Gute Übungs-Tips: Was tun bei LRS?

    Hallo lieber Forumsleser!


    Ich hoffe, dass vielleicht einige von Euch ein paar Erfahrungen oder vor allem gute Tips für mich haben.


    Folgendes: mein Sohn ist knapp 12, geht z.Zt. auf's Gymnasium 5.Klasse. Er ist erst mit 7 zur Schule gekommen aufgrund eines Unfalls (KH, Reha usw.). Mit 6 Jahren hat man bei ihm leichtes ADHS festgestellt, extreme Impulsivität, vor allem psychisch etwas labil, Konzentrationsstörungen, mangelndes Selbstwertgefühl. Er geht schon seit Jahren zur Ergotherapie, macht ihm viel Spass, seit kurzem auch in psychotherapeutischer Behandlung. Eigentlich scheint er nach aussen soweit recht normal, ist halt öfter sehr lebendig. In der Schule lief es aber immer ganz gut, bis auf Deutsch. Rechtschreibung, Ausdruck eine einzige Katastrophe, Lesen geht noch immer holprig. Nach mehreren Gesprächen mit den Klassenlehrerinnen in der Grundschule und vielen Ärztekonsultationen (Kinderarzt, Augenarzt, HNO, Pädaudiologe...) ohne aussagekräftiges Ergebnis, kam ich dem Problem ausgerechnet durch eine Elternzeitschrift endlich auf die Spur: LRS. In einem speziellen Institut wurde kostenlos ein Test gemacht. Man bot uns eine Therapie an, die ich als äußerst erfolgversprechend und seriös beurteilte, jedoch vom Finanziellen her nicht bewältigen kann (200 EUR monatlich). Ich bin auch sehr enttäuscht darüber, dass das Problem von den Lehrern nicht eher erkannt wurde. Er ging zu diesem Zeitpunkt bereits in die 4. Klasse! Die KK übernimmt die Therapie auch nicht und so versuchte ich, mit meinem Kind daheim zu üben. Wir besorgten uns einige Lernspiele auf CD, mit denen er am Computer üben kann, aber ich sehe leider keinen langfristigen Erfolg. Ich selbst verstehe die Lernmethoden auch nicht ganz und bin ihm auch keine große Hilfe.


    Nachdem er nun vor 3 Tagen wieder eine 6 im Diktat geschrieben hat, ist sein Selbstvertrauen und Optimismus am Boden. Nun glaubt er, die Schule bald wechseln zu müssen und ist verzweifelt. Ich möchte ihm so gern helfen, aber das Geld habe ich immer noch nicht. Hat jemand von Euch ein paar bewährte Lerntips oder könnt Ihr uns preiswertes Material empfehlen, welches wirklich hilfreich ist?? Habt Ihr mit Euren Kindern Erfahrungen und wie geht Ihr damit um?

  • 11 Antworten

    Ich selbst kenne auch Menschen mit LRS, ich kann dir aber keine Tipps geben.


    Vielleicht kann ich dich aber aufmuntern: Einige von ihnen haben Matura (Abitur) gemacht, in Deutsch zwar eher schlecht als recht, aber es hat geklappt.


    Ich persönlich würde viel mit ihm lesen, egal was nebenher alles an Therapien und Übungen gemacht wird. Was er liest, ist wahrscheinlich recht egal, es geht meine darum, möglichst oft mit der Sprache in Kontakt zu kommen. Das hat ein paar meiner Bekannten geholfen.


    Ach ja, mein bester Freund hat sich vor Deutsch-Klausuren immer noch kurz etwas durchgelesen (eine Geschichte, ein Info-Blatt zu irgendetwas, ein paar Seiten aus dem Physik-Heft, ganz egal), damit er "in die Sprache kommt". Vielleicht würde es deinem Sohn ja auch helfen, die Pause vor der jeweiligen Arbeit für eine kurze Vorbereitung zu nutzen.

    Ich rate dir, mit der Klassenlehrerin Kontakt aufzunehmen! Wenn du nachweisen kannst (anhand von Gutachten) dass dein Sohn LRS hat, können gewisse Regelungen in Kraft treten beispielsweise werden in Aufsätzen KEINE Rechtschreibfehler mit in die Benotung fließen etc.


    Lernspiele auf CDs sind übrigens stark umstritten, da die Kinder von der Grafik, dem Spiel, Dem Computer so gefesselt sind, dass sie sich auf das Eigentliche nicht mehr so stark konzentrieren.


    Insgesamt gesehen ist es schwer dir aus dem Stehgreif heraus Lernmaterial zu empfehlen weil ein blindes drauf los üben wenig erfolgsversprechend ist, da man bei jedem Kind mit LRS individuell entscheiden muss, welche Dinge als erstes geübt werden sollen. Frag die Klassenlehrerin ob es an der Schule oder Nachbarschule evtl an einer Realschule einen Förderunterricht gibt an dem dein Sohn teilnehmen kann.


