Die Psyche ist ein kompliziertes Ding und psychische Auffälligkeiten sind extrem vielfältig. Sie reichen von kleinen Macken zu schweren Krankheiten und Psychosen. Da ist nun eine bestimmte Symptomatik, um sie greifbar zu machen mit einem Namen belegt worden. ADHS. Gibt's nicht? Was soll das für Konsequenzen haben die Aussage? Dass die Kinder die eine psychisch auffällige Symptomatik haben in Wirklichkeit gesund sind und der Arzt, der das diagnostiziert ein Idiot?


    Ich kenne eine Mutter, deren Kind ADHS hat. Sie hat unter Tränen dem Psychologen zugestimmt, es mal mit Ritalin zu versuchen. Ergebnis: Mutter wie Kind (!) sind überglücklich. Was vorher eine Qual war, geht nun leicht von der Hand. Wo vorher Stress und Streit war ist nun eine Struktur, die am ende Raum übrig lässt für kuscheln, Zeit für Gemütlichkeit, was vorher nicht da war. Der Junge fühlt sich in der Schule wohl, die er vorher als Tortur wahrgenommen hat. Derjenige, der der Mutter wagt zu sagen: ADHS gibt's gar nicht, setz das Medikament wieder ab, erzieh Dein Kind mal richtig, macht sich einen Feind fürs Leben.


    Aber es ist vermutlich wahr, die Diagnose ADHS ist zur Mode geworden, entschuldigt sie doch wunderbar auch Erziehungsfehler der Eltern ebenso wie pädagogische Defizite der Lehrer. Wir haben einen Sohn, der in der Schule extrem mit seiner Grundschullehrerin aneinander geraten ist. Gut, der kleine ist nicht eben einfach, er ist komplex, kompliziert und speziell. Aber die Lehrerin hat einen großen Teil dazu beigetragen. Psychologische Untersuchungen haben wir gemacht, beim Psychologen und beim Kinderpsychiater. Eindeutige Diagnose: Hochintelligent, soziale Defizite, keinerlei Anzeichen von psychischen Krankheiten wie ADHS und co. Er kann übrigens stundenlang konzentriert arbeiten, wenn er nur will... Frage der Lehrerin dennoch: Und wenn der Hausarzt mal was verschreiben würde? Hallo?? Seit wann verordnen Lehrer Medikamente? Seit wann diagnostizieren Lehrer psychische Krankheiten? Dass das dann viele dazu bringt, die schnelle Diagnose ADHS abzulehnen ist nachvollziehbar. Aber das tut all den Kindern unrecht, die darunter tatsächlich leiden. Auch wenn das möglichweise nur ein kleiner Teil der Kinder ist, die inzwischen mit Ritalin ruhig gestellt werden.


    Ein Problem zu leugnen, löst es in der Regel nicht.

    @ Ralph_HH

    :)^


    Eine kleine Anmerkung allerdings zu dem Satz

    Zitat

    Auch wenn das möglichweise nur ein kleiner Teil der Kinder ist, die inzwischen mit Ritalin ruhig gestellt werden.

    Mit Ritalin werden die Kinder nicht ruhig gestellt, es ist ein "Wachmacher" und kein Beruhigungsmittel, wie offensichtlich immer noch von vielen Menschen angenommen wird.


    Das Ritalin (oder andere Medikamente mit dem Wirkstoff MPH) ordnen praktisch die Gedanken und Gefühle in den Köpfen der von den ganzen Eindrücken überforderten Menschen und wirken der daraus entstandenen Müdigkeit und Fahrigkeit entgegen, sodass sie sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren und unwichtiges herausfiltern können.

    Leider denke viele so wie Du. Die Ärzteschaft wird von der Pharmaindustrie infiltriert.


    Psychopharmaka unkritisch an Kinder zu verfüttern, ist ein Verbrechen. Es ist aus meiner Sicht Körperverletzung und die Kinder können sich, im Gegensatz zu Erwachsenen, dagegen kaum wehren.


    Eltern wird ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn sie Ritalin für ihre Kinder ablehnen.


    ADHS ist keine Krankheit. Es ist ein Symptomenkomplex. Aber das zappelige Kind wird nicht "gesehen" und "geliebt", sondern diagnostiziert und mit Tabletten vollgestopft. Herzlichen Glückwunsch Gesellschaft ... %-|

    Btw, es ist auch Körperverletzung, wenn man einem Kind, das offensichtliche Probleme hat, eine Therapie verweigert, oder den Zugang zu einer Therapi unnötig erschwert.


    Viele psychisch erkrankte Erwachsene benötigen erst einmal eine Grundmedikation, um überhaupt therapiefähig sein zu können. Wieso sollman das Kindern verwehren?


    Aber da sieht man mal wieder, dass psychische Erkrankungen immer noch mir pillenandrehen, pharmaverhetze, ruhigstellen und weiteren Stigmata belegt ist. Ein Schlag ins Gesicht für all Betroffenen.

