Hochbegabung. Wann und wo kann man sowas testen?

    Da uns praktisch jeder sagt, unsere 5 1/2 jährige Tochter wäre sehr weit für ihr Alter (schon immer gewesen), bei mir selbst wahrscheinlich eine Hochbegabung nicht erkannt wurde (mit entsprechenden Folgen in meinem Leben jetzt -> das will ich ihr verständlicherweise ersparen), wollte ich gerade mal nachfragen, wie wir als Eltern am Besten reagieren könnten und was der richtige Zeitpunkt ist, da genauer hinzuschauen und ggf. zu reagieren.


    Die ganze Zeit dachte ich, ach laß sie schön erstmal Kindergarten erleben, das hat noch Zeit, doch jetzt gibt es erstens ein paar Probleme im KiGa, zweitens habe ich das Gefühl, sie gerät langsam in einen Konflikt zwischen kleines Kind sein und schon so erwachsen zu denken, drittens kann sie schreiben und lesen ( sie schreibt schon richtige kleine Briefe "was ihr so im Kopf rumgeht" und benutzt dazu Formulierungen, wie ich sie kaum drauf habe) und außerdem sucht sie hauptsächlich die Nähe von Erwachsenen, um sich mit denen zu unterhalten.


    Habe eben mal aufs Geradewohl gegoogelt und auf dieser Seite stehen folgende Punkte

    Ich kann da praktisch alle Punkte bejahen - bis auf "sensibel für zwischenmenschliche Beziehungen", da ist sie zu arg Egomanin ;-) und "Hat es den Sinn dieser Entscheidungen aber eingesehen, folgt es ihnen manchmal mehr als 100-prozentig." da fehlt noch ein "nicht" dahinter ;-D .


    Ich werde mich mal weiter in die Seite einlesen und gleichzeitig frage ich euch, nach guten Anlaufstellen bzw. Seiten.


    Nat. bin ich sehr an Meinungsaustausch, "Betroffenen" und Ratschlägen/Hilfen interessiert *:)

  • 60 Antworten

    ":/ Mhm also mit 5 zu lesen ist nicht sooooo ungewöhnlich. Mein kleiner ist 3 1/, kennt die Buchstaben und Ziffern (ab 20 wird dann "zwei und eins" gelesen, beim zählen nennt er die Zahlen komischer weise richtig ":/ ) und liest dir jedes KFZ Zeichen vor.


    Schreiben kann er Mama, papa, Oma, Opa, Jonas (seinen Namen) und dann noch Wörter die seiner Fantasie entspringen, die er dir dann aber auch so wie sie da stehen widergibt. Reden kann er "wie ein alter" - sagen zumindest viele.


    Ich hab auch mit 5 gelesen und geschrieben weil mich Worte immer magisch anzogen. x:)


    Manche Kinder haben einfach auf manchen Gebieten ihr Steckenpferd.


    Ich war mal begeistert von einem grade 3 Jahre alt gewordenen Kind, dass dir JEDE Dino-Art fehlerfrei erzählen konnte! Bei den Worten hätte selbst ich einen Knoten in der Zunge gehabt :-o und er hat dir auch sagen können ob die Fleisch oder Pflanzen gefressen haben.


    Die Tochter einer bekannten kannte mit 4 jede Automarke und bei den meisten Autos auch noch den Typ dazu ;-D Papa war kfzler, und sie war immer mal mit auf Arbeit weil sie das faszinierend fand.


    Aber ihr kennt euer Kind am besten.


    Wendet euch an einen Psychologen, in Absprache mit dem Kinderarzt, die können verschiedene Tests machen und schauen ob eure kleine Maus tatsächlich hochbegabt ist, oder "nur" einen totalen Faible für Worte hat :-) @:)

    Ich kann übrigens auch fast alles für mein Kind bejahen, bis auf dass er eher spät mit sprechen anfing ( kurz vor seinem 2. Geburtstag), dann aber gleich ganze Sätze und die richtigen Zeitformen, und er fragt nicht nach dem Sinn des lebens ^^


    Mein Kind ist aber ganz normal :-)

    Die Mensa veranstaltet an verschiedenen Orten auch regelmäßig Intelligenztests. Ich glaubr aber, dass es da ein Mindestalter gibt.


    Mal eine andere Frage: Welche Nachteile ergeben sich denn, wenn eine anscheinend so stereotypische Hochbegabung erst später erkannt wird? Sie wird höchstwahrscheinlich in der Schule sehr gut sein, ggf. eine Klasse überspringen, etc. Es wird also auffallen und dann auch undiagnostiziert Schritte eingeleitet werden, oder? ":/

    HB ist keine Krankheit.


    Es ist tatsächlich einzuschreiten, wenn derjenige, oder seine Umgebung, darunter leidet, das macht man, damit es eben keine Krankheiten, z.B. Psychosen oder soziale Phobien gibt, die sich oft aus Mobbing-Situationen oder aus dem fehlenden Verständnis für soziale Interaktionen ergibt.


