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    Ich kann nicht steuern wann bei mir ein Ekelgefühl einsetzt, kannst Du das steuern?

    ich weiss nicht ob ich das steuern kann, aber ich habe mich in meinem Leben vor noch keinem Menschen geekelt, der nichts ekelerregendes getan hat, wie sich die Nase ohne Taschentuch zu schnäuzen oder sowas.


    aber ok. Ich will auch niemandem Vorschreiben, wie er wann zu empfinden hat – so wie ich auch nicht vorgeschrieben bekommen möchte nach wessen Vorstellungen ich zu Leben habe.

    @ Marika Stern,

    siehst du, ich kann es nicht vermeiden, meine Mitmenschen direkt zu kontaktieren, es sei denn, ich würde das Haus nicht mehr verlassen

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    na ja, ich halte das mit dem wickeln ebenso, wie ich das mit dem schwimmen halten würde: ich verlasse zum wickeln mit kind dem raum und würde ehrlich gesagt niemals auf die idee kommen, in direkter nähe eines anderen menschen zu wickeln, wenn es sich irgendwe vermeiden lässt.

    Na, ich wickle nicht in der Küche neben ihr auf einmal wild drauflos. Aber wenn sie mit im Spielzimmer bei unserer Mutter ist, wo wir nun mal wickeln, wenn es nötig wird, dann gehe ich nicht mit dem Kleinen los und suche mir eine Alternative, nur weil meine Schwester an dem Tag dabei ist.

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    ich kann es aber in beiden fällen vermeiden, menschen direkt damit zu konfrontieren.

    Damit kann man es aber auch sehr übertreiben. Das führt jetzt ein bisschen übers Fadenthema hinaus, aber ich glaube, dass durch die zwanghafte Vermeidung diverser unangenehmer Begleiterscheinungen des Lebens eine künstliche Kluft zwischen den angenehmen und den unangenehmen Dingen entstanden ist, die zu einer grundlegenden Entfremdung von uns selbst führt. Beispielsweise empfinden sehr viele Menschen den Tod als etwas regelrecht Unnatürliches und wollen damit nur im Rahmen von Unterhaltungssendungen konfrontiert werden. Führt das – führt man den No-confrontation-whatsoever-Gedanken konsequent zu Ende – dann irgendwann dazu, dass man keine Trauerfeiern in Restaurants mehr ausrichten sollte, um nicht anderen Leuten ihr heiteres Essengehen zu versauen? Und dürfen Leute mit Tourette-Syndrom eigentlich öffentliche Verkehrsmittel benutzen, wenn doch Leute sich unangenehm von ihnen bedrängt fühlen könnten?

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    ich kann es aber in beiden fällen vermeiden, menschen direkt damit zu konfrontieren.

    Dann musst Du Dich auch im heißesten Sommer weitgehend bedecken, wie gut oder schlecht das auch für die Haut sein mag, Du kannst nicht ins Schwimmbad, nicht an den See, nicht an den Strand, nicht in irgendein Wasser außer in einsamen Gegenden oder Deiner eigenen Badewanne, wenn Du eine hast. Und das nicht, weil Du andere Menschen gefährden würdest, sondern weil Du ihre Illusion aufrechterhalten helfen willst, dass Gesundheit der Normalfall sei und alles andere eine seltene Abweichung. Ich finde das unverhältnismäßig. Es führt bei manchen Menschen zu lebenslangem Verstecken, nur damit einige andere nicht manchmal denken müssen: "Huch, oje, au weia". Und je mehr Menschen sich aus selbstgewählter Rücksichtnahme verstecken, desto abnormaler erscheint es, wenn mal jemand sagt: Ich habe zwar Schuppenflechte, aber ich gehe jetzt trotzdem baden. Die Kluft wird immer größer, die Stigmatisierung immer krasser.


