• Kind 6 Jahre und jeden Tag Terror um die Grundhygiene

    Unsere Tochter ist 6 1/2 Jahre alt, war schon immer sehr eigen, sehr selbstbewußt, manchmal schwierig....wir haben einen gut strukturierten Tagesablauf, heißt alles möglichst gleich und zu gleichen Zeit, Essen immer gemeinsam, ich bin zu Haus, sie wird jeden abend mit Geschichte ins Bett gebracht usw. also ganz normal... Hygiene war schon immer ein…
  • 391 Antworten

    An den Beiträgen von Schlumpfine und TwisterSister kann man sehr deutlich sehen, welch' unterschiedliche Positionen es doch gibt.

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    Ich frage mich immer und immer wieder, woher die Idee kommt, dass ein Kind von 6 Jahren die Notwendigkeit von Körperhygiene versteht (das vielleicht schon) aber aus diesem Verständnis heraus handelt bzw. sein Fehlverhalten korrigiert.

    Wenn man sich jetzt mal nicht allein auf die Körperhygiene bezieht: aus dem Ansatz der Selbstbestimmtheit. Auch ein Kind hat das Recht am eigenen Körper und auch die Würde eines Kindes ist unantastbar.

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    Auch das Kinder in dem Alter den Schluss ziehen, dass wenn sie sich nicht waschen, sie stinken und wenn sie stinken, sie unangenehm auffallen und das soziale Konsequenzen hat ist schlicht und ergreifend zu viel verlangt.

    Bereits Säuglinge nehmen Reaktionen auf ihr Verhalten wahr und erkennen darüber hinaus, dass sie mit ihrem Verhalten die Umwelt beeinflussen können. Im Alter von 6,7 Jahren sind diese Mechanismen und das Verständnis dafür schon sehr weit entwickelt. Es wird sogar massiv damit rumgespielt.


    Wer kennt nicht die kleinen 4jährigen, die z.B. durch Süß-Sein versuchen, Erwachsene zu manipulieren. Oder Kinder, die sich untereinander versuchen zu manipulieren.

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    Das braucht jeden Tag die konsequente und autoritäre und liebevolle (ja – das geht im Einklang) Anleitung eines Erwachsenen von dem sie wissen, dass es einen gewissen Spielraub, aber kein Auskommen gibt.

    Die Erziehungsansätze der 60er/70er-Jahre haben da ein Umdenken angeregt. Sie hat gewiss auch seltsame Blüten geschlagen, denn natürlich muss man immer überblicken, was das Kind wirklich überblicken kann.


    Ein Beispiel aus einem Lehrbuch:


    Vater ist mit dem 4jährigen Kind beim Bäcker und fordert es auf, auszusuchen, was gekauft werden soll. Das Kind entscheidet sich für die optisch sehr reizvolle Torte. Der Vater ist mit der Entscheidung nicht einverstanden, versucht es dazu zu bewegen, doch lieber das Brot zu wählen. Folge: Frust beim Kind, Quängelei, etc.


    Das Kind wurde überfordert. Es kann noch nicht abschätzen und entscheiden, was die richtige Wahl ist, wenn der Preis, gesundheitliche/ernährungstechnische Kriterien, die Bedürfnisse des Restes der Familie etc. berücksichtigt werden sollen.

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    So ein Kind ist nicht durch Reden und Überzeugen und Hoffen, dass es doch einsieht, was es falsch macht und dann das Verhalten ändert, an das Waschbecken zu bekommen sondern nur durch einen Erwachsenen, der sich von diesem Kind abgrenzt, es JEDEN Tag auffordert, sich zu waschen weil man das nun mal tut und wenn es das nicht tut es ggf. sanktioniert!

    Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass in Schulklassen Regeln eher eingehalten werden, wenn diese mit den Kindern gemeinsam entwickelt und festgehalten werden. Ebenso die Sanktionen. Klar, ein strenger Lehrer mit einem beeindruckenden Strafenkatalog wird seine Klasse wohl auch ruhig halten.


    Gegner des stark autoritären Erziehungsstils sind dies aber nicht aus Weicheierei, sondern weil selbstbestimmte, kritische Menschen herangezogen werden sollen, damit sich Erfahrungen aus der Geschichte nicht wiederholen. Ein Unterdrückerstaat braucht Menschen, die nie gelernt haben, Führung in Frage zu stellen und dessen Widerwillen gegen Autoritäten schon früh ausgemerzt wurde.

