• Militante Fleischesser (Karnismus)

    Hallo zusammen, vorweg: Ich bin keine Vegetarierin, aber lege auf eine bewusste, fleisch-reduzierte Ernährung Wert. Vor allem aus Gründen des Tierschutzes und der Vernunft. Ich poste dann gern auch mal entsprechende Gerichte mit vegetarischen Fleisch-Alternativen, die Leuten als Anreiz dienen sollen. Nun fällt mir bezüglich dazu sehr stark auf, dass…
  • 478 Antworten
    Comran schrieb:

    Wie oben steht: ich grille sogar mit Veganern.

    Kurz verlesen und froh gewesen, dass ich Vegetarier bin und somit hoffentlich außer Gefahr. ;-D

    _nemesis schrieb:

    Und wenn die meisten der Meinung sind, Fleischkonsum ist keine Frage der gesellschaftlichen Vernunft, sondern allein persönlich zu entscheiden, dann ist das so und dann haben wir den ökologischen Kollaps aber auch gewollt.

    Aber Mädel ... derartige Fleischersatzprodukte? Das ist doch echt Blödsinn. Das ist so, als ob Du sagen würdest: "Hört bloß auf, eure Kinder zu hauen, tretet sie lieber, sonst seid ihr schlechte Menschen!" Fleischersatzprodukte sind nix Tolles. Im Gegensatz zu offenbar den meisten hier ess ich vieles davon furchtbar gern, aber nur sehr selten und in dem Bewusstsein, dass ich da gerade Mist mache. Du kannst doch nicht vom hohen Ross runterpredigen, wenn Du auf einem Zwergpudel durchs Internet reitest?

    Felis silvestris schrieb:

    Und trotzdem bricht häufig eine "Fleisch ist mein Gemüse" Diskussion am Tisch aus.

    Echt? Ich bin nun schon seit über 30 Jahren vegetarisch unterwegs und werde praktisch nie mit solchen Aussagen konfrontiert.

    Zitat
    Zitat

    Wie oben steht: ich grille sogar mit Veganern.

    Kurz verlesen und froh gewesen, dass ich Vegetarier bin und somit hoffentlich außer Gefahr. ;-D

    ]:D*:):-p

    Ganz so einfach ist das aber auch nicht. Vor ungefähr 70 Jahren, nach dem Krieg, galt es als Zeichen des Wohlstands, ein Stück Fleisch auf den Tisch bringen zu können. Natürlich - wie immer im Kapitalismus - wurde Überfluss daraus gemacht, mit allen Konsequenzen, die wir heute kennen und zu Recht anprangern. Aber die Verteufelung hilft uns auch nicht weiter. Ist es denn nicht auch so, dass die Esskultur - und damit auch die lokal-typischen Gerichte mit ihren Bestandteilen - ein Stück der Identität einer Region darstellen? Das aus den Köpfen der Leute herauszubekommen, dürfte noch einige Generationen dauern, eine davon (20 Jahre) haben wir gerade erst hinter uns, was das Thema betrifft.

    Und wenn man, wie etwa Shojo, schon immer lieber vegetarisch aß, fällt demjenigen der Fleischverzicht nicht sooo schwer ;-). Aber warum muss es gleich immer entweder/oder sein? Traditionell gab es in unserer Region einmal in der Woche oder zu Feiertagen einen Braten. So ähnlich halte ich es auch, eine Gans gibt es nur einmal im Jahr, zu St. Martin nämlich. Da isst aber das ganze Haus zusammen.

    Ich verzichte nahezu auf tierische Produkte. Milch geht aus gesundheitlichen Gründen bei mir eh nicht, Fleisch gibt's vielleicht 1-2 mal im Jahr, wenn mich die Lust danach packt, Eier nur wenn sie jemand irgendwo verarbeitet hat, mach ich aber selbst nicht, und Honig mag ich ohnehin nicht.

    Ich koche mein Essen immer komplett selbst, Mehl ist da schon das verarbeiteste, was ich verwende und industriell erzeugte Fleischersatzprodukte kommen mir nicht auf die Gabel (gut, zugegeben, 2-3 mal haben mir Freunde schon mal sowas serviert und dann wollte ich die natürlich nicht enttäuschen, wenn sie sich schon wegen mir die Mühe gemacht haben, aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen).

    Trotzdem esse ich durchaus mal ein Kohlrabi- oder Sellerieschnitzel, einen Bohnenburger oder eine Linsenbolognese. Die werde ich auch sicher nicht anders bezeichnen, weil kein Fleisch drin ist. Ich behaupte aber auch nicht, dass sie so schmecken wie das fleischige Original.

