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    Das ist auch in Deutschland schon ziemlich aufgeweicht worden.

    mit bafög und studentenkredit können sich in deutschland auch arme menschen ein studium leisten. das große gerechtigkeitsproblem beim deutschen uni-zugang sind mässig begüterte familien, in denen das einkommen der eltern knapp über der bafög-bemessungsgrenze liegt. häufig können die ihren kindern nicht so unter die arme greifen wie vom system unterstellt. diese kinder sind dann die, die wirklich die arschkarte gezogen haben.


    insofern wäre ich ja ohnehin für bafög für alle, und die rückzahlung richtet sich dann nach dem verdienst der eltern: jahreseinkommen der eltern über 70k € -> vollständige rückzahlung, sobald der absolvent entsprechend verdient. jahreseinkommen der eltern zwischen 40k und 70k € -> rückzahlung wie bisher, also die summe, die über 10k hinausging zurückzahlen, die 10k sind geschenkt. jahreseinkommen der eltern unter 40k € -> keine bafög-rückzahlung. oder von mir aus mit mehr staffelung.

    Black Gun, ich meinte eher, dass der Zugang zur allgemeinen Hochschulreife in Deutschland zu leicht ist und man die Abitur-Anforderungen wieder deutlich hochschrauben sollte (natürlich nicht in 12 Jahren, sondern in 13). Dass man den käsigen Bachelor mal wieder kippt, diese Hoffnung habe ich schon aufgegeben. Das ist auch so nicht Fisch - nicht Fleisch.


    Da geht man heute mit einem Dreier-Abischnitt oder nach paar Wartesemester ins Studium und dann mit einem Bachelor of Arts wieder ab. Wem bringt das was? Warum lässt ein Bildungssystem so etwas zu?

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    Da geht man heute mit einem Dreier-Abischnitt oder nach paar Wartesemester ins Studium und dann mit einem Bachelor of Arts wieder ab. Wem bringt das was? Warum lässt ein Bildungssystem so etwas zu?

    Keine Ahnung, wie das bei euch ist - in Österreich hecheln wir ständig den anderswo so viel höheren Akademikerquoten hinterher. Dass bei uns vieles, was anderswo verhochschult ist, im dualen System der Lehre ausgebildet wird, wird dabei leider gerne ignoriert. Soweit ich weiß, gibt es das anderswo in der Form kaum?


    Was meiner Meinung nach dazukommt, ist diese generelle Tendenz zu "mehr Uniabschluss ist besser", weil ja jeder alles studieren kann und auch sollte und man mittlerweile gefühlt für vieles einen Abschluss braucht, wo man ihn früher nicht gebraucht hätte. Und wenn immer mehr Leute studieren (sollen), sich die Intelligenzverteilung in der Bevölkerung aber nicht wesentlich geändert hat, müssen eben die Anforderungen runtergeschraubt werden, weil das sonst irgendwie nicht aufgeht. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man für ein Studium einen IQ von mindestens 120 haben sollte - den haben per Definition 10% der Bevölkerung.

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    Dass bei uns vieles, was anderswo verhochschult ist, im dualen System der Lehre ausgebildet wird, wird dabei leider gerne ignoriert.

    In Deutschland gibt es genauso die Ausbildung im Dualen System, es gibt auch berufsbegleitende Studiengänge. Es müsste daher nicht sein. Mittlerweile werden auch die Titel immer verrückter, die man an einer Uni erwerben kann. Was du im "Bachelor of Business Administration" über 6 Semster lernst (und i.d.R. ohne Zulassungsbeschränkung), kannst du dir genauso in der Praxis aneignen. Und die Themen werden immer verworrener und beliebiger. Mit einer akademischen Laufbahn hat das nicht mehr viel zu tun.


    Das Thema lässt sich für diesen Faden nicht einfach in rechts/links einsortieren. "Tolle Bildung" versprechen sie alle. Da kommen dann so Worthülsen wie "digitale Bildungsoffensive" (CDU), Linke/Grüne/FDP nennen wenigstens konkrete Zahlen zur finanziellen Unterstützung, eine Erhöhung der Anforderungen benennen als Wunsch lediglich FDP und AfD. Das ist zumindest der NRW-Tenor, denn Bildung ist ja nach wie vor Ländersache.

    da bin ich ganz bei euch, das ständige herunterschrauben der anforderungen und die krampfhafte akademisierung eigentlich nicht-akademischer inhalte hilft niemandem. es führt nur zu einer verschulung der uni, die ausser heißer luft am ende des tages nichts produziert.


