Als Kind wegen Essen kritisiert, heute die Konsequenzen tragen

    Ich kämpfe schon seit einigen Tagen mit mir darüber, ob ich dieses Thema ansprechen soll oder nicht. Im Psychologie-Forum gibt es bereits ein ausführliches Thema, in dem ich meine langjährigen Probleme mit Depressionen und SVV bespreche. Daher: ich kann es gut verstehen, wenn die Leute hier keine Lust haben, sich noch mehr von meinen Problemen anzuhören. Insbesondere, weil ich in diesem Thema genau genommen keinen Rat suche (die offensichtlichen Dinge wie Essenspläne, selber kochen lernen, Ernährungsberatung usw. sind mir durchaus bewusst, aber es mangelt mir an Motivation und Eigeninitiative), sondern lediglich Austausch. Ob "einfach mal drüber reden" nachgewiesen hilfreich ist, kann ich nicht sagen. Habe jedoch in meinem anderen Thread deutlich gemerkt, dass ich mich dadurch besser fühle und meine Gedankengänge klarer werden, wenn ich Rückmeldungen bekomme und Denkanstöße von außen.


    Lange Rede, kurzer Sinn. Worum es eigentlich geht: ich hatte als Kind minimal seltsame Essgewohnheiten, d.h. ich habe einen Großteil an Nahrungsmitteln nur in separater Form zu mir genommen. Brot war in Ordnung, Wurst war in Ordnung. Brot MIT Wurst: keine Chance. Bei Fischstäbchen erst die Panade, dann den Fisch. Gemüse pur, aber nicht mit Soße.

    Meiner Einschätzung nach (ich habe keine Kinder) ist das überhaupt nicht dramatisch. Das Kind isst genug und auch die gesunden Sachen, da ist es doch eher weniger relevant, in welcher Form oder Reihenfolge die Nahrungsmittel konsumiert werden. Würde ich zumindest so sehen. Meiner Mutter war es auch relativ egal, mein Vater hingegen hat daraus ein großes Thema gemacht. Er gehörte zur Fraktion "du bleibst so lange hier sitzen bis du es gegessen hast". Das waren meine ersten stressbehafteten Erfahrungen im Bezug auf Essen.


    Wieder von meinem Vater ausgehend hagelte es auch später (5./6. Klasse ungefähr) ständig Kritik bezüglich meines Essverhaltens. Zu großen Teilen hing es damit zusammen, dass mein Vater ein großer Fleischesser ist, wohingegen ich damals schon moralische Bedenken bezüglich Fleischkonsum entwickelte. Mit Filetsstücken oder Nuggets kam ich zurecht, da war die kognitive Dissonanz groß genug. Mit Hähnchenkeule oder Rippchen, oder was mein Vater mir sonst an eindeutig "tierförmigen" Dingen versuchte schmackhaft zu machen, stieß er bei mir auf völlige Verweigerung. Gemüse, Obst, Pasta, Reis, Brot, Milchprodukte, Eier... alles nach wie vor kein Problem. Nur weiterhin eher die Neigung, diese Dinge separat zu essen und eben eher ungerne Fleisch.


    Ständige Kritik und Zurechtweisung verunsicherten mich so weit, dass ich zuhause nur noch sehr ungerne gekochte Mahlzeiten zu mir nahm. Ironischerweise kam mein Vater dadurch auf den Trichter, ich sei magersüchtig. Ironisch deshalb, weil ich damals, mit 12 Jahren, nicht einmal im Ansatz an Gewicht, Kalorien oder Diäten dachte, bei anderen mit Freude aß, und einfach genug vom Genörgel meines Vaters hatte und deshalb zuhause wenig begeistert war wenn es ums Essen ging.


    Für mich wurde es zur Gewohnheit, unregelmäßig zu essen und vorzugeben, ich hätte keinen Hunger. Weil Essen zuhause Stress und Nörgelei bedeutete und ich mich dem zu entziehen versuchte. Meinen Hunger stillte ich meist mit heimlich gekaufter Schokolade, die ich in meinem Zimmer unter der Bettdecke aß.