    Alles auf die HB zu schieben, passt aber auch nicht und es vollkommen normal, dass sich richtig intelligente oder ganz dumme Menschen mit ihren Mitmenschen schwer tun. Bei einer 5jährigen, die sich auch für meine Einschätzung noch ziemlich im Rahmen bewegt,


    würde ich erstmal nichts Richtung Diagnostik unternehmen, sondern ganz elternlike die von Dir im Kindergarten genannten Baustellen abarbeiten.


    Es gibt für nahezu jede Altersstufe den passenden Test. Dieser kostet ungefähr 350.- Euro und wird ohne Indikationsstellung des behandelnden Arztes (FA für Kinder- und Jugendpsychiatrie) nicht von der KK übernommen, aber klar kann man ihn beim niedergelassenen Psychologen als Auftragsarbeit machen lassen. Allerdings ist der Test nur ein quantitatives Instrument, welches u.a. von Tagesform und Tester abhängt (es soll nicht so sein, aber ist leider so), wichtiger fast ist die Einschätzung des Testers.


    Alles in allem seit Ihr aber ziemlich (zu) früh dran,


    besser wäre es, den Schuleintritt abzuwarten und vorher das zu erziehen/zu leiten,


    was halt sein muss. Der testende Psychologe weiß dann auch Elternvereinigungen etc..

    Zitat

    HB ist keine Krankheit.

    So weit mir bekannt ist, wird extreme Hochbegabung sogar als eine Art geistige Behinderung gewertet.

    cirmezz

    Meiner Information nach kann man Kinder in dem Alter deiner Tochter noch nicht abschließend und vollumfänglich auf Hochbegabung testen. Es spricht doch aber nichts dagegen, sie einfach ihren Interessen entsprechend weiter und stärker zu fördern.

    Zitat

    HB ist keine Krankheit.

    Sollte auch nicht so rüberkommen. Wollte nur mal meine Gedanken loswerden und Honeys Beitrag hat mir schon geholfen @:)

    Zitat

    Alles in allem seit Ihr aber ziemlich (zu) früh dran,


    besser wäre es, den Schuleintritt abzuwarten und vorher das zu erziehen/zu leiten,


    was halt sein muss. Der testende Psychologe weiß dann auch Elternvereinigungen etc..

    Danke für die Einschätzung, dachte ich mir schon und warte jetzt erstmal in Ruhe ab.


    Wie gesagt, kein größeres Problem, wollte nur mal andere Stimmen hören ( nein , ich höre sonst keine Stimmen ;-D )

    Zitat

    Mal eine andere Frage: Welche Nachteile ergeben sich denn, wenn eine anscheinend so stereotypische Hochbegabung erst später erkannt wird?

    Ein höheres Risiko für Depressionen.

    Zitat

    So weit mir bekannt ist, wird extreme Hochbegabung sogar als eine Art geistige Behinderung gewertet.

    Das würde mich wundern. Und ich fände es bescheuert.

    Zitat

    So weit mir bekannt ist, wird extreme Hochbegabung sogar als eine Art geistige Behinderung gewertet.

    Nicht als geistige, aber als möglicher Prädiktor für eine soziale Behinderung, was sich aus der Dissonanz mit der Umwelt ergibt.

    Zitat

    Das würde mich wundern. Und ich fände es bescheuert.

    Es ist auch tatsächlich nicht richtig. Ich wüsste auch gar nicht, wer genau das so werten sollte.


    Geistige Behinderung und Hochbegabung werden anhand von Intelligenzquotienten bestimmt. Dabei unterscheidet man eben kurz gesagt zwischen: weit überdurchschnittlich und weit unterdurchschnittlich. Den Durchschnitt hat man bei 100 festgelegt. Oberhalb des Durchschnitts ist das intellektuelle Leistungsvermögen eben wesentlich ausgeprägter als das weiter unten. Geistig behindert ist man in einem IQ Bereich ab 70 und abwärts, hochbegabt ab 130 und aufwärts.

    cirmezz

    Was du von deiner Tochter schreibst, hat auf mich in dem Alter auch alles zugetroffen. Ich bin nicht hochbegabt, aber der IQ wurde irgendwann mal im Bereich "sehr hoch" verortet. Das ist nichts, weswegen man irgendetwas unternehmen müsste. Auch das Testen an sich sehe ich nicht für notwendig an, weil es gar nicht so wahnsinnig viel aussagt.


    Förder sie, lass sie lesen, schreiben, kreativ sein, sich ausleben. Ich glaube mehr muss man nicht machen und wie jemand schon angemerkt hat: schon gar nicht, bevor sie den Weg überhaupt erst in die Schule geschafft hat. @:)

    Zitat
    Zitat

    So weit mir bekannt ist, wird extreme Hochbegabung sogar als eine Art geistige Behinderung gewertet.

