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    Mit Rechts ist eine Position gemeint, und zwar die, die für das Bewahren und das Schützen des eigenen Bestandes steht. Als reines Gedankengut ist das kaum verwerflich, aber das kann zu einem selbst verstärkenden Effekt führen, wie ich vor einer Stunde schrieb, der dann rechtsradikal ist. Der erste Schritt in diese Richtung ist die Annahme, auf der richtigen Seite zu stehen, wobei alle anderen Seiten erklärtermaßen verwerfungswürdig sind.

    Andere Strömungen sind aber, wie ich bereits sagte, genauso wenig gegen selbstverstärkende Effekte immun. Beispielsweise die Grünen vertraten Ansichten, die man in entsprechenden Kreisen als "progressiv" und "normal" erachtet hat. Heute gilt das zum Glück wieder als strafrechtlich relevante Perversion, also war an der Stelle offensichtlich ein entsprechendes Korrektiv erforderlich.

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    Täter werden nicht zu Opfern, auch wenn der Papp dreimal umgerührt wird. Aber umgekehrt geht es: Ein schwarzer Amerikaner kann zum Rechten werden, indem er in der vorgeschobenen Opferrolle die Weißen stigmatisiert. Eine Gutschrift für einen - sagen wir vom Ku Klux Klan - ist das aber nicht.

    Es geht hier aber von vornherein nicht um die Täter und Opfer von damals - die Sache ist gelaufen. Davon abgesehen verstehe ich nicht, wieso ein schwarzer Chauvinist/Rassist dem rechten Spektrum zugeordnet werden sollte. Welches Element der politischen Rechte wird an der Stelle bedient?

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    Als politische Rechte wird ein Teil des politischen Spektrums bezeichnet. Sie geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus und befürwortet oder akzeptiert daher eine gesellschaftliche Hierarchie. Ungleichheit wird deshalb von der politischen Rechten als unausweichlich, natürlich, normal und wünschenswert betrachtet.

    Okay, gute Definition, gefällt mir. Damit wird der Unwert, ja sogar die Gefährlichkeit des rechten Rands deutlich gemacht. Was lässt sich nicht alles damit erklären, angefangen bei der Sklaverei und der Begründung des zweiten Weltkriegs!?

    Die Definition ist aber im Gegensatz zu deiner Ergänzung nicht ansatzweise wertend. Ungleichheit bedeutet genauso Individualismus und Leistungsgerechtigkeit. Und Gleichmacherei ist genauso destruktiv wie Ungleichheit, die auf ungerechtfertigten Kriterien beruht. Das Problem sind jeweils die radikalen, von persönlichen Interessen verunreinigten Strömungen.

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    Und das Ganze jetzt büütte noch mal für linke Politik.

    Auf der Linken Seite herrrscht oft das Bestreben, den Menschen sagen zu müssen, wie sie in zahlreichen Einzelheiten zu leben haben.


    Man kann dazu beitragen, dass Menschen lernen, selbst Verantwortung zu tragen. Nicht über Ver- und Gebote, sondern über sachliche Aufklärung und demokratische Debatten.


    Da bedarf es keiner "revolutionären" Gewalt. Gewalt ist genaugenommen immer ein Gegenteil von revolutionär.


    Wenn das sogenannte Revolutionäre der Gewalt bedarf, dann ist es nicht revolutionär.


    Da wird oft genug in der Tat auf Gleichmacherei gedrängt, die nicht existiert und die auch nicht wünschenswert ist.


    ... Eine Umverteilung von oben nach unten eingefordert. Wenn dieses Oben gar nicht erst entstehen kann, weil demokratisch schwerer durchsetzbar, ist ein Zurückverteilen nicht notwendig.


    Und dafür brauche ich das Gegenteil von starkem Staat.


    Innovation (gesellschaftlich, sozial, technisch, naturwissenschaftlich) kann nur in Freiheit (frei von Geld- und Machtzwängen) für alle hinreichend nutzbringend in die Gesellschaft einfließen.


    In einer Gesellschaft, in der Solidarität, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zum allgemeinen Grundtenor zählt, benötige ich keinen starken beaufsichtingenden Staat, bei dem die Macht zum Primat wird und die Hierarchieebenen sich nicht über Geld, sondern über politische Macht etablieren.


