Bin ich zu "lasch" in der Erziehung?

    Nabend zusammen *:),


    Mein Mann und ich hatten eben zum Thema "Erziehung" ne ziemliche Auseinandersetzung. Mal kurz zu den Rahmenbedingungen:


    Unser Sohn ist 3 Jahre, geht innerhalb der Woche in eine Großtagespflegestelle zu zwei Tagesmüttern (leider hat er erst für nächstes Jahr einen kiGa platz bekommen) und er ist ziemlich hibbelig. Manchmal mache ich mir auch "Sorgen" das er "zu hibbelig" sein könnte aber beide Tagesmütter (eine dsvon gelernte Erzieherin) sagen immer, dass er zwar ein kleiner hibbel ist aber sie es jetzt nicht so derart auffällig finden als das es auf ADHS hindeuten würde.


    Desweiteren ist er sehr darauf bedacht eigenständig zu sein. Brot selber schmieren, anziehen, mit beim spülen helfen, tisch decken & abräumen, müll nach unten in den mülleimer bringen etc. Er möchte alles soweit es geht eigenständig machen. Greift man Hilfe-Mäßig zu früh ein endet es in einem Trotzanfall. Er schläft von 20 bis ca 7/8 Uhr (keinen Mittagsschlaf mehr)


    Mein Mann findet das alles garnicht normal....er findet ihn viel zu wild, findet das er ein zu geringes Schlafbedürfnis hätte. Außerdem würde er ja nie hören und ständig nur bocken.


    Bsp.


    Beim Frühstück: unser Sohn isst ein halbes Brot, steht dann auf und will laufen. Ich sag ihm dann das er beim Essen doch bitte sitzen bleiben soll, macht er das nicht ist das Essen somit beendet ist & packe dann sein Brot in eine Brotdose für eventuell später. Beim laufen möchte ich auch nicht haben das er isst. Mein Mann macht ein richtiges Machtspiel daraus...er jagt ihn regelrecht hinterher, schimpft rum, setzt ihn immer wieder auf seinen Stuhl so das irgendwanndie Situation eskaliert unser Sohn Trotzend auf dem Boden liegt und mein Mann schimpfend daneben hockt.


    Situation 2: unser Sohn bewegt sich unglaublich gerne, geht gerne (wie jedes Kind) auf Spielplätze und läuft noch lieber mit seinem Laufrad spazieren. Das kann er dann teilweise auch 5-6 km am stück. Das ist meinem Mann dann aber zuviel...er möchte viel lieber auf den Spielplatz gehen weil es für ihn dann persönlich angenehmer ist.


    Situation 3: unser Sohn ist sehr schüchtern... wenn er zu anderen Menschen nicht regelmäßig Kontakthat wird er nicht schnell warm. Wenn wir bei meiner Schwiegermutter sind weint er immer sehr viel und geht sich verkriechen weil er den Lebensgefährten von meiner Schwiegermutter höchstens zwei mal im Jahr sieht und mein Mann aber von ihn verlangt direkt warm zu sein weil "das doch Familie ist".


    Dann wird er von meinem Mann ständig noch mit seiner Cousine&seinem Cousin die im gleichen Alter sind verglichen...die beiden wären soviel lieber, ruhiger und könnten ein nein auch akzeptieren. Außerdem wären die beiden körperlich nicht so auffällig und könnten sich auch mal sitzend beschäftigen...da frag ich mich ob er unseren Sohn nicht da sitzen sieht wie er knetet oder Haba Spiele spielt ":/


    Desweiteren würde er ja ständig Widersprechen und mal nie akzeptieren wenn man mal nein sagt.


    Ich weiß auch das wir ein ziemlich Willensstarkes Kind haben das, wenn er sich einmal was in den Kopf gesetzt hat, nicht ohne "sinnvolles" Gegenargument von seinem Willen ablässt. Ich sehe auch das es Kinder gibt wo ein bestimmteres "Nein!" Ausreichend ist, aber irgendwie hab ich das alles bei uns nie als massiv auffällig erachtet ":/.


