• Genderneutrale Erziehung und Kommentare der Umwelt

    Hallo zusammen! Mich würde eure Meinung zu folgendem Thema interessieren: Mein Sohn wird kommenden Monat 2 Jahre alt und geht seit 3-4 Monaten in die KiTa. Er ist ein aufgewecktes Kind und möchte alles probieren und nachmachen, was wir auch machen. Ich hab lange Haare und mache mir jeden Morgen einen Zopf (bzw. eigentlich nur einen Pferdeschwanz ;-)). Mein…
  • 39 Antworten
    Platypus schrieb:

    Ich kenne solche wertenden Kommentare, die einem zeigen sollen, wie man zu sein hat, leider aus meiner Kindheit und weiß wie blöd es sich anfühlt, wenn man das Gefühl hat „falsch“ zu sein.

    Meinst du, du kennst diese Kommentare aus deiner Kindheit von anderen Kindern oder von deinen Eltern dir gegenüber? Falls letzteres der Fall sein sollte: Ja, dann wäre in jedem Fall ein Gespräch sinnvoll, aber nicht bezüglich deines Sohnes, sondern deinetwillen.

    Mysla schrieb:
    Platypus schrieb:

    Ich kenne solche wertenden Kommentare, die einem zeigen sollen, wie man zu sein hat, leider aus meiner Kindheit und weiß wie blöd es sich anfühlt, wenn man das Gefühl hat „falsch“ zu sein.

    Meinst du, du kennst diese Kommentare aus deiner Kindheit von anderen Kindern oder von deinen Eltern dir gegenüber? Falls letzteres der Fall sein sollte: Ja, dann wäre in jedem Fall ein Gespräch sinnvoll, aber nicht bezüglich deines Sohnes, sondern deinetwillen.

    :)^:)z:)=

    Zitat

    nanchen
    Wichtiger als genderneutral ist es dem Kind Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben. Wichtig ist es, den Weg gehen zu dürfen den das Kind gehen möchte. Und dort als Eltern ansetzen. Dem Kind Sicherheit zu geben. Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sind Tugenden, die Stabilität geben.

    Eben. Ich halte es für eine überzogene Erwartung, dass die Kinder dann später alleine und gegen möglicherweise eine ganze Peergroup ihre Spangen/Röcke etc. vertreten können. Sowas kann man bei der eigenen Oma, aber gegenüber allen Jungs in der eigenen Klasse zb?!


    Wenn die Mehrheit der anderen etwas anders macht, dann ist es selbst für Erwachsene schwer, am eigenen selbstbewusst festzuhalten. Das kann und sollte man nicht von seinen Kindern erwarten. Und, ich mein, wieviele Jungs kennt ihr hier, rein prozentual, die dann später in der Pubertät immer noch rosa (nicht schwarzen!) Nagellack und Haarspangen tragen? Es sind und bleiben halt noch Ausnahmen.


    Es IST schwer, langfristig gegen die vorherrschenden sozialen Geschlechtsbilder zu „verstoßen“ und wenn man will, dass die Kinder da nicht Kämpfe durchstehe müssen, die zwischen uns Erwachsenen noch nicht geklärt sind, halte ich es durchaus für angebracht, mit ihnen auch zu besprechen, was man machen kann, wenn man nicht von allen so viel Toleranz erfährt wie von den eigenen Eltern. Ich hab zu meinem Sohn zb gesagt, dass ich es verstehen kann, wenn ihn die Sprüche der anderen ärgern und dass er seinen Nagellack dann auch nur zuhause tragen kann, wenn es ihm einfach zu unangenehm ist, es gegen andere immer und immer wieder zu verteidigen. Dass ich aber möchte, dass er weiß, dass es im Grunde seine Entscheidung ist.

  • Anzeige
    hikleines schrieb:
    Zitat

    nanchen
    Wichtiger als genderneutral ist es dem Kind Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben. Wichtig ist es, den Weg gehen zu dürfen den das Kind gehen möchte. Und dort als Eltern ansetzen. Dem Kind Sicherheit zu geben. Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sind Tugenden, die Stabilität geben.

    Eben. Ich halte es für eine überzogene Erwartung, dass die Kinder dann später alleine und gegen möglicherweise eine ganze Peergroup ihre Spangen/Röcke etc. vertreten können. Sowas kann man bei der eigenen Oma, aber gegenüber allen Jungs in der eigenen Klasse zb?!


    Wenn die Mehrheit der anderen etwas anders macht, dann ist es selbst für Erwachsene schwer, am eigenen selbstbewusst festzuhalten. Das kann und sollte man nicht von seinen Kindern erwarten. Und, ich mein, wieviele Jungs kennt ihr hier, rein prozentual, die dann später in der Pubertät immer noch rosa (nicht schwarzen!) Nagellack und Haarspangen tragen? Es sind und bleiben halt noch Ausnahmen.


