Was Weinstein betrifft: Er ist ja nicht durch seine jahrelangen Übergriffe "gefallen", sondern (leider nur) durch seinen geschäftlichen Misserfolg in letzter Zeit; säße er noch fest im Sattel, gäbe es wohl kein #metoo, befürchte ich.


    *:)

    Shojo


    Mit Verlaub, Eure Ehren! Seit wann macht man sich durch ein namentlich gekennzeichnetes Zitat a) mit dem Inhalt des Zitats gemein und b) seit wann ist es Pflicht, ein Zitat noch zu kommentieren?? Und c) ist das mein erster Beitrag zu diesem Thema?


    *:)

    Zitat

    Ich finde es darüber hinaus auch verfehlt, Zitate ausschließlich nur zur Unterstützung der eigenen Position zu nutzen.

    Ich auch. Ich finde es aber auch verfehlt, sie völlig kommentarlos einzustellen, ganz besonders dann, wenn man nicht mit ihnen übereinstimmt. Dass tausend Trilliarden Leute sich zu diesem Thema äußern, weiß man ja auch ohne Zitat. So ein klitzekleiner Hinweis darauf, aus welchem Grund ein Diskussionsteilnehmer eins davon herausgreift und als Beitrag zur Diskussion einbringt, sollte schon sein.

    Und Deine Reaktion auf Black Guns Einwurf zeigt ja auch, dass Du Dich da auf einmal doch persönlich distanzieren wolltest. Er hat schließlich nicht mal Dich angesprochen, sondern nur etwas aus Deinem Zitat herausgegriffen und (negativ) kommentiert. Und Du schriebst: "Ist ja auch gar nicht meine Meinung".

    Du hast auf ein hörenswertes Interview verwiesen. Das fand ich verständlich und nachvollziehbar.



    Zitat
    Zitat

    Im Gegensatz zu Männern ("allmächtiger Phallus") haben Frauen keine sexuelle Potenz bzw. zeigen sie nicht.

    geht's noch stereotyper? zzz

    Dieses stereotype Frauenbild wird durch die #metoo Kampagne propagiert.


    Wir kritisieren dieses stereotype Frauenbild, auch wenn ich persönlich es etwas anders formulieren würde.

    Zitat

    Sehe ich im Fall Weinstein auch so, keine Frage.


    Was Muff sagt ist sicher auch richtig, und klar könnte es auch eine Rachekampagne gegen ein menschliches Arschloch sein, das sich vielen Menschen gegenüber unterirdisch benommen hat. ":/


    Die Vorwürfe sind ja schon sehr erdrückend, und sie kommen auch von Leuten, denen man kaum unterstellen kann, damit Publicity machen zu wollen. Ein Unschuldslamm ist er sicher nicht.

    Klar hat Muff Recht. Keine Frage. Ich bin allgemein auch sehr dafür, diie Unschuldsvermutung gelten zu lassen. War auch bei anderen Beschuldigten so, dass ich mir da erst Mal kein Urteil bilden wollte, bis mehr Informationen bekannt sind - bei Louie CK zum Beispiel.


    Aber wie gesagt, irgendwann ergeben eine große Anzahl Anschuldigungen einfach ein viel zu schlüssiges Bild, als dass da Zufall dahinterstecken könnte. So eben mMn zum Beispiel im Fall Weinstein.

    Und was ist mit den Schauspielerinnen, die Weinstein öffentlich anprangern, gilt für sie die Unschuldsvermutung?


    Also, mich interessiert die schmutzige Wäsche nicht, die da in der Öffentlichkeit gewaschen wird. Deshalb mache ich mir auch keine Gedanken über Schuld oder Unschuld.

    Zitat

    "Wenn wir die Belästigung verbieten, verbieten wir auch die Verführung. Frauen sollten sich nicht in die kindliche Opferrolle begeben, sondern dort auch handeln, wo sie Handlungsoptionen haben, und das ist bei Belästigungen so gut wie immer der Fall. Im Gegensatz zu Männern ("allmächtiger Phallus") haben Frauen keine sexuelle Potenz bzw. zeigen sie nicht. #metoo ist dermaßen ausgeufert, dass wir Gefahr laufen, eine ent-erotisierte Denunziations-Kultur zu entwickeln".