    *:)

    Vielen Dank für Eure Antworten! *:)


    Ich bin schon froh, dass mein Sohn wesentlich mehr und lieber liest, als vor ein paar Jahren. Trotzdem ist sein Lesefluss für einen 5.Klässler zu langsam und stockend. Sämtliche Übungen (mit Wiederholungen oder Erklärungen) nerven ihn, da er sich schnell überfordert fühlt. Oft liegt es auch daran, dass er sich einfach bei dem Thema "Deutsch" als Versager vorkommt und schnell die Nerven blank liegen, ohne dass etwas Konkretes vorgefallen ist... Oft ist es ja so, dass LRS-Kinder seelisch am meisten unter der Situation leiden, "anders" zu sein, obwohl sie (wie mein Kind)sogar sehr intelligent sind.


    Einen speziellen Förderunterricht in Deutsch besucht mein Sohn schon an seiner Schule. Trotzdem wird er dort nicht speziell auf LRS therapiert, sondern es ist eine AG für allgemeine Lernprobleme (wie sie z.B. Aussiedlerkinder haben). Der Kurs bringt ihm nicht viel. Die Deutschlehrerin will am Gymnasium keine Rücksicht mehr nehmen. Das macht man wohl nur in der Grundschule. :-(


    Nun, es gibt eigentlich genug (integrative) Therapiezentren mit speziell geschultem Personal, die wunderbare Therapien anbieten. Damit wäre meinem Kind definitiv geholfen. Jedoch müssen die Eltern immer alles selbst zahlen. Das Jugendamt übernimmt nur in ganz speziellen Fällen die Kosten, wenn das Kind gefährdet ist, eine "seelische Behinderung" davon zu tragen. Also auf deutsch gesagt: kurz bevor es durchdreht... :-o :(v


    Deshalb bin ich ja so gefrustet und deprimiert! Sind wir also doch eine 2-Klassen-Gesellschaft, wo nur reiche Kinder gefördert werden können?? ??? :°( Dann läuft mit unserer Bildungspolitik mächtig was falsch! Aber der Meinung war ich eigentlich schon lange... :-/

    Hallo ich hoffe ich kann dir ein Paar kleine Tips geben. Habe gerade gedacht "das bin ich". Ich habe LRS (der Neurologe meinte ich hätte eine Hirnfunktionsstörung die es mir unmöglich macht fehlerfrei zu schreiben). Ich konnte so gut wie nichts richtig schreiben. Ich hatte das Wort als Bildniss nicht vor Augen und konnte es auch nicht abrufen. Schwer zu erklären. (Heute habe ich das Problem nicht mehr ,ich habe es bis zum Fachabi geschaft und hatte in dem Zeugniss eine Drei in Deutsch).Ich habe zum Beispiel meine Diktate selber auf Kassette aufgenommen und so das Diktat geübt. Nach dem ich das Diktat geschrieben habe bin ich beim Korrekturlesen nicht beim ersten Wort angefangen sondern beim letzten (dann ist der Zusammenhang der Wörter nicht mehr da und es fällt leichter das einzelne Wort zu sehen), dann habe ich ganz ganz viel am Lük-Kasten gelernt und was das wichtigste ist : meine Mutter hat mir immer wieder gesagt das das alles scheißegal ist!!! Keiner kann alles und ich war in Mathe immer ein Ass!!! Das hat mir viel geholfen nicht in meiner Angst vor dem Diktat und dm Aufsatz und dem Kummer wegen der 6en zu versinken. Ab der 5. Klasse hatte ich in der Schule dann LRS-Unterricht. Bis zur 8.Klasse. Dort konnte ich dann auch das eben beschriebene lernen und das hat mir geholfen. In meiner Ausbildung zur Heilerzieherin habe ich alles Handschriftlich gemacht,nix am Computer....das war auch super, ich habe es Korektur lesen lassen und dann noch mal geschrieben...und das hat mir sehr sehr viel Übung gebracht.


    Meine Probleme gingen so gar so weit das ich mir keine Hauptstadt ,keinen Fluß und kein einziges Bundesland geschweigedenn Europa merken konnte. Das sind Sachen die liest man nur und kann sie nicht anfassen oder direkt sehen.


    Ist etwas schwer zu beschreiben wie ich es empfunden habe.


    Meistens wurde gar nicht über Deutsch bei mir gesprochen. Beim Zeugnis hat meine Ma und mein Pa nur gelobt und schlechtes weg gelassen.


    Sie wußten ja das ich nichts dafür kann.