    Ich bin überzeugt davon, dass ich als Kind keinerlei Probleme mit dem Essen hatte und dass die erst später durch das Verhalten meines Vaters ausgelöst wurden.

    Wie in meinem anderen Faden schon beschrieben fingen bei mir ungefähr mit Einsetzen der Pubertät die Depressionen an. Und DAS war der Moment, wo ich Probleme mit dem Essen bekam. Nicht als Siebenjähriger, der sein Frühstücksbrot lieber pur und die Salamischeibe separat aß.


    In meinem Gehirn brannte sich folgende Logik ein: Essen bedeutet Stress. Nicht essen bedeutet Abwesenheit von Stress. Nicht essen bedeutet Aufmerksamkeit. Dünn sein bedeutet, man traut dir nichts zu und stellt weniger Erwartungen an dich.


    Was dabei absolut nicht hilfreich war: meine erste Freundin. Die, die mich mit ihrem Helferkomplex zu "retten" versuchte, aber insgeheim ihre Probleme auf mich projizierte und es toll fand, diese Position mir gegenüber einzunehmen. Die Freundin, die - wie ich später erfuhr - nur allzu gerne allen erzählt hat, ich wäre magersüchtig und würde mich ritzen (letzteres stimmte) und mich als dramatischen Helden sah, um den sie sich kümmern musste. Überraschenderweise hat diese Beziehung nicht gehalten.


    Wenn es nicht so ironisch wäre, würde ich darüber lachen: als ich im Bezug aufs Essen wirklich krankhafte Verhaltensmuster entwickelte, kam von meinen Eltern kein Mucks.

    Ein Fünfjähriger, der von seinen Fischstäbchen die Panade abkratzt, ist total gestört und muss strengstens kontrolliert und beobachtet werden. Wenn ein Teenager hingegen haarscharf am Untergewicht kratzt und andauernd "vergisst", zu essen, dann ist das vollkommen normal und nicht weiter beachtenswert.


    Ebenso wie mit meiner Depression, die inzwischen wohl als hochfunktional einzustufen ist (Alltag und Arbeit schaffe ich, nur emotional große Defizite), sieht es heute bei mir mit dem Essen aus: immer an der Grenze zum Untergewicht, sehr unregelmäßige Mahlzeiten, und dann weitestgehend 5-Minuten-Terrinen, Schokolade und alles, was man schnell in die Mikrowelle schmeißen kann.


    Wenn ich verbittert oder zynisch klinge, dann, weil ich es bin. Ich bin längst alt genug um Eigenverantwortung zu übernehmen und darüber hinaus ist mir bewusst, dass es nichts bringt, mich über meine Eltern zu ärgern oder ihnen die Schuld für meine Verkorkstheit zu geben.


    Trotzdem bin ich - entschuldigt meine Ausdrucksweise - extrem angepisst davon, dass meine Eltern nicht imstande waren, einfach mal einen verfickten Erziehungsratgeber zu lesen und stattdessen normale Spleens, die Kinder nunmal haben, zu pathologisieren und mich so damit zu stressen und zu verunsichern, dass ich jetzt mit den einfachsten Sachen wie Ernährung nicht klarkomme und alles in Kleinstarbeit lernen darf.


    Danke, Eltern.

  • 134 Antworten

    Was hilft es dir deinen Eltern Vorwürfe zu machen. Sicher haben sie Fehler gemacht Aber jetzt bist du kein Kind mehr und für dich selbst verantwortlich . Lass deinen Groll los, er hilft dir nicht weiter.

    Ich glaube, so etwas gab es leider zu Zeiten des "Du musst den Teller leer essen, stell dich nicht so an" gar nicht so selten.