    Gut, der Satz:

    Zitat

    Im Gegensatz zu Männern ("allmächtiger Phallus") haben Frauen keine sexuelle Potenz bzw. zeigen sie nicht.

    ...ist ein bisschen schwer zu verstehen. Philosophen-Deutsch oder so was.

    Zitat

    Wenn wir die Belästigung verbieten, verbieten wir auch die Verführung.

    würde ich aber voll unterstützen, erst recht:

    Zitat

    #metoo ist dermaßen ausgeufert, dass wir Gefahr laufen, eine ent-erotisierte Denunziations-Kultur zu entwickeln

    Leider tauchen solche Stimmen, wie auch die von Catherine Deneuve und einigen anderen prominenten Frauen in Frankreich bisher nur ganz am Rande auf. Und der Mainstream-Feminismus schäumt.

    Zitat

    Die Frage ist nun, welche traditionellen Verhaltensschemata wollen wir a) beibehalten, weil wir sie gut oder gar identitätsstiftend finden, b) aus irgendwelchen Gründen tolerieren (Biologie etc.) oder c) ablehnen bzw. verbieten, weil wir sie als sexistisch oder gar übergriffig betrachten?


    (Kulturschaffender)

    Das ist eine ziemlich komplexe Frage. Ich wüsste (natürlich) keine einfachen Antworten.


    ICH als Mann hänge nicht grundsätzlich an den alten traditionellen Verhaltenschematismen. Ich vermute nur stark, dass sie wirklich zu einem erheblichen Teil biologischen Ursprungs sind (auch und im besonderen Maße bei Frauen!). Ob und im welchen Maße sie biologisch determiniert – im Sinne von unveränderlich sind - keine Ahnung.


    Nur: wenn man die traditionellen Rollen (womöglich vollständig) ändern will, müsste man auf jeden Fall über die Biologie dahinter nachdenken. Und: es können nicht Frauen als reine Opfer von den Männern und der Gesellschaft ("Männergesellschaft") sehr weitreichende Änderungen verlangen und meinen, dass sie nichts an ihrem Rollenverständnis ändern müssten. Auch rollenmäßige "Rosinenpickerei" ist nicht legitim (dass Frauen beim traditionellen Rollenverständnis stehen bleiben, da wo ihnen das vorteilhaft oder angenehm erscheint – und ansonsten ein ganz neues Rollenverständnis von den Männern erwarten.).


    Ich muss bei so Themen wie "Belästigung" immer an so was wie das Balzverhalten der Tauben in der Fußgängerzone denken. Das Männchen nähert sich dem Weibchen an, rückt ihm so nahe wie möglich "auf die Pelle" oder stellt sich in den Weg – plustert sich dabei auf und verrichtet so ein"albernes" Tänzchen. Das Weibchen ignoriert meist das Verhalten des Männchens – oder reagiert genervt: ergreift die Flucht oder wird auch aggressiv. (Ich wette: wenn die Taubenweibchen sprechen könnten, würden sie irgendwas von "Belästigung" u.ä. reden ;-) )


    Im seltenen anderen Fall setzt das Taubenweibchen sich hin und signalisiert damit Paarungsbereitschaft.


    Ganz klar: wenn das Männchen nicht sein offensives Verhalten zeigen würde, hätte es bei den Weibchen nicht die geringste Chance.


    Wäre es auf der Basis jetzt möglich, dem Männchen irgendwelche moralischen Vorwürfe wegen seines sexuellen Offensivverhaltens zu machen? (Theoretisch gefragt: denn natürlich handelt es sich hier um instinktgesteuertes Verhalten von Tieren.)

    sensibelmann99

    Zitat

    Er hat zu bewerten, ob die Frau als Schauspielerin für den Job geeignet ist oder nicht. Es gibt keine sinnvolle Verbindung zur Entscheidungsfindung über sexuelle Unterwerfung- das hat mit dem Filmjob nichts zu tun- und ja, es ist ist ein arschlochmäßiges Kopplungs"angebot", weil der Sex prinzipiell nichts mit dem Filmjob zu tun hat.

    Er hat zu bewerten, ob die Frau als Schauspielerin für den Job geeignet ist oder nicht?


    Hast du Weinstein für diese Aufgabe bei dir eingestellt?? ;-D


    Nein. Und sonst hat es auch niemand getan.