    Die Frage ist: Wie komme ich zu einer Gesellschaft, in der Solidarität, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zum allgemeinen Grundtenor zählt? Das kann nicht von oben verordnet werden, sondern muss von unten, im Kleinen wachsen uns sich etablieren.

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    Die Definition ist aber im Gegensatz zu deiner Ergänzung nicht ansatzweise wertend.

    Ich bitte um Entschuldigung, dass ich das negativ werte, was Sklaverei und den Beginn des 2. Weltkriegs als Systemkategorie hält (Ungleichheit natürlich, normal und wünschenswert). Ja, ich werte es bewusst herab, wenn sich eine Gruppe als Herrenklasse generiert. Entsetzt bin ich nur, dass ich das so deutlich schreiben muss.

    Sensibelmann, Danke @:) für Deine Ausführungen!

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    Wie komme ich zu einer Gesellschaft, in der Solidarität, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zum allgemeinen Grundtenor zählt? Das kann nicht von oben verordnet werden, sondern muss von unten, im Kleinen wachsen uns sich etablieren.

    Wenn die Menschen ungleich leben, wird es vermutlich immer Neid und Egoismus geben.


    Das es in der DDR mehr soziales Miteinander und Solidarität in Bevölkerung gab, lag auch daran das alle praktisch in einem Boot sassen, also ein "gleiches" Leben führten.


    Zumindest Kinder sollten in einer Gesellschaft halbwegs gleich aufwachsen. Wie man das verwirklichen will, weiß ich allerdings auch nicht.

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    Ich bitte um Entschuldigung, dass ich das negativ werte, was Sklaverei und den Beginn des 2. Weltkriegs als Systemkategorie hält (Ungleichheit natürlich, normal und wünschenswert). Ja, ich werte es bewusst herab, wenn sich eine Gruppe als Herrenklasse generiert. Entsetzt bin ich nur, dass ich das so deutlich schreiben muss.

    [...]


    Offenkundig ging es hier um eine Definition der (gemäßigten) politischen Rechten, und zwar hinsichtlich einer zunächst mal vollkommen wertneutralen Ungleichheit. [...]


    Deine historischen Bezüge interessieren an der Stelle niemanden. Deswegen habe ich auch mit keiner Silbe darauf Bezug genommen, sondern mich wieder dem abstrakten Begriff gewidmet. [...]

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    Wie man das verwirklichen will, weiß ich allerdings auch nicht.

    Den Grundgedanken hatte ich in irgendeinem Thread schon einmal beschrieben. Besonders intensiv hatte sich schon 1903 Rudolf Diesel in seinem Werk "Solidarismus" auseinandergesetzt und ziemlich konkrete Ideen entwickelt. Letztlich läuft es auf eine freiwillige wirtschaftliche Abspaltung von Menschengruppen hinaus, die ihre gesellschaftlichen Verhältnisse selbst organisieren. Das Prinzip ließe sich auch auf heutige Verhältnisse im gegenwärtigen Wirtschaftsssytem umsetzen (und es gibt hier schon zahlreiche Menschengruppen, die das in ähnlicher Form und in Teilbereichen in Deutschland umsetzen, z.B. hier, oder hier oder hier).

    um noch mal die definition von sensibelman aufzugreifen:

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    Als politische Rechte wird ein Teil des politischen Spektrums bezeichnet. Sie geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus und befürwortet oder akzeptiert daher eine gesellschaftliche Hierarchie. Ungleichheit wird deshalb von der politischen Rechten als unausweichlich, natürlich, normal und wünschenswert betrachtet.

    verschiedenheit in talenten und persönlichkeitsstruktur ist etwas natürliches, impliziert aber für sich genommen noch keine unterschiedliche wertigkeit dieser verschiedenen menschen. auch wenn belafonte das gerne unterstellen würde.


    es ist zb nur fair und gerecht, wenn der fleissige mehr hat als der faule; oder wenn derjenige, der aussergewöhnliches für die gesellschaft leistet, mehr anerkennung erfährt als der uninspirierte mitläufer. daraus direkt rassismus stricken zu wollen, ist schon ein seeeehr weiter gedankensprung.


    kurz gesagt: die menschen sind verschieden, waren sie schon immer und werden sie immer sein. ein maßvoller sozialer ausgleich ist sicher notwendig und begrüßenswert, aber darüber hinaus ist linke gleichmacherei wider der natur des menschen, und daher auch zum scheitern verurteilt.


    wie umfangreich der ausgleich über einen sozialstaat sein sollte und wie 'steil' die gesellschaftliche hierarchie ausfallen sollte, bleibt die große frage, die es zu diskutieren gilt.


    der unterschied zwischen mitte-rechts bzw "der demokratischen rechten" einerseits und rechtsradikalem bis -extremem gedankengut andererseits liegt in der frage, worauf sich die gesellschaftliche hierarchie begründen sollte. die demokratische rechte steht meinem verständnis nach für die meritokratie, in der die gesellschaftliche position durch leistung verdient wird. bei den rechtsradikalen hingegen befürwortet man eine gesellschaftliche staffelung nach rassischen oder völkischen kriterien.