    Der Verzicht auf tierische Produkte ist aber meine ganz persönliche Entscheidung, genauso wie es meine persönliche Entscheidung ist alles möglichst regional und unverpackt zu kaufen, nicht Auto, sondern Fahrrad und Öpnv zu fahren, Stoffbinden und Stoffwindeln zu nutzen usw.

    käme mir aber jetzt jemand an, der meint ich müsste wie er in einer Höhle wohnen, da dies viel besser für die Umwelt ist, würde ich ihm auch einen Vogel zeigen. Ich möchte auf fließend Wasser, Heizung und Elektrizität nicht verzichten.

    Daher, ich erzähle jedem, der sich ernsthaft für meine Lebensweise interessiert gerne davon, aber mir würde nie einfallen sie generell als die einzig Wahre darzustellen.

    Vielleicht habe ich deshalb noch so gut wie nie "karnivore" Sprüche gehört?

    Zitat

    Echt? Ich bin nun schon seit über 30 Jahren vegetarisch unterwegs und werde praktisch nie mit solchen Aussagen konfrontiert.

    Ich kenne das auch nicht aus eigener Erfahrung. Eher umgekehrt werde ich gefragt, was das für ein schmackhaftes Gericht. Wie geht das ohne Fleisch?

    Die für mich überragendensten veganen Gerichte stammen aus der indischen Küche. Frische Gewürze machen soviel her, da kommt jedes Gemüse super geschmacklich rüber. Eine handvoll Reis für jede Person und man hat den Tagesbedarf an vielem gedeckt. Leider ist es etwas zeitaufwendig.


    AufDerArbeit

    Hab jetzt schon lange trotz Müdigkeit gesucht nach dem Artikel, den ich letzte Woche gelesen habe. Sobald ich den finde, stelle ich ihn rein.


    Die Ernährung der Milliarden-Erdenbewohner sollte kein Problem sein, wenn man sich anschaut wie die Niederlande nicht nur einen Großteil von Europa mit Gemüse versorgt, sondern auch Russland und ander Erdteile. Es gibt Wege die Versorgung zu gewährleisten. Oft gab/gibt es eine Vernichtung von Lebensmitteln, um den Preis hochzutreiben. Das sind die Ergebnisse u.a. von Profitwirtschaft und mehr oder weniger sind die Leute mit ihren jeweiligen Jobs daran beteiligt.

    Vielleicht nochmal: Ich bin weder ein Prediger, noch liegt es in meinem Sinn irgend wen zu bekehren. Ich versuche nur zu reflektieren - jener Vorgang, den viele einfach vermeiden, um eine unangenehmen Konfrontation mit dem eigenen Handeln aus dem Weg zu gehen. Wo steht denn, dass eine Person, die anderen den Spiegel vorhält immer ein leuchtendes Beispiel aufzugeben hat? Wenn es danach ginge hätte fast niemand die Berechtigung Kritik zu üben.


    Zurück zum Thema: Natürlich sind Fleischersatzprodukte industriell verarbeitet und passen auch überhaupt nicht ein meinen Speiseplan, der im Prinzip die meisten verarbeitete Produkte ausschließt. Aber ich meine Wurst - selbst Schinken o.ä. - ist auch verarbeitet, enthält Zusatzstoffe, sämtliche Backwaren, Magarine ... wenn man es so aufzieht, dürfte man so ziemlich nichts mehr essen, außer Gemüse. Und selbst da ist nicht sicher, womit es behandelt ist. Insofern sind da Sojaprodukte oder Quorn nichts, was dem Fass den Boden ausschlägt. Der Supermarkt ist voll mit Chemie, vor allem Fertiggerichte usw.


    Wie ich erwähnte, schaue ich da durchaus auch genau hin und versuche meine Mahlzeiten geschmacklich und auch ernährungstechnisch sinnvoll zusammenzustellen. Und in meiner Küche spielen vor allem Proteine, Ballaststoffe und Vitamine eine Rolle, Kohlenhydrate wenn möglich nur in Form von Stärke. Naturgemäß sind aber Proteine in Pflanzen selten zu finden - am ehesten in Bohnen oder Nüssen und wenn man bedenkt, dass man so über den Daumen 50-100g Eiweiß am Tag aufnehmen sollte, wird es echt eng. 100g Nüsse haben 600kcal und da sind 30g Eiweiß drin. Hähnchenfleisch hat ähnlich viel Eiweiß und nur 100kcal auf 100g.

    Insofern erachte ich Sojaprodukte oder Quorn (aus Pilzprotein) durchaus als sinnvollen Ersatz für Fleisch, weil die Nährwerte einfach stimmen. Und ein Tofu-Bratling hat durchaus auch was herzhaftes, was so ein Bohne eben nicht hat. Mein Gedanke ist ja eben nicht militant Fleischverzehr oder Verzicht auszuüben, sondern offen für alles zu sein.


