6-Jähriger testet ständig seine Grenzen aus

    Hallo!


    Wir haben ein Problem mit unserem Sohn. Er ist 6 Jahre alt, kommt im Herbst in die Schule. Eigentlich ist er ein netter Junge, aber seit einigen Wochen testet er immer stärker seine Grenzen aus. Er macht nur Unsinn, täglich lässt er sich was anderes einfallen, und er macht es, so denken wir, weil er uns ärgern will und herausfinden will, ob er damit durchkommt.


    Nur ein paar Beispiele aus den letzten Wochen:


    * Er kippt Badezusatz in den Waschmittelbehälter der Waschmaschine (ich hab es vorhin bemerkt und die Maschine leer laufen lassen, die Trommel war komplett voll mit Schaum :=o )


    * Er schmiert Zahncreme irgendwo hin


    * Er kippt Seife in die Toilette


    * kratzt Löcher in die Rigips Wände in seinem Zimmer


    * er pieselt absichtlich ins Bett


    * Er ärgert seine kleinen Schwester (11 Monate) indem er ihr auf die Finger klopft, etc.


    * Manchmal wird er auch richtig aggressiv, schlägt, tobt, etc.


    Beim letzten Mal, als er ausgerastet ist, hat er mich geschlagen und getreten, dabei ging es nur ums Zimmer aufräumen. Daraufhin haben wir das Zimmer bis auf seine Bücher leer geräumt und durch gutes Verhalten durfte er sich mittlerweile wieder ein paar Spielachen zurückholen. Nun ist das Zimmer meist schön aufgeräumt, es sind ja auch viel weniger Sachen, die sind schnell wieder am richtigen Platz.


    Was wir aber gegen das ständige Unsinn machen tun sollen, weiß ich ehrlich gesagt nicht... ich schick ihn abends zum Zähneputzen und schon kann ich mir sicher sein, dass er im Bad wieder irgend einen Quatsch macht. Wie soll man auf sowas reagieren? Komplett ignorieren schaffe ich nicht :=o


    Grundsätzlich haben wir ein sehr liebevolles Verhältnis zu unseren beiden Kindern, aber unser Sohn bringt uns manchmal echt zur Verzweiflung. Ich hab hier nur die krassesten Fehlverhalten aufgeschrieben, es sind viele Kleinigkeiten, die noch hinzu kommen, die uns dann in ihrer Fülle manchmal echt verzweifeln lassen :-( :°( Z.B. kann er nicht stillsitzen, zappelt ständig beim Fernseher rum, schmeißt dabei regelmäßig Gläser um, die am Wohnzimmertisch stehen, patzt beim Essen ungefähr so schlimm wie die Kleine, etc...


    Seit bald 1 Jahr machen wir jetzt Mototherapie, viele Dinge haben sich seither verbessert, aber laut Mototherapeutin ist es auch normal, dass er nach solchen Entwicklungsschritten dann seine Grenzen wieder neu sucht und sich neu positionieren muss. Da spielt sicher die kleine Schwester auch eine Rolle, er wurde von ihr ja quasi "entthront". Aber wir versuchen trotz des Familienzuwachses noch viel Zeit mit ihm zu verbringen, ich spiele z.B. während dem Bügeln mit ihm "Beruferaten" etc. aber ich habe das Gefühl, dass es ihm trotzdem nicht reicht, egal, wieviel Zeit ich mit ihm verbringe. Ich habe das Gefühl, dass ich mich vierteilen müsste, damit ich alles unter einen Hut bekomme... 2 Kinder, Hausbauen und ich bin in der Endphase meines Studiums und leg Nachtschichten ein, damit ich mit dem Stoff durch komme, damit ich die Prüfungen wenigstens so halbwegs hinbekomme... %:|


    Sorry für das lange Posting, aber ich musste mir das mal von der Seele schreiben... für konstruktive Ideen bin ich offen *:)

  • 19 Antworten
    Zitat

    Z.B. kann er nicht stillsitzen, zappelt ständig beim Fernseher rum, schmeißt dabei regelmäßig Gläser um, die am Wohnzimmertisch stehen

    Ähm... das hab ich blöd geschrieben, das liest sich so, als ob er ständig fernsehen würde. Er schaut abends 1 Stunde Kika, mehr nicht.

