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    Sie hat aktuell Verlassensängste, fragt immer wieder ob ich zurückkomme etc...Da ich aber spüre, daß sie unsicher ist lasse ich es zu ! Falsch oder ?

    Nein, ich denke nicht, dass das falsch ist. Wenn sie ängstlich ist, finde ich es schon richtig, auf sie einzugehen. Aber vielleicht könntest du auch zuhause versuchen, dich mal kurz zu entfernen und gleich wieder zu kommen – damit sie merkt, dass du garantiert und wirklich wieder kommst?


    Wie lange war sie eigentlich im Krankenhaus? Warst du dann auch über Nacht weg?

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    solle sich das ein "Profi" anschauen. Deutsch: ich soll zum Psychologen mit ihr. Das gab mir den Rest.

    Das mag sich für dich vielleicht gleich extrem anhören, aber was genau stört dich an der Vorstellung? Keine Ahnung, ob das wirklich nötig ist, aber es geht doch grundsätzlich nicht darum, dass bei ihr eine psychische Krankheit oder Störung diagnostiziert wird, sondern dass jemand von außen euch ein wenig Input geben kann. Vielleicht würde ein Psychologe auch eher den ErzieherInnen Tips geben können, wie sie besser mit der Situation umgehen könnten ;-) Ich denke nicht, dass sie sie in Therapie schicken wollen, sondern dass jemand, der besser oder anders ausgebildet ist und sich einzeln mit ihr beschäftigen kann, mal schaut, ob und wie man deiner Tochter mehr Sicherheit vermitteln kann.

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    Ich kann es nur nicht verstehen, weshalb mir das so KLAR kommuniziert wird, daß sie nervt.

    Aber nur weil es dir so klar kommuniziert wird (sagen sie wirklich "nerven"?), heißt das doch nicht, dass sie deiner Tochter gegenüber ebenfalls so deutlich sind. Da sagen sie vielleicht, dass sie mal kurz alleine spielen soll, oder dass sie mal einem anderen Kind helfen müssen, oder sowas in der Art.

    @ Individualist:

    Interessanter Ansatz. Aber meinst du, das erklärt auch, warum sie sich an die Erzieher klammert, wenn ihre Mama gar nicht mehr da ist? Oder meinst du, das ist einfach eine Phase, oder da ist der Krankenhausaufenthalt noch nicht ganz verarbeitet?

    man braucht nicht alles bis in den letzten Zipfel der kindlichen Seele erforschen. In den meisten Fällen gibt sich das. Das eine Kind ist eben schneller, das andere braucht länger. Keine Ahnung, ob bei den Erzieherinnen die Vorstellung gilt, in 2 Monaten muss ein Neuzugang funktionieren, oder sowas. Aber dann, wenn es mal nicht so geht, die Flinte ins Korn zu werfen, anstatt sich dieser berufl. Herausforderung zu stellen, halte ich persönlich für falsch. Wenn alles super läuft, ist jeder Beruf toll.


    Nein, dann wird Mutter samt Kind gleich zum Psychologen abgeschoben. Jetzt geht doch mal mit einem schüchternen, unsicheren Kind dahin und es muss sogar allein mit dem reden (ich kenne so einen Fall, da war das genau so. Das betroffene Kind hat schier abgedreht). Noch eine fremde Welt mehr.


    Ich bleibe bei meiner Meinung, dass die Erzieherinnen hier halt eben etwas mehr gefordert sind, wie das jeder Bandarbeiter ist, wenn die Auftragslage hoch ist. Es ist eben Sondereinsatz gefragt, nicht die Arbeit beseite schieben.

    habe hier mal mein Erlebnis aus einem anderen Thread kopiert. Daher auch meine eher schlechte Erfahrung mit Erzieherinnen. Ich möchte diesen Beruf weiß Gott nicht schlechtreden. Aber vermutlich macht die Hälfte aller Eltern so ein Theater mit und da muss man sich schon fragen, was die während ihrer Ausbildung eigentlich lernen.


    unsere Tochter (damals 3 J. alt) hatte anfangs im Kindi Probleme. Von der Mama lösen, nicht hin wollen, Abschiedsgeweine. usw. Das übliche Prozedere. Zusätzlich versuchte mittels Nichtreden zu boykottieren. Dh., ihr Mund war im Kindi verschlossen, sobald sie über die Türschwelle ging und lief wieder danach.