    Nicht als geistige, aber als möglicher Prädiktor für eine soziale Behinderung, was sich aus der Dissonanz mit der Umwelt ergibt.

    Dann sollte man ein hochbegabtes Kind vielleicht in eine Umwelt bingen, die nicht so blöd ist, dass das Kind wegen geistiger Unterforderung ausflippt.


    Früher waren dazu die Gymnasien nutze.


    Seit die aber mehr oder weniger zu Gesamtschulen verkommen sind ??in manchen Bundesländern, nicht in allen??, die ihre Aufgabe nicht mehr darin sehen, begabte Kinder zu fördern, sondern darin, auch den letzten lernunwilligen Trottel noch irgendwie durchs Abitur zu kriegen, seitdem kann es natürlich für wirklich hochbegabte Kinder ein Problem geben.

    Mal ehrlich 90% der Eltern die ich kenne sind der Meinung ihr Kind wäre hochbegabt (die anderen 10% glauben an Asperger/ADHS). Fast immer nur aus dem Grund, weil das Kind ja viel weiter ist als andere Kinder.


    Ein normales Kind zu haben ist heute wohl sowas von out.


    Wenn deine Tochter mit 5 1/2 Integralrechnungen beherrscht, sich gut an der Börse auskennt, fließend chinesisch spricht und am Klavier Vivaldi in Perfektion spielt dann ist sie hochbegabt. Aber auch nur dann!

    Hochbegabung geht oft einher mit Defiziten in anderen Bereichen, zum Beispiel im sozialen, weil die emotionale Entwicklung des Kindes nicht Schritt hält mit der intellektuellen und weil das Kind bei gleichaltrigen auf kein Verständnis trifft, was eine Menge Frust und Ärger auslösen kann. Insofern ist HB bestimmt keine Krankheit, aber eine besondere Situation, auf die man reagieren sollte, bevor das Kind an seiner Andersartigkeit verzweifelt, die es ja durchaus merkt.


    Wir haben damals vom Kindergarten den Hinweis bekommen, unser Kind doch mal beim Psychologen vorzustellen, da unser Sohn doch sehr speziell tickt. Die Stadt hat hier eine psychologische Beratungsstelle für Kindergärten, der Mensch war dann mal vor Ort, hat sich unser Kind angesehen und dann hatten wir mehrere Termine bei ihm. Der IQ 139 und die Diagnose nahezu hochbegabt war eigentlich nur ein Abfallprodukt, viel wertvoller waren die ganzen Erklärungen, was im Kopf unseres Kindes so vor sich geht, warum und wie man ihm da helfen kann. Wir waren ein paar Jahre lang immer mal wieder da, unser Sohn in Begleitung. Es hat allen Beteiligten gut getan.


    Ansonsten bringt die Diagnose und der IQ wenig. Gut, in Gesprächen mit einer komplett unwilligen Grundschullehrerin, die den unbequemen Kerl loswerden will und mit dem Hinweis kommt, er sei vermutlich zu blöd und gehört auf eine Förderschule kann man dann mit dem Zettel, wo der IQ drauf steht prima kontern. Letztlich waren wir (mit dann anderen Lehrern) immer wieder in der Lage in Gesprächen viele wertvolle Hinweise zum Umgang mit unserem Sohn zu geben, die wir ohne die psychologische Betreuung nicht hätten geben können.


    Die Diagnose HB nutzt wenig, wenn man denn nicht entsprechende Möglichkeiten hat, das zu fördern. Eine Privatschule für HB war bei uns nicht drin, viel zu weit weg. Das normale Schulsystem ist leider mit dem Thema komplett überfordert, die Grundschule, die ja ALLE Schüler unterrichten muss, kann diese Differenzierung im Unterricht nicht leisten. Da ist es Aufgabe der Eltern, eine Schule / Lehrkräfte zu finden, die das Thema zumindest ernst nimmt.

    @ Kennenlernpreis

    [...] Ein Problem zu leugnen, löst es nicht wirklich.


    Rein statistisch sind 50% aller Menschen unter dem Durchschnitt, 50% darüber, mit Extremen zu beiden Seiten. Was ist in diesem Rahmen denn Deine Definition von "normal"? Gibt es nicht! Es ist nicht out, es ist schlicht fakt, dass die Grundschulen oft nach Schema F arbeiten und eben auf den Durchschnitt ausgerichtet sind, wobei die meisten Schüler diesen Durschschnitt gar nicht treffen.


    Dass die Extreme in der Verteilung, ob nach oben oder nach unten in einer Gesellschaft Probleme haben, liegt nahe. Da muss man gar nicht hochbegabt sein. Deine Wahrnehmung, dass heute jeder meint, sein Kind wäre hochbegabt, kann ich nicht teilen. An unserer Schule gab es im Jahrgang genau 2 von 45. (Beide haben die Schule gewechselt).