Das falsche Geschlecht

    Ich weiß, ich kassiere für den Fadentitel bestimmt Haue und muss mir gleich anhören, dass ich mich doch freuen soll, wenn das Baby gesund ist, andere bekämen gar kein Kind, ich sei undankbar, lalalalala...


    Vorweg: Das weiß ich alles. Trotzdem bin ich geschockt. Irgendwie habe ich die ganze Zeit nie in Betracht gezogen, dass ich ein Mädchen bekommen könnte und nun überfällt mich diese Info mit aller Wucht. Ich gebe es zu, ich habe geweint. Vor Enttäuschung, aber auch vor Wut auf mich selbst und eine gehörige Portion Scham war auch dabei. Ich habe das Gefühl, ich tue dem Knirps in meinem Bauch Unrecht, bevor er überhaupt auf der Welt ist. Ich will diese Ängste und Vorurteile nicht haben, möchte mich bedingungslos freuen, möchte das alles positiv sehen – nur leider gelingt es mir gerade nicht so.


    Mein Sohn macht es mir nicht leichter, er sagt, er will keine Schwester, sondern einen Bruder. Und nein, wir haben ihm den Floh nicht ins Ohr gesetzt, nur sind eigentlich alle seine "Freunde" (sofern man in dem Alter davon sprechen kann) Brüder von Jungs, gemischte Geschwisterpärchen gibt es nicht und somit hat er wohl zum Begriff Bruder eine Vorstellung, die ihm zur Schwester fehlt. Natürlich heißt das nicht, dass er ein Mädchen auf ewig ablehnen wird, aber ich bin natürlich im Moment fix und fertig, wenn unser Sohn den ganzen Tag auf den Bauch zeigt und strahlend "Bruder" sagt, während er anfängt zu brüllen, sobald ich ihm liebevoll mitteilen will, es werde ein kleines Mädchen.


    Na gut, ich bin die Mutter. Ich halte es aus, freue mich, versuche ihm die Vorzüge einer Schwester aufzuzählen, suche nach positiven Beispielen und mache ein fröhliches Gesicht, obwohl ich innerlich ganz schön fertig bin... Mir ist schon bewusst, dass auch meine innere Haltung nicht ganz spurlos an ih vorüber gehen wird und er sicherlich irgendwas spürt, mehr kann ich im Moment aber nicht tun.


    Habt ihr ein paar Worte zur Aufmunterung? Kennt ihr tolle Töchte? Habt ihr schöne Mutter-Tochter-Geschichten für mich? Oder ging es gar jemandem so wie mir?

  • 172 Antworten

    Warum sollte es keine Tochter werden?


    Ich konnte mir niemals vorstellen einen Sohn zu bekommen, nicht weil ich Jungs nicht mag, sondern weil ich einen heiden Respekt vor dem (entschuldigung, ich weiss es nicht besser zu beschreiben) Säubern des Penis habe. Ich denke schon, würde ich einen Jungen haben, würde diese Sorge wie weggeblasen sein.


    Ich habe also eine Tochter bekommen, ein süßes Mädchen, die mir viel Freude, viel Streß gemacht hat (wie alles Kinder!), die Pubertät war anstrengend, nun ist sie ausgezogen und studiert. Ich vermisse sie und wir haben eine schöne Mutter-Tochter-Beziehung.


    Was macht dir soviel Angst? Wie alt ist dein Sohn?

    Zitat

    Kennt ihr tolle Töchter?

    Mich ;-D


    Meine Mama hat zwei Mädel (mich und meine Schwester) und wir sind einfach super :-) Wir haben ein tolles Verhältnis und ich kann mit ihr über alles reden. Klar gabs auch Höhen und Tiefen, aber das ist ja normal!


    Versuch dir keine Gedanken zu machen, eine Tochter ist was ganz anderes als ein Sohn, ja, aber das wird sich alles schon richten und geben mit der Zeit! Ne Tochter zu haben ist super :)

    Mein Sohn ist zwei Jahre alt.


    Wovor ich Angst habe? Ich denke, das hängt mit meiner Lebensgeschiche zusammen... Unsere Familie ist geprägt von Differenzen und einer Menge Neid und Druck zwischen den weiblichen Familienmitgliedern. Ich wurde vom Jugendamt meiner leiblichen Mutter entzogen, die nie einen Hehl daraus machte, dass ich unerwünscht und lieber ein Junge hätte sein sollen. Meine Pflegemutter hat das nie offen gesagt und mich sicher geliebt, war aber ein sehr kalter Mensch, der selten Gefühle zeigen konnte. Wenn, dann fiel ihr das mit Jungs auch immer deutlich leichter.


