar einen Molli vorbereitet? Selbst wenn sie ihn - warum auch immer - nicht davon abhalten können, was tun sie, um die Ermittlungen des Täters später zu unterstützen?


    Wenn du einen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht siehst, oder eine Körperverletzung/Schlägerei, Zeuge eines Einbruchs wird ... rufst du dann nicht die Polizei? Genau darum geht es doch. Es sind simple Straftaten, und das ist doch die mindeste Erwartung, dass eine Gesellschaft so viel Verantwortung zeigt, dass sie auch auf sich selbst aufpasst. Da ich dir keine Superheldenkräfte unterstelle, gehe ich davon aus, dass du dich in den meisten Fällen nicht selbst in Gefahr bringen willst. Ich hoffe aber doch stark, dass es dir auch nicht egal wäre, wenn nachts jemand bei Müllers gegenüber ins Fenster einsteigen würde. Und ich glaube, in dem Moment solltest du froh sein, dass dann jemand kommt und den Arsch dafür hinhält. Wenn du mal die Kriminalstatistik liest, dann wirst du feststellen, dass die Polizei zu 99% andere Dinge tut als sich mit Demonstranten zu kloppen.

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    und drittens wäre es für alle schön, wenn man zwischen Polizisten und Demonstranten kein Bedrohungsszenario aufbaut, dann kann man nämlich problemlos um Hilfe bitten, wenn man im Umfeld Leute mit Steinen bemerkt.

    Was würdest du in diesem Szenario denn als Henne und was als Ei bezeichnen? Glaubst du, dass in der Aufrüstung der Polizei nicht eine gewisse jahrelange Erfahrung steckt?

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    Was würdest du in diesem Szenario denn als Henne und was als Ei bezeichnen? Glaubst du, dass in der Aufrüstung der Polizei nicht eine gewisse jahrelange Erfahrung steckt?

    Zum ersten: ich glaube der Konflikt zwischen Demonstranten und Polizisten ist beinahe so alt wie unser Staat und beginnt spätestens in aller Heftigkeit mit den 68gern. Nun haben wir da noch Polizisten anderer Prägung gehabt, zwangsweise. Da ist mit einer unfassbaren Härte vorgegangen worden, die Idee zivilen Ungehorsams war nicht gerade eine ur-deutsche. ;-) Was damals anfing setzte sich schlicht fort.


    Allerdings halte ich es schlicht für eine inzwischen sinnlose Frage. Irgendwann ist es egal wer angefangen hat, interessant ist wer zuerst aufhört. Und da würde ich es mir von der Polizei wünschen, weil sie in der deutlichen stärkeren Position sind. Ich meine, es waren 20.000 Polizisten und nur ein Bruchteil soviele Schläger. Auf der einen Seite Schußwaffen und Waffenwerfer und auf der anderen Seite Molos und Steine mit deutlich geringerer Durchschlagskraft und Reichweise.


    Die Politik der Polizei läuft dem entgegen, aber das die Polizei nicht unfehlbar ist, nicht zwingend auf rechtsstaatlichem Grunde steht und daher nicht über jeder Kritik stehen sollten, zeigen ja zahlreiche Ereignisse der letzten Jahre. Ich möchte hier nur daran erinner, dass im Zuge des NSU Prozesses herauskam, dass mehrere Polizisten Mitglieder des deutschen Ableger des KuKluxKlans waren, was nur zu ihrer Versetzung, nicht zu ihren Ausschluß führte und zudem mit einem lapidaren: "Da sind sie ja nun aber wirklich nicht die Einzigen" seitens des Vorgesetzten führte.


    Auch ihre Haltung hinsichtlich der Möglichkeiten der Überwachung zeigen deutlich das die Polizei aus ihrer Piosition heraus gerne mal freiheitliche Werte über Bord wirft und Sicherheit vorzeiht. Das finde ich natürlich, immerhin handelt es sich um Menschen und sie sehen im Rahmen ihrer Arbeit sehr selektiv bestimmtes Leid, schlimmes Leid und sind oft genug machtlos. Es kommen ja nicht regelmäßig genug gesetztestreue Bürger vorbei um den Eindruck wieder gerade zurücken und am Ende hat man halt den Steinewerfern prägender im Kopf als die friedlichen Leute. Liegt in der Natur unseres Gehirns das sich schlechte Erlebnisse nun einmal sehr viel leichter einprägt als gute.


