Sterbehilfe (assistierter Suizid) - Erfahrungsaustausch

    Hallo Community,


    ich würde mich gerne mit Menschen austauschen, die sich bereits mit der seit Februar 2020 auch in Deutschland erlaubten Form der "assistierten Sterbehilfe" auseinander gesetzt haben bzw. im besten Fall bereits Erfahrungen gemacht haben.


    Mit assistierter Sterbehilfe meine ich die legale Beschaffung eines Medikaments durch einen Arzt, welches durch den Suizidenten selbst eingenommen wird.


    Hintergrund ist folgender:


    Mein Großvater (93 Jahre, Pflegestufe (noch) 4) wird derzeit von meiner Großmutter (88 Jahre) häuslich gepflegt. Bisher war er nur körperlich beeinträchtigt, doch seit ein paar Wochen nehmen auch seine kognitiven Fähigkeiten stark ab. Er hat schon in den letzten Jahren immer wieder geäußert, dass sein Leben nicht mehr lebenswert ist. Aktuell wird er palliativ mit starken Schmerzmitteln (Morphium-Klasse) behandelt. Eine Auseinandersetzung mit möglichen Alternativen hat bisher nicht stattgefunden. Ich möchte meinem Großvater die Möglichkeit geben eine selbstbestimmte Entscheidung über sein Lebensende zu treffen, die er aktuell nicht hat, da er nicht mit den aktuellen Bestimmungen vertraut ist. Meine Befürchtung ist, dass er einmal in die Situation kommen könnte, wo er sich einen assistierten Suizid wünscht, allerdings nicht mehr in der Lage ist dies glaubhaft zu vermitteln.


    Daher würde es mir sehr weiter helfen Erfahrungen von euch zu erhalten. Der Hausarzt meines Großvaters steht dem Thema beispielsweise sehr zurückhaltend gegenüber, sodass eine "Beratung" in dieser Hinsicht nicht erfolgen dürfte. Habt ihr vielleicht Adressen, Ansprechpartner, die Ergebnisoffen beraten oder informieren?


    Im Internet gibt es leider erstaunlich wenig Austausch zu diesem Thema.




  • 3 Antworten

    Mavericks, das ist ein heißes Eisen.

    Trotz dieser Gesetzesänderung findet es meines Wissens nach in D kaum Anwendung. Da dein Großvater zunehmend auch im kognitiven Bereich abnimmt ist das für die hypothetische Gedankenaufstellung eines assistierten Suizides besonders heikel. Da verstehe ich deinen Hausarzt sehr gut.

    Die Palliativbetreuung wird zunehmend auch im ländlichen Bereich breit aufgestellt.

    Hast du das Gefühl dein Großvater ist mit den Schmerzmitteln gut eingestellt?

    Oder klagt er trotzdem immer noch über Schmerzen?


    Wie geht es deiner Großmutter insgesamt und im Besonderen mit der pflegerischen Betreuung ihres Mannes. Werden sie von einer Sozialstation oder von weiteren Familienangehörigen unterstützt?

    mavericks90 schrieb:

    Im Internet gibt es leider erstaunlich wenig Austausch zu diesem Thema.

    Nicht verwunderlich. Das ist noch ein großes Tabu-Thema, die Gesellschaft ist noch nicht so weit.


    Es würde mich auch wundern wenn ein Arzt dieses Risiko eingeht und sich dann möglicherweise vor Gericht wiederfindet.

    Addendum: Ich glaube in der Schweiz oder den Niederlanden ist man da weiter. Aber die mögen natürlich auch keine "Sterbetouristen".