    Bei der U7a hat unser Sohn genau so gebockt bei der Untersuchung...im Endeffekt musste die Kinderärztin "mogeln" und einige Sachen aus ihm raus kitzeln weil er einfach nicht einsah das zu tun was sie nunmal gerade von ihm "verlangte". Sie fand das nun auch garnicht auffällig und meinte nur "Die u7 und die u7a sind die schwersten Untersuchungen. Das ist das Alter wo die Kinder verstehen das sie eine eigenständige Person, mit eigener Meinung sind nur sie sind kognitiv noch nicht in der Lage ihre Gefühle in einem normalen Rahmen ausdrücken zu können. Mich würde es eher wundern wenn ein kind bei einer für sie fremden Person alles sofort mitmacht , dass kommt nämlich in dem alter höchst selten vor!".


    Seh ich die Probleme wirklich zu lasch? Wenn er mir zu wild wird oder zu laut in seinem Spielen sage ich ihm das ja...dann sag ich auch das der Mama das jetzt zuviel wird und ich davon eine Pause brauche und er bitte einen Gang zurück schalten soll. Zu 98% funktioniert das dann auch, aber mein mann wünscht sich halt ein "dauer ruhiges Kind" was sich kaum bewegt habe ich das Gefühl :-/

  • 68 Antworten

    Mein erster -laienhafter- Gedanke war: Mensch, erstmal sollten die Eltern mal einer Meinung sein.

    Wenn dein Bauchgefühl dir sagt, dass dein Sohn nicht auffälliger ist als andere (wobei ich solche Vergleiche nicht für gut halte), würde ich darauf vertrauen. Viel wichtiger fände ich persönlich, dass dein Mann und du als direkte und wichtigste Bezugspersonen an einem Strang zieht und das hört sich nach deinem Beitrag eher nicht so an. Womöglich würdet ihr dadurch schon einiges gewinnen.

    Ansonsten, wenn man mal einen Blick von außen haben möchte, kann ich die Elternberater der frühen Hilfen, die es in vielen Städten gibt und in der Regel kostenlos sind, nur empfehlen. Manchmal hilft eine neutrale Meinung ungemein.

    Du weißt selbst die Antwort: jedes Kind ist nunmal anders. Da kann man sich wünschen was man will, aus einem Wildfang wird nunmal kein Yogi.

    Du selbst scheinst ja gut mit deinem Sohn klar zu kommen. Wieviel Zeit verbringt denn dein Mann mit ihm? Kann er das überhaupt gut einschätzen?

    Mysla


    Ja das stimmt wir ziehen da leider auch null an einem Strang.

    Mein Mann sieht in unserem Sohn einen kleinen Erwachsenen der sich auch bitte so verhalten soll & ich seh in ihm nunmal ein Kind was es nunmal nicht den ganzen Tag schafft zu kooperieren.


    Vor knapp einem Jahr waren wir bei einen Ehe/Familienberater. Der hatte ihm auch schon dazu geraten das er den Druck raus nehmen soll und das dass kind nur, weil es mit 3 noch nicht immer schafft am Tisch sitzen zu bleiben oder er es nunmal nicht schafft ruhig neben Papa sitzen zu bleiben während er sich 45 Minuten mit jemanden unterhalten möchte, nicht unerzogen ist sondern ein normaler dreijähriger dessen interessen eher in richtung Bewegung gehen.


    Mein Mann ärgert sich auch ständig das er sich nicht vor dem fernseher parken lässt. Dieses Wochenendelag ich mit Magendarm flach, ich hörte wie mein Mann unseren Sohn "ausschimpfte" weil er nach 20 Minuten keine lust mehr auf Fernseh gucken hatte. Ich versteh das nicht...andere Eltern wären froh wenn ihre Kinder nicht das ständige verlangen nach Medien hätten und er ist genervt weil er dann sich mit ihm beschäftigen "muss".

    Hallo,


    Au je, das klingt als wäre das Problem nicht dein Kind.


    Alleine, dass dein Mann findet, dass das Schlafbedurfnis größer sein sollte. Sorry, aber das ist verschieden. Mein Sohn hat in dem Alter nur von 21 bis 7 Uhr geschlafen.


    Genauso sind Temperamente verschieden.


    Ganz klar muss ein Kind nach und nach lernen auch mal still sitzen zu bleiben wenn Mama das sagt, aber ein Kind ist kein Roboter.