    Lange Rede kurzer Sinn: Nur weil die Polizei etwas sinnvoll findet, muss es aus einer übergeordneten und psychologisch fundierten Blickweise heraus nicht sinnvoll sein. Oft werden einfach alte Ideen immer weiter gesteigert, wenn der Erfolg ausbleibt, statt die Pferde zu wechseln.


    In England hat man, nachdem die Eskalationen nicht mehr tragbar waren und noch soviel Üebrwachung und noch soviele Bobbys das Problem nicht lösen konnten, umgesteuert. Da wird aus der Luft beobachtet, es werden keine Wände aus Polizei mehr aufgestellt sondern die Züge werden begleitet und wenn sich bestimmte Massierungen von oben zeigen, werden da gezielt mehr Leute vorbeigeschickt, die diese schnell wieder auflösen, oft schon in dem sie nur mitlaufen. Es funktioniert. Wieso nicht davon lernen? Denn immerhin funktioniert es bei gewaltbereiten Hools die sich wirklich nur schlagen wollen, dann sollte es in anderen Konstellationen doch noch erfolgreicher sein oder?

    * in großem Maße hieß das natürlich

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    Wenn du einen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht siehst, oder eine Körperverletzung/Schlägerei, Zeuge eines Einbruchs wird ... rufst du dann nicht die Polizei? Genau darum geht es doch. Es sind simple Straftaten, und das ist doch die mindeste Erwartung, dass eine Gesellschaft so viel Verantwortung zeigt, dass sie auch auf sich selbst aufpasst.

    Wenn ich seh, dass Unschuldige bedroht werden, werd ich immer einschreiten. Ne, Superheldenkräfte hab ich ganz sicher nicht, aber um den oder diejenige zur Rede zu stellen brauch ich keine Cops. Aber ich glaub du hast auch eine zu klinische Vorstellung von Demos. Da geschieht sehr viel innerhalb weniger Sekunden und Minuten. Bis ich da zu einem Bullen laufe, ist der oder die Täterin doch längst über alle Berge. Und ich hab es schon erlebt, dass ich dann selbst festgehalten wurde, als ich wirklich mal mit einem Polizisten reden wollte. Die haben mich dann den Rest des Tages festgehalten, ohne direkte Begründung. Soviel dazu.

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    van aken WOLLTE sich und seine demonstration schlichtweg nicht von linker gewaltbereitschaft distanzieren und hat sich deshalb ein fragwürdiges argument zusammengebastelt, das diesem unwillen, sich gegen unstrittige gewalt zu stellen, als feigenblatt dienen sollte.

    Fragwürdig fand ich das überhaupt nicht. Er hatte eine klare Meinung dazu, die man natürlich nicht teilen muss, aber man sollte ihm auch nichts andichten oder unterstellen.

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    Er hatte eine klare Meinung dazu, die man natürlich nicht teilen muss, aber man sollte ihm auch nichts andichten oder unterstellen.

    nach einer nacht voller steinewürfe, zerborstener scheiben, plünderungen und gelegter feuer noch immer keine distanzierung von gewalt vornehmen zu wollen, finde ich sehr wohl fragwürdig. aber ich stimme dir zu: van aken hat keine klare und unzweifelhafte meinung. er wollte sich explizit nicht von gewalt distanzieren und hat das ganze mit "alles auslegungssache, alles eine frage der definition" begründet. da muss ich ihm nichts unterstellen, das IST eine relativierung von gewalt. von dieser selbst nach der hamburger krawallnacht am nächsten tag, vor seiner demo, nicht abrücken zu wollen - im vollen wissen darum, dass bei seiner demo (neben vielen friedlichen teilnehmern) auch zahlreiche gewalttäter aus der vornacht mitmarschieren werden - ist eine überaus unzweideutige und klare haltung.

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    van aken WOLLTE sich und seine demonstration schlichtweg nicht von linker gewaltbereitschaft distanzieren und hat sich deshalb ein fragwürdiges argument zusammengebastelt, das diesem unwillen, sich gegen unstrittige gewalt zu stellen, als feigenblatt dienen sollte.

