Wie nach Magersucht Balance finden...?

    Hey,


    ich bin 20 und war von meinem 13.-17./18. Lebensjahr, also fast 5 Jahre, magersüchtig und stark untergewichtig (zeitweise 38 kg, dann länger um die 45 kg bei 165 cm).


    Während der ganzen Zeit war mir bewusst bzw. ich hab es reflektiert, dass ich ein Problem habe, krank bin, mich selbst sozusagen sabotiere, ein verkorkstes, unterdrückendes Verhältnis zu der Natur meines Körpers habe... Ich wollte nie in Therapie bzw. in eine Klinik, weil ich nicht "konditioniert" werden wollte, und weil ich fest daran geglaubt habe, das Problem nur alleine, mit mir selbst lösen zu können. Und ich bin stolz darauf, dass es mir auch soweit gelungen ist, dass ich jetzt nicht mehr lebensgefährlich dünn bin und fanatisch hungere, sondern, zumindest phasenweise, eine gewisse Stabilität gefunden habe. Dennoch - die Konsequenzen meiner jahrelangen Essstörung machen mir sehr zu schaffen...


    Ich habe nie "nichts" gegessen, habe immer mindestens eine Mahlzeit am Tag eingehalten, die auch meistens gesund und ausgewogen (Gemüse, Brot, Fleisch, Fisch..., ansonsten viel Obst) war. Dennoch war ich wie fetischisiert von dem Gedanken, einen dünnen, fragilen, "kristallinen" Körper zu haben, und, mehr noch, die Disziplin, zu verzichten, zu entsagen, körperlich nicht zu bedürfen...


    Erst als ich mit 17 zum Studieren umzog und mein Alltagsrhythmus sich veränderte, eskalierte die Lage wirklich, es gab Tage, an denen ich nur Obst und einen Joghurt as, gleichzeitig begannen aber auch diese "Rückhol-Fressattacken", vor allem auf Schokolade, in denen mein Körper mir zeigte, was ich ihm so lange verwehrt hatte... Psychisch machten und machen mich diese Attacken fertig, aber ich weiß auch, dass sie quasi in notwendiger Konsequenz stehen zu der Magersucht, dass es insofern sogar "gut" ist, dass ich wieder Hunger, Appetit, "Lust" am Essen habe... Ich habe auf diese Weise mittlerweile wieder ein "normales" Gewicht, wiege ca. 56 kg / 165 cm, habe auch meine Periode wieder (die 4 Jahre ausblieb) und fühle mich kräftiger, stabiler - dennoch habe ich Angst vor diesen Fressattacken, die mich immer noch einholen, dann wieder die Tendenz, zu hungern, der scheiternde Versuch, nur extrem gesunde Dinge zu essen... - ich habe einfach kein "reales" Hungergefühl, es ist immer noch ein mehr oder weniger pervertiertes Lust/-Verzicht-Ding... Und ich habe Angst, noch mehr zuzunehmen, auf die Dauer übergewichtig zu werden, weil ich einfach kein gesundes Maß halten kann. Hat jemand Erfahrung, Tipps für mich, wie ich die Balance finden kann zwischen Lust und Notwendigkeit...?


    Ich wäre dankbar für verständnisvolle Worte.. lieben Gruß :-)

  • 2 Antworten

    Bei mir war damals der "Trick" das ich mir ein bißchen Schokolade ect.... gegönnt habe und mir selbst versprochen habe, dass ich mir später jederzeit noch mal Schoki holen darf, wenn ich welche möchte. Der Motor für die Gier in den "Fressanfällen" könnte die Angst sein, dass du das verbotene Lebensmittel niemals wieder bekommst. Das war ja lange so, dass heißt unterbewusst hast du diese Erfahrung abgespeichert.


    Ich esse alles worauf ich Lust habe und achte darauf, wann mein Appetit auf etwas aufhört. Und dann lasse ich den Rest liegen.


    Ich habe nach meiner Magersucht nicht über Idealgewicht zugenommen. War nie über BMI 20 in meinem Leben.