Ist Essen überhaupt noch ethisch vertretbar?

    Sobald ich anfange, bewusst über das, was ich esse, nachzudenken, will ich im Grunde gar nichts mehr essen. Das fängt bei den offensichtlichen Sachen wie Massentierhaltung an und endet bei den Arbeitsbedingungen von Erntehelfern.


    Wie können Menschen sich überhaupt ernähren, ohne schlechtes Gewissen, ohne moralische Bedenken, ohne Ekel?


    Dann denkt man, ok, werde ich vegan. Bringt aber auch nur bedingt was, weil auch der Konsum vieler pflanzlicher Produkte mit ethischen Problemen verbunden ist.


    Dann also vegan UND regional UND fair trade. Das muss man sich aber auch leisten können. Und mit den Einschränkungen und Kommentaren der anderen leben könne.


    Wie handhabt ihr das oder setzt ihr einfach auf kognitive Dissonanz und esst worauf ihr Lust habt?

  • 60 Antworten
    thelibrarian schrieb:

    Wie handhabt ihr das oder setzt ihr einfach auf kognitive Dissonanz und esst worauf ihr Lust habt?

    Ich setze für mich eine Grenze fest, die ich für lebbar halte, setze jenseits dessen komplett auf bewusst gelebte kognitive Dissonanz und stelle meine Grenzsetzung ein, zwei Mal im Jahr neu auf den Prüfstand.

    Shojo schrieb:
    thelibrarian schrieb:

    Wie handhabt ihr das oder setzt ihr einfach auf kognitive Dissonanz und esst worauf ihr Lust habt?

    Ich setze für mich eine Grenze fest, die ich für lebbar halte, setze jenseits dessen komplett auf bewusst gelebte kognitive Dissonanz und stelle meine Grenzsetzung ein, zwei Mal im Jahr neu auf den Prüfstand.

    Mache ich haargenau so.

    Mann kann nicht alles berücksichtigen.

    Wo will man da anfangen und wo aufhören?

    Zitat

    Wie handhabt ihr das oder setzt ihr einfach auf kognitive Dissonanz und esst worauf ihr Lust habt?

    Ja, genau so.


    Im Übrigen könnte man das Problem eventuell lösen. Such dir eine Wohnmöglichkeit mit Garten. Dort kannst du selbst Obst und Gemüse anbauen. Zur Lagerung dann z.B. einkochen.

    Konsequent auf Lebensmittel verzichten, die nicht aus Deutschland kommen.

    Um das ganze auf die Spitze zu treiben: Selber Tiere halten und als Nahrungsquelle nutzen.


    Hast du schon mal drüber nachgedacht, woher deine Kleidung kommt? Da hilft nur selber nähen. Und bitte nur ungefärbte Stoffe verwenden. Das Färben ist mit viel Chemie verbunden, die im Grundwasser landet. Baumwolle fällt dann allerdings schon mal weg, weil die hier nicht angebaut wird. Kunstfasern auch, weil die aus Erdöl hergestellt werden. Erdöl ist knapp.

    Ohooh, Schuhe sind aber schlecht. Es gibt natürlich Holzschuhe.

    Kannst ja Wildobst und Kräuter sammeln gehen, mache ich jedenfalls, oder unter die Selbstversorger gehen.



    Mir ist übrigends alles egal. So!

    Zitat

    Ohooh, Schuhe sind aber schlecht. Es gibt natürlich Holzschuhe.

    Jetzt kommt der Sommer und es gibt doch Schnittmuster für Espadrilles

    Bis zum Winter ist ja Zeit sich eine warme Variante auszudenken. ;-D

    Ich würde gerne noch einmal auswandern in ein Land, wo es keinen Winter gibt.


    Häuschen mit Nutzgarten, ein paar Hühner hätte ich gerne. Selbstversorger, soweit es geht.


    Ansonsten werde ich die Welt nicht retten können.


    Hier gibt es gerade auf dem Teller Bio Spaghetti aus Hartweizengries, dazu Paprika mit Kochbanane gebraten und 120 g Frikadellen aus Biohackfleisch (Rind).


    Die Paprika stammt aus Spanien, die Kochbanane aus Ecuador und die Spaghetti aus Italien. Ist eben so.

    Als Mensch, bist du automatisch eine Belastung für den Planeten.

    Habe vor 3/4 Jahr entschieden, meine Ernährung umzustellen.


    Verzichte komplett auf Fleisch und ernähre mich Vegetarisch. Gibt so viele schöne Produkte wie z.b Cordon Bleu und Crispy Sticks von Valees. Oder Wiener Würstchen von Rügenwälder.

    Für mich sind die Produkte so überzeugend und lecker, dass ich keinen Grund habe, Fleisch zu essen.