    Das ging über 3-4 Monate. Eine der Erzieherinnen war zwischenzeitlich in einer Fortbildung und als sie zurückkam, stellte sie die Diagnose "Mutismus" (bitte googeln), und das auch noch in ausgeprägter Form. Sie erzählte, dass das u.a. Thema bei der Fortbildung war. Sie riet uns zum Kinderarzt, Kinderpsychologen,.... "drohte" sogar mit einer schlechten Schulempfehlung und was weiß ich noch alles. Ich sagte zu meiner Frau, dass das Kind auf gar keinen Fall von einem Psycho-Kasper in die Mangel genommen wird, weil die Kleine eh gegenüber Fremden etwas verschlossener war. Ich war der Meinung, dass sich das mit der Zeit legen würde. Schliesslich entwickelt sich ein Kind. Und ich kenne auch keins, das, normale Entwicklung vorausgesetzt, mit 5 Jahren sich genauso verhält wie mit 3.


    Kurz und bündig: nachdem meine Frau immer wieder von der Erz. drauf angesprochen wurde, nahm sie (meine Frau) unsere Tochter mal zu Hause "ins Gebet", etwas lauter und eindrücklich, versuchte aber dem Kind klar zu machen, was für Probleme wir bekommen können, wenn sie weiter blockt.


    Am nächsten Tag, sprach sie dann ein paar wenige Sätze mit der Erzieherin und nach ein paar Wochen lief der Mund wie ein Wasserfall, genauso wie zu Hause. Die Erzieherin entschuldigte sich bei eine extra angesetzten persönlichen Gespräch für Ihre Fehleinschätzung und für die Sorgen, die sie uns bereitet hatte. Natürlich sagte ich ihr auch ein paar passende Worte.


    Was sagt mir das: Menschen, die sich berufl. mit dem Hirn, der Psyche, den Gedanken, dem Verhalten, usw beschäftigen, meinen sie können direkt ins Gehirn gucken. Aber sie können es NICHT. Manchmal ist es ganz einfach und auch die konventionellen Methoden helfen. Ich möchte nicht wissen, was ich meiner Tochter mit 3,5 Jahren angetan hätte, wenn ich sie wochenlang mit einem Kinderpsychologen geplagt hätte. Das wäre jedes Mal ein Theater sondersgleichen gewesen.


    Lasst die Kinder einfach nur Kinder sein, die sich austoben wollen, mit anderen spielen wollen, uvm.. Der Stress geht noch früh genug los.

    Ich glaube, dass Erzieher eine sehr schwierige Gratwanderung hinbekommen müssen: Sie haben mehrere Kinder, auf die sie aufpassen müssen, sie sehen, was im Kindergarten passiert und müssen sich ansonsten auf die Aussagen der Eltern verlassen, die wahrscheinlich sehr unterschiedlich reagieren – in der Spanne, dass sie desinteressiert sind oder überzogen emotional reagieren ist sicherlich alles dabei. Ich sage nicht, dass alle Erzieher einwandfrei sind, aber sie sind wohl nicht in der Mehrzahl ungebildet, faul, werfen willkürlich mit Empfehlungen um sich und haben ihren Job verfehlt.


    Wenn ein Erzieher/ eine Erzieherin mehrere Monate ein Kind betreut, das kein Wort spricht, finde ich es nicht ungewöhnlich, das mit den Eltern zu besprechen. Sie hat eine Vermutung geäußert, der offensichtlich (für sie) nicht nachgegangen wurde (beim "Psycho-Kasper" schonmal gar nicht, aber wahrscheinlich auch nicht beim Kinderarzt) – das Ganze hat sich wohl beiderseits etwas hochgeschaukelt. Die Erzieherin hat daraus mit Sicherheit etwas gelernt und wird beim nächsten Kind genauer hinsehen – aber genau das ist doch so wichtig. Ein Kind, das mal tatsächlich Mutismus hat, wird davon profitieren können. Eines, dass schüchterner ist, deren Eltern aber versichern können, dass es Zuhause ganz anders ist, ebenfalls.

    @ EmilieA

    Deine Argumente treffen sicherlich (auch) zu. Trotzdem sollten die Erz. mit ihren "Diagnosen" m.M. sachte umgehen. Denn was man damit auslösen bzw. erst recht kaputtmachen kann, ist denen wohl auch nicht ganz klar. Man kann rel. eindeutig eine Grippe diagnostizieren, oder Scharlach,.... aber bei solchen Dingen liegt man oft gehörig daneben. Als Bsp. führe ich immer "Psycho-Kasper" an, die sich imstande sehen, Sexualverbrecher und Pädophile für geheilt und ungefährlich zu erklären. Jeder von uns weiß, was da schon dabei herausgekommen ist.