    Zitat

    dem wurden sie wohl noch nicht richtig aufgezeigt, sonst hätte er sie gefunden

    Ja, klar, nur WIE??? Wenn ich was sage, dann ignoriert er das. Er sagt dann "oh, das hab ich nicht gewusst" aber mit einem frechen Grinser im Gesicht :-o Manchmal reizt er mich so sehr, dass es mich in den Fingern juckt, aber ich will mein Kind nicht schlagen, wurde selbst geschlagen als Kind und das will ich ihm nicht antun. Aber da es bei mir zu Hause nur mit Gewalt geregelt wurde, weiß ich ehrlich gesagt nicht, womit ich bei ihm durchdringen kann, dass er solchen Unfug lässt, dass er z.B. die Wachmaschine mit Badezusatz ertränkt. :=o

    Zitat

    Wenn ich was sage, dann ignoriert er das.

    Das kann so scheinen und doch anders sein. Es kann auch sein, dass es erst später beim ihm ankommt.


    Zahncreme kann er wieder entfernen. Wichtig ist, dass er es selbst tun muss. Vorher gibt es etwas anderes nicht, das er gern hätte.


    Löcher in der Wand kann er wieder verschmieren. Unter Anleitung und Hilfe, aber er selbst sollte es tun. So kann er etwas lernen. Vor allem wird er aber Respekt vor der eigenen Arbeit bekommen. So eine selbst reparierte Wand wird heilig.


    Insgesamt habe ich aber nach Deiner Beschreibung eher den Eindruck, dass er vor allem Aufmerksamkeit sucht. Eifersucht auf die kleine Schwester? Natürlich braucht sie mehr Zuwendung als er. Da kann es leicht passieren, dass er sie als Konkurrenz wahrnimmt wenn es um die Liebe der Eltern geht. Benimmt er sich woanders auch so oder tritt das vor allem zu Hause auf?

    Zitat

    Benimmt er sich woanders auch so oder tritt das vor allem zu Hause auf?

    Im Kiga macht er auch viel Blödsinn. Z.B. schüttelt er den Erzieherinnen immer extrem wild die Hand bei der Begrüßung, obwohl sie jedes Mal dazu sagen, dass sie das nicht wollen. Löcher hat er dort auch schon in die Wand gemacht :=o


    Bei der Mototherapeutin macht er auch Quatsch und guckt dann, ob sie darauf reagiert...

    Hast du schon einmal in Ruhe mit deinem Sohn über all die Dinge, die dich stören gesprochen? Ihm gesagt, dass es dich traurig macht, dass du enttäuscht und wütend darüber bist? Was sagt er dazu?


    Zimmer leer räumen ist ja schon eine krasse Konsequenz, die scheinbar sehr wirkungsvoll war. Welche Konsequenzen folgen denn auf seine anderen Aktionen? Was machst du, wenn er ein Glas ausschüttet, wie reagierst du auf Zahnpasta-Sauerei?


    Ist es möglich, dass du ihn in Situationen, in denen du mit Problemen rechnest (also z.b. im Bad) begleitest? Vielleicht braucht er gerade im Moment mehr Zuwendung und das Gefühl ernst genommen zu werden stärker!?


    Viel Spaß weiterhin mit dem ]:D und hoffentlich bald weniger Ärger!

    Hexhex85


    Danke für deine Antwort. Ja, ich hab mit ihm darüber gesprochen. Er entschuldigt sich dann dafür, macht aber kurz darauf so weiter wie bisher.


    Sonstige Konsequenzen sind je nach Situation unterschiedlich... wenn es zur Situation passt, dann reagiere ich so darauf, dass er z.B. die Sauerei wieder wegmachen muss (umgeschüttetes Glas, Zahnpasta, etc.) manchmal gibt es auch Fernsehverbot, wenn es eine Sache ist, bei der ich solche logischen Folgen nicht anwenden kann.


    Wenn ich mit ins Bad gehe, wenn er Zähneputzen soll, dann sagt er er will alleine sein. Wenn ich sage, ich bleibe, dann steht er da und bockt und zickt und sagt, dass er dann garkeine Zähne putzt, etc. Oft sagt er auch "ich mache was ich will" wenn wir ihn um etwas bitten, dass er eine Aufgabe erledigen soll.

    Wir schließen die Augen, atmen tief in unsere Mitte und intonieren "es ist nur eine Phase". ;-D


    Denn wahrscheinlich ist es das wirklich. Das macht es nicht weniger anstrengend und man steht zehnmal am Tag da und denkt, ich hab' hier alles falsch gemacht, und wieso fängt er JETZT wieder mit so einem Scheiß an?


    An die Eifersucht auf die Kleine würde ich jetzt nicht als erstes denken, falls ihr nicht gerade 24 Stunden verzückt um das Baby herumflötet...ich glaube generell nicht soo an dieses Eifersuchtsding. Meine hatten alle drei solch merkwürdige Phasen, die Mädchen zickten, bockten und heulten, mein Sohn machte genau denselben Mist wie deiner.


