Zum Essen drängen

    Hallo,


    Nachdem in einem der Foren das Thema in Bezug auf ein anderes Thema aufkam und ich nicht "schreddern" wollte, hier mal ein Pfad zum Thema "zum Essen drängen"


    In welchem Zusammenhang kennt ihr das? Was löst es in euch aus?


    Wie geht ihr damit um?


    Ich habe da aus meiner Kindheit ein paar Erinnerungen und das hat sich nicht bei allen gut ausgewirkt.


    Vor allem auf meine generelle Einstellung zu (vermeintlich) gesundem Essen, Genuss usw.


    Was sind eure Erfahrungen?


    Lg


    Paritu

  • 43 Antworten

    Kenne ich aus der Kindheit tatsächlich nur bedingt.


    Heute kenne ich das nur im Zusammenhang mit Familienfeiern oder an Feiertagen - also wenn mehrere Personen anwesend sind.


    Es nervt. Wenn es zu sehr nervt, dann sage ich das. Ansonsten ignoriere ich die Nachfragen mittlerweile.

    Es nervt aber auch, wenn andere gedrängt werden. Fremdschämen.


    Ich versuche dererlei Situationen zu meiden so gut es geht.

    Aus der Kindheit von meinen Großeltern, die zwei Weltkriege mitgemacht haben und speziell nach dem zweiten hungern mussten.


    Und dann kenne ich es aus meiner jungen Erwachsenenzeit aus verschiedenen Situationen, wo ich mir immer noch nicht sicher bin, welchen Hintergrund das hatte.

    In meiner Kindheit brauchte man mich/uns nicht drängen, weil wir froh waren wenn es überhaupt reichte.

    Aber ich glaube ich weiss was Du meinst. Unter "Zum Essen drängen" verstehe ich, etwas essen zu müssen was ich absolut nicht mag, möchte oder weil ich schon satt bin.


    Rosenkohl als Kind war für mich entsetzlich und habe den auch, wenn meine Oma nicht guckte, hinter das Kissen gespuckt. Kam natürlich raus, brauchte ihn dann aber nicht mehr essen. Heute kriege ich nicht genug davon.


    Wie Du auch in dem anderen Thread geschrieben hast, scheint das wohl noch bei der älteren Generation vorzukommen. Und davon essen viele ältere Frauen oft zuwenig, damit auch niemand "verhungern" muss. Das hat sich wahrscheinlich so aufgrund der eigenen "Hungerzeit" so manifestiert, dass sie sich schämen würden, wenn nicht genug für alle da wäre. Das würde ich für mich unter Fürsorge verstehen - esst solange noch genug da ist.


    Mir ist das mal passiert. Das Essen war lecker, hätte gerne noch mehr gegessen, war aber wirklich pappsatt. Die Gastgeberin erschien mir etwas gekränkt. Deshalb ging ich nach dem Abräumen zur ihr und sagte:" Das war so lecker, schade das ich nicht mehr davon essen konnte". Daraufhin kam von ihr - dann nimm dir doch was mit nach Hause. Meine Antwort darauf war, dass ich das sehr zu schätzen weiss, weil ich mich nicht getraut habe danach zu fragen. So waren wir beide glücklich.


    Sie, weil dadurch auch ihre Kochkünste gewürdigt wurden und ich, weil ich für den nächsten Tag eine leckere Mahlzeit hatte.


    Wichtig ist, sich auszutauschen und es auch so zu meinen. Denken kann man sich ja viel und auch selbst die Antwort geben, stimmt aber zu 99% nie, mMn.


    So gibt dann u. U. der Mann oder die Frau dem jeweiligen Partner immer die obere Hälfte des Brötchens, weil er/sie meint das es den anderen erfreut. Das ist nicht böse gemeint und wird auch oft so gehandhabt, weil da liebevolle Gefühle mitspielen. Und niemand traut sich evtl. mehr zu sagen, dass jeder genau die andere Hälfte gerne gehabt hätte.


