• Kind 6 Jahre und jeden Tag Terror um die Grundhygiene

    Unsere Tochter ist 6 1/2 Jahre alt, war schon immer sehr eigen, sehr selbstbewußt, manchmal schwierig....wir haben einen gut strukturierten Tagesablauf, heißt alles möglichst gleich und zu gleichen Zeit, Essen immer gemeinsam, ich bin zu Haus, sie wird jeden abend mit Geschichte ins Bett gebracht usw. also ganz normal... Hygiene war schon immer ein…
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    Wer denkt, dass man einen Menschen lieben und respektieren muss, nur weil er Mutter/Vater ist, hat für mich an einer wichtigen Stelle den Absprung verpasst. :|N


    Zum Thema:


    Mal ganz beiläufig... Eine dritte Person könnte da nix mit zu tun haben, oder? Ich musste bei den Sätzen, die sie als Zweijährige rausgehaun hat ("Mehr als schimpfen passiert eh nicht") irgendwie an ein Schwiegermonstertier denken, das die Kleine impft um der Mutti das Leben schwer zu machen...

    Hey, mir kommt es so vor, als müsstest du (Gretchen) einfach mal Dampf ablassen. Vielleicht hast du ja deswegen das Thema eröffnet. Ich denke nicht, dass du ernsthaft glaubst hier die Lösung deines Problems zu finden. Wenn schon professionelle Hilfe in Anspruch genommen wurde, und du dich auf abenteuerliche Experimente eingelassen hast... was kann da ein Internetforum bieten? Vielleicht könnte es helfen, dir einzugestehen, dass du eine Stinkwut auf dieses aufmüpfige Gör hast. Einfach mal den Frust rauslassen und rumzetern (natürlich nicht vor deiner Tochter). Mann kann ihr Verhalten ja analysieren und verstehen aber du bist auch nur ein Mensch. Wenn du dich dann ausgekotzt hast, ziehst du den Vorschlag des Therapeuten/Psychiaters stoisch!!!! durch. Noch ist sie nicht in der Schule und du hast besseres zu tun als dich auf Spielchen einzulassen. Du hast geschrieben, dass sie noch Milchzähne hat- dann besteh auch nicht aufs putzen. Stoisch ihr Verhalten ignorieren und das vor allem innerlich ruhig und gelassen.


    Bei aller Bewunderung für deine Tochter hier im Forum: mit 6 ist man tatsächlich noch keine selbstbestimmte Person, man kann aber schon clever genug für Spielchen sein.

    Gibt ein einfaches Mittel Kinder vergessen schnell auch ihr Dramatisches verhalten. Kinder können zwar gewisse Verhaltensweisen gut einschätzen besitzen aber fast noch keine Selbstreflektion, zwei Wochen sind für Erwachsene nichts für ein Kind ist dies ziemlich lange.


    Man kann Kinder auch mal aufnehmen wenn sie ausrasten und diesen Clip zeigt man ihnen dann, bevor man eine Problematik anspricht. Funktioniert auch ganz gut bei Problemen wenn sich der eine Part weigert zu zuhören, damit kannst du auf eine Situation aufmerksam machen, und Perspektiven und Meinungen aufzeigen. Somit bringt man gegenseitig auch mehr Ruhe und kann nacher eher gelassen über das Reden. man kann auch eine unabhängige person mit ein bringen die Fragen stellt manchmal ist es einfacher vor Fremden als bei den eigenen Familienmitglieder.

    Zitat

    mit 6 ist man tatsächlich noch keine selbstbestimmte Person, man kann aber schon clever genug für Spielchen sein.

    Die Selbstbestimmung ist doch aber nix, was in einem bestimmten Alter dann plötzlich einsetzt, das ist ein Prozess. Entsprechend muss man als Eltern immer schauen, was machbar und sinnvoll ist, wo man als Eltern verfügt und durchsetzt und wo man das Kind entscheiden lässt. Der Drang zu Selbstbestimmung ist schon früh groß, und das komplett auszubremsen ist unfair und auch reichlich dumm mit Hinblick auf die Entwicklung des Kindes.

    Choupette_Finnian

    Zitat

    Mal ganz beiläufig... Eine dritte Person könnte da nix mit zu tun haben, oder? Ich musste bei den Sätzen, die sie als Zweijährige rausgehaun hat ("Mehr als schimpfen passiert eh nicht") irgendwie an ein Schwiegermonstertier denken, das die Kleine impft um der Mutti das Leben schwer zu machen...

    Nun, meine ist nicht so sprachbegabt, aber als sie mir mit 2 1/4 im Zuge einer Auseinandersetzung entgegenschleuderte: "UN JEZ?" meinte sie klar das selbe, nämlich. Schön nun hast du mir das Buch weggenommen, dann trete ich nun eben gegen mein Regal und was machst du jetzt?

    Zitat

    Der Drang zu Selbstbestimmung ist schon früh groß, und das komplett auszubremsen ist unfair und auch reichlich dumm mit Hinblick auf die Entwicklung des Kindes.

    Und führt bei willensstarken Kindern nur zu stellvertreter Kriegen und Theater. Immer wenn meine wieder anfängt irgendwo ein Fass aufzumachen versuche ich mich klar zu positionieren und zu gucken an welcher Stelle sie etwas neues gelernt hat und das zu honorieren in dem sie etwas machen darf oder alleine darf das vorher nicht oder nur mit Assistenz ging. Das klappt mal besser mal schlechter, ist ein ständiges abwägen und beobachten und absprechen, aber nach einer Rangierphase haben wir es meist wieder im Lot.

