Das Baby und die sehr vereinnahmende Oma

    Hallo zusammen,


    mich würde mal interessieren, wie die Omas mit euch als Mutter und euren Babys umgegangen sind bzw. umgehen, da ich so langsam ein Problem mit der Mutter meines Partners habe.


    Die Beziehung zu der Mutter meines Partners war vor der Schwangerschaft distanziert, aber nach einigen Startschwierigkeiten ganz in Ordnung. Wir beide haben uns mit dem jeweils anderen abgefunden ;-) Wir sehen uns auch relativ häufig, da wir in der selben Stadt wohnen.


    Die Oma interessiert sich nun sehr für ihren Enkel, was ich grundsätzlich auch toll finde, da ich zunächst befürchtet habe, dass sie weiterhin sehr distanziert bleiben wird.


    Im Wochenbett habe ich mich dann leider ein wenig von ihr überrumpeln lassen, da sie die erste Zeit fast täglich auf der Matte stand und stundenlang das Baby angucken und halten wollte. Als ich gemerkt habe, wie sehr mich die inflationäre Anwesenheit von ihr stresst, habe ich ihr angeboten, dass sie den Kleinen gerne nach Absprache zum Spazieren Gehen für 1-2 Stunden mitnehmen kann, damit ich in der Zeit etwas für mich tun kann oder eben etwas, was mit Baby nicht geht, sodass ich mich nicht verpflichtet fühlen muss, sie zu bespaßen. Das funktionierte einen Monat ganz gut. Natürlich sah man sich darüber hinaus auch noch, entweder auf Familienevents oder wenn sie uns am WE zum Mittagessen eingeladen hat.


    Als der Kleine 2 1/2 Monate alt war, begannen mein Partner und ich unser Hobby wieder und sie übernahm den Kleinen 1-2 Mal die Woche für rd. 2-3 Stunden. Das klappte auch sehr gut und ich bin auch dankbar für die paar Stunden Paarzeit, die wir dadurch haben.


    Nun ist die Oma allerdings wirklich sehr vereinnahmend in Situationen, in denen wir alle anwesend sind. Sie nimmt den Kleinen in 90 % der Fälle ohne vorher zu fragen. Sie steht beim Stillen fast immer neben mir, schaut zu und scharrt schon mit den Hufen, da sie ihn wieder nehmen möchte. Auf Familienevents verzichtet sie aufs Essen, damit wir in Ruhe essen können.


    Klingt im ersten Moment vielleicht toll, da wir uns bei diesen Gelegenheiten nicht um unser Kind kümmern müssen. Aber leider hat die Oma kein Gespür dafür, wann Sie mir den Kleinen zurück geben sollte, da er Hunger hat. Zudem möchte ich auch gern auch bei familiären Zusammentreffene hin und wieder Zeit mit meinem Baby verbringen.


    Unser Baby weint eigentlich nur richtig bitterlich, wenn es Hunger hat. Das sollte mittlerweile auch bei der Oma angekommen sein. Sie gibt ihn mir in solchen Situationen allerdings nie von selbst zurück. Sie bemüht sich stattdessen noch mehr um ihn. Sie redet auf ihn ein, schunkelt ihn heftiger oder geht aus dem Raum, sodass ich gar nicht mitbekomme, was sie mit ihm macht. Selbst auf meine Bitte hin, bekomme ich ihn nur wieder, wenn ich ihn ihr aus dem Arm nehme. Wenn er dann wie ein Verhungernder an der Brust trinkt, tut sie immer ganz überrascht. Ihre Ablenkungsmanöver wirken auf mich auch leider extrem hektisch, sodass mir das quasi doppelt missfällt.