    gerade von linker seite wird ein mehrgliedriges, differenzierendes schulsystem häufig als ungerecht und diskriminierend gegenüber arbeiter- oder migrantenkindern kritisiert. ich persönlich finde jedoch, dass man in sachen bildung durch nichts den menschen mehr hilft und dadurch langfristig auch gerechtigkeit schafft, als durch einen bildungsweg, der den interessen, stärken und der allgemeinen leistungsfähigkeit des einzelnen entspricht. in ihren neigungen und befähigungen unterscheiden sich die menschen einfach sehr stark, gleichmacherei marke gesamtschule oder "abitur für alle" führt nur zur fehlallokation staatlicher ressourcen und zu brachliegenden talenten. nachteile von kindern aus unterprivilegierten elternhäusern sollte man eher anders kompensieren, zb durch mehr nachmittagsbetreuung. oder durch eine kindergartenpflicht kombiniert mit verpflichtenden deutschkursen für alle kindergartenkinder aus nicht-deutschen elternhäusern.


    aber angesichts bestehender leistungsunterschiede zwischen menschen die leistungsschwächeren zu fördern, so dass sie ihr niveau steigern, ist halt wieder eine klassische rechte vorgehensweise. dem zeitgeist entspricht es eher, das leistungsprinzip über quoten ausser kraft zu setzen, die starken über sozialistische gleichmacherei auf das niveau der schwächeren runterzuziehen oder sonst wie diskriminierung und rassismus als grund auszumachen.

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    gerade von linker seite wird ein mehrgliedriges, differenzierendes schulsystem häufig als ungerecht und diskriminierend gegenüber arbeiter- oder migrantenkindern kritisiert.

    Wo die Linken völlig Recht haben ist die Tatsache, dass Bildung keine Geldfrage sein darf. Bildung ist das Zukunftskapital eines Landes. Was mir bei Linken aber oft aufstößt ist die Ablehnung des Leistungsgedankens - Geld allein macht nicht schlau. Am Schluss sind alle happy und durch die Bank auf Mittelmaß - diese Vision teile ich nicht und ich will sie auch nicht. In den 60ern und 70ern waren auch alle happy, weil auch ein Hauptschulabschluss etwas gegolten hat und man damit einen anständigen Beruf erlernen konnte. Den Ruf der Abschlüsse haben unsere Bildungspolitiker kaputtgemacht, aber auch die zunehmende Zahl bildungsferner Haushalte. Anstatt den Eltern zu vermitteln, dass sie ihrem Junior auch mal in den Arsch treten müssen, ruft man einfach nach Umverteilung - das ist mir eine Spur zu billig.

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    aber angesichts bestehender leistungsunterschiede zwischen menschen die leistungsschwächeren zu fördern, so dass sie ihr niveau steigern, ist halt wieder eine klassische rechte vorgehensweise.

    Da würde ich nicht einmal widersprechen. Aber zum Glück ist es kein Alleinstellungsmerkmal der Rechten. Neben der FDP kommen da z.b. auch sehr vernünftige Stimmen von den "Freien Wählern" (und auch nicht so plakativ wie aus der FDP-Richtung). Denn wie du schon über die FDP sagtest, sind für mich die Rechten aus ganz, ganz vielen anderen Gründen und Prioritäten nicht wählbar. Auch wenn ich hier und da eine thematische Schnittmenge finde ;-)

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    Geld allein bringt nix - wenn Leistung ab Kika-Zeit ein Fremdwort ist und für nix etwas getan werden muss, dann bringt auch viel Geld in einen hohlen Kopf nichts rein.

    deshalb ist es wichtig, dass gerade kinder aus elternhäusern, in denen leistung und disziplin nicht groß geschrieben werden, frühzeitig gefördert werden und spätestens in der schule auch positive vorbilder erleben. ok, wenn dann in einer grundschulklasse 90% der kinder aus hartzIV-familien der zweiten oder dritten generation kommen, oder wenn die 25 kinder in der klasse 15 verschiedene muttersprachen haben, und keine davon ist deutsch, dann wird das natürlich auch bei bester förderung nichts.

    Mir geht die Diskussion bei den Linken vor allem am Thema vorbei. On Österreich gab es mit Stand 2015 21% Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache (nicht: Muttersprache), in Wien sind es rund die Hälfte, ohne die Zuwanderung von 2015 und 16. Da kannst du den Lehrplan noch so zukunftsfit machen und modernisieren - das kann meiner Meinung nach keine Schule mehr leisten. Im Wien gibt es mittlerweile Schulen mit 90% oder 100% Migrantenanteil, und nein, das sind nicht alles Diplomatenkinder mit superem Elternhaus, sondern teils 2. oder 3. in Österreich lebender menschen. Nur diskutiert über diesen Kern der Probleme niemand, es wird immer nur peripher erwähnt. Und bei den PiSA-Ergebnissen schauen dann wieder alle verwundert, wie das sein kann. Natürlich krankt es nicht nur an Nicht-Deutschsprachigen, aber was da an Mitteln in Selbstverständlichkeiten (nämlich die Sprache des Landes zu beherrschen, in dem man aufgewachsen ist) reingesteckt werden muss, damit könnte man anderweitig wohl das beste Schulsystem der Welt aufziehen.


