Umgang mit Hypochondrie

    Hallo zusammen,


    seit langer Zeit fällt mir auf, dass in den verschiedenen Unterforen viele posten, die schon bei geringen Beschwerden der Meinung sind, langwierig oder gar tödlich erkrankt zu sein.


    Ich selbst habe einige hypochondrische Menschen im realen Leben und in Krankenhäusern erlebt, doch nirgendwo derart geballt wie hier bei med1. Nahezu täglich gibt es neue Fäden dazu, zunehmend auch von ganz jungen Menschen.


    Wie geht man damit um? Einfach ignorieren fände ich unfreundlich, zumal die Panik ja real existiert, Klartext zu schreiben, kommt mitunter als empathielos an. Ein Eingehen auf die meist undeutlichen Symptome triggert nur. Die Empfehlung, eine Psychotherapie in Angriff zu nehmen, wird von anderen mitunter als ungerechtfertigte Diagnose und voreilige Abschiebung auf die Psychoschiene empfunden und entsprechend, z.T. aggressiv kommentiert. Wie also damit umgehen? Was ist für den/die TE hilfreich?


    Liebe Grüße!

  • 657 Antworten

    Leider hat ich kein Patentrezept dafür...


    Einerseits möchte man den Betroffenen helfen, aber für Hinweise auf z. B. übertriebene Körperbeobachtung,... die ihre subjektiven Symptome erklären, ist oft gar keine Offenheit da. Manchmal fällt es mir auch etwas schwer auszuhalten, wenn minikleine Befindlichkeitsstörungen als Riesenproblem aufgebauscht werden und zumindest vom Namen her mit schweren Beeinträchtigungen gleichgesetzt werden, unter denen ich tatsächlich leide. Ich ziehe mich dann oft zurück, wenn es anfängt, mich zu ärgern.

    Naja, ärgern tut mich das Aufbauschen von Zipperlein nicht, da sie den Betroffenen ja wirklich massive Probleme bereiten und riesige Angst erzeugen. Angst ist furchtbar! Nachvollziehen kann ich es natürlich auch nicht. Ja, auch ich ziehe mich mitunter zurück, aber nicht, weil ich verärgert bin, sondern weil ich keinen Sinn in weiteren Beiträgen sehe. Manche sind tatsächlich beratungsresistent.

    Zitat

    Ich selbst habe einige hypochondrische Menschen im realen Leben und in Krankenhäusern erlebt, doch nirgendwo derart geballt wie hier bei med1. Nahezu täglich gibt es neue Fäden dazu, zunehmend auch von ganz jungen Menschen.

    naja es ist ein Medizin-LAIEN-Forum. Jeder darf hier schreiben.... und für Hypochonder eine gute Plattform ....um sich Bestätigung /Beruhigung zu verschaffen.

    Zitat

    Wie geht man damit um?

    vielleicht so, wie man selbst behandelt werden will?


    Grundsätzlich ist es immer schwer, hier eine allgemeingültige Antwort zugeben.Niemand kennt die (Vor)geschichte eines TE hier und demnach ist es auch schwer, hier jemanden in die Psychoschiene zu schieben oder wie du sagst "Klartext" zu reden.


    Deswegen würde ich tendenziell dazu raten, lieber nichts zu schreiben, als mir anzumaßen "Klartest" zureden bzw unberechtigt in die Psychoschiene zu schieben.


    Was nicht bedeutet,dass - je nach dem wie der Faden sich entwickelt, auch mal den Hinweis geben kann, sich psychologische Hilfe zu suchen.


    Aber manche plautzen ja direkt damit raus ...find ich nicht gut.

    Oft ist es hilfreich, aus dem eigenen Blickfeld übertriebener Körperwahrnehmung herauszukommen. Das schreibe ich als Betroffener. Ich weiß, daß ich eine Panik(=psych./psychsomat.) Störung habe, wenn es mir körperlich gut geht, verfange ich mich nicht im Teufelskreis.


    Aktuell bin ich dabei wieder einen zu entwickeln (s. wahrscheinlich bald folgender Faden). Ich weiß noch nicht genau, was ich mir davon erhoffe, alleine erstmal diese Zeilen rauszulassen und den Blick woanders hinzuwenden, tut mir gut.

    Flamechen

    Zitat

    vielleicht so, wie man selbst behandelt werden will?

    Was mich betrifft, sehe ich das eher als eine schlechte Idee. Ich selbst benötige nämlich stets eine klare Ansprache, egal wie hart sie auch sein mag. Empathisches Rumgequatsche um den heißen Brei ist mir schlicht zuwider, sofern es mich selbst betrifft.


    Klar, man kann auch nichts schreiben. Keiner ist gezwungen, auf einen Beitrag xy zu antworten. Betrifft er aber ein Krankheitsbild, das man selbst kennt, redet man eventuell mit.

    Zitat

    Was mich betrifft, sehe ich das eher als eine schlechte Idee. Ich selbst benötige nämlich stets eine klare Ansprache, egal wie hart sie auch sein mag. Empathisches Rumgequatsche um den heißen Brei ist mir schlicht zuwider, sofern es mich selbst betrifft.

    #


    und ich sage dazu mal, zwischen "heißen Brei" und Beleidigung liegen Welten. Ich bin auch fürklare Ansagen, so im realen Leben und "durch die Blume"ist so ar nix meins....aber manchmal bekommen TEs hier Sachen an den Kopf geknallt, die mit "klare Ansage" nix gemeinsam haben, sondern einfach herablassend und beleidigend oder ja empathielos sind. Das muss nicht sein, denn wie ich sagte, keiner weiß, ob der andere tatsächlich hypochondrisch ist oder nicht.


