• Hochbegabung. Wann und wo kann man sowas testen?

    Da uns praktisch jeder sagt, unsere 5 1/2 jährige Tochter wäre sehr weit für ihr Alter (schon immer gewesen), bei mir selbst wahrscheinlich eine Hochbegabung nicht erkannt wurde (mit entsprechenden Folgen in meinem Leben jetzt -> das will ich ihr verständlicherweise ersparen), wollte ich gerade mal nachfragen, wie wir als Eltern am Besten reagieren…
  • 60 Antworten

    Ralp_HH, ich glaube du hast den Kommentar in den falschen Hals bekommen. Ich glaube Kennenlernpreis ging vom subjektiven Empfinden der Eltern aus und nicht von tatsächlich hochbegabten Kindern. Die es ja wirklich gibt, das hat hier ja keiner in Abrede gestellt.


    Du sagst ja selbst, nur 2 von 45 Kindern in eurem Jahrgang waren tatsächlich hochbegabt.


    Und dass deutsche Schulen für Hochbegabte nicht eingerichtet sind, steht ja nochmal auf einem ganz anderen Blatt.

    Was würde sich für Euch und für das Kind ändern, wenn ihr wissen würdet, ob Euer Kind hochbegabt wäre?


    Spart Euch den Geld für den Test ;-)

    Ich habe einige KInder auf dem Gymnasium und davon sind auch einige - nach Testung wegen Auffälligkeiten - HB.


    Zumindest hier in der Gegend empfinden wir Eltern das G8 als ziemlich schwer, sowohl von den organisatorischen als auch den intellektuellen Anforderungen hinsichtlich Lernfülle, Lerntiefe und Transferleistungen.


    Ich kann das absolut nicht nachvollziehen warum es immer heißt, das (G8)- Abi wäre geschenkt.


    Ich sehe, wie verzweifelt an sich wirklich kluge Kinder sind, weil sie das G8 übefordert und erdrückt - was für einen Sinn macht es, 75 Bücher des alten Testaments von einem auf den anderen Tag zu lernen und bei Nichtkönnen eine 6 zu kassieren, die sich mit den anderen 6ern aus den anderen Blödsinnsaufgaben kumuliert und letztendlich maßgeblich zur Schulwegsentscheidung beiträgt?


    Wieso muss man in einer Woche in der MIttelstufe bis zu 3 Referaten + Gruppenarbeit aufstellen und für die gleiche Woche zwei Schulaufgaben planen? Wieso tun es nicht die Schulbücher, sondern man wird nebenbei noch mit Bergen von Texten erschlagen? Und kann ein Teenager nicht mal Rechtschreibfehler machen, ohne, dass sich das eklatant in den Teilbewertungen zeigt?


    Es ist richtig, das mittlerweile fast 50% pro Bundesland die Hochschulreife bekommen- ABER die Absolventenzahlen der Gymnasien pro Jahrgang sind seit Jahren innerhalb der Standardabweichungen gleich.

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    Das würde mich wundern. Und ich fände es bescheuert.

    Es ist auch tatsächlich nicht richtig. Ich wüsste auch gar nicht, wer genau das so werten sollte.


    Geistige Behinderung und Hochbegabung werden anhand von Intelligenzquotienten bestimmt. Dabei unterscheidet man eben kurz gesagt zwischen: weit überdurchschnittlich und weit unterdurchschnittlich. Den Durchschnitt hat man bei 100 festgelegt. Oberhalb des Durchschnitts ist das intellektuelle Leistungsvermögen eben wesentlich ausgeprägter als das weiter unten. Geistig behindert ist man in einem IQ Bereich ab 70 und abwärts, hochbegabt ab 130 und aufwärts.

    Im Sinne einer extremen Abweichung vom Durchschnitt mit einhergehender Beeinträchtigung anderer Bereiche ist das erstmal einfach nur eine Beschreibung, keine Wertung. Wie eben eine subnormale Verteilung von Befähigung auch. Extreme Hochbegabungen sind ja meist auch nicht flächig, sondern singulär. Aber die Rede war auch nicht von 130 aufwärts, sondern von viel viel höheren Werten.

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    und weil das Kind bei gleichaltrigen auf kein Verständnis trifft, was eine Menge Frust und Ärger auslösen kann

    Genau das sind die erwähnten Probleme, die sie momentan im KiGa hat. Sie ist Außenseiterin, macht hauptsächlich ihren Kram mit den Erwachsenen dort oder alleine, beherrscht das "sollen die Kinder unter sich ausmachen" nicht und rennt bei Problemen dann immer gleich zu Erzieherinnen, was ihre Aussenseiterposition dann noch verstärkt.


    Das weiß ich erst seit ca. 2 Wochen wegen KiGa-Gespräch. Sonst ist alles friedlich und normal, Dorf-Kiga halt.


    Ich will auch noch mal betonen, daß wir nicht zu den Förderwahn-Heli-Eltern gehören, sowas hab ich schon vermutet, daß das einige denken.


    Wie in meinem letzten Post geschrieben, alles gut, wollte nur erste Infos dazu haben, Gedankenaustausch und Ratsschläge.


    Ich konnte aus fast allen Posts von euch was interessantes rausziehen und bedanke mich @:).

    Wenn man die Definition von Behinderung des SGB VI anschaut, könnte man Hochbegabung schon als Behinderung bezeichnen... (wobei man diese Definition sicher auch kritisch hinterfragen sollte).


    Ein IQ von 130 ist übrigens schon eine Standardabweichung vom Normbereich entfernt. Ich glaube der Aufnahmewert der Mensa ist auch 130 (oder 135?). Das wäre dann schon in den 2% der höchsten IQ-Werte in Deutschland.