    Zum Glück bewahrten meine Frau und ich damals einen kühlen Kopf und betrachteten die Sache rational, aber nicht gelassen. Ich bin überzeugt davon - ich kenne ja meine Tochter - dass ich sie erheblich geplagt hätte, wären wir zu einem Kinderpsychologen gerannt. Übrigens sagte unser Kinderarzt, dem wir den Fall schilderten, damals wörtlich: "habe die (die Erz.) einen an der Waffel?"

    @ EmilieA

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    Interessanter Ansatz. Aber meinst du, das erklärt auch, warum sie sich an die Erzieher klammert, wenn ihre Mama gar nicht mehr da ist?

    Ja.

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    Oder meinst du, das ist einfach eine Phase, oder da ist der Krankenhausaufenthalt noch nicht ganz verarbeitet?

    Ich glaube nicht, dass man das als "Phase" abtun sollte. Das Anklammern ist ja nur ein Symtom, dahinter sehe ich ein ernsthaftes Problem, welches sich ausweiten wird, wenn man nicht gegensteuert. Aber gerade weil ich ziemlich genau zu sehen glaube, woran es liegt, sehe ich das optimistisch und halte es für potenziell leicht auflösbar. Ob es das wirklich ist, hängt davon ab, inwieweit es Sally gelingt, über ihren Schatten zu springen.


    Um es nochmals mit anderen Worten zu sagen: wir haben es hier meines Erachtens wirklich mit Verlassens- und anderen Ängsten zu tun. Und zwar primär mit denen von Sally! Theoretisch – mit dem Kopf – ist ihr zwar klar, dass es gut und sinnvoll ist, wenn ihre Tochter einen Kindergarten besucht, aber zwischen den Zeilen lese ich heraus, dass ihr Herz da nicht ganz mitgeht. Da ist etwas, was es ihr schwer macht, voll dahinter zu stehen und ihre Tochter für die Kindergartenzeit unbekümmert loszulassen und ihr zuzutrauen, dass sie alle Aufgaben und Schwierigkeiten, die dort auf sie zukommen, mit Gewinn meistern wird.


    Die Gefühle der Mutter sind für ein kleines Kind das Universum. Es hat keinen Abstand dazu, es kann nicht sagen: "so ist sie halt" oder: "heut ist sie gut drauf" oder: "heut spinnt sie wieder" ;-D Nein, wenn Mama Angst hat, zweifelt, sich Sorgen macht, ist das für so ein kleines Kind absolut. Wie eine riesige dunkle Wolke, die die ganze Welt verdüstert. Und zwar selbst dann, wenn die Mutter bewusst versucht, ihre Ängste vor dem Kind zu verbergen. Das Kind spürt's trotzdem, das empathische emotionale Band zwischen Mutter und Kind ist viel unmittelbarer als eine etwaige aufgesetzte "Außendarstellung" je sein könnte. Man sagt doch so oft: Kinder haben feine Antennen...


    Sallys Tochter wird also Mamas Ambivalenz in Bezug auf den Kindergarten "atmosphärisch" auf- und übernehmen. Da ihre Gefühle und die der Mutter gar nicht klar getrennt sind, sondern noch eine weitgehende symbiotische Einheit bilden, ist das, wie wenn sich beide unbewusst sozusagen gegen den Kindergarten "verbünden". Die Tochter versucht die Ängste der Mutter – und damit auch ihre eigenen – zu mildern, indem sie sich "loyal" verhält: zeitweiliges "Loslassen" der Bezugspersonen, expansives Verhalten, kindliche Neugier, Interesse an anderen Kindern, Spielfreude usw. sind im eher ängstlichen Weltbild der Mutter stark unterrepräsentiert und nicht emotional positiv besetzt; ein solches Verhalten käme dem Mädchen, wenn sie das bewusst denken könnte, wie "Verrat" an der Mutter vor. Sie spürt empathisch, dass jeder Impuls in Richtung Entdeckerdrang, mehr Unabhängigkeit usw. Mamas Ängste und damit die "dunkle Wolke" vergrößert. Ihr Verhalten ist deshalb das genaue Gegenteil von Expansion: sie klammert sich an. Sie liefert ihrer Mutter "Beweise" dafür, dass der Kindergarten nicht gut ist...