    Es gibt allerdings auch Menschen, die andere zum Essen drängen, damit sie ihre Ruhe haben, schliesslich spricht man ja nicht mit vollem Munde ;-)

    Passiert mir noch immer recht regelmäßig. Wenn ich auf Heimaturlaub bin werd ich im Kreis mit Essen bedrängt und gemästet. Aber da ich weiss, dass es halt aus Liebe ist, ess ich halt übern Hunger. Wer weiss wie lange ich Oma noch Gefallen erfüllen kann und wenn es das ist, was sie glücklich macht, dann bitte schön.

    Je nach kulturellem Hintergrund ist es halt auch eine Frage der Gastgeberehre. Dem marokanischen Papa einer Freundin würd ich nie nehmen mir seinen pappsüssen Tee aufzudrängen. Der hat uns unsere halbe Jugend durch die Gegend gefahren, der darf das.

    Auch bei andern Freunden, Bekannten etc. erleb ich dass Essen zentral und wichtig ist. Manche sind da etwas pushy. Aber da ich dahinter nur gutherzige Motivation erlebe, ist es halt wie es ist. Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein!

    Ich finde das Drängen zum Essen abartig und übergriffig. Am besten noch mit so Bemerkungen, dass man es doch vertragen könnte. Als ob man deshalb die menschliche Mülltonne spielen müsste, nur weil man noch nicht adipös ist.

    Meine Mutter macht das auch gerne.


    Sie meints nicht bös. Sie will, dass jeder satt und zufrieden ist. Gerade wenn es sehr gut schmeckt, ist schon wieder was auf dem Teller, ehe man sich versieht.


    Auf der anderen Seite sagt sie aber auch "Lass liegen", wenn sie erkennt, dass etwas nicht so meins ist.


    Super ergänzt haben sich mein Freund und meine Mutter. Er konnte nicht "Nein" sagen und sie hat natürlich immer fleißig Nachschub gebracht. Am Ende hatte er Weihnachten 7 Fleischspieße verputzt ;-D

    Wuah, meine Schwiegermutter kann das soo gut. Es nervt gewaltig.

    - "Boah, bin ich satt, war wirklich gut"

    - "Willste nicht noch paar Kartoffeln?!

    - "Nein danke, ich bin so satt, ich bekomm nichts mehr runter"

    - "Zwei, drei vielleicht nur?"

    - "Danke nein"

    - "Aber von dem Fleisch hier?"

    - "Auch nicht, danke - bin noch immer satt und platze gleich"

    - "Das kannst du doch noch essen"
    - "Neeein danke"

    - "Ist doch schade drum, bisschen vielleicht?!"


    %-|

    BeataM schrieb:

    Aus der Kindheit von meinen Großeltern, die zwei Weltkriege mitgemacht haben und speziell nach dem zweiten hungern mussten.


    Und dann kenne ich es aus meiner jungen Erwachsenenzeit aus verschiedenen Situationen, wo ich mir immer noch nicht sicher bin, welchen Hintergrund das hatte.

    Für meine Mutter war und ist es immer wieder ein großes Thema - sie war im 2. Weltkrieg ein Kind, hat selbst nicht gehungert aber hat wohl viel mit angesehen und natürlich hing diese Angst auch zu hungern in der Luft. Ihre Mutter hat heimlich eine Zwangsarbeiterin mit Baby versorgt - mit Milch und Essen. Das war bei uns ständiges Thema.


    Und als mal ein Liter Milch schlecht wurde, waren Tränen und eine Art Zusammenbruch die Folge. Das hat sich bei mir auch eingebrannt. Und das Dauerthema "wieviel Brot haben wir noch"


    Ich bin ehrlich gesagt sehr erleichtert wie entspannt sie jetzt bleibt. Da staune ich sowieso. Aber wie sie jetzt sagte: "Jetzt fallen uns wenigstens keine Bomben auf den Kopf"


    Aus meiner jungen Erwachsenenzeit kenne ich es vor allem auch von älteren Bekannten etc (hatte mit 20 ein Hobby das sonst fast nur Leute 60+ hatten, darum war ich ständig von so einem Verwohnprogramm durch die ältere Generation umgeben)


    Und auch bei Jungeren kenne ich so was nur als Verwohnprogramm und nicht als "Aufdrängen" - na gut, wer sich schnell unangenehm gedrängt fühlt wenn jemand ihnen mehrfach versichert, dass genug Essen da ist und sie ruhig zulangen können, dann kann man das auch ubelnehmen.