    Ich kann dir nur sagen, dass es meiner Meinung nach absolut nichts zur Lösung konkreter jetzt bestehender Probleme beiträgt, zu sehr zu analysieren, was die Eltern in der Vergangenheit falsch gemacht haben.


    Das sage ich nicht nur einfach so, sondern weil ich beobachtet habe wie jemand auf diesem Weg nur immer kranker (und essgestorter) wurde.

    thelibrarian schrieb:

    Lange Rede, kurzer Sinn. Worum es eigentlich geht: ich hatte als Kind minimal seltsame Essgewohnheiten, d.h. ich habe einen Großteil an Nahrungsmitteln nur in separater Form zu mir genommen. Brot war in Ordnung, Wurst war in Ordnung. Brot MIT Wurst: keine Chance. Bei Fischstäbchen erst die Panade, dann den Fisch. Gemüse pur, aber nicht mit Soße.

    Meiner Einschätzung nach (ich habe keine Kinder) ist das überhaupt nicht dramatisch.

    Finde ich auch nicht. ... Im Magen vermischt sich zwar am Ende eh alles, aber ich mag es z.B. trotzdem bis heute nicht, wenn sich die Salatsoße mit auf dem Teller mit den anderen Sachen vermischt bzw. in Berührung kommt.

    Ebenso, Mayonnaise und Ketchup - mag ich beides, aber auf keinen Fall miteinander vermischt.


    Ich weiß nicht, ob es dir um Tipps zu deiner aktuellen Ernährung geht. Beim Lesen ging mir durch den Kopf, dass du neben der Betrachtung der Vergangenheit, die ich absolut legitim finde, in deinem Alltag versuchen könntest, zu einem unbelasteteren Verhältnis zum Essen zu kommen, indem du dir überlegst, worauf du wirklich Appetit hättest, dir Zeit zur Essenszubereitung nimmst - nicht nur Essen aus der Mikrowelle - und das Ganze evtl. nett anrichtest.


    Mach' dir doch z.B. mal Fischstäbchen und iss die so, wie du sie eben gerne isst, also erst die Panade , dann den Fisch. Du bist heutzutage ein freier Mensch. Deine Ernährung muss für dich passen, nicht für andere.


    Es wäre natürlich gut, wenn die Ernährung einigermaßen nährstoffreich und abwechslungsreich wäre, aber im Zweifel nimmt man über die Nahrung eh nicht genügend Nährstoffe auf. Daher würde ich dir aus persönlicher Erfahrung - ggf. nach einem entsprechenden Blutbild - ohnehin zu Nahrungsergänzungsmittel raten. Wichtig ist, dass die nicht zu niedrig (aber auch nicht zu hoch) dosiert sind. Die Brausetabletten, die man so im Supermarkt kaufen kann, sind z.B. viel zu niedrig dosiert und helfen daher im Zweifel nicht. Man kann sie höchstens zur Vorbeugung nehmen, das schadet nicht. Gerade in Online-apotheken findet man aber auch ausreichend hoch dosierte Sachen, z.B. für Eisen, Magnesium, die B-Vitamine, Vitamin D, etc..


    Man sollte die natürlich nicht blindlings einwerfen, sondern sich informieren und abwägen, was unter Berücksichtigung der eigenen Lebensführung sinnvoll wäre. Ich komme z.b. kaum ans Tageslicht und bin deshalb anfällig für Vitamin-D-Mängel.


    Man glaubt gar nicht, was so ein vermeintlich banaler Vitaminmangel ausmachen kann. Deshalb lohnt es sich imho für jeden, diesem Feld mehr Aufmerksamkeit zu schenken.


    Was deine Ernährung angeht:

    Ich denke mal, du weißt vermutlich selbst, was du da verbessern könntest. Zumal ich deinen Geschmack nicht kenne. Oder suchst du auch nach konkreten Rezeptideen bzw. Tipps für Mahlzeiten?


