Sind einige Studenten durch Bafög benachteiligt?

    Ich betrachte Bafög für Studenten seit Jahren sehr kontrovers, da man eigentlich die Studenten benachteiligt, deren Eltern arbeiten bzw. genug verdienen.


    Ich weiß, dass Bafög dahingehend gedacht ist, dass man auch Menschen aus einkommensschwachen Familien ein Studium ermöglichen kann.


    Leider halte ich das für zu engstirnig betrachtet.


    Ich habe Fälle im Bekanntenkreis, in denen die Eltern durchaus gut verdienen, die ihren Kindern aber von Anfang an kein Studium gönnen, weil man noch dieses oder jenes finanziert ODER die ihre Kinder von Anfang an dahingehend "gelenkt" haben, dass eine Ausbildung wohl besser wäre.


    Da wurde von Anfang an interveniert und den Kindern wurde von Anfang an eingeredet, dass ein Studium eh nichts bringen würde.


    Ja, jetzt könnten einige sagen, das hat man das Recht einer Klage, aber wer verklagt schon seine eigenen Eltern?


    Das ist theoretisch einfacher als praktisch.


    Mit einem 450 Euro kann man definitiv kein Studium bestreiten.


    Ich würde es daher für angemessener finden, dass JEDER Student das Recht hätte, Bafög aufzunehmen. Natürlich unter der Option es später zurück zu zahlen.


    Deren Eltern, die dann freiwillig ohne Bafög unterstützen, sollen das gerne tun.


    Es gibt Länder, in denen dies bereits so läuft. In denen jeder ein Recht auf Bafög hat, unabhängig vom Einkommen der Eltern.


    Ganz abgesehen davon, gibt es immer noch zu große Hürden, was diejenigen anbelangt, die durch das Raster fallen.


    Bei Schwangerschaft, Kindererziehung oder ähnlichem wird der Baföganspruch gewahrt. Was ist aber mit denjenigen, die einen Angehörigen pflegen? Ich bin z.B. so ein Fall und habe bisher nur negative Erfahrungen von Seiten der Uni gemacht. Oder die wegen anderen Schicksalsschlägen ausfallen? Oder bei denen sich ein Elternteil weigert Unterhalt zu zahlen? Ich weiß, da gibt es Bafögvorausleistungen. Aber auch das steht wieder mit bürokratischen Hürden.


    Der Nachweis ist oft mühsam.


    Wie seht ihr das?


    Sollte Bafög jedem Studenten zur Verfügung stehen?

  • 179 Antworten

    Wie der Name schon sagt soll es sich dabei um eine Förderung handeln und nicht um ein bezahltes Studium. Mit der Förderung und einem geringfügigen Job mit ca. 10 Wochenstunden kommst du auf über 800€, damit lässt sich ein Lebensunteralt schon bestreiten. Vielleicht nicht den Stil den man gewohnt ist, dennoch bekommt ein Mindestpensionist oder Hartz-IVler nicht viel mehr.


    Wenn du jedem Studenten Bafög gibst, bekommen auch alle gutsituierten BWLer Steuergeld obwohl sie es sicher nicht benötigen, das Geld fehlt dann wiederum bei anderen Studenten die es sehr wohl brauchen würden.

    Zitat

    Sind einige Studenten (...)

    Du schreibst es ja selber coralin. Es sind einige, aber die Regel ist es nicht, dass gut verdienende Eltern ihre Sprösslinge nicht unterstützen.


    Und wegen den "einigen" jetzt das System umbauen und auch Kindern reicher Eltern Steuergelder zukommen lassen, die dann an anderen Ecken fehlen, halte ich persönlich für keine sinnvolle Maßnahme.

    Zitat

    Ich würde es daher für angemessener finden, dass JEDER Student das Recht hätte, Bafög aufzunehmen. Natürlich unter der Option es später zurück zu zahlen.

    bin ich dabei.

    Zitat

    Kindern reicher Eltern Steuergelder zukommen lassen

    naja, reich muss man nicht gerade sein, damit das kind kein bafög mehr kriegt. und der staat bezahlt "seine" studenten recht gut (bundeswehrunis, verwaltungs-FHs), das ist auch steuergeld ;-)

    Zitat

    Natürlich unter der Option es später zurück zu zahlen.

    Wenn es keine Option ist, sondern ein Verpflichtung, und dies im angemessenen Rahmen, ginge ich da eher mit. Und dafür gibt es ja, wie schon erwähnt einen Bildungskredit.

    Zitat

    naja, reich muss man nicht gerade sein, damit das kind kein bafög mehr kriegt.

    Muss man nicht sein, könnte man aber sein. ;-)

    Zitat

    Ich habe Fälle im Bekanntenkreis, in denen die Eltern durchaus gut verdienen, die ihren Kindern aber von Anfang an kein Studium gönnen, weil man noch dieses oder jenes finanziert ODER die ihre Kinder von Anfang an dahingehend "gelenkt" haben, dass eine Ausbildung wohl besser wäre.

    Es ist ein Merkmal unserer liberalen Gesellschaft, dass sich der Staat so wenig wie möglich in erzieherische Angelegenheiten einmischt. Die Idee dahinter ist, dass niemand so gut wie die leiblichen Eltern für das Wohl des Kindes sorgen wird. Eltern entscheiden damit weitgehend über die Zukunft ihres Nachwuchses. Es gibt natürlich Fälle, bei denen sich Kinder andere Eltern wünschen. Die wären in sozialistischen Systemen besser aufgehoben. Wir müssen aber sehen, dass ein solcher Staat das fördert, was der Apparat braucht.

    Zitat

    Ich würde es daher für angemessener finden, dass JEDER Student das Recht hätte, Bafög aufzunehmen. Natürlich unter der Option es später zurück zu zahlen.

    Gibt es bereits und heißt Bildungskredit.


    Wenn ich dir einen ganz persönlichen Rat geben darf: Hör' auf, dich ständig zu vergleichen. Deine anderen Fäden schreien alle nach: Es ist so ungerecht, mir geht's so viel schlechter als allen anderen.


    Die Möglichkeiten in Deutschland zu studieren, unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern in Deutschland sind nicht perfekt, aber gut. Wieso meinst du, dass du aus dem Raster fällst? Kannst du komplett nicht weiter studieren, weil du deine Oma pflegst und bekommst deswegen kein Bafoeg mehr?

    Und nebenbei: Ich habe meine Eltern verklagt. Habe es schlicht nicht eingesehen einen Kredit aufzunehmen weil mein Vater gerne zwei Autos und zwei Häuser haben möchte. Denn die Zinsen da sind ja nochmal eine andere Nummer als die Bafög Rückzahlungen, die ja durchaus auch zu leisten sind, aber halt in viel geringerem Umfang.


    Ich hab also eine Entscheidung getroffen bezüglich dessen was mir wichtiger ist, die Beziehung zu meinem Vater oder die Zinsen nicht zahlen zu müssen. Da erstere eh im Eimer war, war die Entscheidung ziemlich einfach. Meine Freundin hat eine andere Entscheidung getroffen und einen Kredit aufgenommen damit die Beziehung zu den Eltern nicht leidet. Beides legitim, wir haben beide studiert und gut.