    Heute bin ich stolz auf mich,und das mit den Schreibproblemen ist so gut wie weg....warum auch immer...


    ich drücke euch die Daumen das dein Sohnemann nicht auf die eine Sache reduziert wird denn dann versauen sie ihn. Er ist ja nicht Zurück sondern hat einfach eine schwäche.

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    Man bot uns eine Therapie an, die ich als äußerst erfolgversprechend und seriös beurteilte, jedoch vom Finanziellen her nicht bewältigen kann (200 EUR monatlich).

    Das ist unmöglich-nicht?

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    Die KK übernimmt die Therapie auch nicht und so versuchte ich, mit meinem Kind daheim zu üben.

    LRS ist keine Krankheit, das einzige was Du amchen kannst, ist, einen Antrag beim Jugendamt (§35a SGB VIII) zu stellen. Hier berichte ich davon, ich warte seit September auf ein Ergebnis:|N%-|

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    Nachdem er nun vor 3 Tagen wieder eine 6 im Diktat geschrieben hat, ist sein Selbstvertrauen und Optimismus am Boden. Nun glaubt er, die Schule bald wechseln zu müssen und ist verzweifelt.

    Das ist genau der Ansatz, Wo dieser Antrag ins Spiel kommt:

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    Kinder und Jugendliche, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, haben Anspruch auf Eingliederungshilfe.

    Erkundige Dich mal beim zuständigen Jugendamt

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    LRS ist keine Krankheit, das einzige was Du amchen kannst, ist, einen Antrag beim Jugendamt (§35a SGB VIII) zu stellen.

    Das möchte ich dir auch empfehlen. Unsere Tochter hat eine Dyskalkulie. Die Therapie wurde 2 1/2 Jahre vom Jugendamt bezahlt.

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    Die Therapie wurde 2 1/2 Jahre vom Jugendamt bezahlt.

    Wenn man den Antrag durchbekommt *seufz* ich mache mir inzwischen schon Sorgen, ob wir das durchbekommen:-/

    Ich bin Institutsleiterin eines Instituts, das lese-/rechtschreibschwache Kinder therapiert. Vielleicht magst du mir per PN mal schreiben, wo du schon nachgefragt hast, Hanna-Maria? Also wo dein Kind getestet wurde und mit welcher Methode.


    Bei uns werden etliche Kinder vom Jugensamt gefördert, haben da allerdings zu dem einen Jugendamt schon sehr lange guten Kontakt und da klappt das meist problemlos. Hängt leider auch immer vom zuständigen Jugendamt ab :-|


    Spezielles Lernmaterial kann ich dir leider nicht empfehlen, da wir ganz eigenes Material haben, das wir verständlicherweise so auch nicht rausgeben. Ich kann aber sehr gut nachvollziehen, dass du verzweifelt bist, die Förderung eines LRS-Kindes braucht sehr viel Geduld und Hartnäckigkeit. Wünsche euch, dass ihr irgendwie eine Förderung bewilligt bekommt, mir tut es immer sehr leid, wenn Kinder nicht die Chance bekommen! Alles Gute euch :)*

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    Meine Tochter hat auch eine Dyskalkulie.


    Wir mussten damals in die Jugenspsychiatrie. Dort wurde ein psychologischer test durchgeführt, der 1. die Dyskalkulie bestätigte und 2. ein Gutachten zur Eingliederungshilfe gem.§35a SGB VIII (KJHG).


    Darin wird bescheinigt: "aus kinder-und jugendpsychiatrischer Sicht weicht XY seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand ab, so dass ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beinträchtigt ist. Damit hat XY Anspruch auf Eingliederungshilfe gem. § 35a KJHG. Wir empfehlen eine Einzelförderung über 40 Therapiestunden in einem qualifizierten, lerntherapeutischen Institut." Darauf hin gab es vom zuständigen Jugendamt einen Bewilligungsbescheid über "Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche". Wir brauchte für die Therapie nichts zu bezahlen! Es wurden sogar noch zusätzliche Therapiestunden bewilligt

    Das liegt also nicht im Ermessen des Jugendamtes. Das Kind hat einen Rechtsanspruch auf die Eingliederungshilfe, wenn ein Gutachten die drohende "seelische Behinderung" bestätigt.

    Mein Kind nimmt z.Zt. eine psycho-analytische Therapie in Anspruch (aus einem anderen Grund). Könnte die Psychologin ebenfalls das Kind testen und evetuell ein Gutachten erstellen oder muss das ein Schulpsychologe machen?

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    Könnte die Psychologin ebenfalls das Kind testen und evetuell ein Gutachten erstellen oder muss das ein Schulpsychologe machen?

    Wir bekamen 3 mögliche Adressen zur Auswahl. Ich weiß nicht, wo du herkommst ( eventl. gibt es da auch noch Unterschiede in den Bundesländern?) Unsere Tochter ist in der Jugendpsychiatrie im Klinikum Aachen getestet worden.