    Manchmal hilft es auch, sich online von den ganzen Rezeptideen (mit Bildern!) inspirieren zu lassen, selbst wenn man dadurch nur etwas mehr Motivation zum Selberkochen bekommt. Persönlich bin ich auch eher kochfaul, habe aber von Natur aus an sich weitgehend gesunde Ernährungsvorlieben; deshalb passt das unter'm Strich.

    Ungute Prägungen bzgl. des Essens durch die Eltern kenne ich übrigens selbst ein wenig, wenngleich nicht in dem Extrem, wie bei dir.


    Mir wäre es z.B. lieber gewesen, meine Eltern hätten mir nicht versehentlich beigebracht, dass Süßigkeiten zu einem entspannten Wochenende dazugehören und Belohnungsmittel schlechthin sind.


    Ebenso, dass man in Gesellschaft anderer sich deren Essenrhythmus zu unterwerfen hat, um bloß nicht negativ aufzufallen, daher höflich mitisst, obwohl null Hunger, und man nicht sagen darf, dass man nichts essen möchte. Was ist schon ein bisschen Übelkeit etc. gegen die Schande in den Augen anderer, sich beim gemeinsamen Essen komisch und vermeintlich abnormal verhalten zu haben.:=o

    Meine kindlichen Gewohnheiten habe ich inzwischen gänzlich abgelegt, d.h. Soßen sind kein Problem mehr und auch sonst kombiniere ich jetzt auch verschiedene Lebensmittel miteinander.

    Ironischerweise bin ich was Essen angeht heute deutlich experimentierfreudiger als meine Eltern. In meiner Kindheit wurde mit Salz, Pfeffer und Paprika gewürzt, vielleicht auch mal etwas Muskat. Exotischere Früchte wie Papaya oder Mango kannte ich bis vor ein paar Jahren nicht. Ich habe erst viel später für mich entdeckt, dass ich z.B. asiatische Speisen typisch deutschen deutlich vorziehe.


    Aktuell liegt mein Hauptproblem darin, dass es mir extrem unangenehm ist, vor anderen zu essen. Auch Essen zuzubereiten fällt darunter. Wenn sowieso alle gemeinsam am Tisch sitzen und essen, dann stört es mich weniger. Zuhause koche ich so gut wie nie, da ich derzeit noch in einer WG wohne und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hereinkommt, zu groß ist. Daher greife ich meist auf solche Nahrungsmittel zurück, die man in der Mikrowelle innerhalb weniger Minuten zubereiten kann oder auf solche, die man direkt aus der Packung essen kann.

    Auch auf der Arbeit wird das Essen regelmäßig zum Spießrutenlauf. Meine Kollegen bringen sich ihr Essen mit, machen es in der Mikrowelle warm und essen es im Büro. Das könnte ich nie. Wenn niemand mich beim Essen ansehen oder mein Essen kommentieren würde, sähe es auch wieder anders aus. Aber diese verdammte "Guten Appetit"-Wünscherei, die nunmal der Etikette entspricht, ist mir da bereits zu viel.


    Realistisch gesehen müsste ich wahrscheinlich ausziehen, um halbwegs kochen und essen zu lernen.

    Im Grunde ziehe ich frisch zubereitetes Essen Fertigprodukten deutlich vor. Ist nur nicht umsetzbar, wenn ich nicht damit klarkomme, dass andere mich währenddessen beobachten.

    Vor anderen essen mochte ich interessanterweise auch lange nicht, Folge sehr strenger Tischsitten in meiner Kindheit.


    Das habe ich mir dann aber wirklich über 20 Jahre "abtrainiert".


    Ich wünsche Dir, dass das Dir auch gelingt.

    Shinnok schrieb:

    Ungute Prägungen bzgl. des Essens durch die Eltern kenne ich übrigens selbst ein wenig, wenngleich nicht in dem Extrem, wie bei dir.