    Ich lese auch manchmal Fäden, wo ich %-| %-| %-| %-| denke.....aber muss man dann unbedingt was dazu schreiben?

    Zitat

    Betrifft er aber ein Krankheitsbild, das man selbst kennt, redet man eventuell mit.

    ja klar, aber auch da sollte man event. versuchen, freundlich zu sein.


    cirmezz

    Zitat

    Oft ist es hilfreich, aus dem eigenen Blickfeld übertriebener Körperwahrnehmung herauszukommen. Das schreibe ich als Betroffener. Ich weiß, daß ich eine Panik(=psych./psychsomat.) Störung habe, wenn es mir körperlich gut geht, verfange ich mich nicht im Teufelskreis.


    Aktuell bin ich dabei wieder einen zu entwickeln (s. wahrscheinlich bald folgender Faden). Ich weiß noch nicht genau, was ich mir davon erhoffe, alleine erstmal diese Zeilen rauszulassen und den Blick woanders hinzuwenden, tut mir gut.

    ich find es gut, wenn jemand weiß,dass er hypochondrisch ist und es hier auch sagt...da kann man ganz anders drauf eingehen. Auch wenn es die Gefahr birgt, dass die anderen gleich alles als hypochondrisch abstempeln....denn auch Hypochonder können durchaus "ernsthaft" krank werden.

    Flamechen

    Es steht natürlich außer Frage, dass auch Hypochonder ernsthaft krank werden können. Posten sie wegen einer Krankheit, wird man das aber schnell herausfinden. Echte Erkrankungen werden hier sofort ernstgenommen. Dazu melden sich dann Leute, die eigene Erfahrungen haben. Soweit ist es ja auch gut. Dafür gibt es das Forum.


    Es gibt aber Fäden, da redet jemand zunächst von einem vermeintlichen Hirntumor, der ausgeschlossen werden konnte. Kurz danach erzählt der TE im selben Faden von Herzstolpern, das womöglich zum plötzlichen Herztod führt. Spätestens hier klingelt es bei mir, und ich vermute eine ausgeprägte Krankheitsangst.

    cirmezz


    dann ist es gut, wenn du dein Problem dann gleich in das Unterforum Psychologie postest. Dann weiß jeder, dass auch du weißt, dass es psychischer Natur ist und niemand muss dir was "blödes" unterstellen.


    Ich find es nämlich immer unfair, wenn jemand schon bei psychologie schreibt und dann ein %-| %-| %-| als Antwort bekommt. Damit ist keinem geholfen

    Monsti - Du kennst doch das HIV-Unterforum - neben den ALS-Themen DER Tummelplatz für Hypochonder, Paniker und Phobiker. Hast Du schon erlebt, dass jemand in der akuten Phase der Hypochondrie/Panik wirklich auf das reagiren kann, was dort geschrieben wird ? Ich nicht. Da wird alles angezweifelt, nicht gegalubt oder der jeweilige User ist der ganz besondere Sonderfall, bei dem alles anders ist als bei den anderen.


    Und Du hast da auch schon mitbekommen, was passiert, wenn dort klare und deutliche Worte geschrieben werden.. Beiträge werden gelöscht oder wenigstens zensiert.

    Zitat

    Wie also damit umgehen? Was ist für den/die TE hilfreich?

    Normaler wäre am hilfreichsten, wenn solche User erst gar nicht ins Netz kämen, ich denke nämlich, dass bei den allermeisten Hypochondern/Panikern/Phobikern Morbus Google der Auslöser der Beschwerden ist.


    Beinahe jeder Beitrag hat spätestens im zweiten Satz " und dann hab ich mal gegoogelt und nun bin ich mir sicher, an XY erkrankt zu sein."


    Wie man damit umgeht.... Köpfchen tätscheln halte ich für falsch, klare Ansagen, im Rahmen des hier möglichen, sind da sicher besser. Und bei einigen hartnäckigen Pflegefällen hilft nur noch die Ignoranz - denen ist mit Argumenten nicht mehr beizukommen.

    EllaPropella

    Zitat

    Wie man damit umgeht.... Köpfchen tätscheln halte ich für falsch, klare Ansagen, im Rahmen des hier möglichen, sind da sicher besser.

    Das sehe ich genauso. Im HIV-Forum beteilige mich allerdings nur selten, weil z.T. bei weitem zu absurd. Bei ASL halte ich mich ebenfalls zurück, aus den gleichen Gründen.

    Natürlich wäre es einfacher, diese Fäden einfach zu meiden. Aber ab und zu - gerade im HIV-Forum! - sind die Anfragen dermaßen blöd und absurd, da kann ich die Finger nicht still halten.


    Ich denke dann immer, menno, in der Zeit, die du eben gebraucht hast, um dich hier zu reggen und deinen Beitrag zu schreiben, hättest du auch mal eben schnell Google nach seriösen Quellen befragen können. Und da bin ich auch nicht dafür, die Leute noch zu bepuscheln.


    Und ansonsten? Das hier ist ein medizinisches Forum. ;-D Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Hypochonder sich hier zusammenfinden. Ich glaube nicht, dass die Hypochondrie insgesamt zugenommen hat, aber das INet und med1 bieten ein ziemlich großes Sammelbecken dafür.