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    Ich denke auch, dass alles was man an Äußerlichkeiten an sich modifiziert auch auf eine Außenwirkung abzielt - es geht darum sich selbst damit auszudrücken, was gleichbedeutend damit ist, einen Eindruck meiner selbst bei anderen hervorzurufen.

    Oder das genaue Gegenteil ist beabsichtigt, dann nennen wir es "Tarnung". ;-)


    Auch eine betont in mausgrauen Sack gewandete Person wird Blicke auf sich ziehen.

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    Ich kenne niemand mit Tattoos oder Piercing, der sie nicht jemand anderem zeigt.

    Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Gerade bezogen auf Tattoos ist das für mich etwas, das ich auf der Haut tragen möchte, entweder weil ich ein bestimmtes Bild oder was auch immer so intensiv fühle oder vertrete, dass ich es zu einem Teil von mir machen möchte oder weil es einfach geil aussieht. Genauso, wie ich mir ein Bild oder Foto so ansehen und es toll finden kann, ohne dass ich jemand zweiten dazu brauch, der es auch toll findet, genauso kann ich ein Tattoo an mir haben wollen, weil ich das Bild schön finde (??Ich hätte es wenn auch an einer Stelle, die nur mein Partner im Normalzustand je sehen würde??). Da haben andere wenig bis nichts damit zu tun.

    Glotzen/Starren


    Ich hab da nochmal drüber nachgedacht und denke der Punkt den Che aufwirft sollte man nicht vernachlässigen: den Blickkontakt. Wenn mich jemand ansieht und ich bemerke es, woraufhin die Person mir ins Gesicht sieht und freundlich lächelt und auf meine Mimik reagiert ist es schon viel weniger im Bereich des Starrens. Einfach weil da jemand nicht "starr" auf meine Brüste blickt und sich von dem Rest von mir nicht weiter irritieren lässt, sondern mit mir in Interaktion geht, mich als Mensch sieht und respektiert, Rücksicht nimmt, falls ich Ablehnung signalisiere und soweiter. Eine Art non verbaler Dialog eben.


    Starren ist aber kein Dialog. Das Beispiel von Furios Kumpel zeigt das. Er blickt durch die Leute hindurch, was die als Starren deuten und wofür es auch mal nen Anranzer gibt, weil alle non verbalen Signale vorher nicht gesehen werden. Logisch, er guckt die Leute ja auch nicht wirklich an, nimmt sie als Person gar nicht war. Höfflich geht in der Tat anders. ;-)


    Starren zeigt ja auch schon das unbewegliche daran an. Da bin ich als Person gar nicht interessant sondern nur als Projektionsfläche.


    Mein Tatoo haben bisher nur Bettgenossen gesehen und das mehr als Kollateralschaden, weil man es halt nicht unsichtbar machen kann. Das ist da nur für mich. Alleine. Deshalb nie wieder ein Tshirt auszuziehen wäre aber auch albern.


    Ansonsten kenne ich auch durchaus Personen die Kleidung tragen die NUR sie schön finden, die sogar manchmal doof angemacht werden für ihre Kleidung, aber sie tragen sie dennoch, weil sie ihnen als Person entspricht.


    Man trägt ja auch seine Persönlichkeit ein wenig nach aussen. Nicht umsonst tragen TransGender Kleidung die ihrem gefühlten Geschlecht entspricht, trotz negativer Reaktionen.

    Und klar ist so eine U-Bahn-Blase immer nur ein halböffentlicher Raum. Aber wenn man sich so beobachtet steltl man doch fest, dass man versucht den Leuten nicht zu vermitteln, dass man ihrem Gespräch zuhört. Man mischt sich nicht ein, man unterdrückt sogar ein Lachen obwohl ein Witz erzählt wurde, man wirft sich auch nicht in eine Argumentation hinein. Ja, manchmal geht das sogar soweit, dass Leute sich, obwohl offensichtlich gewalt gegen einen Menschen ausgeübt wird raushalten, weil sie es als "Privatangelegenheit" wahrgenommen haben.

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    Oder das genaue Gegenteil ist beabsichtigt, dann nennen wir es "Tarnung". ;-)


    Auch eine betont in mausgrauen Sack gewandete Person wird Blicke auf sich ziehen.

    Und selbst Tarnung, Modeverweigerung oder gar Nudismus (als ultimativer Verzicht auf "Verkleidung") ist ein Statement und eine bewusste Außenwirkung!


    Ich glaube, der Mensch als soziales Wesen ist soweit von Natur aus schizophren, dass er sich zumindest unbewusst immer auch mit den Augen eines "äußeren Ichs" sieht und entsprechend seine Handlungen steuert und seine Außenwirkung anpasst - selbst wenn objektiv kein Publikum vorhanden ist.

    danae87

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    Ja, manchmal geht das sogar soweit, dass Leute sich, obwohl offensichtlich gewalt gegen einen Menschen ausgeübt wird raushalten, weil sie es als "Privatangelegenheit" wahrgenommen haben.