    Ich bin jetzt nun im Zwiespalt: Einerseits finde ich ihr Engagement toll und genieße auf den Familienevents die eine oder andere Stunde Freiheit aber andererseits ist mir das zu viel Freiheit. Es ist mein Baby und ich möchte zwischendurch auch mal mit ihm Spielen und ihn auf dem Arm haben. Ich fühle mich total doof, wenn ich mein Baby nur zum Stillen in den Arm nehmen kann und selbst fürs Bäuerchen wird er mir schon wieder aus dem Arm genommen. Zudem weint er dadurch häufig länger als nötig. Ich will die Mutter meines Partners allerdings auch nicht verprellen. Jedoch möchte ich meine Grenzen bald mal abstecken, da mein Kleiner irgendwann anfangen wird, zu fremdeln und da möchte ich ihn vor Übergriffen schützen. Ich bin eigentlich schon jetzt unsicher, ob ich ihn nicht mehr abschirmen sollte, aber bisher macht er immer einen zufriedenen Eindruck und wirkt auf mich, als wenn ihm der Trubel (noch) nicht zuviel wäre. Er lässt sich die meiste Zeit, soweit ich das beurteilen kann, ganz gerne von der Oma rumtragen und bespaßen.


    Mein Partner sieht es ähnlich, wobei er weniger ein Problem damit hat, dass wir unser Baby nie bei uns haben (das findet er ganz bequem), ihn stört vielmehr dass der Kleine dadurch länger weinen muss als nötig. Wenn er solche Situationen mitbekommt, greift er auch ein, aber ein Grundsatzgespräch fand noch nicht statt.


    Mit meiner Mutter habe ich weniger Schwierigkeiten. Sie ist auch sehr vernarrt in den Kleinen, allerdings ist sie deutlich rücksichtsvoller mir gegenüber und wartet bis ich ihr den Kleinen gebe.


    Habt ihr einen Rat? Ich finde es schwierig, das Thema anzusprechen, da die Oma ihr Engagement immer so verpackt, dass sie es gut meint und sie uns entlasten möchte.


    Wie verhalten sich die Omas von euren Kindern? Hattet ihr ähnliche Probleme? Wie habt ihr sie gelöst?

  • 65 Antworten

    Unsere Kinder hat die ersten drei Monate niemand außer uns Eltern überhaupt nur halten dürfen. ;-)

    Geschweige denn babysitten.

    Das haben wir immer erst ab dem Zeitpunkt gemacht, als die Kinder einigermaßen sprechen konnten (also ab 2, 2einhalb etwa).


    Abgrenzen, klare Ansagen machen - es ist Dein Kind!

    Platypus schrieb:

    Mit meiner Mutter habe ich weniger Schwierigkeiten. Sie ist auch sehr vernarrt in den Kleinen, allerdings ist sie deutlich rücksichtsvoller mir gegenüber und wartet bis ich ihr den Kleinen gebe.

    Genau SO sollte es sein. Was deine Schwiegermutter da macht, ist extrem übergriffig. Da hilft wohl nur eine Ansage, auch, wenn sie danach sauer ist, aber es ist wichtiger, dass Ihr die "Vollmacht" über Euer Baby zurückbekommt.

    Aus eigener Erfahrung: das wird Dir auch im weiteren Leben Deines Sohnes ständig passieren, dass Oma und Opa sich zu sehr einmischen und Dinge nicht so machen, wie Du es gerne hättest.

    Bei Kleinigkeiten habe ich immer gedacht: nicht ärgern, Kinder merken schnell, dass die Grosseltern vieles anders machen und das ist auch ok.

    In diesem Fall musst Du klar sagen, dass Dir das zu viel ist. Sie merkt es wahrscheinlich selber gar nicht, weil sie so vernarrt in das Baby ist. Dein Mann sollte natürlich mitziehen. Such das ruhige Gespräch mit ihr und erkläre ihr, dass Du in Zukunft entscheidest, wann sie ihn auf den Arm kriegt.

    Je länger du ein Gespräch vermeidest, desto mehr wirst du dich ärgern. Meine Schwiegermutter hatte am Anfang immer Kussattacken versucht. Ich fand es widerlich und mein Kind wollte es gar nicht. Also gab es ne klare Ansage, sie war natürlich tödlich beleidigt, aber es ging nicht um sie, es ging um MEIN Kind.