    Bei mir hieß das dann, Rückschritt. Wer sich verhält wie ein Kleinkind, wird auch so behandelt. Gläser umschmeißen, weil man beim Fernsehen nicht stillsitzen kann (ohja, kenn ich sehr gut!)? Trinken nur noch in der Küche. Quatsch im Bad beim Zähneputzen? Zähneputzen wieder nur unter Aufsicht. Sauereien mit Badezeug, Zahnpasta etc? Selber saubermachen lassen.


    Das nervt und kostet deine Zeit. Aber ihn nervt das wahrscheinlich auch.


    Was anderes allerdings ist das hier:

    Zitat

    Beim letzten Mal, als er ausgerastet ist, hat er mich geschlagen und getreten

    DAS geht GAR nicht. Laß es nicht wieder zu so einer Situation kommen. Wenn er ausflippt, räumliche Trennung, umgehend. Und zwar nicht mit gesäuseltem "Schatz, wenn du so böse bist, ist die Mama ganz traurig", sondern mit deutlicher und ziemlich böser Ansage.

    Zitat

    Oft sagt er auch "ich mache was ich will" wenn wir ihn um etwas bitten, dass er eine Aufgabe erledigen soll.

    Naja, da ist die richtige Antwort von oben nach unten, mit voller Elternautorität "OH NEIN, mein Sohn, das machst du nicht."

    Oh doch, in erster Linie an die Eifersucht denken. Ich habe gerade genau das gleiche Problem. Mein Sohn ist acht und meine Tochter wird zwei. Er kam in die Schule, als sie zur Welt kam. Große Veränderungen, die den kleinen Mann ganz gewaltig aus seiner gewohnten Bahn geworfen haben. Schluss mit Kindergarten und holder, einziger Prinz der die uneingeschränkte Aufmerksamkeit bekommt. Es ist schon eine große Leistung, die die kleinen beim Schuleintritt bringen, die natürlicherweise mehr Aufmerksamkeit fordert. In unserem Fall ging das nicht, da die kleine im Juli kam und im August die Schuleinführung war. Er hat sich auch vom Thron gestoßen gefühlt und macht es sicherlich noch immer. Das muss man irgendwie kompensieren. Oh wie viele solcher von Dir beschrieben Situationen hatten und haben wir auch noch. Er schmiert zwar nicht mit Zahnpasta rum und macht auch sonst kaum etwas kaputt aber er ignoriert auch ganz oft, was ich sage und er hat das Schwindeln für sich entdeckt, was mich unheimlich stört.


