Mein Mann und sein Beruf

    Ich bin seit knapp 10 Jahren verheiratet und liebe meinen Mann (Polizist) sehr. Wir sind gemeinsam durch etliche Höhen und Tiefen gegangen. Notgedrungen habe ich mich über die Jahre mit dem Schichtdienst arrangiert. Es war nicht schön und das zunehmende Aggressionspotenzial gegenüber seiner Berufsgruppe fühlt sich nicht gerade toll an.


    In den letzten Jahren nahm meine Sorge dann aber zu. Arbeitskollegen wurden verletzt beim Dienst . Nachtschicht, Überstunden, wenig Zeit.


    Irgendwie habe ich mich aber damit abgefunden und wir haben uns über die Jahre arrangiert.


    In den letzten 2 Jahren merkte ich dann, dass er verstärkt trainierte und sich beruflich verändern wollte. Ich dachte zuerst er meint eine komplett andere Arbeit, dann gestand er mir er will zum Spezialeinsatz.


    Ich hab anfangs noch geschluckt und dachte mir: Na, ja der Test ist eh sehr schwer. Wer weiß ob er den schafft, also nicht unnötig verrückt machen.


    Nun lud er mich vor kurzer Zeit zum Essen ein und offenbarte mir: Er hat den Test geschafft. Er kann den Lehrgang machen. Ich hab erstmal geschluckt und wusste nicht was ich sagen sollte.


    Es ist Fluch und Segen, aber ich werde nicht so wirklich warm damit.


    Sein Beruf bei der Polizei war schon gefährlich und wurde in den letzten Jahren immer gefährlicher. Aber Spezialeinsatz? Das fühlte sich nicht beruhigend an.


    Nun bin ich so, dass ich ihn sehr liebe und hinter jeder seiner Entscheidungen stehe. Meine Sorgen macht das nicht kleiner. Ich will ihn eben nicht verlieren und mache mir schon Gedanken.


    Ich stehe aber zwischen den Stühlen. Ich will ihm damit nicht weh tun, denn ich weiß er brennt dafür, mache mir aber trotzdem Sorgen.


    Wie kann ich ihm meine Bedenken mitteilen? Sollte ich das überhaupt?

  • 9 Antworten

    Spontan fällt mir ein, dass Spezialkommandos ganz andere Sicherheitskonzepte haben als der Streifendienst. Zwar ist z.B. der GSG9- Einsatz damals in Mogadischu als Himmelfahrtskommando unvergessen, aber das war nicht der Alltag der Einheit. Der Alltag ist Dienstbereitschaft und manchmal eine Objektsicherung. Harmlos ist der Dienst sicher nicht. Mein Job ist es auch nicht als Handwerker. Mir drohen elektrische Schläge, die ich schon zu Genüge bekommen habe oder der Sturz von langen Leitern und Dächern.

    Zitat

    Sorry, aber wer als Elektriker Stromschläge bekommt hat irgendwas falsch gemacht.

    Ich hatte auf dem Werktisch meines alten Chefs einen Radioapparat zur Reparatur. Der Tisch war vorschriftsmäßig mit einem Netztrenntransformator ausgerüstet. Man hätte nacheinander beide Pole der Steckdose berühren können, ohne das leiseste Zucken zu spüren. Als ich den Raum kurz verlassen hatte, schloss mein Nebenmann versehentlich mein Gerät an. Ich fasste dann mit der linken Hand links an das Chassis, und die Rechte Hand kam hinten auf die Netzsicherungen zu liegen. Damit lagen - damals noch - 220 Volt an meinen Armen. Jede Bewegung war blockiert! Es schien, als ob die Hände festklebten. Die 50-Hertz-Vibration war im ganzen Oberkörper zu spüren. Es fühlte sich an, als ob sich das Herz einmal herumdrehen wollte.


    Die Beine konnte ich noch bewegen. Mit zwei Schritten zurück zog ich das Gerät vom Tisch, das zu Boden fiel. Glück gehabt - und der bleiche Chef sagte kein Sterbenswörtchen.

    Ich arbeite gefährliche Patienten, die jederzeit angreifen können. Alleine. Alle sind wegen Körperverletzung vorbestraft.


    Im SEK geht Eigensicherheit immer vor. Es ist weniger gefährlicher als Streifenpolizist. Da ist man nur zur Zweit und nicht geschützt. Da wäre ich eher entspannter.

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    Wie kann ich ihm meine Bedenken mitteilen? Sollte ich das überhaupt?

    Indem Du es ihm genau so sagst, wie Du es hier geschrieben hast. Stelle DEINE Befürchtungen in den Vordergrund und lass' Dich von ihm aufklären, ob es dort so viel schlimmer/riskanter ist.


    Kann es sein, dass Du bzgl. SEK derartig in eine Starre aus Angst, Unsicherheit etc. verfällst, dass das Deinen Umgang mit dem Thema (siehe anderer Faden!) sehr verkrampft werden lässt? Dass Du gar nicht so ganz genau weißt, was auf Euch zukommt, und Dir Horrorszenarien ausmalst?


    Ja, Polizei ist kein Bürojob, aber SEK bedeutet auch mehr Schulung, Wissen, Training als Streife. Restrisiko gibt es überall im Leben.

    Mein Partner ist im Bahnbereich tätig - und neulich riss eine Oberleitung. Da Fahrdienstleiter hat den Strom abgeschaltet (nachdem er endlich mal ans Telefon ging, während das Ende der Leitung frei auf dem Gleis lag) und "um mal zu gucken" leider noch 3x draufgeschaltet. Nix passiert, aber eher durch Zufall. Okay, die Lok-Elektronik hat es komplett zerlegt und es war eher Glück, dass mein Partner das Ende nicht abbekommen hat. Inkompetenz, Hochnäsigkeit (DB ist halt was Besseres als Subfirmen) und mangelnde Kommunikation. Super Kombi, zumal der FDL nicht einsichtig war. That's life.

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    Wie kann ich ihm meine Bedenken mitteilen? Sollte ich das überhaupt?

    Naja, Bedenken sollte man als Lebenspartner schon mitteilen. Als mein Mann vor etlichen Jahren wieder mit dem Motorradfahren begann, hatte ich ebenfalls Bedenken, und diese äußerte ich auch. Ich finde das normal.


    Andererseits gibt es im Leben unzählige Unwägbarkeiten. Du kannst z.B. beim Fensterputzen von der Leiter stürzen und Dir das Genick brechen. Andere verunglücken auf der Skipiste, haben einen Autounfall oder kriegen einen Herzinfarkt.


    Einer meiner Schwager ist Soldat und war in den vergangenen Jahren vielfach über jeweils viele Monate im krisengeschüttelten Nahost-Gebiet. Ihm ist nie etwas passiert.

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    Ich fasste dann mit der linken Hand links an das Chassis, und die Rechte Hand kam hinten auf die Netzsicherungen zu liegen. Damit lagen - damals noch - 220 Volt an meinen Armen. Jede Bewegung war blockiert!

    Arbeiten unter Spannung! Da gibts genaue Vorschriften. Das ist nichts für Hobbyschrauber.