    Und genau das ist euer Problem, sie ist so im Babyrausch, dass sie dich als Mutter einfach beiseite schiebt und übergeht.

    Und es wird mit der Zeit noch viel, viel schlimmer werden.

    Das stimmt! Es wird schlimmer, wenn ihr das jetzt so laufen lasst! Eine klare Ansage kann man auch wertschätzend machen. Wenn sie dann trotzdem beleidigt ist, ist das ihr Problem. Und gegebenenfalls müsst ihr gelegentlich mal nachjustieren.

    Hallo Platypus,


    Ich kann gut nachvollziehen wie du dich dabei fühlst, und dass es dir damit nicht so gut geht.

    Trotzdem würde ich auch den Blickwinkel der Oma versuchen einzunehmen. Redet doch erstmal in Ruhe und wertschätzend mit ihr! Es ist ja auch schon eine Unterstellung wenn du schreibst, sie würde ihr Engagement so verpacken, als würde sie es gut meinen. Ich denke, sie meint es tatsächlich gut und ihr fehlen da grad nur die Antennen für die Feinheiten wie eben, dass sie ihn bei Hunger zurück gibt. Sie ist ja schon ein paar Jahre aus der Babyzeit raus und damals hat man auch noch vieles anders gemacht.

    Eine Oma die ihr Enkelchen abgöttisch liebt, ist gerade auch später sooooooooo wertvoll.

    Mir ging es anfangs ähnlich wie dir, aber mit reden und gegenseitigem Hineinversetzen in die Position des anderen, hat es dann super geklappt.

    Zitat

    Ich denke, sie meint es tatsächlich gut

    Die schlimmsten Dinge geschehen in bester Absicht. Ich finde das total gruselig und würde sie auf jeden Fall darauf ansprechen.

    Tatsächlich finde ich dass sie dich enorm untergräbt.

    Aber anstatt das alels einfach geschehen zu lassen, und dich zu ärgern, lilegt es an dir zu sagen STOP-das ist MEIN Kind, das läuft so wie ICH das will. Ein Baby ist doch kein Wanderpokal. Und auch vor dem Fremdeln kann das einem Kind was ausmachen. Ich rufe hier nicht zum abschirmen auf. Aber klare Grenzen setzen, egal wie beleidigt sie ist, halte ich für sehr angebracht.

    Mein erster Gedanke war ehrlich gesagt, dass ihr es euch als Eltern mit ihr ziemlich bequem einrichtet und Oma soll jetzt erspüren, wann es euch zu viel ist. Nicht fair. Redet mit ihr darüber.


    Und, bitte nicht als Angriff sehen: Es würde mich des Weiteren auch nicht wundern, wenn die Oma meint, dass sie sich so bemühen muss, weil ihr euch "eher weniger kümmert". Nicht böse sein, aber die wenigsten Mütter früher konnten nach 2,5 Monaten wieder ihrem Hobby nachgehen und wenn dein Mann sie spüren lässt, wie "bequem" es ist, wenn sie sich auf Feiern und im Alltag kümmert, damit ihr es aus verschiedenen Gründen nicht müsst, dann wundert mich nicht, wenn sie meint, da etwas beim Baby kompensieren zu müssen. Sie kennt es anders. (Und die meisten Mütter heute wohl auch noch.:_DNicht falsch verstehen, aber du hast da echt Luxus am Start.)

    Choupette_Finnian : :)^


    das habe ich beim Lesen auch gedacht. Sie erleichtert euch sehr viel, nimmt euch das Baby so häufig ab, mich wundert es nicht, dass sie da ab und zu über die Stränge schlägt. Sag ihr einfach nett und freundlich, pass auf, wenn Baby Hunger, dann her damit, das kannst du leider nicht ersetzen. Ich würde da keine große Diskussion draus machen.


    Es ist ja zentral nur dieser eine Punkt. Ich würde es auf gar keinen Fall riskieren, sie zu kränken!


    Zitat


    Und es wird mit der Zeit noch viel, viel schlimmer werden.

