Diabetes im Vorstellungsgespräch/ in der Bewerbung erwähnen?

    Ich mache nächstes Jahr Abitur und werde mich demnächst bewerben. Da hab ich mich gefragt wie ich dabei mit dem Thema Diabetes umgehen soll. Den rechtlichen Rahmen kenne ich, sprich dass man von sich aus den Diabetes nicht erwähnen muss und bei Nachfrage auch nicht unbedingt korrekt antworten muss aber was habt ihr bisher für Erfahrungen bei der Jobsuche gemacht?


    Ich werde mich für Bürojobs bewerben und mein Diabetes ist sehr gut eingestellt, also kein nennenswertes Problem. Aber wie sehen das die Arbeitgeber? Gibt es zu viele Vorurteile?


    Ich würde den Diabetes auf jeden Fall bei Nachfrage bejahen. Ich habe sogar mit dem Gedanken gespielt die Schwäche zur Stärke zu machen, d.h. in meiner Bewerbung zu schreiben dass ich aufgrund meines langjährigen und guteeingestellten diabetes sehr verantwortungsbewusst bin.


    Was haltet ihr von dieser Idee? *:)

  • 20 Antworten

    Prinzipiell halte ich es auch für besser, wenn man seine Krankheiten erwähnt. Ich hatte meine Kardiomyopathie und meinen Diabetes auch immer angegeben und hatte eigentlich nie Probleme, zumindest sind mir keine aufgefallen.


    Davon mal abgesehen, dass ich es nicht für gut halte, einen Job mit einer "Lüge" zu beginnen, kann es selbst bei einem gut eingestellten Diabetes, mal zu einem Hypo kommen und wenn man dann hinterher sagen muss : Ich habe Diabetes, dann ist das Vertrauen natürlich schon mal angekratzt. Ganz zu schweigen davon, dass die Kollegen bei einer Hypo, um dich herumstehen und gar nicht wissen, was mit dir los ist.


    Am besten lässt du dir von deinem Arzt schriftlich bescheinigen, dass dein Diabetes seit Jahren gut eingestellt ist und legst diese Bescheinigung deinen Bewerbungsunterlagen bei.


    Auf diese Weise kannst du dir auch sicher sein, wenn du zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wirst, dass der Arbeitgeber keine Probleme mit deiner Krankheit hat.

    Von der Idee, die Diabetes in der Bewerbung zu erwähnen oder gar als Argument für erworbenes Verantwortungsbewusstsein zu verwenden, halte ich gar nichts. Das mit der Arztbescheinigung würde ich auch unterlassen. Deine Bewerbung wird herausstechen wie eine Leuchtboje, und der Personaler wird sich denken "die muss aber große Probleme haben, wenn sie sich extra eine Bescheinigung besorgt".


    Dass du die Krankheit erwähnst, wenn du danach gefragt wirst, halte ich für völlig ausreichend.

    Eine Erkrankung gehört nicht in eine Bewerbung. In einem Gespräch sollte sie nur erwähnt werden, wenn sie die Arbeitsfähigkeit für den ausgeschriebenen Job beeinträchtigen kann. Oder wenn eine anerkannte Schwerbehinderung vorliegt. Die muss angegeben werden, weil hier ja auch entsprechende Auflagen für den Arbeitgeber dran hängen.


    Gerade wenn die Diabetes gut eingestellt ist, besteht doch gar kein Grund, überhaupt ein Wort darüber zu verlieren. Später dann mal beiläufig zu sagen, dass man Diabetes hat, gut eingestellt ist, aber im unwahrscheinlichen Fall, dass... die Kollegen doch bitte diese oder jene Maßnahmen ergreifen, reicht meines Erachtens völlig aus.

    Ich würds nicht sagen. Nicht, weils Nachteile bringt, sondern weil die Krankheitsgeschichte jetzt nichts ist, was ich breittreten muss. Einfach so.


    Wenn sich im Gespräch mit Kollegen mal das Thema ergibt, ists ja was anderes.


    Meine Kollegen wissens, weil ich da mal 12 Tage im Spital war und sie mich besucht haben.

    Ich würde Krankheiten auch nicht erwähnen. Es sei denn, es wird danach gefragt oder es ist irgendwie von Bedeutung für den Job. Meiner Meinung nach reicht es völlig aus, wenn man, sofern man den Job dann hat, es den Kollegen mitteilt, damit sie wissen, wie sie reagieren müssen, wenn doch mal was mit dir passiert.