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    Ich hätte gefühlte 2 Jahre nicht mehr alleine putzen dürfen Becher in den Schrank und Papa putzt!

    ;-D - Genau! Mit dem Kopf im Schwitzkasten!!!!


    Aber das ist mal 'ne Idee!


    Sag doch einfach: Entweder Du wäscht Dich oder ich tue es! Wenn du es tust, ist es angenehmer! Denn ich werde nicht darauf achten, ob das Wasser kalt oder warm ist. Du hast die Wahl!


    So hab ich das mit dem Zimmer aufräumen gemacht. Meine Tochter (8) hat es nicht so sehr damit ihr Zimmer aufzuräumen. Und ich hatte sie mehrmals gebeten, es zu tun - Jedenfalls so, dass ich es säubern kann. Nichts. Immer war was anderes wichtiger, das Wetter so schön, die Verabredung mit der Freundin.


    Dann habe ich wirklich zu ihr gesagt, dass sie noch bis zum Wochenende bekommt. Wenn das Zimmer dann nicht aufgeräumt ist, dan werde ich es Montag aufräumen wenn sie in der Schule ist. Aber sortiere nichts. Ich werfe alles weg, was nicht an seinem Platz ist.


    Das Zimmer war aufgeräumt.


    Und hätte sie es nicht getan, ich hätte es alles in Müllsäcke geschmissen und entsorgt.


    Wie es meine Schwiegermutter mal mit dem Lego ihres Sohnes - meines Mannes getan hat - vor seinen Augen. Das hat gesessen.

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    Und hätte sie es nicht getan, ich hätte es alles in Müllsäcke geschmissen und entsorgt.


    Wie es meine Schwiegermutter mal mit dem Lego ihres Sohnes – meines Mannes getan hat – vor seinen Augen. Das hat gesessen.

    meine Oma hat es mit der Konsequenz mal übertrieben....weil meine Cousine nicht den hasenkäfig sauber gemacht hat, gab es den Hasen als Mittagessen – und den Kindern wurde es erst NACH dem Essen gesagt.....

    L.vanPelt

    Ich bin da komplett anderer Meinung.


    Für mich ist die antiautoritäre Erziehung eine der größten Sünden an unsere Kinder.


    Den die, die in den 60er/70er Jahre umdachten und jetzt erzeihen, ziehen das heran, womit wir uns jetzt rumschlagen. Eine "Ja aber..." Generation, die für alles eine Ausrede hat um etwas nicht tun zu müssen.


    Ich glaube nicht, dass man ein kind zu einem selbstbestimmten und konföliktfähigen Erwachsenen der den Anforderungen des täglichen Lebens gewachsen ist und dessen Probleme lösen kann, erzieht indem man es schon früh seine eigenen Entscheidungen treffen läßt und über sich und somit auch seine Mitmenschen bestimmen lässt.


    Ich greife überhaupt nicht die Würde des Kindes an. Ich vertrete nur die Meinung, dass Kinder gelenkt werden müssen, sich in der Familienhirarchie an ihren Platz einzuordnen haben und dass Kinder eben KEINE kleinen Erwachsenen sind. Kinder sind Kinder. Versucht mal das Wort Kind zu definieren. Und definiert Erwachsener. Da gibt es einen Unterschied. Und dem muss man leben und vermitteln.

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    meine Oma hat es mit der Konsequenz mal übertrieben....weil meine Cousine nicht den hasenkäfig sauber gemacht hat, gab es den Hasen als Mittagessen – und den Kindern wurde es erst NACH dem Essen gesagt.....

    :-o Das nenne ich mal krass!

    @ bellagia

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    Alternativ hätte sie in Langarmkleidung und langer Hose, mit Hut mitkommen dürfen.

    Das wäre mal wirklich eine sinnige, logische Konsequenz gewesen. Das merk' ich mir, sollte ich mal in die Situation kommen.


    Haut muss geschützt werden, das steht nicht zur Debatte, ergo: eincremen oder lange Kleidung. Womöglich hätte sich das Kind dann nach und nach doch fürs Eincremen entschieden – immer genau den Teil, wo sie doch lieber aufs Kleidungsstück verzichten möchte.


    Plus: der Effekt der langen Kleidung ist direkt spürbar, sowohl als Schutz vor der Sonne, als auch als unangenehm, da zu heiß. Kind kann somit selbst zu der Überzeugung gelangen, wie toll und nützlich Sonnencreme ist.