    Liebezeit. Das klingt ja apokalyptisch, was soll denn da passieren? Dass die Omma mit dem Baby durchbrennt?;-D

    Die TE ist eine kluge Frau mit vernünftigen Ansichten. Sie wird wissen, was für ihr Baby am besten ist.

    Ich denke auch, dass es für deine Schwiegermutter nicht ganz einfach ist, eure Grenzen wahrzunehmen. Einfach, weil sie bereits frühzeitig recht intensiv bei euch involviert war. Und auch jetzt verstehe ich es so, dass dein Partner grundsätzlich das häufige Abgeben nichts ausmacht und ausschließlich das längere Schreien ihn stört:


    Zitat

    Mein Partner sieht es ähnlich, wobei er weniger ein Problem damit hat, dass wir unser Baby nie bei uns haben (das findet er ganz bequem), ihn stört vielmehr dass der Kleine dadurch länger weinen muss als nötig. Wenn er solche Situationen mitbekommt, greift er auch ein, aber ein Grundsatzgespräch fand noch nicht statt.

    Sprich, eigentlich würde er seiner Mutter schon recht viel Freiheiten einräumen. Seid ihr beide euch denn als Elternteile einig, wie weit seine Mutter gehen darf/soll? Ich würde tatsächlich erst einmal mich als Eltern abstimmen (dann hast du nämlich auch Rückendeckung) und deiner Schwiegermutter es auf behutsame Weise mitteilen.

    Charlotte_ schrieb:

    Tatsächlich finde ich dass sie dich enorm untergräbt.

    Aber anstatt das alels einfach geschehen zu lassen, und dich zu ärgern, lilegt es an dir zu sagen STOP-das ist MEIN Kind, das läuft so wie ICH das will. Ein Baby ist doch kein Wanderpokal. Und auch vor dem Fremdeln kann das einem Kind was ausmachen. Ich rufe hier nicht zum abschirmen auf. Aber klare Grenzen setzen, egal wie beleidigt sie ist, halte ich für sehr angebracht.

    Ich möchte gerne noch was ergänzen, weil sich das nach nochmaligem durchlesen dich sehr fies meinerseits angehört/gelesen hat...


    ...ich würde mich mit ihr an den Tisch setzen und ihr erstmal sagen, dass du es toll findest, wie toll sie sich bemüht, aber dass das gerade Züge annimmt, mit denen Du Dich nicht mehr wohl fühlst, und eine einvernehmliche Lösung finden möchtest.

    Ich denke, dass da dann nicht großartig ein Streit ausbrechen wird, sofern es nicht sehr Vorwurfsvoll klingt - ich-Form und so:-D

    Ich glaube ja eher, dass das so gemeint ist, dass es durchaus auch Ommas gibt, welche sich regelrecht aufdrängen. Da wird es in der Tat schlimmer wenn man keine Grenzen setzt ;-D

    Zitat

    ...ich würde mich mit ihr an den Tisch setzen und ihr erstmal sagen, dass du es toll findest, wie toll sie sich bemüht, aber dass das gerade Züge annimmt, mit denen Du Dich nicht mehr wohl fühlst, und eine einvernehmliche Lösung finden möchtest.

    Ja, das kann man machen. Man kann daraus natürlich eine Familienkonferenz und ein großes Drama stricken.

    Ich glaube allerdings nicht, dass man der Schwiegermutter zu mehr Einsicht verhilft, wenn sie sich da an den Pranger gestellt fühlt. Ich vermute mal, dass die Schwiegermutter noch nicht Ü80, starrsinnig und dement ist, die wird eher mein Alter haben. Und ich würde meiner Tochter oder Schwiegertochter konkret was husten, wenn sie da jetzt mit Psychoblabla ankäme, ich würde sagen, spar dir das Vorspiel. was willst du.


    Ich kann mir von mir selbst für die Zukunft übrigens sehr gut vorstellen, dass ich in meiner Liebe zum Enkelkind über das Ziel hinausschieße. Aber dann möchte ich auch bitte eine ganz konkrete, knappe Ansage, was ich nicht richtig mache - und keinen Stuhlkreis.