    130.


    Wobei das wie gesagt nicht so wichtig ist. Kenne kids, die mit 123 voll auffällig sind, genauso wie man sich das vorstellt. Und welche mit 137 oder höher, deren Verhalten vollkommen im Rahmen ist. Sind auch nicht alle auf dem Gym, genauso, wie alle mit "nur" 100 auf Real- oder Mittelschule sind. Vor allem muss man ja auch die Teilleistungsbereiche berücksichtigen.

    @ Ralph_HH

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    Dein Kommentar ist unter aller Sau! Ein Problem zu leugnen, löst es nicht wirklich.

    Das Problem mit der Hochbegabung wird allerdings auch überdramatisiert. Überdurchschnittliche Intelligenz birgt zwar das Risiko von Unterforderung, bedeutet aber auch meistens, dass gleichzeitig eine hohe Adaptionsfähigkeit vorliegt. Solche anderen, entgegengesetzt wirkenden Faktoren werden aber konsequent ausgeblendet. Und es ist noch nicht mal gesagt, dass Unterforderung zwangsläufig zu Minderleistung führt.

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    Rein statistisch sind 50% aller Menschen unter dem Durchschnitt, 50% darüber, mit Extremen zu beiden Seiten. Was ist in diesem Rahmen denn Deine Definition von "normal"? Gibt es nicht! Es ist nicht out, es ist schlicht fakt, dass die Grundschulen oft nach Schema F arbeiten und eben auf den Durchschnitt ausgerichtet sind, wobei die meisten Schüler diesen Durschschnitt gar nicht treffen.

    Ehrlich gesagt hatte ich nicht den Eindruck, dass ein normales Gymnasium mit Zentralabitur einen irgendwie inadäquaten Bildungsweg darstellt. Meinst du ernsthaft, ausgerechnet ein hochintelligenter Schüler weiß dieses Schema F nicht als das Grundwerkzeug einzuordnen, das man früher oder später braucht?


    Mir scheint, da baut sich eine Industrie auf, die beim Ego der Eltern ansetzt und ihnen vorgaukelt, sie könnten ihre Kinder mit dieser oder jener individuellen Förderungsmaßnahme zur absoluten Exzellenz hochzüchten. Ist ja schließlich ein Ausweis dafür, was man alles selbst zustande gebracht hätte, wenn man nur entsprechend gefördert worden wäre.


    Gerade wenn man Kindern das Gefühl gibt, sie wären was Besonderes, bevor sie das tatsächlich unter Beweis gestellt haben, besteht die Gefahr, dass sie sich auf dem Ergebnis eines IQ-Tests ausruhen und im Endeffekt Minder- statt Hochleister werden.

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    Dass die Extreme in der Verteilung, ob nach oben oder nach unten in einer Gesellschaft Probleme haben, liegt nahe. Da muss man gar nicht hochbegabt sein. Deine Wahrnehmung, dass heute jeder meint, sein Kind wäre hochbegabt, kann ich nicht teilen. An unserer Schule gab es im Jahrgang genau 2 von 45. (Beide haben die Schule gewechselt).

    Wurden alle getestet oder nur einzelne Schüler aufgrund entsprechender Indizien? Ein IQ von 130 ist jetzt nicht sooo exklusiv.

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    Sie ist Außenseiterin, macht hauptsächlich ihren Kram mit den Erwachsenen dort oder alleine, beherrscht das "sollen die Kinder unter sich ausmachen" nicht und rennt bei Problemen dann immer gleich zu Erzieherinnen, was ihre Aussenseiterposition dann noch verstärkt.

    Das ist kein HB-Problem, sondern ein Erziehungsproblem. 5jährigen fehlt noch nahezu völlig die Empathiefähigkeit. Aber als Eltern kann man das trainieren, Szenarien durchspielen und auf Schlüsselreize der Umgebung hin aufmerksam machen. Das kluge Kind lernt das evtl. schneller, aber lernen muss es das und das geht nur über Erziehung.

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    Die klassiche Definition von HB ist ein IQ von 140 aufwärts.

    Ich streite mich nicht darum, mir ist es letzlich egal, aber ich hab's für meine Psychologieklausuren im Studium anders gelernt. Ab 130 spricht man von Hochbegabung "nach klassischer Definition". Auch Mensa nimmt Menschen ab einem IQ von 130 aufwärts bei sich auf. Aber mir ist auch die Relativität und die oftmals mangelnde Aussagekraft von Intelligenztests bewusst, weswegen das alles eh schwierig ist.


    Und: ich bestreite nicht, dass durch extreme Hochbegabung Einschränkungen und Defizite entstehen können. Von geistiger Behinderung spricht man hier aber "nach klassischer Definition" auch nicht. Streite ich mich aber auch nicht drum. ]:D


    Frohes Fest an alle! :-D

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    Ich kann das absolut nicht nachvollziehen warum es immer heißt, das (G8)- Abi wäre geschenkt.

    Kann es sein, dass du vom bayrischen Abitur redest?


    Das gibts, soweit ich das beurteilen kann, nicht geschenkt.


    In NRW gibts das Abi dagegen ziemlich geschenkt.

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    Ein IQ von 130 ist übrigens schon eine Standardabweichung vom Normbereich entfernt.

    Ich wollte grade schreiben: "Zwei Standardabweichungen, nicht nur eine." Aber du sagtest ja nicht vom Mittel entfernt. Bezeichnest du mit "Normbereich" den Bereich von Mittel +/- eine Standardabweichung?