    Vielleicht bist du zu locker, keine Ahnung - aber für mich klingt es eher, als habe dein Mann vollig überzogene Erwartungen an einen Dreijahrigen.


    Vielleicht wäre da ein gemeinsames Gesprach mit der Erzieherin/Tagesmutter und deinem Mann gut.


    Lg


    Paritu

    Ich finde du bist nicht zu lasch. Kinder sind nun mal Individuen und es gibt „pflegeleichtere“ und „forderndere“ Exemplare.


    Mein Sohn (1 1/2 Jahre) gehört auch eher zur Sorte „Hummeln im Hintern“. Er trotzt schon seit einigen Monaten wie ein Großer. Aber er war auch schon als Baby sehr fordernd und unruhig. Er hat einen starken Willen und will ihn durchsetzen, leider entscheidet er sich währenddessen auch gern mehrfach um, was einen echt in den Wahnsinn treiben kann.


    Meine Tochter ist zwar erst 2 Wochen alt, aber wir merken schon jetzt, dass sie ganz anders ist als ihr Bruder. Sie ist viel zufriedener und ausgeglichener. Bei meinem Sohn mussten wir von Anfang an viel Aufwand betreiben mit Tragen und Schunkeln. Unsere Tochter ist einfach zufrieden, wenn sie satt und trocken ist und auf uns Brust an Brust liegen darf.


    Mein Partner meint auch häufiger, dass unser Sohn nicht ganz normal wäre. Glücklicherweise haben wir einen kinderreichen Freundeskreis und da sind auch 1-2 noch anstrengendere Kinder dabei ;-) Ich muss meinen Partner zwar hin und wieder daran erinnern, aber er gibt mir dann letztendlich doch Recht. Und seit unsere Tochter auf der Welt und bisher so pflegeleicht ist, meint er auch nicht mehr, dass unser Sohn so ist, weil ich ihn verziehe. Er hat eingesehen, dass es eben Charaktersache ist ;-D

    Andrejka


    Momentan ist das sehr unterschiedlich. Mein Mann arbeitet auf Schichten. Dementsprechend sieht er ihn in der Früh&Nachtdienst Woche von 15 - 20 uhr und in der Spätdienstwoche nur morgens eine Stunde.

    Die meiste Zeit kommt mein Sohn dann aber eh zu mir.


    Zum 1.1 fange ich einen neuen Job an auf 50% nur im Spät und Nachtdienst so das mein Mann mehr gefordert werden wird (jetzt arbeite ich 30% auf schichten). Ehrlich gesagt macht mir das teilweise ziemlich sorgen weil mein mann so arg ruhe bedürftig ist und unser Sohn das komplette gegenteil :-/

    Klingt wirklich eher danach, dass dein Mann das Problem ist und nicht euer Sohn :=o

    Wieviel Erfahrung hat dein Mann denn mit kleinen Kindern? Wie kam er bisher mit anderen Kindern im Freundes- und Bekanntenkreis klar?

    Platypus


    Das hört sich ganz nach unserem Sohn an. Ich erinner mich noch wie die Hebamme kam und 3 Stunden nach der Geburt meinte: "Oh krass...der hat aber schon einen wachen Blick. Ruh dich doch mal aus kleiner Mann, alles aufsaugen kannst du noch früh genug!". So zog sich dss bei uns auch die ersten Monate...als ich nach 3 Tagen aus dem KH entlassen wurde kam meine Oma und war auch total verblüfft wie wach er da lag. Das wirkte fast als ob er von sich aus nicht schafft abzuschalten. Wir haben ihn auch ewig in der Trage rum getragen weil er ansonsten teilweise Stundenlang durch gebrüllt hat.


    Meine Cousine hat drei Kinder und sagt das gleiche von ihrer mittleren. Die kleine wird auch erst jetzt mit 5 langsam ruhiger und kooperativer. Aber auch die kleine kann ein nein nur aus "sinnvollen Grund " in kauf nehmen. Ein "Nein weil ich das so sage!" Akzeptiert sie nicht. Ihr kleiner und ihr großer Bruder sind da ganz anders. Ein "Lass das bleiben" reicht...eventuell wird kurz gejammert aber es wird kein zweiter Versuch unternommen oder das Nein-infrage gestellt.