    Ich habe quasi keine guten Vorbilder, weiß überhaupt nicht, wie ein unbelastetes Verhältnis auszusehen hat. Obendrein kann ich mit "Mädchenkram" nicht sehr viel anfangen und befürchte, dass mich das nicht noch weiter von meiner Tochter entfernen wird. Pferde, rosa, Barbies, Puppenstuben... all das ist für mich total befremdlich und ich kann mich da nicht reinfinden. Das war schon früher beim Babysitten so und hat sich auch bei Kindern von Freunden bis heute nicht geändert. Ich habe einfach Angst, keinen Zugang zu finden und "anders" zu ihr zu sein. :-/

    Dafür hat der Vater vielleicht den besseren Zugang? Väter-Tochter-Beziehungen sind oft was wunderbares.


    Ich kann deine Sorge nachvollziehen – ich wäre bei einem Jungen bestimmt unbefangener und bei einer Tochter verkrampft bemüht, sämtliche Mädchenklischees zu vermeiden.


    Meine Mutter jedenfalls meint manchmal, sie ist sehr froh, auch eine Tochter zu haben – ab einem bestimmten Alter gibt das einen Frau-zu-Frau-Zugang, den sie sehr geniesst bzw. der ihr selber auch gutgetan hat.

    Gute Vorbilder kann ich in meiner Familiengeschichte auch nicht finden und ein typisches Mädchen bin ich auch nicht und war es auch nie ... na gut bis auf die Pferdesache vielleicht ;-D ... dennoch habe ich es geschafft meine tochter zu einer tollen, selbstbewussten 4 Jährigen rann zu ziehen ... aus ihr wurde ganz nach meinem Vorbild keine kleine Prinzessin sondern ein kleines Mädchen welches lieber mit den Barbieautos als mit den Puppen selbst spielt, sie geht nicht ins Ballet sondern macht Capoeira und ihr ein und alles sind ihre beiden Ratten Lilly und Mona ... na gut zugegeben ums Rosa bin ich auch nicht rum gekommen das konnte selbst ich nicht verhindern ... aber ganz ehrlich ... ihre rosa Jeans passt super zu dem Wacken – shirt von letzten Jahr ;-)

    Zitat

    Pferde, rosa, Barbies, Puppenstuben... all das ist für mich total befremdlich

    Für mich auch und ich hab früher mit Autos gespielt ;-) Nicht jedes kleine Mädchen ist gleich so ein "Rosa-Barbie-Mädchen". Wenn du damit nichts anfangen kannst, dann denk doch einfach dran, dass das kleine Mädel auch einiges von dir intus hat ;-) Vllt schlägt sie da ja auch eher nach dir und mag so nen kram auch nicht!

    Ich habe zwei Mädchen und habe mich in der 2. Schwangerschaft schon sehr gefreut, dass es wieder ein Mädchen wird. Auch wenn solche Gefühle oft als naja unmoralisch gelten, so finde ich sie doch normal. :°_ Ich verstehe dich! Natürlöich ist es das wichtigste dass ein Kind gesund ist, aber irgenwie schießt man sich doch manchmal auf ein Geschlecht ein. In deinem Fall liegt es wohl auch daran, dass du einen Jungen hast und den abgöttisch liebst und toll findest. Mir ging es jedenfalls so. Mein Mädel ist so süß und lieb, dass ich dachte, dass ich das nochmal so will. Mir war natürlich bewußt dass ich einen Jungen genauso lieben würde, nur vorstellen konnte ich es mir ehrlich gesagt nicht.


    Du hast noch viel Zeit dich daran zu gewöhnen und selbst wenn nicht, nach der Geburt wird sich dein gefühl ganz sicher ändern.


    Und man muß auch keinen Mädchenkram toll finden um eine gute Mutter zu sein. Ich konnte damit vorher auch nicht viel anfangen. Mit Jungskram allerdings jetzt auch nicht und trotzdem bin ich mir sicher, wenn ich noch einen Jungen bekäme, dass sich das irgendwie ändern würde.


    Freunde von mir haben sich das Geschlecht ihres Kindes nicht sagen lassen und waren sich sicher dass es ein JUnge ist. Nach der Geburt mußten sie sich an ihr Mädchen erst gewöhnen und an den Gedanken, dass da doch die ganze Zeit ein Mädel im Bauch war.


    Und ich verstehe auch das war du mit dem Vorbild meinst. Bei mir ist das genau anders herum mit Jungs-es gibt da keine in der Familie. Aber ich kann dir zumindest sagen, dass meine Mutter (und Vater) und ich ein super gutes Verhältnis haben, besser könnte ich es mir nicht vorstellen.


    Es ist vollkommen ok dass du diese Gefühle hast! Aber ich bin mir sicher, dass sich das nach der Geburt durch die Mutterliebe ändert.

    Hm, nein, ich befürchte, mein Mann ist mir da keine größere Beruhigung.


    Selbst nur unter Jungs aufgewachsen, ein totaler Jungenpapa und zudem beruflich die meiste Zeit unterwegs. Er war zwar nicht so geschockt wie ich, aber er hat wohl auch eher auf einen zweiten Sohn spekuliert.