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    kurz gesagt: die menschen sind verschieden, waren sie schon immer und werden sie immer sein. ein maßvoller sozialer ausgleich ist sicher notwendig und begrüßenswert, aber darüber hinaus ist linke gleichmacherei wider der natur des menschen, und daher auch zum scheitern verurteilt.

    Würde Reichtum immer ausschließlich auf eigener Leistung und Armut immer ausschließlich auf eigenem Versagen basieren, dann könnte man das so stehen lassen. Das ganze krankt aber leider ganz erheblich an der simplen Tatsache, dass der Reichtum der Wenigen nicht selten auf dem Leid - und auch der Arbeit - anderer beruht. Seien es unterbezahlte Arbeiter im In- und Ausland, durch den Westen ausgebeutete Ressourcen, gezielte politischer Destabilisierung anderer Länder, Krieg, der vordergründig für Demokratie und in Wahrheit für Öl und andere Rohstoffe geführt wird, etc pp.

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    Das es in der DDR mehr soziales Miteinander und Solidarität in Bevölkerung gab, lag auch daran das alle praktisch in einem Boot sassen, also ein "gleiches" Leben führten.

    Das soziale Miteiander endete meistens dadurdurch, dass dich diverse Personen über ihre politische Macht anmaßten, den Arbeitenden, den sich Bemühenden, ihren eher individuellen Willen (machtbasiert) aufzudrücken. Dadurch entfleuchte das "Unser" zu "die da oben".


    Persönliche Bereicherung- einige hatten mehr zu sagen als andere- kehrten über die Machtschiene in die Gesellschaft ein.


    Bonzen feierten so auch Hochkonjunktur- nur nicht über die wirtschaftliche sondern über die politische Schiene. Was offenbar für die Menschen oft noch schlimmer war, als über die wirtschaftliche Schiene, weil die wirtschaftliche Schiene mehr Hirnschmalz erforderte.

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    Offenkundig ging es hier um eine Definition der (gemäßigten) politischen Rechten, und zwar hinsichtlich einer zunächst mal vollkommen wertneutralen Ungleichheit.

    Gibt es da etwas von Belang, oder geht es nur um die lapidare Feststellung persönlicher Individualitäten? Komm bitte endlich zu Potte und erkläre, was eine wertneutrale Ungleichheit bei Leuten sein soll, die sich zugleich als selbsternannte Eltite an die Spitze der Hierarchie aller politischen Strömungen setzen. Also, alles ist gleich wertvoll, aber wir stehen oben. Das ist doch eine Farce.

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    [...]

    dazu:

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    [...]

    Ach ja?

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    die demokratische rechte steht meinem verständnis nach für die meritokratie, in der die gesellschaftliche position durch leistung verdient wird.

    Wie ja schon angesprochen wurde, bezieht sich der Begriff "Leistung" aber leider nicht auf Arbeitsleistung im Sinne der Gesellschaft.


    Und ich vermisse das auch bei den demokratischen Rechten das der Begriff Leistung wieder für ehrliche Arbeit steht und nicht für Manipulation und Egoismus. (Aber ich vermisse es auch bei der SPD und den Grünen.)

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    Das soziale Miteiander endete meistens dadurdurch, dass dich diverse Personen über ihre politische Macht anmaßten, den Arbeitenden, den sich Bemühenden, ihren eher individuellen Willen (machtbasiert) aufzudrücken. Dadurch entfleuchte das "Unser" zu "die da oben".

    Ich meinte mit sozialen Miteinander das einfache Volk, die Nachbarin die geklingelt hat wenn es Melonen gab im Gemüseladen, unabhängig von den Machthabern.


    Hätte es den Zusammenhalt nicht gegeben, wäre es nicht zu einer friedlichen Revolution gekommen.