    In dem Alter ist mein Sohn auf der Halfte der Sendung mit der Maus aus dem Zimmer gelaufen um lieber mit Duplo oder der Holzeisenbahn zu spielen, und am Besten mit einem Erwachsenen der für ihn baut was er noch nicht schafft;-D


    Mit vor dem Fernseher parken wäre bei uns auch nichts gewesen. Ist doch viel spannender selbst was zu machen.


    Klingt echt so, als habe da jemand Illusionen darüber wie gut sich Kinder in dem Alter länger alleine beschäftigen und wie lange sie dann bei einer Sache bleiben

    @Playtus


    Seine Ex hatte eine Tochter aus einer vorherigen Beziehung. Er behauptet immer das dass kind total unerzogen war, ständig zur Mutter ins Bett wollte und die kleine (damals 7) ihre Mutter gegen ihn aufgehetzt hätte. Er hätte zwar auf die kleine auspassen dürfen wenn Sie arbeiten war, aber erzieherisch seinen Senf dazugeben hätte er nicht gedurft.


    Im Freundeskreis ist sein bester Freund 9 monate vor meinem Mann Vater geworden. Die kleine ist aber , auch heute noch, ein absolutes anfängerkind. Aber er sagt, wenn ihm was nicht passt, dann auch so dinge wie "Ja dann hat der Papa dich auch nicht mehr lieb!" Und solche Sachen.

    Ich möchte sowas nicht als Druckmittel einsetzen bei unseren Sohn. Ich möchte ihn nicht das Gefühl geben das er nicht kommen darf wenn ärger im verzug ist.


    Ich weiß selber wie es mit Eltern ist wo man nur "lieb gehabt" wird und Aufmerksamkeit bekommt wenn man funktioniert wie sie wollen. Ich weiß das meine Eltern es gut gemeint haben aber heute beschweren sie sich das ich nicht in der Lage bin auf meinen körper zu hören und erst den notausknopf finde wenn es zu spät ist. Aber das kommt auch nicht von ungefähr8-(

    Fernsehen funktioniert hier auch nicht. Mag aber daran liegen, dass wir kein TV schauen und unser Sohn das nur bei Freunden mitbekommt, die ihre Kinder davor parken, um mal durchatmen und sich unterhalten zu können. Während die Kinder unserer Freunde dann wie Zombies auf dem Sofa hocken und nicht ansprechbar sind, schaut unser Sohn mal kurz hin, kommentiert was er sieht „Da Wauwau“ und schnappt sich dann ein Spielzeug, was er vorher nicht haben durfte, weil es von den anderen bespiel wurde ;-D


    Foxy, ich hab mal deine alten Beiträge quergelesen. So richtig neu ist das Problem ja nicht. Dein Mann war ja schon früher eher bequem und schnell von eurem Sohn genervt. Hat sich in den letzten 1 1/2 Jahren denn auch was zum Guten gewendet oder habt ihr das Problem einfach nur „mitgeschleppt“?

    Ich finde auch nicht, dass Du zu lasch bist. Dein Mann ist das Problem, nicht das Kind. Er hat keine Nerven für Kinder, will anscheinend ne brave Sofapuppe, die da sitzt und nicht nervt. Er will es bequem haben. Ein Kind, was hört, als könne man es per Fernbedienung steuern, was pennt, wenn man will und solange man will und sich nicht bewegt.


    Selbst die Ärztin hat doch gesagt, dass er ok ist. Dann ist er auch ok. Ich würde da nicht weiter rumforschen. Dein Mann hat ein Problem und schadet dem Kind, wenn er weiter so agiert. Schicke ihn besser zum Psychologen, nicht das Kind.

    FoxyFuchs schrieb:

    Aber er sagt, wenn ihm was nicht passt, dann auch so dinge wie "Ja dann hat der Papa dich auch nicht mehr lieb!" Und solche Sachen.

    Oh man....schütze Dein Kind vor diesem Blödian. Sorry, aber das ist schon psychische Gewalt. Er macht wirklich Dein Kind kaputt, wenn es lernt, nur geliebt zu werden, wenn man macht, was andere wollen. Das ist dümmliche Erziehung aus uralt vergangenen Zeiten. Sowas gabs früher leider öfter.