    Mir wäre es z.B. lieber gewesen, meine Eltern hätten mir nicht versehentlich beigebracht, dass Süßigkeiten zu einem entspannten Wochenende dazugehören und Belohnungsmittel schlechthin sind.


    Ebenso, dass man in Gesellschaft anderer sich deren Essenrhythmus zu unterwerfen hat, um bloß nicht negativ aufzufallen, daher höflich mitisst, obwohl null Hunger, und man nicht sagen darf, dass man nichts essen möchte. Was ist schon ein bisschen Übelkeit etc. gegen die Schande in den Augen anderer, sich beim gemeinsamen Essen komisch und vermeintlich abnormal verhalten zu haben.:=o

    Ich hatte noch beigebracht bekommen, dass wenn mich Fremde fragen, ob ich was essen möchte, dass ich dann aus Höflichkeit verneinen muß, weil der Fremde in Wirklichkeit gar keine Lust hat, mir etwas von seinem Essen abzugeben. Das seien nur Höflichkeitsfragen und der Anbieter sei froh, wenn man verneint.


    Zum TE:

    ich stimme den anderen zu. Jetzt kannst du doch essen wie du willst. Iß alles getrennt, wenn du allein bist oder mit anderen, die das akzeptieren und deswegen keinen Streß machen.

    Ich verstehe die Leute nicht. Es reicht doch, wenn man jemandem eine Ansage macht, weil er einem was getan hat. Aber Leuten in die eigenen Angelegenheiten reinzureden, die die anderen doch gar nicht stören, das ist mir ein Rätsel. Ist für mich reiner Psychoterror. Ich meide solche Leute wie die Pest, wenn es möglich ist.

    Von mir aus kann jemand neben mir erstmal mit den Fischstäbchen ein Türmchen bauen, bevor er sie ißt. Ist mir doch egal. Wenn es ihm so gefällt?

    Ich verstehe gut, dass dich das Verhalten der Eltern emotional verletzt hat, vor allem, weil es täglich im Alltag stattgefunden hat.

    Und es stimmt leider auch, dass Eltern nicht immer das nötige Wissen haben, wie man Kindern einen guten Start ins Leben geben kann. Oftmals denkt man leider: Es wird schon irgendwie gehen. Groß werden sie alle. Man orientiert sich an festen Standards, ohne die natürlichen Lernprozesse der Kinder mit einzubeziehen. Und ja, da gibt es eine Menge Fehlerquellen in der Erziehung.


    Kinder können gewisse Verhaltensweisen bereits verinnerlicht haben, ohne das diese vorher in der eigenen Familie gesehen oder antrainiert worden sind. Diese sind dann einfach da. Erklärungsmodelle liefern hier Vererbungen oder Wiedergeburten ect.


    Anstatt den Focus auf eine gute Nährstoffdichte zu legen und dir die Zeit zu lassen, dass du irgendwann selbst experimentierfreudiger wirst, hat man dich in starre Bahnen zu lenken versucht. Und das kann verletzend sein, weil man denkt, man macht etwas falsch, man fühlt sich vielleicht schlecht, schuldig usw.


    Eltern sind nicht perfekt. Und wenn man selbst erwachsen ist, dann kann man sich die eigenen Gefühle selbst ansehen. Man kann sich vielleicht fragen, was hätte ich damals von meinen Eltern gebraucht, damit ich mich gut gefühlt hätte. Und wenn man das dann weiß, dann kann man sich das selbst geben, sich selbst nach und nach verstehen lernen. Man selbst ist der wichtigste Mensch im eigenen Leben. Es wird heutzutage oft im negativen Sinne von Egoismus gesprochen. Dabei sind wir oftmals so sehr auf andere fixiert, obwohl wir uns selbst noch nicht einmal kennen und verstehen, vor allem nicht emotional.


    Vielleicht brauchst du auch mehr Hilfe, vielleicht eine Therapie.

    thelibrarian schrieb:

    Zuhause koche ich so gut wie nie, da ich derzeit noch in einer WG wohne und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hereinkommt, zu groß ist.

