Emma, mir ging es sehr ähnlich wie Dir, nur mit umgedrehtem Geschlecht. Für mich war immer vollkommen klar: Wenn ich je ein Kind bekommen würde, wäre es selbstverständlich ein Mädchen. Das war so klar, dass ich auch nie darüber nachgedacht habe, wie es wohl wäre, wenn es ein Junge würde ... und dann hatte ich ganz zu Anfang der Schwangerschaft schon dieses überdeutliche Gefühl, es sei einer. Trotzdem war es ein Riesenschreck, als es auf dem Ultraschall sehr früh außerordentlich offensichtlich wurde. Ich habe mich sooo bemüht, das toll oder wenigstens okay zu finden, aber tief in mir war nichts als heulendes Elend, sogar der Wunsch, das Kind zu verlieren, weil der Gedanke so furchtbar fremd für mich war. Dabei hab ich nix gegen Jungs, auch nicht gegen Männer, ganz im Gegenteil, es war nur einfach ... es fühlte sich so an, als ob es nicht so sein sollte. Als ob ich immer Hunde gehabt hätte und auf einmal merke, dass einer davon ein Pony ist. Ich war einfach fertig, habe tapfer versucht, mich auf unseren kleinen Jungen zu freuen, aber es hat nicht wirklich geklappt – es wurde schon irgendwie besser, die Schwangerschaft war toll und ich habe mich sehr wohlgefühlt, aber so ein Fremdheitsgefühl blieb.


    Das hat sich erst wirklich gegeben, als ich ungefähr im sechsten Monat war. Da bin ich einer Pianistin begegnet, die, wie ich wusste, mehrere schreckliche und späte Fehlgeburten hatte, bevor sie ein gesundes Kind zur Welt gebracht hat. Wir haben uns unterhalten, und es ist aus mir rausgeplatzt – dass ich schwanger bin, eigentlich wollte ich das mit dem Geschlecht noch hinterhersetzen, aber da strahlte sie mich so an, dass es mich weggeblasen hat, weil es selten ist, dass Menschen so glücklich aussehen, weil sie sich für jemand anderen freuen. Sie hat meine Hände genommen, mich angestrahlt und gesagt, das wäre wunderschön. So ohne jeden Vorbehalt. Und das hat einen Schalter in mir umgelegt. Ich habe später bestimmt eine Stunde geheult wie ein Schlosshund, vor lauter Erleichterung und was weiß ich. Der Schreck darüber, dass wir einen Jungen bekommen haben, ist nie wiedergekommen. Ab und zu noch Verwunderung, allerdings finde ich es inzwischen sogar besonders schön. Und kleine Jungs sehen für mich auf einmal anders aus, ich finde viele von ihnen ziemlich prima, während sie mir vorher ziemlich egal waren.


    So. Klingt kitschig, ist es auch. Trotzdem frage ich mich natürlich manchmal, wie es mit einem Mädchen wäre, und wenn es hundertprozentig sicher wäre, dass ein zweites Kind ein Mädchen wäre, würde ich zwar auch kein zweites bekommen, das aber ein bisschen mehr bedauern. ;-D


    Ich glaube, dass Du mit Ambivalenz souverän umgehen kannst, und ich glaube, dass Du über die Fähigkeit verfügst, notfalls hart zu arbeiten, um etwas gut zu machen, wenn es Dir nicht von allein zufliegt. Du behältst Deine Gefühle ohnehin im Auge ... und wirst mit Sicherheit sehen, wie sie sich allmählich ändern. Nicht zu reiner Freude ohne jede Ambivalenz, dafür bist Du, so meine Einschätzung, nicht der Typ. Aber wie hier schon einige schrieben: Das Baby in Deinem Bauch ist nicht "ein Mädchen", sondern eure Tochter, euer Kind. Das wird es Dir leichter machen. Entweder von Anfang an oder aber mit der Zeit, weil Du da genau wie die Kleine in Ruhe reinwachsen kannst, während sie noch ein Baby ist. Am Anfang bestehen sie ja schrecklicherweise und zum Glück noch überwiegend aus Essen, hoffentlich viel Schlafen, Kacken und möglichst wenig Schreien, da spielt das Geschlecht ja überwiegend im Kopf der Erwachsenen und in Säuberungsfragen eine Rolle. Und später sind bei einem Mädchen dieselben Dinge spannend, die Dir bei eurem Sohn so gefallen haben, nachdem endlich die Babyzeit sich ihrem Ende zuneigte ... wie sie ein richtiger kleiner Mensch wird, sich immer mehr interessiert, immer mehr teilnimmt, irgendwann (und erwartungsgemäß, weil statistisch wahrscheinlicher, früher als euer Kleiner ;-) ) anfängt zu sprechen, und und und.


