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    Nein, der Druck ist nicht intentional. Mit jeder Problemlösung schafft man neue Probleme. Faustregel: Wenn diese neuen Probleme kleiner sind oder weniger Menschen betreffen oder gesellschaftlich akzeptierter sind, ist die Lösung gut. (Ja, man kann absurde Gegenbeispiele konstruieren.) Was ich (oder "die Gesellschaft") mit diesen Maßnahmen anstreben würde, ist, Förderung zielgenauer zu machen.

    Könntest Du das mal konkretisieren?


    Wo liegt der Vorteil, wenn Eltern nicht mehr frei und selbstständig darüber entscheiden können, wie sie sich die 14 Monate Elterngeld individuell am besten einteilen wollen, sondern wie von Dir angedacht vorgeschrieben bekommen, daß sie sich die 14 Monate in jeweils 7 Monate für jedes Elternteil einteilen müssen?


    Ich sehe da den Vorteil nicht. Die Eltern, für die das sowieso die geeignete Einteilung ist, brauchen diese Vorgabe nicht. Und die Eltern, die diese Einteilung so nicht machen können oder wollen, werden vor die Wahl gestellt entweder gegen ihren Willen bzw. ihre Möglichkeiten die vorgeschriebene Einteilung vorzunehmen oder nach 7 Monaten kein Elterngeld mehr zu erhalten und damit finanzielle Einbußen hinzunehmen.


    Die Abschaffung des Ehegattensplittings wäre nichts anderes als eine saftige Steuererhöhung für Millionen Familien. Wo liegt da der Vorteil?


    Eine Mutter darf nur dann Teilzeit arbeiten, wenn ihr Mann auch Teilzeit arbeitet? Welchen Vorteil sollte das für wen genau haben?

    Nostalgiker

    Wenn die Gesellschaft übereinkommt, dass es wünschenswert ist, dass Mütter und Väter sich gleichermaßen am Erwerbsleben und an unbezahlter Erziehungs- und Pflegearbeit beteiligen, ist das halt einfach der Weg. Ein Arbeitgeber wäre bei der Entscheidung, ob er für eine verantwortliche Position jetzt eine Frau oder einen Mann einstellt, mit identischem Ausfallrisiko konfrontiert.


    Wenn die Gesellschaft übereinkommt, dass es einfach nur mehr Kinder braucht; egal, wer die betreut, soll sie halt wie beschrieben Leistungen für Kinder hochsetzen.


    Wenn die Gesellschaft übereinkommt, dass es gut ist, wenn möglichst viele Leute verheiratet sind, Kinder hin oder her, soll sie gern gemeinsame Steuerveranlagung und Ehegattensplitting beibehalten. Ich persönlich finde, da wird der falsche Status gefördert, vermutlich aus so einem präverhütungsverhafteten "wo Ehe ist, kommen schon auch Kinder"-Denken. Und ja, das betrifft mich, ich bezahle das nämlich.

    Che

    Den Kündigungsschutz für Schwangere gibt es doch nicht, weil die ein paar Monate mit dem dicken Bauch die Treppen schlechter hochkommen. Den gibt es, weil es echt Arbeit ist, Vertretungen einzustellen und einzuarbeiten, weil niemand weiß, wann sie wiederkommen, wieviel sie dann zu arbeiten gedenken und wie oft sie zwischendrin ihr krankes Kind pflegen müssen. Deswegen könnte ein Arbeitgeber versucht sein, sie vorher rauszuwerfen, um den Stress zu umgehen.


    Wen jetzt Väter drohen, genauso stressig zu sein, weil sie sich in ähnlichem Maß einbringen wollen/sollen, brauchen sie natürlich auch eine ähnliche Absicherung. Ich verstehe offen gesagt dein Problem nicht.

    Zitat

    Ein Arbeitgeber wäre bei der Entscheidung, ob er für eine verantwortliche Position jetzt eine Frau oder einen Mann einstellt, mit identischem Ausfallrisiko konfrontiert.

    Das beträfe nur die Ausfallzeiten nach der Geburt.


    Du sprachst ja aber vom Kündigungsschutz für Schwangere. Diese Ausfallzeiten sind ja nun doch auf die Frau beschränkt. Also macht der Schutz dort Sinn.

    Ich möchte nur anmerken, dass selbst der Mutterschutz keineswegs für alle Mütter zutrifft: Meine Frau hatte als Selbständige keinerlei Mutterschutz oder sonstige Absicherungen. Die einzige "Absicherung" wäre, dass eine Frau auf Einnahmen vollständig verzichten muss, sofern sie infolge Schwangerschaft nicht mehr arbeiten wollte.


    Meine Frau arbeitete bist zum letzten Tag ihrer Geburt (auch wenn deutlich reduziert), weil sie ihr Unternehmen nicht brachliegen lassen wollte und konnte (das hätte für längere Zeit- mehrere Jahre- zu deutlichen Umsatzeinbußen u.U. zur Insolvenz geführt, Mitarbeiter konnten das nicht übernehmen ..., da diese eher Ausführende waren, meine Frau war der kreative Kopf ...). Dummerweise konnte ich selbst kaum kürzer treten, da ich bereits auf Teilzeit arbeitete (und meine Frau unterstützte).

    danae

    Zitat

    Für weibliche parlamentarische Abgeordnete gibt es, meines Wissens nach, auch keinen Mutterschutz oder?

    doch:

    Zitat

    Während der Mutterschutzfristen infolge Schwangerschaft oder wenn ein Mitglied des Bundestages ein ärztlich nachgewiesen erkranktes, in seinem Haushalt lebendes Kind, das das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, mangels anderer im Haushalt dafür zur Verfügung stehender Aufsichtspersonen persönlich betreuen muss, führt die Nichteintragung in die Anwesenheitsliste nicht zu einer Kürzung der Kostenpauschale.

