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    Man stelle sich mal vor: ein Mann würde einer Frau vorschreiben, wo sie nun hingucken darf und wo nicht.

    Und auch da: Versteck dich nicht hinter ausgedachten Unterschieden. Wenn hier ein Kerl beklagt, dass irgendne gackernde Weiberrunde im Büro immer ungeniert auf seinen schön eng eingepackten Schwanz starrt, kannst du dir sicher sein, dass die Mehrheit das nicht super toll und voll okay finden würde.

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    Um mal wieder auf das konkrete Anfangsbeispiel zurück zu kommen: Setzt eine Belästigung nicht die Wahrnehmung durch das Opfer voraus?

    Grenzwertig, hm? Man kann sich natürlich schwerlich belästigt fühlen, wenn man es nicht weiß, aber man muss auch ein Stück weit einbeziehen, ob der andere es wollen würde und ob man da nicht die Privatsphäre des anderen verletzt. Manche Leute installieren Kameras im Kinderzimmer und beobachten die Kinder darüber beim Spielen. Finde ich keinen Millimeter in Ordnung.

    Gerade der Hinweis auf die Kinder führt doch zu einer weiteren Frage: Ist das Belästigt-fühlen nicht auch auf der Opferseite immer ein individuelles Ergebnis der jeweiligen Sozialisierung?


    So wird ein Erwachsener das Verhalten des Gaffers am Badestrand in dem Beispiel als sexuell motiviert und damit als Belästigung interpretieren, ein Kind würde sich gewöhnlich gar nichts dabei denken und folglich auch nicht belästigt fühlen. Kinder schauen und thematisieren schließlich, häufig zum Leidwesen der Eltern, selber sehr ungeniert alles was ihnen gerade auffällt....

    Mir ist ein Fall bekannt, bei dem sich ein Mann im Gebüsch bei einem Spielplatz selbst befreidigt hat während er den Kindern beim Spielen zugeschaut hat. Die Kinder haben sich nicht belästigt gefühlt, so ihre Aussagen. Verurteilt wurde der Mann trotzdem. Das finde ich auch sehr richtig.


    Ich mag das nicht, wenn so getan wird, als ob das nur eine Frage der Sozialisation des Opfers wäre, ob es sich belästigt fühlt oder nicht und dessen Empfinden willkürlich darüber entscheiden würde, ob eine Handlung ok ist oder nicht und im Ergebnis mache damit darauf hinauswollen, dass die Handlung immer ok ist und nur das Opfer falsch fühlen würde, wenn es sich belästigt fühlt.

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    Ich mag das nicht, wenn so getan wird, als ob das nur eine Frage der Sozialisation des Opfers wäre, ob es sich belästigt fühlt oder nicht

    Aber ist es nicht de facto so? ":/


    Der von Dir geschilderte Fall hat IMHO nichts mit Belästigung zu tun, sondern es handelt sich um sexuellen Missbrauch nach §176 StGB:

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    (4) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer


    1. sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt,[...]

    By the way - ??Wehe den Eltern, die die Schlafzimmertür nicht abschließen... .?? :-/

    zur Ausgangsfrage zurückkommend:


    Nur Gucken: Nein, keine Belästigung.


    Untern Rock gucken (auf ner Roltreppe): Nein, auch nicht.


    Rock anfassen um drunter zu gucken: Ja, Belästigung


    Anstarren mit deutlicher Gier im Blick: Ja, Belästigung, wobei das immer noch situationsabhängig ist. Also wenn ich aus der Situation nicht weg kann, zb im Bus oder im Fahrstuhl und mich diesen gierigen Blicken ausgeliefert fühle, dann ist es belästigend. Wenn ich die Situation postwendend verlassen kann, dann empfinde ich es als nicht so schlimm.

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    Anstarren mit deutlicher Gier im Blick: Ja, Belästigung, wobei das immer noch situationsabhängig ist. Also wenn ich aus der Situation nicht weg kann, zb im Bus oder im Fahrstuhl und mich diesen gierigen Blicken ausgeliefert fühle, dann ist es belästigend. Wenn ich die Situation postwendend verlassen kann, dann empfinde ich es als nicht so schlimm.

    Ja, das ist ein wichtiger Unterschied. Gucken und Anstarren. Klar ist da eine gewisse Grauzone mit Interpretationsspielraum, aber das heißt halt nicht, dass es nur um Befindlichkeiten ginge, wie manch einer gern suggeriert.

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    Um mal wieder auf das konkrete Anfangsbeispiel zurück zu kommen: Setzt eine Belästigung nicht die Wahrnehmung durch das Opfer voraus?