    Er hat das also mitnichten zu bewerten, wenn er nicht will.


    Weinstein hat (zusammen mit seinem Bruder(?)) eine Produktionsfirma gegründet.


    Somit konnte er die Projekte unterstützen, die er für unterstützenswert hielt diejenigen Filme produzieren, die der für lohnend hielt und dabei mit den Partnern zusammenarbeiten, die er mochte. Und wen er nicht mochte (aus welchen Gründen auch immer), musste sich für seinen Film einen anderen Produzenten suchen.


    Du hattest niemals einen Rechtsanspruch darauf, dass Weinstein dein Filmprojekt realisiert oder dir deine selbstgebastelten Strohsterne abkauft. Weinstein kann mit die Geschäfte machen wenn er will und es bleiben lassen, wenn er nicht will.


    Produziert er deinen Film nicht ...zB weil er bei einer deiner Schauspielerin abgeblitzt ist ..., dann ist das ganz allein seine Entscheidung für die er allein das unternehmerische Risiko trägt. Solange es nicht deine Firma ist, geht es dich gar nichts an, was in Weinsteins Firma produziert wird und was nicht.


    Nun magst zu zwar behaupten, das Auswahlverfahren von Weinstein unprofessionell, aber so eine Urteil zu fällen wäre ignorant, denn der wirtschaftliche Erfolg gibt Weinstein Recht. Zweifellos hatte Weinstein lange Zeit genau den richtigen Riecher, was die Auswahl seiner Filme angeht. (bis irgendwann zu viel Koks im Riecher war, oder so)

    black gun

    Zitat

    nicht nur das, er hat seine assistentinnen die nachwuchsschauspielerinnen gezielt täuschen lassen, indem diese ihnen vorgaben, es würde ein treffen mit ihnen, weinstein und ihr geben. dann sind die assistentinnen sehr schnell verschwunden und die schauspielerin war plötzlich und ohne damit zu rechnen alleine mit weinstein auf seinem zimmer, wo er sie dann teils massiv bedrängt hat. habt ihr nicht den bericht von einer schauspielerin gelesen, die sich dann in panik im klo einschloss, woraufhin der bereits nackt im bademantel rumlaufende weinstein minutenlang aggressiv an der badtür geklopft hat - und als die völlig verängstigte frau dann nach über einer stunde mal vorsicht vor die tür gelugt hat, saß weinstein nackt vor der tür und hat sich einen runtergeholt.

    "...cocaine, all around my brain..."


    Klar ist das ...


    Aber erstens kann man die Glaubwürdigkeit solcher Aussagen nicht beurteilen. Sie zu veröffentlichen ist kein Journalismus, sondern Hetzkampagne. Sonst nichts.


    Und zweitens ging es gar nicht um "sowas", sondern es ging um den haarstäubenden Unfug, Weinstein hätte seine angebliche Macht missbraucht um Frauen gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen zu zwingen.


    black gun wörtlich:

    Zitat

    ein harvey weinstein hat viele frauen missbraucht nicht durch einsatz von körperlicher gewalt sondern durch die unausgesprochene drohung mit seiner macht, die karriere und das leben der frau zu zerstören, wenn sie sich ihm verweigert -

    Das ist und bleibt totaler Schwachsinn.


    Was hat das geschilderter Ereignis (wenn es denn so stattgefunden hat) mit Weinsteins angeblicher Macht zu tun, die er eingesetzt haben soll um sich Frauen gefügig zu machen?


    Davon kann in dem geschilderten Frau doch überhaupt nicht die Rede sein.


    Er ist vlt. unter einsatz von körperlicher gewalt mächtig gegen die Badezimmertür gerummst, aber der einsatz von körperlicher gewalt soll es ja gerade nicht stattgefunden haben, hieß es gerade noch ausdrücklich. Um so eine Show abzuziehen, braucht man kein mächtiger Weinstein zu sein. Das könnte jeder Depp. Wo ist er denn, der mächtige, seine Macht missbrauchende Filmmogul in dieser Geschichte?

    Nur, weil jemand geschäftlichen Erfolg hat (im Fall Weinstein: hatte), hat er nicht automatisch recht, geschweige denn einen ethisch/moralischen Persilschein. (Die Unschuldsvermutung wird davon nicht berührt).


    *:)