    Daraus möchte ich jetzt nicht ableiten, dass es eine moralische Verpflichtung sei, seine Schuppenflechte regelmäßig ins Schwimmbad zu tragen, um die Menschheit zu verbessern, aber mir ist es doch sehr viel lieber, wenn jemand das tut, als wenn er aus in meinen Augen falsch verstandener Rücksichtnahme genau diese Mechanismen befördert, die für manche Menschen regelrecht zum Gefängnis werden.

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    Denn zum K***en gehen alle auf die Toilette, es ist allgemein so dass man sein Baby nicht mitten im Restaurant wickelt.

    Das erzähle doch mal bitte den Eltern die ihre Kinder ohne Rücksicht in der Öffentlichkeit wickeln und dann sagen es wäre jawohl die natürlichste Sache der Welt %-|


    Außerdem stellt sich hier bislang niemand hin und behauptet es gäbe eine Regel das Menschen welche extrem unansehnlich sind sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen dürften. Das wäre doch absurd. Wohingegen Menschen welche ihre Problemzonen verdecken um sich in die Allgemeinheit zu integrieren einfach nur logisch handeln. Wir alle sind durch unser Umfeld geprägt und es ist eine ganz natürliche Sache das wir auf Dinge die wir nicht kennen oder die uns vielleicht sogar Angst machen mit einer Abwehrhaltung reagieren. Wichtig ist doch das wir uns von unserer Abwehrhaltung nicht so dominieren lassen das wir damit anderen Menschen absichtlich und direkt weh tun.

    marika stern

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    ich kann es aber in beiden fällen vermeiden, menschen direkt damit zu konfrontieren.

    Die Frage ist wie gravierend eine Einschränkung ist. Ich finde den Gedanken absurd, dass man sich in seiner Freizeitgestaltung bei manchen Dingen einschränken soll, weil sich jemand gestört fühlen könnte. Gerade da es für denjenigen der sich stört ebenfalls Alternativen gibt. Wir reden ja nicht von einer Badewanne pro Stadt, in der das Wasser alle paar Tage mal gewechselt wird und die Wanne ist die einzige Möglichkeit sich ein bisschen mehr zu waschen als unter einem Wasserhahn.

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    Wichtig ist doch das wir uns von unserer Abwehrhaltung nicht so dominieren lassen das wir damit anderen Menschen absichtlich und direkt weh tun.

    Ja :-) Das kann ich eindeutig so unterschreiben und nichts Anderes wollte ich damit auch sagen.


    Und: ich würde eben nicht verlangen das jemand sich verdeckt nur weil das für mich kein "zumutbarer" Anblick mehr ist. Das wäre einfach zuviel verlangt.

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    wenn du bei google "schuppenflechte" eingibst und dir die richtig heftigen bilder anguckst, gibt es dann bei dir nicht irgendwo eine grenze des zumutbaren

    Nicht in dem Sinne, dass ich denken würde, dass man so etwas lieber nicht in der "Öffentlichkeit" zeigt. Nein.


    Wenn ich es nicht sehen will, gucke ich nicht mehr hin. Aber ich würde weder mein krankes Kind verstecken wenn es so etwas hätte noch würde ich deshalb nicht mehr schwimmen gehen.

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    wenn du bei google "schuppenflechte" eingibst und dir die richtig heftigen bilder anguckst, gibt es dann bei dir nicht irgendwo eine grenze des zumutbaren?

    nöö, ist ja nicht ansteckend. wenn ich mir diese bilder anschaue, dann denke ich, dass es schade ist, dass man noch nix gefunden hat die lebensqualität der menschen mit solchen krankheiten zu verbessern. bei mir ist die schuppenflechte zur zeit nur auf dem kopf schlimm. an beinen , bauch u im gesicht sind die flecken zur zeit nur als dunkle flecken zu sehen. aber wenn wieder ein schub kommt, dann sind da wieder richtige schuppenhuckel drauf, die natürlich extrem jucken wenn man schwitzt. deshalb trage ich als dicke sogar kurze hosen, sonne ist bei schuppenflechte gut. wenn ich ins schwimmbad gehe, verzichte ich aber auf die salben u tinkturen, die kommen erst zu hause drauf.