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    Ich mag das nicht, wenn so getan wird, als ob das nur eine Frage der Sozialisation des Opfers wäre, ob es sich belästigt fühlt oder nicht

    Ah, ich finde das schwierig. In Punkto "starren" ist es so, dass die Verletzung ja erst duch das Bemerken geschieht. Da kann man das noch so annehmen. Bei Fragen der Sozialisation wird es aber schon komplizierter. Man kann kleiner Menschen ja in allen möglichen dysfunktionalen und verletzenden Situationen sozialisieren. In den allermeisten Fällen werden sie das Verhalten übernehmen und tradieren, auch wenn sie furchtbare Schmerzen erlitten haben, oder änliches. Das ganze wird nichtmal dann als Übergriff deklariert, wenn jemand körperlich Verstümmelt wird sondern als notwendiges Übel/Opfer. Trotzdem wären solche Dinge in Deutschland klar rechtswidrig und würden auch bestraft werden. Was ich richtig fände, selbst wenn das Opfer des Übergriffs mit diesem soweit im Reinen wäre.


    Denn solche Vorgänge passieren ja nicht im luftleeren Raum sondern im Kontext einer Gesellschaft und verändern diese auch, zeigen den Bezugsrahmen der überstrapazierten "Werte" auf und soweiter.

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    Wenn ich die Situation postwendend verlassen kann, dann empfinde ich es als nicht so schlimm.

    Das sehe ich anders. Wenn ich angestarrt werde und mich unwohl fühle, soll ich die Situation verlassen?


    Warum soll ich denn meinen Platz räumen bzw den Ort verlassen, weil jemand anders gafft?


    Gucken ist okay. Gaffen ist Belästigung.

    Ich hab jetzt nicht alles gelesen. Das Pädoding find ich auch ziemliche Themaverfehlung wenn ich das so mal anmerken darf. Aber ich habe eine sehr eindeutige Meinung zu dem Thema:


    1. Wenn man zusätzlich etwas machen muss um zu sehen, also beispielsweise seinen Kopf unter einer Tür durchschieben, ein Kleid heben, oder sonstiges, dann ist es nicht ok


    2. Wenn man sich selbst dabei befriedigt, auszieht, oder sonstiges, ist es nicht mehr "nur schauen" sondern ganz klar eine sexuelle Belästigung


    3. Wenn man wirklich nur schaut, egal wie intensiv und glotzend, dann ist das vielleicht unhöflich und unangenehm. Aber es ist FÜR MICH kein Tatbestand der sexuellen Belästigung und sollte nicht verurteilbar sein.

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    Ich frage mich eher, ob ich nicht sexuell belästigt werde, wenn eine Frau mich durch ihr aufreizendes Verhalten oder Kleidung zum Hingucken zwingt. Kann ich als Mann so eine Frau ebenfalls anzeigen, weil ich mich dadurch sexuell belästigt fühle ? Werden dann auch gleich dieselben Mühlen in Gang gesetzt, wie wenn eine Frau das behaupten würde ?

    Diesen Einwurf betrachte ich selber für mindestens so wichtig wie die Frage, ab wann bloßes Kukken in eine "gesellschaftlich unakzeptable bis gesetzlich verfolgbare Belästigung" übergeht.


    Die Frage wird vorzüglich von religiösen Männern gestellt.


    Der nicht-religiöse Mann wird dagegen "unauffällig genießen und schweigen"


    Als religiöser Mann KÖNNTE man ja konsequent sein und sich sagen "das ist eine Versuchung, die mein Gott mir zugedacht hat, um mich zu testen" - aber irgendswie kann Mann das nicht. How come ;-)

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    3. Wenn man wirklich nur schaut, egal wie intensiv und glotzend, dann ist das vielleicht unhöflich und unangenehm. Aber es ist FÜR MICH kein Tatbestand der sexuellen Belästigung und sollte nicht verurteilbar sein.

    So juristisch habe ich das hier bisher noch gar nicht betrachtet. Ist ja ohnehin schlecht nachweisbar und überhaupt. Ich betrachte die Frage also eher unter dem Aspekt, ob es ein blödarschiges Verhalten ist, nicht, ob es juristisch belangt werden sollte.

    Ich wüsste auch gar nicht wie man da juristisch belangen sollte. Also ich meine, da müsste ja jemand gefilmt haben wie jemand starrt und zudem noch die Blickachse dabei voll im Bild haben, ebenso wie die angestarrte Person. Es wäre ja auch durchaus möglich, dass da jemand Faxen macht, alsogezielt angestarrt werden möchte oder auch beleidigende Gesten oder so.

    Ich mein, was man selbst als unangenehm empfindet ist doch ganz individuell.


    Der eine findet es schon unangenehm, wenn jemand Blickkontakt aufbaut, der andere geniest es angestarrt zu werden. Ich persönlich entziehe mich unangenehmen Blicken, was ich unangenehm finde, ist aber auch Tagesformabhängig.


    es gibt sowieso ganz legitime Dinge, die ich trotzdem unangenehm finde. Beispielsweise wurde mir vor wenigen Tagen von einem ehemaligen Bekannten ganz nett auf einen Glühwein eingeladen. Für mich unangenehm und belästigend, weil ich romantische Beweggründe vermute, die ich nicht erwidere.


    --> Aber da von sexueller Belästigung zu sprechen ist doch einfach vorbei am Sinn des Ganzen und bagatellisiert echte sexuelle Belästigung durchaus auch irgendwie.