    Ich bin sicher, dass Du das trotz schwacher Momente prima gebacken bekommen wirst, wenn es wirklich ein Mädchen ist (werden ja doch mehr angebliche kleine Mädchen dann doch bei der Geburt zu Jungs als umgekehrt). Und ich drücke fest die Daumen, dass es wieder ein vergnügtes kleines Wesen wird, diesmal aber eins, das toll schläft, früh spricht und sich mit dem Laufen ruhig etwas Zeit lässt. ;-D

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    white magic


    Das wusste ich gar nicht. Wie ist denn dein Mann mit seiner Enttäuschung umgegangen? Hat er es besser verarbeitet?

    Das weiß ich gar nicht. Er läßt da wenig Einblick. Allerdings sehe ich den Unterschied zwischen ihm und seinem Freund. Da war die Situatin genauso und der hat das gewünschte Mädchen bekommen. Der Freund bringt sich viel mehr in die ganze sache ein, als meiner. Keine Ahnung ob es nur MEIN Gefühl ist, aber so kommt es bei mir an.


    Wenn meiner ein Mädel wäre, hätte er vielleicht mehr Zugang zum Papa. :-/

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    Kennt ihr tolle Töchte?

    Ja, meine ;-)


    Aber ich kann das Problem absolut nachvollziehen, allerdings auch mit umgekehrten Geschlecht.


    Ich habe eine ganz sanfte und feinfühlige Tochter und kann mir kaum vorstellen, einen Jungen zu bekommen. Zumal alle Jungen, die ich in dieser Altersgruppe kenne, echte Rabauken sind. Sicher gibt es auch "sanfte" Jungs, die keine Rabauken sind aber ich kenne eben keine.


    Ich "schäme" mich für den Wunsch, lieber ein Mädchen zu wollen als einen Jungen aber wirklich unterdrücken kann ich es auch nicht. Bei mir ist es allerdings bis zur Geschlechterbestimmung noch lange hin. Von daher darf ich noch "hoffen".


    Hinzukommend ist, dass wir komplett auf ein Mädchen eingestellt sind. Wir haben haufenweise Mädchenklamotten, geschlechtsneutrale Möbel und KiWa aber dafür haufenweise Mädchen Spielzeug.


    Inzwischen möchte sogar mein Mann – der sich eigentlich immer einen Jungen gewünscht hat – lieber ein 2. MÄdchen


    Ich glaube, es ist ein Stück weit absolut legitim, sich das andere Geschlecht zu "wünschen". Jedoch kann ich nicht sagen, wie ich reagieren werde, wenn mein Wunsch nicht in Erfüllung geht. Mein Mann hat sich bei unserer Tochter, ja einen Sohn gewünscht, konnte jedoch seine Enttäuschung sehr schnell in Vorfreude auf ein kleines Mädchen umwandeln. Ich hoffe, das gelingt mir (falls mein Wunsch nicht in Erfüllung geht) dann auch so gut.

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    Hinzukommend ist, dass wir komplett auf ein Mädchen eingestellt sind. Wir haben haufenweise Mädchenklamotten, geschlechtsneutrale Möbel und KiWa aber dafür haufenweise Mädchen Spielzeug.

    :-) So geht es uns mit Jungssachen. Und das war auch ein nicht unwesentlicher Faktor beim Wunsch nach einem zweiten Jungen. |-o


    Falls es bei euch ein Junge wird, können wir uns ja die Erstausstattung der Erstgeborenen zuschicken. Dann erfüllen die Sachen noch einen guten Zweck. ;-D


    Ich bin gespannt, was es bei euch wird. Berichtest du?


    Mittlerweile freue ich mich auch schon deutlich mehr auf unser Mädel. Wobei ich manchmal immer noch zusammenzucke, wenn ich die Mädchen bei der Tagesmutter sehe. Die sind nämlich alle so gar nicht sanftmütig, sondern ganz schöne Kratzbürsten. ]:D

    Bei mir ist es umgekehrt...ich habe zwei sehr wilde, lebhafte Mädchen und bekam dann ein sanftmütiges, duldsames kleines Sonnenscheinchen. Ihr wißt schon: so ein Baby, was man in der Werbung sieht, so eins, was friedlich blabernd auf der Decke liegt, mit seinen Händchen spielt und ständig grinst...ein Baby, was man ins Bett legte, was dann einfach einschlief. Den konnte man nachts wecken, eine halbe Stunde mit ihm spielen, ihn küssen und wieder hinlegen.


    Und der ist so geblieben, mit 11 immer noch das Sonnenscheinchen der Familie...mal sehen, was die nächsten Jahre uns bringen.