    Ok, das würde mich auch stören. Ich könnte generell nicht in einer WG leben.

    Mir würde höchstens noch einfallen, dass du alles in deinem Zimmer so weit wie möglich vorbereitest und Zeiten abpasst, in denen nicht viel los ist in der Küche bei euch.


    thelibrarian schrieb:

    Auch auf der Arbeit wird das Essen regelmäßig zum Spießrutenlauf. Meine Kollegen bringen sich ihr Essen mit, machen es in der Mikrowelle warm und essen es im Büro. Das könnte ich nie. Wenn niemand mich beim Essen ansehen oder mein Essen kommentieren würde, sähe es auch wieder anders aus. Aber diese verdammte "Guten Appetit"-Wünscherei, die nunmal der Etikette entspricht, ist mir da bereits zu viel.

    Das ist auch nicht ganz mein Fall, da ich am liebsten alleine und unbeobachtet esse. Allerdings geht es von den Arbeitszeiten her nicht anders, als dass ich auf der Arbeit mittags etwas esse.


    Hast du ein eigenes Büro? ... Hier ist das so und man hat recht viel Ruhe. Je nach Tageslaune bleibt meine Bürotür dann eben in der Mittagspause zu oder etwas offen, hier lässt sich aber zum Glück eh jeder weitgehend in Ruhe mittags. Diese "Guten Appetit"-Wünsche machen wir hier auch, aber mich stört das nicht. Es ist ja einfach ein Zeichen von Höflichkeit und persönlicher Achtung vor dem anderen und keine Bewertung des anderen oder seines Essens.


    Du könntest generell mittelfristig auf der Arbeit auch nach Draußen gehen mit deinem Essen und irgendwo an einem menschenleeren Ort im Park essen, wenn es bei euch sowas gibt.

    Butterbrote sind z.B. sehr praktisch dafür oder Joghurt.

    Ich kann dir nur den Tipp geben, das Unwohlsein dass dich beschleicht, wenn dir andere beim Essen zubereiten zugucken auszuhalten.

    Ich hatte mal einen autistischen Mitbewohber der seltsame Sachen kochte.

    Anfangs habe ich auch mal hingeschickt, später dachte ich nur;" Na ja, wenn's ihm schmeckt".

    Inzwischen geht es mir gar nicht mehr um eine wirklich stattfindende Bewertung. Den meisten Leuten ist es doch egal, was andere essen oder sind zumindest so sozial kompetent, um sich negative Kommentare zu verkneifen. Was mein Problem ist, sind die Thematisierung und der Fokus aufs Essen an sich. Die eigentliche Logik dahinter ist mir selbst nicht klar.

    Denn: bestimmte Lebensmittel gehen relativ problemlos. Joghurt, Müsliriegel und Kekse, Obst, rohes Gemüse. Im Grunde alles, was eher "Snack" als Mahlzeit ist und was man ohne großen Aufwand und bestenfalls noch mit den Fingern nebenbei essen kann. Richtige vollständige Mahlzeiten sind mein Problem.


    Ein eigenes Büro habe ich übrigens nicht. Essen geht nur im Büro mit den anderen oder im Pausenraum, wo noch mehr los ist.

    Also ehrlich gesagt halte ich diese von dir geschilderte Art des Essverhaltens für Kinder für ziemlich normal.

    Ich war nicht anders, meine Kinder nicht, deren Freunde nicht.... was "Vermischtes" wurde erst im Laufe der Jahre zu sich genommen. Du bist/warst da nichts Besonders,

    Deine umgebung hatte es nur vergessen, dass es bei ihnen (wahrscheinlich!) auch mal so gewesen ist. Das schreibe ich um Dir zu sagen, dass Du da NORMAL bist.

    Der andere Punkt ist, was Du nun daraus machst.

    Du solltest etwas, was innerhalb der Entwicklung begründet ist, allmählich mal abschließen.