    Abgeordnete zu sein ist ziemlich komfortabel zum Kinderkriegen. Machen auch viele so.

    Muff

    Ist das jetzt Zustimmung, Erläuterung für weiterhin unverständige oder hast du mich völlig falsch verstanden?

    danae

    NP. Was es tatsächlich nicht gibt, daher vielleicht das Mißverständnis, ist Elternzeit und Elternzeitvertretung. Das liegt daran, dass es im technischen Sinn auch kein Gehalt gibt, und dass Vertretungen halt irgendwie legitimiert sein müssten. Man kann sich seine Arbeitszeiten aber ziemlich frei einteilen und hat in der Regel auch einen Mitarbeiterstab, der mal kurz aufs Kind aufpassen kann.

    Zitat

    Wenn die Männer dann so doof waren, das alles mit sich machen zu lassen, sollen sie Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen auch noch aus purem Altruismus in ihrem Lebensentwurf unterstützen.


    Nein, danke, ohne mich.

    Stattdessen sollen sich die Frauen mal lieber fügen und ihrem vorgegebenen Weg folgen, dem Mann untertan zu sein und ja nicht aufzumucken. Dazu sag ich dir nur eins: die Frauen haben keine Lust mehr, die Folgen fragiler Männlichkeit auszutragen, von Männern, die ihre "sogenannte Männlichkeit" im Hass auf Frauen ausleben, weil sie sonst nichts mehr haben, über das sie sich noch definieren könnten.


    Ein ausdrücklicher Dank an jene Männer, die sich am hegemonialen Frauenhass nicht beteiligen und Frauen als das anerkennen, was sie sind; Menschen wie sie selbst, die Übergriffe jeglicher Art nicht (mehr) erdulden müssen. Aus, Schluss, vorbei. Begreift das endlich. Sonst kommen noch ein paar Wellen metoo, die am Ende in einem Tsunami gipfeln. Pseudomoralisches Zurechtweisen als Ausdrucksweise des reaktionären Patriarchats hat ausgedient. Endgültig.

    Zitat

    Stattdessen sollen sich die Frauen mal lieber fügen und ihrem vorgegebenen Weg folgen, dem Mann untertan zu sein und ja nicht aufzumucken. Dazu sag ich dir nur eins: [...]

    Das sagst Du nicht zu mir. Das sagst Du zu Deinen seltsamen Schlussfolgerungen.


    Ich würde sagen, Frauen sollen gar nichts. Wir leben in einem freien Land und sie (bzw. Ihr) können machen, was sie wollen.


    Was sagst Du dazu?

    Zitat

    Wenn** die Gesellschaft übereinkommt, dass es wünschenswert ist, dass Mütter und Väter sich gleichermaßen am Erwerbsleben und an unbezahlter Erziehungs- und Pflegearbeit beteiligen, ist das halt einfach der Weg.

    Das hast Du nun schon mehrfach geschrieben. Mich würden aber inhaltliche Argumente interessieren, die dafür sprechen, daß "die Gesellschaft" sich überhaupt in Privatangelegenheiten wie die innerfamiliäre Organisation von Broterwerb, Kindererziehung, Haushaltsführung und Pflege einmischt. Was geht es "die Gesellschaft" an, wer bei Familie Müller das Geld verdient, wer wieviele Stunden in der Woche erwerbstätig ist, wer kocht und die Wäsche bügelt oder wer sich überwiegend um die Kinder kümmert?

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    Ein Arbeitgeber wäre bei der Entscheidung, ob er für eine verantwortliche Position jetzt eine Frau oder einen Mann einstellt, mit identischem Ausfallrisiko konfrontiert.

    Da nur Frauen schwanger werden können, besteht auch nur bei der Frauen ein "Ausfallrisiko" im Fall einer Schwangerschaft. Und wenn ich mich recht entsinne, können auch nur Frauen einen Säugling stillen.


    Aber vielleicht will die Gesellschaft dann demnächst auch noch gesetzlich erzwingen würde, daß Mutter und Vater sich die Schwangerschaft auf je 4,5 Monate paritätisch teilen. ;-D

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    Wenn die Gesellschaft übereinkommt, dass es gut ist, wenn möglichst viele Leute verheiratet sind, Kinder hin oder her, soll sie gern gemeinsame Steuerveranlagung und Ehegattensplitting beibehalten. Ich persönlich finde, da wird der falsche Status gefördert, vermutlich aus so einem präverhütungsverhafteten "wo Ehe ist, kommen schon auch Kinder"-Denken. Und ja, das betrifft mich, ich bezahle das nämlich.

    Das Ehegattensplitting hat mit Kindern gar nichts zu tun. Ehepaare bilden eine Haushalts- und Wirtschaftsgemeinschaft und werden deshalb auch gemeinschaftlich in der Steuer veranlagt. Das ist der Sinn des Ehegattensplittings.