    Zitat

    Psychopharmaka unkritisch an Kinder zu verfüttern, ist ein Verbrechen. Es ist aus meiner Sicht Körperverletzung und die Kinder können sich, im Gegensatz zu Erwachsenen, dagegen kaum wehren.

    Unkritisch sollte natürlich keine Medikation erfolgen. Ist die Diagnose dagegen gesichert, kann eine Medikation indiziert sein. Von Verbrechen und Körperverletzung zu sprechen, ist absurd und die Verbreitung solcher Aussagen gefährlich.

    @ Hinata:

    DANKE!!! :)= :)= :)= :)= :)=

    @ all die Kritiker:

    Schpn mal gehört, dass LEIDENSDRUCK ein wesentliches Kriterium für Erkrankungen ist? D.h. wenn jemand zwar "anders" ist, aber nicht daran zu knabbern hat, können viele Diagnosen nicht vergeben werden.


    Ich sehe Psychopharmaka auch kritisch. Aber ich erlebe tagtäglich im Job Menschen, die sich zu lange ohne gequält haben. Wenn jemand mit 19 Jahren 3 Suizidversuche hinter sich hat, weil nichts gelingen will, man nur aneckt, in der Schule nur kämoft oder im Job ständig kritisiert wird und selber merkt, dass man nicht KANN - und mit ein wenig Medikation plötzlich alles fluppt? Ich erlebe auch Menschen, die durch zu viel Medikation krank werden. Gibt es auch.


    Was ist mit den Menschen, die zur Selbstmedikation via Drogen greifen? Auch oft genug erlebt.


    Fakt ist doch:


    Es GIBT diese Erkrankungen. Wer all das anzweifeln möchte: Bitte sehr. Ich diskutiere nicht, ob die Erde eine Kugel oder Scheibe ist. Fakt ist auch, dass im Bereich Psychopharmaka und Therapie noch vieles erforscht werden muss und Erkenntnisse Veränderungen mit sich bringen.


    Fakt ist aber auch: Solange die momentanen Erkenntnisse und Behandlungsansätze dazu führen, dass es Menschen BESSER geht, ist das Anzweifeln von Diagnosen und Verteufeln von Medikamenten fatal. Ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich bemühen und abmühen in Behandlungen, wo Familien alles ändern/verbessern - aber ein Kind dennoch auffällt und darunter leidet. Immer mehr ins Abseits und Tief gerät, weil es jeglichen Glauben an sich verliert, egal wie sehr das Umfeld sich bemüht und wie richtig es alles macht.

    One Flower, das zappelige Kind war auch früher nicht gern gesehen. Gut, vielleicht konnte man solche Kinder früher besser "mitziehen"


    Und Ritalin geben heisst ja nicht bei allen auch, eine Therapie ablehnen.


    Aber bei Depressionen ist es genauso, da wird einem auch ein schlechtes Gewissen gemacht wenn man Medis nimmt

    Zitat

    Aber das zappelige Kind wird nicht "gesehen" und "geliebt", sondern diagnostiziert und mit Tabletten vollgestopft.

    Das hat doch nichts damit zu tun, dass ein Kind, welches offensichtlich Probleme hat, nicht geliebt wird.


    Den Eltern betroffener Kinder das noch zu unterstellen, ist ja wohl unmöglich. :(v


    Was ist mit den Menschen, die an Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden? Werden die auch alle nicht geliebt?


    Gibt es diese Erkrankungen vielleicht auch gar nicht?


    Da könnte man ja auch einfach mal sagen, die sollen sich mal zusammenreißen, etwas vor die Tür gehen, ihre Arbeit erledigen, und sich nicht so anstellen mit ihrer Angst.


    Also sowas wie dein Beitrag, OneFlower, geht gar nicht. :(v

    Früher kam so mancher Mensch mit Auffälligkeiten klar... die Zeiten waren andere... Andererseits bedeutet "andere Zeiten" auch, dass in der Schule halt ggf. einfach mal geprügelt wurde. Mein Vater (Jg. 1943), nach Tod der Mutter als er 7 war, zwischenzeitlich doch etwas aufällig, kann so einige Geschichten von Rohrstock etc. erzählen. In der Ecke stehen, Prügel auf die Hände oder Rücken/Po; alles vor der gesamten Klasse: Das waren früher die Behandlungsansätze. Es gab keine Psychopharmaka, aber auch null Verständnis.

    Zitat

    Und Ritalin geben heisst ja nicht bei allen auch, eine Therapie ablehnen.

    Bei umfangreicher Diagnostik und interessierten Eltern ist Therapie PFLICHT. Oft kann man dadurch die Medikationsdosis senken. Medikamente nur gezielt einsetzen, wo die Selbstregulierung nicht ausreicht (bspwö Schulvormittag). Statt ganztägiger Dauer-Dosierung. Es sind nur kleine Nuancen, die die Kritiker leider nicht interessieren.


    Jeder mit psychischen Problemen, der Medikamente nimmt, ist halt gleich ein Looser und Opfer der Pharmamafia. Man muss ja nur wollen, das Umfeld muss nur richtig sein,... :(v