    Zitat

    Meine Mutter jedenfalls meint manchmal, sie ist sehr froh, auch eine Tochter zu haben – ab einem bestimmten Alter gibt das einen Frau-zu-Frau-Zugang, den sie sehr geniesst bzw. der ihr selber auch gutgetan hat.

    Das habe ich selbst als Tochter leider nie erleben können. Vielleicht ginge es mir anders, wenn ich positivere Erfahrungen gesammelt hätte.

    Hallo Emma,


    ich habe noch keine Kinder, bin aber selbstverständlich irgendjemands Tochter. Meine Mutter hätte auch lieber einen Jungen gehabt, aus ähnlichen Gründen, wie du. Aber ich glaube, heute ist sie sehr froh, dass ich doch ein Mädchen geworden bin, diese besondere gemeinsame Ebene hätten wir anders nicht erreicht. Im Übrigen bin ich auch nie ein typischen Mädchen gewesen (rosa, Püppchen etc..ihhh).


    Mein Rat an dich: Lass dich von deiner Tochter überraschen!

    Danke. Auch dafür, dass ich hier nicht direkt in der Luft zerfetzt werde. ;-)


    Ich komme mir total bescheuert vor, dass ich den Kopf so voller Klischees habe, obwohl ich das doch eigentlich so ablehne. Und außerdem doch selbst am besten wissen müsste, dass nicht alle Mädchen rosa Ponys sammeln und lila Glitzer mögen. Nur wie dieses bescheuerte Bild aus dem Kopf bekommen?


    Und außerdem will ich ja auch anerkennen, dass es eben ein Mädchen ist und ihr nicht unterschwellig vermitteln, ich könne nur dann was mit ihr anfangen, wenn sie auf Bäume klettert und mit Autos spielt. Das kann es ja auch nicht sein. :-/

    Ich habe einen "großen" Jungen und ein "kleines" Mädchen, der Altersunterschied ist 2 Jahre + 2 Monate, das kommt also in etwa hin mit deiner Situation. Meine zwei sind jetzt knapp 4 und 1 3/4 und lieben sich heiß und innig (was natürlich nicht heißt, daß es nicht auch mal kracht), sie spielen schön miteinander und finden es beide sehr spannend, daß der andere untenrum anders aussieht ;-). Ich glaube, bei deinem Sohn ist es genau das, was du vermutest, er kennt halt keine Schwestern und versteht nicht, was das sein soll. Aber glaub mir, am Anfang, wenn das jüngere ganz klein ist, dann ist es eh egal, welches Geschlecht es hat und später kennt ihr den Zwerg alle, dann könnt ihr es euch nicht mehr anders vorstellen!


    Ich kann dich übrigens verstehen – in meiner ersten SS war ich aus irgendeinem Grund sicher, daß ich ein Mädchen bekomme. Als die FÄ dann eindeutig etwas erkannte, was Mädchen nunmal nicht haben, da war auf einmal meine ganze Vorstellung von dem Wesen in meinem Bauch "falsch" und ich war erstmal völlig fertig. Nicht, weil ich keinen Jungen wollte, einfach, weil ich das Gefühl hatte, ich hab den Bezug zu diesem kleinen Wesen verloren. In der SS ist man ja emotional auch eh etwas empfindlicher. Jedenfalls hat sich das nach einiger Zeit wieder gegeben und nun ist es gar nicht mehr anders denkbar.


    Ich finde den Vorteil bei großem Bruder mit kleiner Schwester persönlich ja, daß da aus den Mädchen nicht so die typischen Mädels werden (das ist nicht so meine Welt ;-)), weil sie die wilden Spiele mitmachen und nicht nur rosa Sachen um sich haben ;-D


    Ich wünsch dir alles Gute und daß du bald wieder mit deinem Bauch im Reinen bist @:) @:)

    Liebe Emma_Peel,


    mich macht zuallererst mal neugierig warum du denn kein Mädchen bekommen wolltest, sogar so sehr nicht, dass du die Möglichkeit noch nicht einmal in Betracht gezogen hast? Nicht, dass ich hier im Forum eine Antwort darauf erwarte, aber ich könnte mir vorstellen, dass du über die Antwort vielleicht an ein Problem rankommst, dass du schon länger mit dir herumschleppst. Vielleicht hat es einen guten Grund, dass du ein Mädchen bekommst. :-)


    Liebe Grüße

    Emma_Peel

    Zitat

    Nur wie dieses bescheuerte Bild aus dem Kopf bekommen?

    Indem du es durch ein anderes Bild ersetzt. Da kommt kein Mädchen dazu, sondern ein kleiner Mensch mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit. Vielleicht wird sie viel mit Puppen und Ponys spielen und am liebsten ist sie Prinzessin...Vielleicht hat sie Puppen, Autos und ein Schwerter gleich gern. Wie auch immer es kommen mag, es wird gut sein. Und wenn du bei Glitzerponys die Augen verdrehst...Nun, dann verdreh die Augen, kneif die Arschbacken zusammen und lern die Welt von/mit Glitzerponys kennen.