    Ich finde "zum Essen drängen" ganz ganz furchtbar und habe das bei meinen Kindern nie getan.

    Ich lege beim Essen wert darauf, dass alle am Tisch sitzen , ob und wieviel gegessen wird, ist mir egal.

    Das war bei mir in der Kindheit nicht anders.Auch meine Eltern haben mich niemals zum Essen gezwungen.

    Ich habe aus Kindertagen ein ERrlebnis im Kopf, es gab im Kindergarten Eierpfannkuchen mit Apfelmus und die waren dort immer so fettig. Ich mochte sie nicht und meine Erzieherin hat mich schroff angemeckert, so lange sitzen zu bleiben, bis ich aufgegessen hab. Als ich dann immer noch nie aß,kam die Erzieherin und stopfte mir Gabel für Gabel das Essen in den Mund. Als alles aufgegessen war, hab ich alles wieder auf den Teller erbrochen. Und es gab das nächste Theater von der Erzieherin.

    Das war so traumatisch für mich, dass ich wochenlang geweint hab und nicht in den Kindergarten wollte.

    Mietzli schrieb:

    Ich finde "zum Essen drängen" ganz ganz furchtbar und habe das bei meinen Kindern nie getan.

    Ich lege beim Essen wert darauf, dass alle am Tisch sitzen , ob und wieviel gegessen wird, ist mir egal.

    Das war bei mir in der Kindheit nicht anders.Auch meine Eltern haben mich niemals zum Essen gezwungen.

    Ich habe aus Kindertagen ein ERrlebnis im Kopf, es gab im Kindergarten Eierpfannkuchen mit Apfelmus und die waren dort immer so fettig. Ich mochte sie nicht und meine Erzieherin hat mich schroff angemeckert, so lange sitzen zu bleiben, bis ich aufgegessen hab. Als ich dann immer noch nie aß,kam die Erzieherin und stopfte mir Gabel für Gabel das Essen in den Mund. Als alles aufgegessen war, hab ich alles wieder auf den Teller erbrochen. Und es gab das nächste Theater von der Erzieherin.

    Das war so traumatisch für mich, dass ich wochenlang geweint hab und nicht in den Kindergarten wollte.

    Puh, das ist wirklich schlimm.


    Bei uns durfte sich immerhin jedes Kind ein Essen aussuchen dass es nicht probieren musste (also quasi als das, wo dann nicht gedrängt wurde)


    Aber ansonsten wurde sehr gedrängt, sowohl aufs alles essen was auf den Tisch war, als auch aufessen was auf dem Teller war.


    Meiner Mutter (die ja mit uns zusammenlebt) musste ich erst sehr klar machen, dass ich Zwang beim Essen ablehne und mein Sohn hat ihr mal gesagt, wenn sie ständig von dem ach so besonders leckeren Gemüse schwärmt, verginge ihm sofort der Appetit


    Bei uns gibt's viel Spaß und wenig Pflicht beim Essen. Gerne auch mal Picknick im Wohnzimmer auf dem Fußboden in Zeiten von Corona (in Ermangelung echter Ausflüge mit Picknick)


    Der Erfolg gibt mir Recht. In der Kita gab's beim Essen nie Probleme, er isst normalerweise was man ihm vorsetzt - weil er neugierig wird was ich da esse ;-D

    pebby schrieb:

    Sie meints nicht bös. Sie will, dass jeder satt und zufrieden ist. Gerade wenn es sehr gut schmeckt, ist schon wieder was auf dem Teller, ehe man sich versieht.

    Gut gemeint kommt gleich nach schlecht gemacht. Das wäre auch soetwas, was ich hasse, wenn ich woanders esse.


    Es hat doch jeder einen Mund zum Sprechen. Warum fragt deine Mutter nicht erst einmal, ob derjenige noch etwas möchte? ???

    "Gut" bei Kindern finde ich auch:


    "Wenn du das nicht isst, ist die Oma ganz traurig!"

    "Hast du ... etwa nicht lieb?"

    "Das habe ich extra für dich gemacht!"


    Eigentlich müsste man diesen Personen den abgenötigten "Gefallen" tun, das essen obowhl man es nicht mag oder satt ist, und das Essen gleich wieder vor die Füße kotzen.