    Ich war in der dritten Schwangerschaft sehr kurz sehr enttäuscht - u.A. auch wegen der Klamotten! -, fing dann aber ratzfatz an, mit wüster Begeisterung kleine karierte Hemdchen und Cordlatzhosen zu kaufen. ;-D ;-D

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    und bekam dann ein sanftmütiges, duldsames kleines Sonnenscheinchen. Ihr wißt schon: so ein Baby, was man in der Werbung sieht, so eins, was friedlich blabernd auf der Decke liegt, mit seinen Händchen spielt und ständig grinst...ein Baby, was man ins Bett legte, was dann einfach einschlief. Den konnte man nachts wecken, eine halbe Stunde mit ihm spielen, ihn küssen und wieder hinlegen.

    Sowas will ich auch! Gibt es das auch als Mädchen? o:)

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    Sowas will ich auch! Gibt es das auch als Mädchen?

    ich war so ein Baby UND ich bin ein Mädchen 8-)


    Meine Mutter bekam zuerst einen Sohn, also meinen Bruder und weil sie den soooo süß fand, schmiedete sie den Plan gleich 3 Jungs zu bekommen :-o Aber ich glaub dieser Wunsch bestand nur am Tag der Geburt denn noch heute erzählt sie, dass mein Bruder so viel gebrüllt hat und so nervig war (also das gesamte Kleinkind-alter), dass sie ihn manchmal einfach nur in den Fluss werfen wollte :=o Zum Glück hat sie sich trotzdem noch für ein zweites Kind entschieden und ich war das komplette Gegenteil meines Bruders o:) heute übrigens nicht mehr ^^ heute sind wir wie eineiige Zwillinge und sehen auch fast so aus :-D – was meine Mutter dazu veranlasste uns im Schulalter die gleichen Klamotten anzuziehen %-| (wir sind 3 Jahre auseinander, da hat sie halt einfach in der Jungsabteilung 2mal das gleiche gekauft in versch. Größen – ich fands scheiße ;-D )

    Ich war als kleines Kind auch unglaublich eifersüchtig auf meine kleine Schwester (2 Jahre jünger). Wir haben zwar auch echt viel miteinander gespielt, es gab aber keinen Tag, an dem nicht einer von uns geheult hat – meistens sie. Als ich in die Pubertät kam und sie noch "brav" war hatten wir ca. 3 Jahre überhaupts nichts mehr miteinander zu tun, obwohl wir unter einem Dach gewohnt haben. Als sie auch in die Pubertät kam, hatten wir plötzlich ähnliche Probleme und einen "gemeinsamen Gegner" – unsere Eltern ;-D – seitdem verstehen wir uns super, sind uns sehr vertraut und kommen sehr gut miteinander aus.


    Von dem her wird's für deinen Sohn wahrscheinlich auch nicht leicht, aber er wird bestimmt merken, wie toll es sein kann, eine kleine Schwester zu haben.

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    Von dem her wird's für deinen Sohn wahrscheinlich auch nicht leicht, aber er wird bestimmt merken, wie toll es sein kann, eine kleine Schwester zu haben.

    Denkst du denn, du wärst bei einem Bruder weniger eifersüchtig gewesen?

    Jaaa Emma, er ist mein bester Freund x:) wir telefonieren regelmäßig, er schreibt mir SMS um mir zu sagen dass Bud Spencer Tag auf Kabel1 ist ;-D (das sind halt noch die wichtigen Dinge im Leben) Und wir erzählen uns als einzige Personen alle Probleme die wir haben. Wir unternehmen auch ab und zu in der Freizeit was zusammen. Ich bin froh ihn zu haben :-) Die Bindung war schon seit der Kindheit so, da haben wir immer zusammen in einem Bett geschlafen (jeder hatte natürlich sein eigenes eigentlich) und kürzlich sollte ich bei ihm schlafen weil seine Freundin nicht da war und er nicht alleine schlafen kann (also eigentlich fragt er mich das jedesmal wenn sie nicht da ist ^^ ich machs aber nicht)

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    Denkst du denn, du wärst bei einem Bruder weniger eifersüchtig gewesen?

    Das ist schwer zu sagen. Es ist auch schwer zu trennen, ob ich grundsätzlich eifersüchtig war, dass der Zwerg plötzlich all die Aufmerksamkeit bekommt und nicht mehr ich oder ob ich da speziell ihr gegenüber Vorbehalte hatte. Mit einem kleinen Bruder wäre es trotzdem bestimmt ein anderes Verhältnis gewesen, auch wenn wir uns da als Kinder immer gut arrangiert haben und abwechselnd mit Puppen und Lego gespielt haben ;-D Jetzt wüsste ich aber überhaupt nicht, wie ich mir es vorstellen sollte, einen kleinen Bruder zu haben und ich würd's mir nicht anders wünschen.