    Und ich würde auch liebend gern mal so Fleisch aus dem Labor probieren. Warum denn nicht? Weil es nicht Muhh macht oder auf dem Baum wächst? Das ist doch Unsinn. Handys wachsen auch nicht auf Bäumen. Mein Essen darf aus der Fabrik kommen, wenn es gute Nährwerte hat. Ich würde auch tatsächlich lieber Laborfleisch kaufen, als jenes von Tieren. Auch wenn es teurer wäre.

    Ich weiß bei dir nie, ob du uns bloß alle veräppelst. ":/

    Fleischessen ist böse, aber du isst Fleisch.

    Fertiggerichte sind böse, aber du ist Fertiggerichte.

    'Chemie' in Lebensmitteln ist böse, aber du würdest Fleisch aus dem Labor essen.

    Militante Fleischesser sind böse und ignorant, aber du bist ein militanter Fleischesser, der Veganismus predigt.

    _nemesis schrieb:

    Eine gewissen Toleranz und Bereitschaft muss man natürlich mitbringen und daran hapert es eben.

    Ja, meiner Erfahrung nach haben die auch die meisten.

    Ohne jetzt zu sehen, was du wem schreibst / sagst / hochlädts, kann ich nicht einschätzen, wie deine Anregungen rüberkommen. Ich weiß nur, dass ich auch viel fleischlos koche, diese "Ohne Fleisch ist es keine Mahlzeit"-Sprüche durchaus auch kenne, die aber extrem selten sind. Also entweder du hast überdurchschnittlich viele Fleisch-Jünger in deinem Umfeld, oder deine Anregungen sind doch nicht so un-militant.

    Da du keine Grundsatzdiskusdion willst, _nenesis, werde ich zur Sache selbst nichts schreiben. (Mich aber fragend, was dieser Thread dann soll...)


    Daher nur kurz und ganz allgemein: Du kannst glauben und futtern, was du willst, in der Regel würde ich das nie kommentieren. Mach doch, was du willst.


    Sobald du aber damit anfängst, mich missionieren zu wollen (zB mit "Anreizen", du du gibst, um deinem "guten Beispiel", mit dem du angeblich vorabgehst, zu folgen), musst du mit heftigem Gegenwind rechnen. Ist doch wohl logisch, oder?


    Wer mich missionieren will, muss damit leben, wenn ich zurückmissioniere :-)

    Ich persönlcih esse Fleisch, aber keine Wurstwaren und kein Schinken (Geruch, Geschmack....).

    Alleine schon, weil das Ersatzeug aber "Wurst" genannt wird bzw. so aussieht, werde ich es nicht essen und wenn es das wohlschmeckendste Gericht der Welt wäre.

    ... und ich werde nie verstehen, wie es Vegetarierer schaffen, das Zeug in ihr Haus oder gar i ihren Kühlschrank zu lassen. Alleine das Design ist doch Waterloo für einen Vegetarierer, oder?

    Wenn man es als Vegetarierer doch essen kann, zeigt das nicht, dass man eigentlich keiner ist :)

    Das Phänomen kenne ich auch, gerade aus meiner Vegetarier-Zeit. Blöde Sprüche im Überfluss, dabei habe ich nie jemanden missioniert (es sei denn man wertet schon das Auflegen einer Tofu-Bratwurst auf den Grill als Missionsversuch.


    losgetreten schrieb:

    einfach per definition. das wirst auch du nicht ändern können. diese ganzen fleischlosen ersatzprodukte, die aber wie fleisch oder wurst aussehen - wozu? wenn ich kein fleisch und keine wurst esse, dann brauch ich doch auch nicht etwas, das zwar so aussieht, aber die pure chemie ist.

    1. "Pure Chemie" - wie um alles in der Welt kommt man eigentlich darauf, dass diese Ersatzprodukte "pure Chemie" seien? Was da drin ist kann man zudem an der Zutatenliste ablesen. "Pure Chemie" sieht für mich anders aus. Kein Vergleich mit den diversen "Leckereien" des Billig-Fleisches (und nein, die meisten Leute kaufen ihr Fleisch nicht beim persönlich bekannten Biobauern um die Ecke).
    Durchschnittsfleisch aus dem Discounter, da findest du sicherlich mehr "Leckereien" drin.

    2. Weil Essen eben auch eine Sache von Geschmack, Gewohnheiten und Kultur ist. Die wenigsten Veggies essen aus Gründen des Geschmacks kein Fleisch, sondern aus ethischen Gründen. Das heißt nicht, dass ihnen die grundsätzliche Zubereitungsart "Wurst" oder "Schnitzel" nicht schmeckt.

    Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt:

    Comran schrieb:

    Das ist eine völlig korrekte Feststellung und hat nichts mit "Karnismus" zu tun. Natürlich besteht eine Wurst aus Fleisch. Für einen Veggi-Schlauch kann man ja andere Namen erfinden, aber bitte nicht "Wurst".

    Genau das ist eben völlig falsch.

    Wurst, Schitzel, Frikadelle etc. sind nur eines: Zubereitungsarten. Es gibt kein Teil des Tieres, das "Schnitzel" oder "Steak" heißt. Es ist die Art, wie man das zu verzehrende Material (meist Fleisch) verarbeitet, zusammenfügt, würzt, mariniert etc.. Fleisch pur schmeckt nämlich den wenigsten Menschen. Es wird verarbeitet und gewürzt, damit es für die Massen genießbar ist. So, wenn man nun halt Tofu in Form eines Schnitzels zusammenfügt und zubereitet, hat man ein Tofu-Schnitzel = Tofu in Form eines Schnitzels zubereitet. Völlig korrekt.

    Vergleich: Stühle sind meistens aus Holz oder Metall und Kunststoff. Schlage ich einen Stuhl aus Stein, ist es dann ein Tisch? Oder ein Haus? Nee, es bleibt ein Stuhl, weil ich das Material (Stein) in die Form eines Stuhles gearbeitet habe.

    im Übrigen höre ich jene Menschen seltsamerweise nie über Weinbrandbohnen und Geleebananen lästern - die haben sie wohl noch nicht im Regal entdeckt.

    @TE

    Deine Ausgangsfrage, warum die angeblich millitanten Fleischesser, so auf deine Bekehrungsversuche (lies bitte noch einmal deinen Eingangsbeitrag) reagieren, hast du ausreichend Antworten bekommen.


    Fleischersatzprodukte sind ein riesiger Markt geworden, wo vor allem Fleischerzeuger (Stichwort Rügenwalder) an oberster Front mitmischen.

    Letztlich ich es Fantasielosigkeit, bisher Gewohntes mit etwas optisch ähnlichem zu ersetzen. Unsere Vorfahren zwei bis drei Generationen zurück konnten noch sehr gut vegetarisch leben. Es gab keine Massentierhaltung und Fleisch war einfach teuer. Der berühmte Sonntagsbraten ist ein Bild dafür. Meine Oma fragte mich einmal: Kannst du dir kein Fleisch leisten, Kind und hielt schon ihr Portemonnaie in der Hand.


    Es gibt so viele Gerichte, die vegetarisch oder vegan lecker sind.


    Ich hab einen ähnlichen Artikel gefunden, der aber mit dem gleichen Zahlenmaterial zur Herstellung von Veggie-Wurst. Nur weil Veggie (ungeschützer Name ]:D) drauf steht, heisst es nicht, das keine Tiere leiden müssen.


    https://www.stern.de/genuss/es…s--original--8350418.html

    ich hab jetzt nicht alle Beiträge gelesen, aber heutzutage ist es ja leider so, dass gerade Vegetarier, VEganer, Tierschützer etc immer als die leicht bekloppten dargestellt werden, gerade dann eben auch mit solchen sprüchen wie: bah ich brauch mein tägliches fleisch blablabla.

    dabei bräuchte die welt eigentlich viel mehr Vegetarier, veganer und tierschützer, denn Fleischfresser sind quasi für die welt, aus Umwelt. und tierschutzsicht, absolut unnütz.


    ich persoenlich finde es schade, dass leute in so kerben hauen, denn ich finde in unserer zeit sollte jeder erst man an die Umwelt denken, und nicht daran wie toll es ist sich doch heute wieder ein Schweineschnitzel für nen euro reinzupfeiffen. leider sind die meisten menschen aber so nicht gebaut, sprich der eigene Vorteil steht da erst mal im Vordergrund. tierleid? mir egal, ich sehs ja nicht. klimawandel? mir ebenfalls egal, ich bin ja nur noch ein paar jahre hier, und nach mir die Sintflut. so sind ja die meisten menschen gepolt. und zu was das führt sieht man ja.


    es wäre schon viel geholfen wenn die leute wenigstens zum Flexitarier mutieren würden, sprich einfach mal weniger fleisch essen. und fleisch wieder was besonderes werden lassen, und nicht ein alltagsprodukt, ich würde es auch begrüssen wenn der Fleischpreis steigen würde, aber auch hier ist ja wirtschaft vor Tier/-Klimaschutz. sieht man ja jetzt auch wieder mit dem Hambacher wald, so viel gelaber um klimaschutz und alles nur blabla. eigentlich müsste mal der erste schritt zur Vernunft von den bürgern selber ausgehen, aber da niemand auf seine Bedürfnisse verzichten will, wird das so halt nix.