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    Das hat gesessen.

    Ich glaube, dass man sich bei einem solchen Kind von dem Gedanken verabschieden muss, dass irgendwas "sitzen" soll. Generell ist es schöner, wenn man sich von diesem Gedanken verabschiedet, aber bei einem solchen Kind, das sich einfach nicht schäbig erpressen lässt, geht es nicht mehr um schöner oder nicht schöner, sondern ums Machbare. Ein Mädchen, das im Urlaub fünf Tage stur im Hotelzimmer sitzt, weil es sich nicht eincremen lassen will, wird Strafen nicht als "lehrreich" annehmen, wenn es das eben nicht will. Ich glaube, dass man hier nur mit Konsequenzen arbeiten kann, nicht aber mit Strafen. Und dass man sich von dem Gedanken, ein "gut funktionierendes Kind" zu haben, verabschieden muss. Natürlich kann man auch bei so einem Kind sagen, dass man alles wegwirft, was dann und dann nicht aufgeräumt ist – ich würde es aber aus Gründen der eigenen nervlichen Schonung und um des Familiensegens willen nicht als Strafe betrachten und ankündigen und darauf bauen, dass das Kind ordentlich schockiert ist, sondern als Maßnahme, um das Spielzeug mal ordentlich zu reduzieren und Platz zu schaffen. Also würde ich sagen, du, räum bitte alles auf, was dir wichtig ist, alles andere wird am Montag entsorgt.

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    Wie es meine Schwiegermutter mal mit dem Lego ihres Sohnes – meines Mannes getan hat – vor seinen Augen. Das hat gesessen.

    Wer Lego wegwirft, kommt in die Hölle! Und da gehört er auch hin! :-o

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    Sag doch einfach: Entweder Du wäscht Dich oder ich tue es! Wenn du es tust, ist es angenehmer! Denn ich werde nicht darauf achten, ob das Wasser kalt oder warm ist. Du hast die Wahl!

    Lies' dir mal durch, was die Mutter schon alles versucht hat.


    Selber macht das Kind nichts und eine fast Siebenjährige kann man auch nicht einfach zwingen.

    TwisterSister

    Es wäre schon angemessen, wenn du die Beiträge von Gretchen dann doch mal lesen würdest. Dieser Faden nützt Gretchen doch nicht, wenn sich im Kreis gedreht wird, weil Vorschläge wiederholt werden, die bereits mehrfach angesprochen und von Gretchen kommentiert wurden. Darum soll es hier ja auch gehen: Hilfe für Gretchen und somit der Familie.

    @ L.vanPelt:

    Ich halte viel von logischen und natürlichen Konsequenzen. Leider ist es gar nicht so einfach, die dann immer parat zu haben, wenn man sie gerade braucht.


    Ich stand wirklich schon da und sagte: dann...dann... dann ... äh |-o


    Und überlegte in der Zeit noch kurz, ob ich das auch durchziehen will, was ich im Kopf habe.


    ;-D

    Was mir noch kam -


    kann es sein, liebe TE, dass Deine Tochter es genießt, wenn sich alles um sie dreht?


    Ich meine, wenn sie sich nicht waschen oder nicht eincremen will, dann fahrt ihr ja scheinbar einen enormen Aufwand auf, um dass sie es doch tut. Und je mehr ie sich weigert, desto mehr tut ihr. Natürlich ist das dann keine positive, schöne Zuwendung die sie dann von Euch erfährt, aber es ist Zuwendung. Sie will etwas nicht - ihr "kümmert" Euch.


    Kann es sein, dass sie damit Eure ungeteilte Aufmerksamkeit provoziert? Gibt es Dinge - schöne Dinge - die ihr gemeinsam macht, wo sie Eure Aufmerksamkeit bekommt.


    Vielleicht fällt es ihr schwer Euch mit der kleineren Tochter zu teilen und sie möchte einen gewissen Sonderstatus bzw. Eure alleinige Beachtung und den "erzwingt" sie durch ihr Verhalten?

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    Alternativ hätte sie in Langarmkleidung und langer Hose, mit Hut mitkommen dürfen.

    Das wäre mal wirklich eine sinnige, logische Konsequenz gewesen. Das merk' ich mir, sollte ich mal in die Situation kommen.