    Es IST schwer, langfristig gegen die vorherrschenden sozialen Geschlechtsbilder zu „verstoßen“ und wenn man will, dass die Kinder da nicht Kämpfe durchstehe müssen, die zwischen uns Erwachsenen noch nicht geklärt sind, halte ich es durchaus für angebracht, mit ihnen auch zu besprechen, was man machen kann, wenn man nicht von allen so viel Toleranz erfährt wie von den eigenen Eltern. Ich hab zu meinem Sohn zb gesagt, dass ich es verstehen kann, wenn ihn die Sprüche der anderen ärgern und dass er seinen Nagellack dann auch nur zuhause tragen kann, wenn es ihm einfach zu unangenehm ist, es gegen andere immer und immer wieder zu verteidigen. Dass ich aber möchte, dass er weiß, dass es im Grunde seine Entscheidung ist.

    Ich merke, wir sind da ganz auf einer Linie.


    Mein Sohn hatte zB in der Kita fast nur Freundinnen. Natürlich fand er dann die Sachen toll die sie selbst hatten.


    Wo er aber jetzt was getragen bzw benutzt hat, hat er schon früh entschieden und das war oft nur zuhause, auch wenn er beides gedurft hätte.

    criecharlie schrieb:

    dass ein mann einen pferdeschwanz trägt, finde ich übrigens nicht weiblich.

    Trage ich meinen Pferdeschwanz im Nacken, dann bin ich männlich.

    Trage ich ihn oben am Hinterkopf, dann bin ich weiblich.

    Der Pferdeschwanz hat kein Geschlecht, aber seine Position... ;-)

    Möpi16 schrieb:

    Trage ich meinen Pferdeschwanz im Nacken, dann bin ich männlich.


    Trage ich ihn oben am Hinterkopf, dann bin ich weiblich.

    Der Pferdeschwanz hat kein Geschlecht, aber seine Position... ;-)

    ich habe meine Haare immer nur im Nacken zusammen gebunden getragen, da ich oben am Hinterkopf immer Kopfweh davon bekam 8-( aber als Frau ist's vermutlich eh egal.


    Jetzt trage ich wieder mal ganz kurze Haare, auch egal.

  • Anzeige

    Ich finde deinen Erziehungsstil gut und handhabe es mit unserem Sohn genauso.


    Ich würde ein Gespräch mit der Oma suchen, da, wie du schreibst, meiner Meinung nach derartig (be)wertende Kommentare im engsten Kreis nichts zu suchen haben.


    Unabhängig davon ist es natürlich auch ganz wesentlich jedem Kind möglichst viel Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben - aber ich denke, diese Frage stellt sich hier nicht.

    ich finde das lustig, dass das kleine kind mit zwei mit längeren haaren richtung "mädchen" gestellt wird, während der vater mit langen haaren daneben steht :)


    man könnte auch sagen, dass der vater doch nicht so genderneutral ist,

    sonst wäre das ihm nämlich egal, ob das kind als jungen- oder mädchenhaft betitelt wird - aber er schein ja trotz allem binär zu denken,

    sonst würde er da nicht so steil gehen....

    GriechischerSalat schrieb:

    Unabhängig davon ist es natürlich auch ganz wesentlich jedem Kind möglichst viel Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben - aber ich denke, diese Frage stellt sich hier nicht.

    naja, mit 2 jahren ist das mit dem selbstvertrauen, so, wie wir das verstehen, noch nicht möglich, aber das kommt natürlich dann später

  • Anzeige
    Möpi16 schrieb:

    Übrigens: hinter den Kindern die bei dem Thema intolerant sind stecken doch die Erwachsenen, die die Kinder früh auf Geschlechterrollen einspuren.

    Ganz genau! Hierzu gehört auch die Funktion der (erwachsenengemachten) Werbung, die definitiv geschlechtergetrennt ist, einfach deswegen, weil damit mehr (doppelt soviel?) verkauft werden kann, sowohl bei Kleidung als auch bei Spielzeug. Diesen unvermeidlichen Einfluss zu kompensieren, von den Gruppen-Effekten ganz zu schweigen, sehe ich als eine der ganz großen Herausforderungen, die an Eltern gestellt werden. Einfacher ist z.B. nämlich: "Lieber rosa als Ärger".


    Evoluzzer schrieb:

    Wenn man sein Kind "genderfrei" (schönes Scheißwort) erziehen will, dann gehört auch dazu, dem Kind das nötige Selbstbewußtsein zu vermitteln. Das ist der einzig wirksame Schutz vor unerwünschten Bemerkungen anderer. Spätestens wenn das Kind ins Mobbing-Alter kommt braucht es mehr Selbstbewußtsein als beschützende Eltern. Ansonsten kann man gleich die angepasste Schiene fahren.

    Dem ist nichts hinzuzufügen! :)^