    Hallo RelekiS,


    ich kann Dir nur empfehlen, den Diabetes definitiv nicht zu erwähnen. Wozu denn auch? Du bist gut eingestellt und für einen Bürojob wird die Krankheit nicht relevant sein. Anders wäre es, wenn Du als Kraftfahrer oder Maschinenführer arbeiten wolltest, dann sollte der zukünftige Arbeitgeber davon wissen.


    Alles andere würde Personaler von Deiner Person ablenken, da stimme ich Rotschopf2 voll zu.


    Ist denn schon eine Schwerbehinderung anerkannt? Wenn nicht, würde ich das nachholen. Meines Erachtens kann so ein Ausweis nur "Vorteile", d. h. Nachteilsausgleiche bringen (Erhöhung des Steuerfreibetrags z. B.). Doch selbst eine Schwerbehinderung musst Du nicht angeben, Du kannst aber (Vorteile im Arbeitsverhältnis: längere Kündigungsfrist und mehr Urlaubstage). Darüber hinaus werden Menschen mit Schwerbehinderung bei gleicher Eignung oft bevorzugt eingestellt (findet man auch in der Stellenbeschreibung), insbesondere im öffentlichen Dienst. Bei kleineren Privatfirmen würde ich damit aber auch nicht hausieren gehen.


    Bei meinen beiden letzten Einstellungen habe ich dies entweder beim Unterschreiben des Arbeitsvertrags angegeben oder auch kurz vorher, nachdem mir die Stelle zugesagt wurde.


    Über den Diabetes an sich werden die Kollegen bei meiner neuen Stelle so nach und nach informiert; vermutlich nur deshalb, weil ich Pumpenträger bin und meine Pumpe immer sichtbar an der Hose festclippe. Ich denke, dass ein natürlicher Umgang nicht verkehrt ist, damit entstehen auch weniger Ängste weil die Leute merken, dass Du "firm" bist. In diesem Sinne würde ich so ein Hausierengehen eher als unnatürlich und verunsichernd ansehen.

    Ich würde den Diabetes nicht erwähnen. Du bist gut eingestellt, bewirbst Dich auf keine Jobs, wo eine Entgleisung des Zuckers zum erheblichen Risiko werden würde. Es ist also völlig irrelevant.


    Ausnahme wäre, wenn Du aufgr. des Diabetes einen Schwerbehindertenausweis hast (oder zumindest GdB 30 oder 40 und explizit eine Gleichstellung beantragt hast, die sich zumindest nach einerProbezeit auf den Kündigungsschutz auswirkt). Dann sollte man es wg. des Steuerfreibetrages angeben, denn der fällt irgendwann doch irgendwo auf.


    Aber solange nichts derartig "Offizielles" vorliegt: Ich würde es nicht angeben und auch nicht zum Thema machen. Außer, man wird ganz explizit nach Erkrankungen gefragt (im Zshg. mit der Übersendung eines Arbeitsvertrages gibt es durchaus häufiger Personalfragebögen, wo auch nach Erkrankungen gefragt wird. Da wäre ich dann ggf. ehrlich.).


    Wenn man dann genommen wird, kann man ja die Kollegen informieren. Nach und nach, wenn es sich ergibt, wenn Du beim Messen oder Spritzen beobachtet wirst. Habe einen Kollegen mit Diabetes, der macht das alles recht offen-unauffällig. Hat halt sein Etui mit Messgerät und Pen immer griffbereit; isst und spritzt sehr flexibel.

    Der Schwerbehindertenausweis verpflichtet in keinster Weise. Du kannst eine Schwerbehinderung angeben, musst aber nicht. Steuerfreibeträge interessieren das Finanzamt, aber nicht den Arbeitgeber (@ Sunflower_73 : Wie sollte der AG irgendetwas von der eigenen Steuererklärung mitkriegen?).


    Moralisch mag's nicht astrein sein, wenn man die Schwerbehinderung nicht sofort angibt, aber daraus wird und kann Dir niemand einen Strick drehen. Schließlich muss jeder AG nach Gleichstellungsgesetz Diskriminierung vermeiden. Wird der AG (meiner Erfahrung nach) beiläufig (nach dem Motto "ach, übrigens ...") überrumpelt, wird er sich nie die Blöße geben und das ansprechen.