    Das basiert nur auf blanker Angst oder Gleichgültigkeit, aber keinesfalls hat das was mit "Privatangelegenheit" oder schützenswerter Privatsphäre zu tun. Selbst der dümmste Vollhorst weiß, dass brutale Gewalt gegen einen Menschen keine Privatangelegenheit ist. Ansonsten kann ich deinem Argument "private Glocke im öffentlichen Raum" einiges abgewinnen. Nur eben nicht bei dem Beispiel Gewalt.

    Graue Socke

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    Ich glaube, der Mensch als soziales Wesen ist soweit von Natur aus schizophren, dass er sich zumindest unbewusst immer auch mit den Augen eines "äußeren Ichs" sieht und entsprechend seine Handlungen steuert und seine Außenwirkung anpasst - selbst wenn objektiv kein Publikum vorhanden ist.

    Nicht so pauschal bitte! Auf ganz viele Leute trifft das sicher zu, ja, auf die große Mehrheit sogar. Aber es gibt auch Individuen, denen ihre Außenwirkung vollends egal ist. Denen sieht man das auch an. Und bei denen, die ich jetzt meine, hat das auch ganz und gar nichts mit einem Statement zu tun. Überhaupt nicht!

    danae87

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    Starren ist aber kein Dialog. Das Beispiel von Furios Kumpel zeigt das. Er blickt durch die Leute hindurch, was die als Starren deuten und wofür es auch mal nen Anranzer gibt, weil alle non verbalen Signale vorher nicht gesehen werden. Logisch, er guckt die Leute ja auch nicht wirklich an, nimmt sie als Person gar nicht war. Höfflich geht in der Tat anders. ;-)

    Höflichkeit sowie Unhöflichkeit sind bewusste Handlungen. Bei Furios Beispiel fehlt mir der Vorsatz, da der Kumpel ja selbst nicht mal merkt, dass und wie er starrt. Wie kann das dann unhöflich sein? Natürlilch kann der/die Angestarrte das als unhöflich empfinden, aber das ist dann deren Fehlinterpretation, oder?

    Zitat

    Das basiert nur auf blanker Angst oder Gleichgültigkeit, aber keinesfalls hat das was mit "Privatangelegenheit" oder schützenswerter Privatsphäre zu tun. Selbst der dümmste Vollhorst weiß, dass brutale Gewalt gegen einen Menschen keine Privatangelegenheit ist. Ansonsten kann ich deinem Argument "private Glocke im öffentlichen Raum" einiges abgewinnen. Nur eben nicht bei dem Beispiel Gewalt.

    Ich seh das ja im Grunde auch so, aber es ist ein häufiges Argument. Ob das immer vorgeschoben ist trau ich mich nicht zu beurteilen, gerade bei so Grenzfällen in denen jemand angebrüllt wird oder hinter sich hergezerrt oder so.


    Und zur Belästigung wollte ich noch schreiben: Es gibt ja auch Leute die sowas "geruchsbelästigung" nennen. Scheint tatsächlich eine Frage der Sprachgewohnheiten zu sein.


    Furious Kumpel ist unaufmerksam seiner Umwelt gegenüber. Das ist ab einem gewissen Grad durchaus auch unhöfflich. Wenn ich jemanden umrenne, weil ich ihn oder sie schlicht nicht sehe, dann ist das ziemlich unhöfflich. Deswegen ist der Raum halt nur halb-öffentlich. Damit alle einigermaßen unbeschadet durchkommen müssen alle ein minimum an Rücksicht und Wahrnehmung bewahren. Dazu gehört halt weder zu Masturbieren noch Leute einfach umzurennen, um an den extremen Enden der Skala zu bleiben. Dazwischen wird es halt mal mehr und mal weniger kompliziert.


    Ist halt alles verdammt Kontextabhängig.

    @ danae87

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    Wenn mich jemand ansieht und ich bemerke es, woraufhin die Person mir ins Gesicht sieht und freundlich lächelt und auf meine Mimik reagiert [...]Eine Art non verbaler Dialog eben.

    jupp, genau so macht man das doch - so geht flirten los. Das geht natürlich auch in der U-Bahn - mit dem "Privat in der Öffentlichkeit" - Gedanken von oben kann ich nicht so viel anfangen.

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    Das Beispiel von Furios Kumpel zeigt das. Er blickt durch die Leute hindurch,

    Das hingegen passiert mir auch manchmal. Hab allerdings bislang noch nicht erlebt, dass das jemand anders nicht vom nachdrücklichen glotzen unterscheiden konnte ... hmmm.

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    Starren zeigt ja auch schon das unbewegliche daran an. Da bin ich als Person gar nicht interessant sondern nur als Projektionsfläche.

    :)^ Genau das meint man mit Objektifizierung. Ich sage übrigens auch nicht, dass mir das noch nie passiert wäre - auch ich habe schon Leute angegafft. Richtig ist das aber dennoch nicht.