    Wenn ich Milch kaufe, erwerbe ich ausschließlich Weidenmilch. Natürlich ist es teuerer aber wir reden hier auch nicht von einem gewaltigen Unterschied.


    2 mal pro Woche esse ich Meeresfisch.


    In manchen Stunden denke ich auch, verzichte auf die Meeresfische, sind auch Lebewesen.

    Aber man sollte als Mensch trotzdem Mensch bleiben.


    Wäre es so gewollt, dass der Mensch keine Lebewesen frisst, würden wir es auch nicht tun.

    Und wenn ein Löwe sich eine Garzelle reißt, ist dies auch nicht gerade angenehm. Die Natur, hat es aber so vorgesehen.

    Ich bin zwar kein Vegetarier, sehe das aber sehr ahnlich. Ich denke, das es bei allem die Menge und die Auswahl macht.


    Wir können (und sollten) auch nicht aus unserer Natur, genausowenig wie andere Tiere.


    Das einzige was wir tun können sind kleine Stellschrauben ansetzen.


    Ansonsten kann man nur noch Frutarier werden ;-D

    thelibrarian schrieb:

    Sobald ich anfange, bewusst über das, was ich esse, nachzudenken, will ich im Grunde gar nichts mehr essen. Das fängt bei den offensichtlichen Sachen wie Massentierhaltung an und endet bei den Arbeitsbedingungen von Erntehelfern.


    (...)

    Wie handhabt ihr das oder setzt ihr einfach auf kognitive Dissonanz und esst worauf ihr Lust habt?

    Nein, ich esse bewusst, und gebe mir Mühe "gerecht" zu essen. Das macht aber auch meine Familie, ich bin nicht allein.


    Aber ich denke in eine andere Richtung als du. Warum sollen ausgerechnet "bewusste Esser" wie ich nicht mehr essen? Sollen doch lieber die andern verhungern ;-D

    Also im Ernst, ich will mich dafür einsetzen, dass die Welt besser wird. Ich werde auch entsprechend wählen sobald ich wahlberechtigt bin.


    Für eine gerechtere Welt muss man kämpfen, nicht sich zurückziehen! :)^

    Ganz plakativ: Wenn Du gar nichts mehr essen willst, ziehe doch dorthin, wo die Menschen verhungern. Die wären dankbar für jeden Bissen. Was Du herbeistilisierst, ist ein absolutes Luxusproblem.


    Ansonsten:

    Ich überlege und entscheide bewusst. Ich boykottiere best. Konzerne, ich kaufe kaum verarbeitete Sachen (also keinen Fruchtjoghurt, sondern Naturjoghurt). Ich esse wenig Fleisch, ich kaufe so gut es geht saisonal, regional, bio. Aber darin bin ich nicht perfekt, sondern habe auch meine Bereiche, wo ich suboptimal handele. Das ist dann so.

    Und ja, die Bedingungen für Erntehelfer sind mies. Andererseits ernährt dieser Knochenjob in der Heimat ganze Familien und die Menschen sind froh über dieses Auskommen. Es gibt halt manchmal auch zwei Perspektiven.

    Sunflower_73 schrieb:

    Ganz plakativ: Wenn Du gar nichts mehr essen willst, ziehe doch dorthin, wo die Menschen verhungern. Die wären dankbar für jeden Bissen. Was Du herbeistilisierst, ist ein absolutes Luxusproblem.

    Aber zwischen dem Luxusproblem und dem Verhungern besteht ein Zusammenhang. Die Ausbeutung der um die Beschäftigung frohen Erntehelfer gehört auch dazu.


    (Ich weiss, du beziehst dich nicht auf meinen Beitrag)

    Viele Menschen sterben durch Hunger, weil sie in einem Staat leben, wo Bildung und die Fürsorge ums Volk eben keine Rolle spielen.


    Dort ist meistens Bürgerkrieg oder es sind Stammeskämpfe (Afrika), wo wahrscheinlich auch niemand mehr weiß, warum sie eigentlich geführt werden. Dazu Wassermangel, schlechte Böden, keine Infrastruktur, Analphabetentum. Keine Geburtenkontrolle. Das ganze Elend eben.

    Und wenn ich HIER nicht mehr esse, werden auch Menschen darunter leiden. Landwirte bspw. (ich kaufe Eier und Kartoffeln grundsätzlich direkt beim Erzeuger; andere Dinge je nach Saison auch. An den Markständen steht dann der INHABER selber und verkauft auf dem Holztisch mit Bank davor seine Waren. Der eine eben NUR Kartoffeln. Da lebt aber eine ganze Familie von. Bis vor Kurzem konnte man auf dem Hof direkt anhalten und einfach klingeln; die Mutter ist jetzt aber dement und schafft es nicht mehr.)


    Vorteile vom öden Landleben.