    Erkrankungen muss man nur dann angeben, wenn sie die Ausübung der Tätigkeit beeinflussen könnten. Ansonsten geht das den AG überhaupt nichts an. Daran ändert auch die Form der Frage (Gespräch oder Fragebogen) nichts.

    Okey das Erwähnen in der Bewerbung lass ich wohl wirklich besser.. Das mit dem Schwerbehindertenausweis hat sich glaub ich eh erledigt..ich mein bei mir steht 40% behinderung und damit zu wenig. Außerdem will ich mir keine Jobchance durch eine meiner meinung nach nicht vorhandene schwere Behinderung vertun.

    In der Bewerbung würde ich den Diabetes nicht unbedingt erwähnen, aber bei Jobantritt schon. Auch wenn er noch so gut eingestellt ist, man muss ja drauf achten, pünktlich zu essen und zu spritzen und das muss der Chef schon wissen.

    @ FannYOI:

    Bei mir (GdB 40) ist der Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen. Somit bekommt der Arbeitgeber mit, dass da was ist.

    @ RelekiS:

    Bei GdB 40 kannst Du immerhin die Gleichstellung beantragen, d.h. Du hast (nach Ablauf einer Probezeit) einen verbesserten Kündogungsschutz, solltest Du v.a. krankheitsbedingt (häufiger) ausfallen. Kann sich ggf. lohnen.


    Ich habe meinen GdB aber auch immer nur beiläufig angesprochen, weil die Behinderung (Kniegelenksarthrose) mich in meinem sitzenden Job nicht einschränkt. I.d.R. habe ich es gemacht, wenn die Zusage kam (so nach dem Motto "Was ich noch sagen möchte, da anhand der Lohnsteuerkarte ersichtlich") – oder halt im Rahmen der Einstellungsformalitäten.

    Zitat

    In der Bewerbung würde ich den Diabetes nicht unbedingt erwähnen, aber bei Jobantritt schon. Auch wenn er noch so gut eingestellt ist, man muss ja drauf achten, pünktlich zu essen und zu spritzen und das muss der Chef schon wissen.

    Jup vor allem wenn du Spritzt würde ich es zumindest aber erwähnen.


    Bei nem bekannten ist sein damals neuer Chef wohl völlig ausgeflipt als der Chef rein kam und er sich gerade gespritzt hat weil er die Spritze gar nicht zuordnen konnte und dachte der pfeift sich da auf der Arbeit sonst was rein.

    Erwähne nichts davon in der Bewerbung. Allerdings schon im Vorstellungsgespräch! Es ist wichtig! Ich habe selbst seit 18 Jahren Diabetes und es hat mir niemals Nachteile im Job gebracht. Dein Chef muss wissen,dass Du pünktlich essen und spritzen musst.


    Und auch wenn Dein Zucker gut eingestellt ist,kannst Du immer mal unterzuckern. Gerade bei Stress im Job.


    Ich hatte eine Arbeitskollegin,die ebenfalls an DB erkrankt war. Sie erzählte es niemanden. Als sie einmal so stark unterzuckerte,dass sie sich selbst nicht mehr helfen konnte,war das Geschreie groß!! Niemand wusste was sie hatte. Wie das hätte ausgehen können,muss ich Dir nicht sagen....


    Du hast keine Nachteile,wenn Du offen darüber redest. Was befürchtest Du denn könnte passieren,wenn Du es im Gespräch erwähnst? ":/

    Also ich spritz auf der Toilette. Da kommt mein Chef nun wirklich nicht rein ":/


    Und das mit zur bestimmten Zeit essen ist ja auch nicht mehr wirklich nötig (entsprechende Therapieform vorausgesetzt).


    In meinem Job arbeite ich regelmässig bis spät am Wochenende, fixe Pausen gibts da gar nicht. Da muss ich mein Sandwich irgendwann dazwischen essen. Wenn ich merk, dass der Zucker sinkt, gibts halt Traubenzucker und Cracker.

    Ich würde trotz der praktisch begründeten Einwände sagen, dass der Diabetes den AG nichts angeht. Inwiefern man später, nach Jobantritt, nähere Arbeitskollegen darüber informiert, kann man dann entscheiden. Schließlich soll es um einen Bürojob gehen, da hat man ja auch einige Freiheiten was das Essen/Spritzen angeht.