    Ich bin dann wohl rinks oder lechts, weil ich einen starken Staat und staatliche Systeme, ob nun Bildung oder Gesundheit, eindeutig befürworte, aber auch einsehe, dass es dafür Einzahler braucht, damit das System nicht kippt. Immer mehr, die herausnehmen, und immer weniger, die einzahlen, wird nicht funktionieren.

    Und @danae: ich kann mir durchaus vorstellen, dass man Genderlehrstühle ablehnt, weil einem das ganze mittlerweile zu ideologisiert und dogmatisch und zu an den Fakten vorbei ist, aber ganz entschieden nicht gegen alternative Lebensweisen ist. Ich zum Beispiel - was ich von Gendertheorie etc. mitbekomme, lässt mich Genderlehrstühle auch instinktiv eher als ideologischen Schwachsinn ablehnen, obwohl ich für Chancengleichheit bin und bei Vorurteilen aufgrund des Geschlechts Gift und Galle spucke und vehement dafür eintrete, dass jeder nach seiner Façon glücklich werden soll und dass das niemanden anderen etwas angeht, solange man niemandem damit schadet (wie gesagt - was ich mitbekomme. Ich kann Leute nicht ernstnehmen, die vor lauter Ideologie die Realität nicht mehr sehen, und da kommt es mir so vor)

    Ich denke dass nur Geld in Bildung und Schulen stecken und für gleiche Rechte für alle zu plädieren,nicht der richtige Weg ist. Hört sich toll an, aber von Elternhaus muss auch was kommen.


    Ich denke hier nicht ans Geld, sondern ganz normale und für mich selbstverständliche " Kinderstube".. Viele Schüler haben einfach nie gelernt zu Hause, dass man sich auch Mühe geben muss, und man nicht einfach so mittelmäßig durch die Schule kommen muss, dann wird alles gut..


    Ich bin fest davon überzeugt dass Bildung auch viel damit zusammenhängt, was man als Kind und Jugendlich zu Hause vermittelt bekommt. Hört sich vielleicht jetzt total altmodisch und konservativ an, aber so lange viele Eltern nicht dazu in der Lage sind, deren Kindern ein Tritt in den Hintern zu geben, wenn die Kinder lieber PlayStation spielen möchten als Husaufgaben zu machen und so weiter, dann wird es mit der Bildung nicht besser. Bildung fängt zu Hause an.. Es nützt absolut nichts dass alle gleiche Chanchen haben, dass Regeln und Pflichten in der Schule vermittelt werden, wenn es zu Hause ganz anders aussieht..


    Eine Bekannte von mir ist Lehrerin.. Was ich zu hören bekomme, ist einfach unfassbar.

    mag ja alles richtig sein, aber der ist-zustand ist nun mal so, dass viele elternhäuser salopp gesagt "hoffnungslose fälle" sind, von denen keine positiven impulse für ihre kinder zu erwarten sind. was also tun? sie aufgeben und der perspektivlosigkeit preisgeben? sie per zwang mit den bürgerkindern zusammenstecken und dadurch diejenige schülergruppe nach unten ziehen, aus der sich der weit überwiegende teil unserer zukünftigen leistungsträger rekrutieren wird? imho ist beides keine echte option. auch würde man mit erzwungenen gesamtschulen oder konstrukten wie "migrantenquoten" in schulen nur die flucht privilegierter familien zu den privatschulen befeuern.


    unterm strich bleibt einem in der kurzen frist nicht viel mehr übrig, als die kinder aus bildungsschwachen elternhäusern bestmöglich zu fördern. parallel sollte man selbstverständlich versuchen, die bildung und die leistungsbereitschaft bei diesen bildungsschwachen elternhäusern zu verbessern; und selbstverständlich sollte man versuchen, der entstehung neuer sozialfälle entgegenzuwirken. gerade bei letzerem versagt unsere politik kläglich.

    die Frage ist natürlich was habe ich davon, wenn ich das studieren möchte, was ich interessant finde, wenn ich dann keinen Job finde.


    Mich hat Astrophysik, Astrochemie, Radiochemie und hnliches sehr interessiert, aber das habe ich schon vor langer Zeit gewusst, dass ich da in Ö kaum einen Job kriege. Aber irgendwas naturwissenschaftliches hab ich mir dann ausgesucht.


    Wenn mir in der Rente arg langweilig ist, könnte ich ja was in der Art zu studieren beginnen :-)