    Wie gesagt: Erzieher-Mängel können ja durchaus sein, das will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber mir scheint das eher nebensächlich, denn die von mir umrissene eigentliche Problematik besteht unabhängig davon und bestünde auch bei perfekten Erziehern.


    Tochters Ängste sind eigentlich Mamas Ängste und umgekehrt. Aber nur eine von beiden hat das Potenzial, daran etwas zu ändern. Eigentlich bin ich fast sicher, auch ein Psychologe würde letztlich zu keinem anderen Ergebnis kommen und den Punkt des "Loslassenkönnens" thematisieren.

    Toso

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    Die kann dann gleich mit zum Psychologen gehen.

    Im Bekanntenkreis hatte ich genau so einen Fall. Das Kind hatte starke Verlustängste. Es gab Geheule beim Hinbringen und Geheule (vor Freude dann) beim Abholen. Sowas ist mMn nicht normal und bedarf einer Behandlung durch einen Spezialisten.


    Besagtes Paar hat dies mit Kind getan und seitdem ist alles super.

    das finde ich auch. Da mutet man einem Kind viel zu viel zu.

    @ Dyne

    siehe mein selbsterlebtes. Es ging auch ohne Spezialisten. Und es war bei unserer Tochter auch so: beim Hinbringen geplärrt ohne Ende. Sie hatte sich aber nach einer halben Std. beruhigt. Warum ? Weil da die Erz. alles taten, um sie abzulenken. Das haben sie wirklich gut gemacht.


    Sorry, aber ich halte von den Psychologen nicht viel. Den Grund erwähnte ich oben

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    Als Bsp. führe ich immer "Psycho-Kasper" an, die sich imstande sehen, Sexualverbrecher und Pädophile für geheilt und ungefährlich zu erklären. Jeder von uns weiß, was da schon dabei herausgekommen ist.

    @ Toso:

    Ach und von wie vielen Fällen wird wohl berichtet, wo ein "Psycho-Kasper" eben jene für nicht geheilt ansieht und sie für nicht ungefährlich erklärt? Keine. Warum? Weil Nachrichten nunmal nicht über Fälle berichten, in denen etwas total Unspektakuläres passiert.


    Wird von Flugzeugabstürzen berichtet? Klar. Wird tagtäglich von den vielen Flügen berichtet, bei denen gar nichts passiert? Nein. Und warum?


    Ich habe das Gefühl, dass du noch nicht sonderlich intensiv mit dem Thema beschäftigt hast – von (plakativen) News mal abgesehen.

    @ EmilieA

    es gibt Berufe, da darf so ein Fehler nicht passieren. Es geht um Menschenleben, da ist jeder einzelne zuviel. Oder würdest Du Dich über die anderen gutgegangen Fälle noch freuen, wenn ein "für gut befundener" Dein Kind schnappt ? Oder findest Du es i.O. das 1000de Neugeborene ohne Probleme im KKH erstversorgt wären und nur 3 oder 4 and Keimen gestorben sind.

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    es gibt Berufe, da darf so ein Fehler nicht passieren.

    Da stimme ich dir zu. Aber diese Aussage allein reicht nunmal leider nicht aus, auch wirklich alle Fehler auszumerzen, oder ihnen vorzubeugen.


    Es geht nicht darum, was ich in Ordnung finde und was nicht. Fakt ist, dass Menschen Fehler machen und Fehler Konsequenzen haben. Deswegen alle mitzuverteufeln, die keine Fehler machen oder Fehler mit weniger weitreichenden Konsequenzen oder Fehler, die schlicht nicht auffallen, würde das Aus für jegliche Berufe und Handlungen generell bedeuten.


    Es ist ja auch deine Entscheidung, ob dein Kind oder du selbst euch in psychologische Hände begeben wollt, sollte es mal nötig werden. Das generell als Unsinn abzustempeln, obwohl schon vielen Leuten so geholfen werden konnte, ist einfach unfair und kann bisweilen auch recht kurzsichtig sein. Dann dürftest du auch nie fliegen, oder in eine Bahn oder Bus einsteigen oder dich operieren lassen, weil du dort auch darauf angewiesen bist, dass Menschen keine Fehler machen, obwohl in der Berufsgruppe schon schwerwiegende Fehler begangen wurden.