    Das ist genauso eine Unterstellung wie die, die Polizei hätte die Demo ja gar nicht wirklich laufen lassen wollen. Auf so einer Basis kann man sich einfach nicht verständigen. Oder gab es kürzlich eine Lieferung an Glaskugeln die an mir vorbeiging?

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    Das ist genauso eine Unterstellung wie die, die Polizei hätte die Demo ja gar nicht wirklich laufen lassen wollen. Auf so einer Basis kann man sich einfach nicht verständigen. Oder gab es kürzlich eine Lieferung an Glaskugeln die an mir vorbeiging?

    siehe meine auch um 20:55 gepostete antwort an souha, auf der vorangehenden seite unten.

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    Gibt man ihnen damit nicht weit mehr Raum als sie verdient haben?

    So sehe ich das auch. Wer fordert für 100 Krawallos die Macht, dass sich 1000 friedliche Demonstranten (auf derselben Straße) mit ihnen beschäftigen? Das können doch nur die Krawallos selbst sein. Und die grinsen sich eins dabei, kommen noch und noch einmal in die Schlagzeilen.

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    danae87

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    Was würdest du in diesem Szenario denn als Henne und was als Ei bezeichnen? Glaubst du, dass in der Aufrüstung der Polizei nicht eine gewisse jahrelange Erfahrung steckt?

    Zum ersten: ich glaube der Konflikt zwischen Demonstranten und Polizisten ist beinahe so alt wie unser Staat ..

    Es gibt keinen Konflikt zwischen Demonstranten und Polizei.


    Nur zwischen Polizei und Kriminellen, die das Demonstrationsrecht mißbrauchen, indem sie ein bißchen Bürgerkrieg im Sandkasten spielen wollen.

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    Aber sollte man sich wirklich von einigen Krawallmachern so sehr in eine politische Ecke drängeln lassen?

    Da stellen sie sich selber hin und werden von der betreffenden politischen Ecke auch nicht abgedrängt und deren Gewalthandlungen mehr oder weniger relativiert.


    Ich finde Gewalt seitens Polizeikräften genauso inakzeptabel, wobei zu unterscheiden ist zwischen Durchsetzung von Gesetzen und Notwehr und ungerechtfertigter polizeilicher Gewalt.


    Wer mit Gesetzen nicht einverstanden ist (z.B. Vermummungsverbot) muss sich an die Gesetzgeber wenden und nicht an die Polizei. Jede Form von Gewalt, die nicht Notwehrsituationen entspricht ist demokratiefeindlich.

    zitat: Ich finde Gewalt seitens Polizeikräften genauso inakzeptabel, wobei zu unterscheiden ist zwischen Durchsetzung von Gesetzen und Notwehr und ungerechtfertigter polizeilicher Gewalt.


    Wer mit Gesetzen nicht einverstanden ist (z.B. Vermummungsverbot) muss sich an die Gesetzgeber wenden und nicht an die Polizei. Jede Form von Gewalt, die nicht Notwehrsituationen entspricht ist demokratiefeindlich


    zitat ende


    genau so sehe ich es auch

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article166705114/Ramelow-fordert-eine-Beschraenkung-des-Versammlungsrechts.html


    einfach nur unfassbar. der einzige linke ministerpräsident der republik fordert wegen eines (übrigens friedlich verlaufenen) rechtsrockkonzerts die einschränkung des versammlungsrechts und beklagt, dass

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    Man könne "traurig" und "hilflos" werden, wenn 6000 Anhänger der rechten Szene getarnt als Demonstranten ein riesiges Rechtsrockfestival feierten und gleichzeitig Geld für ihr Netzwerk sammelten, während die Kosten der Steuerzahler übernehme.

    und das 10 tage nachdem die steuerzahler ungleich größere summen für eine showveranstaltung der bundesregierung sowie linke demos berappen mussten. die übrigens nicht friedlich sondern in teilen sehr gewalttätig abliefen. kann man ein noch schlechteres timing haben und noch deutlicher machen, dass man auf dem linken augen blind ist? :|N


    gewalt ist immer zu verurteilen, und so sehr ich auch demos beklage, die eine unappetitliche gesinnung zur schau tragen, stehe ich trotzdem voll hinter dem versammlungsrecht. das recht auf friedliche versammlungen und demonstrationen muss gewahrt bleiben.