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    ich finde auch nicht unbedingt, dass rücksichslosigkeit von seiten erkrankter das richtige instrument ist, um die toleranz ihnen gegenüber zu fördern ":/

    Und sich zu verstecken und allen vorzuleben, das man nur als ästhetisch angenehm aussehender Mensch schwimmen gehen sollte, ist das richtige "Instrument"?


    Ich finde, Du hast den richtigen Gedanken aber in die falsche Richtung. Einfach weil die Toleranz gegenüber Menschen mit Hautkrankheit oder sonstwie optisch gehandicappten garantiert nicht steigert wenn man sie in der Öffentlichkeit nicht mehr sieht


    Das legt eher die Toleranzschwelle noch höher.

    man kriegt in Bus, Bahn, in Geschäften genauso viel mit, was einen stören könnte.


    Gerüche, Leute mit "Makeln" usw. Wieso muss man das jetzt nur aufs Schwimmbad münzen? Ist doch lächerlich.


    Dann dürfte bei mir im Fitnesscenter auch keiner duschen gehen. lol

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    ich finde auch nicht unbedingt, dass rücksichslosigkeit von seiten erkrankter das richtige instrument ist, um die toleranz ihnen gegenüber zu fördern ":/

    Ist es rücksichtslos, wenn man mit nicht ansteckender Hauterkrankung ins Schwimmbad geht? Siehst Du – da fängt es doch an. Du willst "rücksichtsvoll" sein und mutest es anderen Leuten nicht zu – im Umkehrschluss, und sprachlich ist der logisch, ist es "rücksichtslos", wenn ein anderer das tut.


    Außerdem sollte jemand mit Hauterkrankung nicht auf die Scheißtoleranz anderer Leute angewiesen sein. Da gibt es nichts zu "tolerieren". Damit kommt man klar, oder man geht halt weg. Aber nicht schwimmen zu gehen, nie, weil irgendwelche Leute Unbehagen empfinden könnten ... wo hört denn der Quatsch dann auf?

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    Wir alle sind durch unser Umfeld geprägt und es ist eine ganz natürliche Sache das wir auf Dinge die wir nicht kennen oder die uns vielleicht sogar Angst machen mit einer Abwehrhaltung reagieren. (Hervorhebung von mir)

    Richtig. Je weniger wir es kennen, desto mehr Abwehr, Je normaler es also ist, desto weniger Abwehr, und je mehr sich versteckt wird, desto schwieriger wird es.

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    wenn du bei google "schuppenflechte" eingibst und dir die richtig heftigen bilder anguckst, gibt es dann bei dir nicht irgendwo eine grenze des zumutbaren?

    Für mich nicht. Nichts, bei dem ich sagen würde: "Die würde ich nicht mit ins Schwimmbad nehmen" (die Haut/die Freundin, suchs Dir aus).

    Durch meinen Ex-Freund hab ich so ein bisschen erfahren, wie das mit Schuppenflechte läuft. Ich hab mir vor der Beziehung nie Gedanken darüber gemacht, war neutral bis eher-nicht-so-begeistert eingestellt (nennt mich oberflächlich).. Ganz ganz tiefe, blutige Wunden oder unschöne Narben, da muss ich auch schlucken, muss ich zugeben.


    Dann haben wir uns getroffen und es war, als wär er gesund. Mich haben weder seine Schuppen noch seine Flecken noch seine blutigen Flecken, wenn er sich wieder mal aufgekratzt hat, gestört. Nichts.


    Aber im Schwimmbad merkt mans schon, das Getuschel, die Blicke, das Gaffen. Das ist – auch als Partnerin – teilweise überhaupt nicht schön. Wobei man ja dazulernt und irgendwann denkt – ist nicht mein Problem, wenns ihm gut geht und er schwimmen gehen kann und mag und sich raus traut trotz seiner Krankheit.