    Ich auch. ;-)

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    Wir waren beim Psychologen, der sagt alles ok sie hat halt einen starken Willen, wir sollen sie einfach mal ihr Ding machen lassen, ihre eigenen Erfahrungen...

    OMG was für Psychologen lässt man heute auf Eltern und Kinder los? :|N :-X

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    Wir haben es dann eine Woche einfach mal so laufen lassen....mit dem Erfolg, dass sie die ganze Woche weder geduscht noch Zähne geputzt noch irgendwie gründlich Hände gewaschen hat. Der Dreck hing echt an ihr, an den Armen Dreckstreifen und sie stank, die Unterhose wurde natürlich ach nicht gewechselt. Die Zähne waren gelb ( sie hat ein sehr sehr gutes noch vollständiges Milchgebiss ).

    Ihr macht diesen antiautoritären Dreck auch noch mit? ??? :|N


    Bei den Zuständen die du da schilderst hätte ich als Betreuerin schon das Jugendamt verständigt, weil ich das Kindswohl gefährdet sähe. Mal ehrlich, was ist in diesem Land eigentlich los? Ein 6-jähriges Kind benötigt Fürsorge, Erziehung, Aufsicht und Führung, und keinen "Die wird schon wissen was sie tut"-Laissez-Faire-Schwachsinn von rosarot verblendeteten "Pädagogen"/"Psychologen".

    Zitat

    Was soll ich tun ? Zwangseincremen ? Das schaffen wir kaum zu zweit

    Euer Ernst?? :-|

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    Wie wäre es mal mit lauten, durchsetzenden Worten? Das Kind bekommt keine Grenzen gesetzt, das ist der Grund. Daraus werden dann kleine Terroristen. Da gibt es nur einen Weg: lautstark Grenzen setzen mit Strafandrohung usw...das Kind muß merken, wer der Boss ist.

    :)^ Klingt hart aber so läuft's. Wer glaubt, aus sich selbst überlassenen Kindern, denen man keine Grenzen setzt, entwickeln sich reife, gesellschaftsfähige Menschen, der irrt gewaltig.


    Naja, bei unserer Gesellschaft auch nicht mehr soooo gewaltig....

    :)^ :)= :)=

    Dumal

    Ich habe sie gelesen. Gut, dass mit den 5 Tagen im Hotel hatte ich tatsächlich überlesen. Aber ich habe keine 12 Seiten Antworten gelesen.


    Nur stelle ich die Selbsteinschätzung anderer Leute gern mal in Frage bzw. glaube nicht immer gleich, was Leute über sich selbst sagen bzw. bin da etwas vorsichtig. Berufskrankheit ;-)


    Es gibt viele Eltern, die ihre eigene Konsequenz in den Himmel loben und sich dann doch und vollkommen unbemerkt von ihrem Nachwuchs an der Nase durchs orf führen lassen. Oder die immer sagen "alles schon probiert, das mach ich doch die ganze Zeit" und eigentlich tun sie nichts weil sie die Kraft nicht mehr haben.

    Zitat

    meine Oma hat es mit der Konsequenz mal übertrieben....weil meine Cousine nicht den hasenkäfig sauber gemacht hat, gab es den Hasen als Mittagessen

    Das gleiche Spiel war bei meinem Papa und de Opa, aber wegen nicht füttern. Ich denke, er wusste aber leider, was er da essen musste... :°(


    Ein Kind unters kalte Wasser zu stellen, fällt für mich aber wieder in den Bereich "Mißhandlung". Manchmal ist es eine Gradwanderung... ":/


    Ich sehe nicht, wie es gänzlich ohne "Gewalt" gehen soll. Aber es ist ein Unterschied, ob man einem Kind gewaltsam die Zähne putzt oder es z.B. unter die kalte Dusche stellt, weil es sich nicht waschen will.


    Der Unterschied ist die UNNÖTIGE Quälerei.


    Alle Spielsachen entsorgen kann auch sehr schmerzhaft sein. Was, wenn das Lieblingskuscheltier darunter war? Mein vater hat das bei mir und meinem Bruder mal anders gelöst. ]:D Nachdem wir nicht aufräumen wollten (es war am Abend) nahm er ALLES aus Regalen und Schubladen und türmte es auf einen gigantischen Haufen mitten im Kinderzimmer. "Ihr geht erst ins Bett, wenn alles aufgeräumt ist!" :-o Vergess ich nie! Alternativ kann man auch alles aus dem Fenster in den Vorgarten werfen o.ä..