    Gerade feste Essenszeiten für einen Typ-I-er kann ich mir nicht vorstellen. Wer als juveniler Diabetiker noch eine konventionelle Therapie macht, ... dazu fällt mir nix mehr ein :-D . Und wer bei der Arbeit schockend umfällt, ... sollte eine Sensibilisierungs-Therapie machen.


    Und ja ... wie gerne man exhibitionistisch vor den Augen anderer spritzt sollte man im uninformierten Umfeld vielleicht überdenken ;-D .


    Kurzum: Ich würde es wenn, dann erst nach der Einstellung kommunizieren. Auf gar keinen Fall würde ich es im Bewerbungsgespräch erwähnen. Denn da sind ganz andere Dinge wichtig. Nicht nur für den Bewerber, sondern auch für den Personaler sowie den Vorgesetzten.

    @ Sunflower_73

    Meine 50 GdB sind noch nirgends aufgetaucht, aber ich habe auch erst für 2010 meine erste Steuererklärung gemacht, vermutlich muss man den Freibetrag erst mal geltend machen – das habe ich bisher nicht getan. Gut zu wissen @:) .

    Hallihallo,


    ich hoffe, mir antwortet nich jemand, obwohl hier schon länger niemand mehr geschrieben hat *:)


    Ich (18) hab mich bei einer Bäckereikette beworben und eigentlich schon eine Zusage. Jetzt hat mir allerdings meine (zukünftige) Chefin noch einen Fragebogen mitgegeben, auf dem unter anderem nach chronischen Krankheiten gefragt wird.


    Ich hab schon recht lange Diabetes I (Pumpentherapie) und komme auch sehr gut zurecht. Unter- oder Überzuckerungen habe ich bis jetzt immer rechtzeitig gemerkt. "Exhibitionistische" Züge, wie zum Beispiel in aller Öffentlichkeit Blutzucker testen, habe ich nicht, und auch in meinem Umfeld wissen eher wenige Leute von der Krankheit. Meine Chefin würde es also wahrscheinlich auch nicht erfahren.


    Einen Schwerbehindertenausweis habe und will ich nicht.


    Naja, jetzt bin ich natürlich etwas verunsichert. Zum Einen wird auf dem Fragebogen gedroht, bei Falschangaben wegen "arglistiger Täuschung" (welch geniale Formulierung ;-D ) entlassen zu werden, was natürlich dafür sprechen würde, den Diabetes anzugeben.


    Auf der anderen Seite befürchte ich aber, dass die Kette vielleicht Vorgaben macht, dass Menschen mit dieser Krankheit nicht angestellt werden dürfen. Wäre eine solche Vorgabe überhaupt rechtens?


    Nach einigen Recherchen im Internet hab ich auch rasugefunden, dass es wohl wichtig ist, ob mich die Krankheit in dem Berif einschränkt. Das ist für mich eher schwer zu beurteilen, denn obwohl ich nicht das Gefühl habe, großartig eingeschränkt zu sein, kann es natürlich immer sein, dass ich wegen einer Unterzuckerung ein paar Minuten nicht ganz fit bin.


    Joah, dazu würde ich gerne ein paar Meinungen hören, denn was ich bis jetzt so gelesen habe, war alles recht widersprüchlich.


    Vielen Dank und Entschuldigung, dass der Text gar so lang ist! @:)

    Ein gesunder Mensch kann auch mal für fünf Minuten unpässlich sein. Du solltest mich mal erleben, wenns draussen 30° hat. Dann kannst mich den ganzen Tag nicht brauchen. Und das hat nichts mit Diabetes zu tun. ;-)


    Ich würds nicht angeben und ich kann mir auch vorstellen, dass eine Entlassung aufgrund dieser Falschangabe missbräuchlich wär. Bin aber kein Jurist.


    Dennoch. Wenn man nicht angeben muss, dass man schwanger ist, und dann nach einigen Monaten wieder für lange Zeit ausfällt, dann find ichs unsinnig, dass man als gut eingestellter Diabetiker seine Krankheit erwähnen muss, wenns kein Risiko für den Job bedeutet.


    Die grösste Gefahr ist ja, dass du vom Backwerk probieren musst. Und das kannst du runterspritzen. ;-)


    Ich würds nicht erwähnen.


    Hier noch was von Onkel Google:


    http://www.frag-einen-anwalt.d…rag-angeben-__f49379.html