    Ganz zu beginn hat er selbst sogar ein paar Schritte zurück eingelegt und fing an wieder in die Hosen zu machen, sodass ich ihm den Po wischen musste. Das ist eine hochsensible Angelegenheit, wenn große Kinder plötzlich wieder zur analen Phase zurückfallen. Das war nicht fein und hat mich total genervt und geärgert. Ich hab manchmal richtig doll geschimpft und er musste seine Hosen selber ausspülen. Ich dachte auch, er will mich doch nur ärgern aber an sich steckt da mehr hinter. Aufmerksamkeit um jeden Preis. Ich habe mitbekommen, dass mein Sohn doch sensibler ist, als ich bis dahin dachte und bin da aufmerksam geworden, dass es ihm nicht nur darum ging, mich zu ärgern. Ich habe ihn sozusagen da wieder abgeholt. Als es noch ein paar mal in die Hose ging habe ich ihm gesagt, dass ich weiß, das er das allein kann (sich abwischen) hab ihm feuchtes und trockenes Papier hingelegt, bin mit im Badezimmer geblieben und hab ihm gesagt, dass er alles hat was er benötigt um sich sauber zu machen und ihm angeboten, dass ich gern noch mal schaue ob auch alles sauber ist aber er muss es allein machen. Es hat wieder aufgehört, recht Zeitnah, nachdem er mitbekam, dass ich ihn gern unterstütze aber seinen Sch*** nicht wegmache. Es ergaben sich auch noch viele andere nervige und anstrengende Sachen und immer hab ich nur geschimpft...wie gesagt, Aufmerksamkeit um jeden Preis und wenn es Negativaufmerksamkeit ist. Wenn man auf den Zug mit aufspringt, schafft man sich kleine Tyrannen und fragt sich am Ende, was wohl mit dem Kind nicht stimmt. Mein einst so kleiner Sohn musste durch seine Schwester und Schule recht fix "groß" werden. Natürlich kann ich von ihm Dinge abverlangen oder sie ihm zutrauen, die ich logischerweise einem eineinhalb Jährigen nicht zumute aber ich würde von ihm bei weitem nicht so viel "Vernunft" und "Selbständigkeit" verlangen, wäre er noch immer Einzelkind. Ich muss dazu sagen, dass ich allein bin mit den beiden Wichten und mir es wirklich nicht immer leicht fällt, ganz im Gegenteil! Meine Toleranzgrenzen und Geduld sind nicht immer die höchsten aber ich bin dafür verantwortlich, wie es zu Hause läuft und in welchem Ton wir miteinander reden und wie wir miteinander umgehen. Mein Sohn wuerde es in keine Weise akzeptieren, wenn ich neben dem Bügeln mit ihm spiele. Auch wenn ich der Meinung bin, ich beschäftige mich doch mit ihm. Ich würde es eben nur so halb machen und er würde sich nicht ernst genommen fühlen. Ich bin Eben nicht ganz bei ihm. Damit hätte er auch recht! Wir haben das jetzt so geregelt, dass wir einen Tag in der Woche (mehr geht leider nicht) wenn die kleine bei ihrem Vater ist, einen Mama Sohn Tag haben. Nur wir beide ganz allein, ohne "nervige" Schwester. Ich denke das tut ihm und vor allem unserem Verhältnis ganz gut. Vllt könnt ihr ja auch so einen Tag einlegen oder nur ein paar Stunden am Nachmittag. Der Papa kümmert sich um die Schwester und Du unternimmst was mit deinem Sohn, das muss ja nicht immer etwas überragendes, aufregendes sein aber die Zeit zu zweit, du wirst sehen, er wird es genießen. Vllt ergibt sich auch die Möglichkeit, währenddessen mit ihm über sein sonstiges Verhalten zu reden oder einen kleinen Verhaltens-Konsequenzen-Vertrag auszuhandeln, an den sich auch alle halten müssen. Aber erwarte von diesen Gesprächen keine sofortigen Wunder. Bei uns haben sie auch immer nur ein paar Stunden höchstens ein/zwei Tage Früchte getragen. Man muss eben dran bleiben. Sukzessive wird es besser. Ohweh, sry fuer mein langes Posting :)


    Ich wünsche Dir viel Erfolg und Kopf hoch, es wird besser!


    Alles liebe.

    Zitat

    2 Kinder, Hausbauen und ich bin in der Endphase meines Studiums und leg Nachtschichten ein, damit ich mit dem Stoff durch komme, damit ich die Prüfungen wenigstens so halbwegs hinbekomme...

    Du hast momentan sehr viel Stress. Kann es sein, dass er sich mehr Aufmerksamkeit und Zeit von Dir wünscht und deshalb ständig dafür sorgt, dass Du Dich mit ihm beschäftigst. Auch wenn das Beschäftigen in Ermahnungen und Auseinandersetzungen besteht?

    Nach meinen Erfahrungen mit Sechsjährigen würde ich sagen: Alterstypische Phase.


    Trotzdem gehen manche Sachen nicht. Z.B. die Behauptung "ich mache, was ich will" solltest du niemals im Raum stehen lassen, sondern strikt beantworten: Falsch. Du machst, was ICH will. Dabei kannst du ihn (wenn er grinst oder weggehen will) ruhig festhalten und ihn zwingen, dich anzusehen. Manche sechsjährigen Jungen betteln geradezu darum, daß man ihnen beweist: Ich bin immer noch stärker als du.


    Mit Schlagen hat das nichts zu tun, du sollst ihm nicht weh tun. Wenn er sich entwinden will, tut ER sich weh. Wenn er stillsteht, nicht.


    Versuche sehr fest und ernst, aber zugleich ruhig zu sprechen. Schreien und Toben sind wahrscheinlich genau die Show, die er von dir haben will. Es kann sehr beeindruckend sein, wenn du einfach gar nichts sagst und ihn vor die Tür stellst mit dem Hinweis, daß er wiederkommen kann, wenn er wieder brav ist. Daß er nicht die Zahnpasta verschmieren darf etc., brauchst du ihm nicht zu sagen, das weiß er.


    Letztlich wirst du abwarten müssen, bis die Phase vorbeigeht; es geht nur darum, wie du selbst währenddessen Schaden gering hältst und keinen Nervenzusammenbruch bekommst.


    Unser Großer war so ähnlich. Und die Erwachsenen waren immer an allem Schuld, z.B. daran, daß es regnete ("Ihr habt gesagt, wir gehen raus! Ihr seid Lügner!!!"). ":/