    Wir bekommen auch öfter mal Sätze um die Ohren gehauen, die wir :-o finden.


    Mittlerweile halten ich unsere direkte Umgebung auch an, aufzupassen über wen sie was sagen.


    Der Kleine ist wie ein Schwamm und saugt alles auf.


    Mir ist ein bissel kodderich wen ich in 3 Wochen vorausdenke. Da besuchen wir ein neues Baby in der Familie und der Kleine hat eine LKGS. Hab Junior schon Bilder gezeigt und erklärt, das es eben ein Aua ist und das es bald wieder weg geht. Aber ich hoffe einfach, dass er nicht irgendeinen zusammenhanglosen - in dem Fall aber doofen - Spruch sagt. Man weiß ja nie.


    Gretchen. Ich drücke dir weiter die daumen, dass du einen Weg findest.


    Hast du denn eine Anregung mitnehmen können? Einige Vorschläge waren ja brauchbar.

    Danae,

    Zitat

    Nun, meine ist nicht so sprachbegabt, aber als sie mir mit 2 1/4 im Zuge einer Auseinandersetzung entgegenschleuderte: "UN JEZ?"

    aber da ist ja eben der gravierende Unterschied der Formulierung. Klar schnaggeln Kinder es (in einem guten Umfeld), dass sie nicht gleich geschlagen werden etc. nur weil die Mutter mal laut wird. Aber die Formulierung "Mehr als schimpfen passiert ja eh nicht" klingt irgendwie nach "Und wenn die Mutti das nächste mal mit dir schimpft, dann sagst du das-und-das." ":/

    Was mir bei Diskussionen dieser Art immer wieder auffällt, ist der ziemlich einseitig "operationale" Focus, der zu mehr als 99% auf das Erreichen einer Verhaltensänderung und kaum zu 1% auf wirkliches, echtes Verstehenwollen ausgerichtet ist. Dabei wäre Letzteres doch vermutlich der Schlüssel zu Ersterem!


    Ein sozial unangepasstes, "problematisches" Verhalten eines Mädchens steht im Mittelpunkt, und es geht darum, wie dem "beizukommen" sei. Dazu, zu Möglichkeiten und Methoden, spannt sich eine bunte und mehr oder weniger filigrane Vielfalt von teils klugen, teils auch ziemlich dumpfbackigen Ideen und Vorschlägen auf – das sind die besagten 99%. Demgegenüber erschöpfen sich Ideen und Gedanken bezüglich der Befindlichkeit des Mädchens und den Motiven und Hintergründen ihres extremen Verhaltens in wenigen dürren Schlagworten: starker Wille, Selbstbestimmung, Machtspielchen, blabla. Nicht dass das falsch sein muss, aber damit bleibt man ja beim Offenkundigen hängen, das ist ja nun wirklich noch keine Erklärung, geschweige denn hat es was mit Verstehen zu tun. Will sagen: es könnte sich lohnen, mehr als nur einen flüchtigen Schlüssellochblick in das Gedanken- und Erlebensuniversum dieses klugen, nachdenklichen und womöglich hochsensiblen Kindes zu riskieren.


    Sie tickt ein wenig anders, und obwohl sie als "sehr sozial" beschrieben wird, scheint ihr Kooperationswille zumindest in den Konfliktpunkten bis zur Unkenntlichkeit durch übermächtige andere Kräfte entstellt. Welche Kräfte sind das? Das macht doch besorgt und neugierig zugleich. Vermutlich muss man ihr in ihre Welt folgen, wenn man das verstehen und sie ändern will. Ohne diesen Einblick, ohne aufmerksam und empathisch ein gutes Stück mitzugehen, werden alle Versuche der gesellschaftskonformen Verhaltensanpassung letztlich doch, sei es auch nett verpackt, irgendwie in der eindimensionalen Welt von Kampf, Macht, Ohnmacht und Manipulation stattfinden. Und falls sie erfolgreich sind, dann sind sie es gewiss nicht ohne Nebenwirkungen und Folgekosten.


    Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst auch immer "ein bisschen anders" war, aber ich finde das Mädchen, neben der im Alltag sicherlich problematischen Seite, vor allem eins: faszinierend. Und irgendwie ziemlich schutzbedürftig und allein. Solche klugen, zugleich aber auch erschreckend abgrenzungspotenten Gedanken schon in jüngsten Jahren, wo doch meist noch die Bindungs-Aspekte der Mutter-Kind-Beziehung vorherrschen (sollten)... Diese unerschrockene, "abgebrühte" Neugier an Dingen, die für die meisten anderen negativ besetzt sind (z.B. Kanüle in Vene). Die kompromisslose Unbeugsamkeit selbst um den Preis erheblicher sozialer Missbilligung und Ausgrenzung. (Übrigens: wer darin NUR Machtspielchen sieht, tut es vielleicht deshalb, weil er selbst zu sehr in solchen Denkkategorien gefangen ist?)


    Wenn ein Kind solche Geschütze auffährt und dabei bereit scheint, fast beliebig hohe Nachteile in Kauf zu nehmen, muss verdammt gewichtige Gründe haben. Gründe, die die Eltern brennend interessieren sollten. Ist sie wirklich so stark? Oder braucht sie das alles als "Festung", weil sie in Wahrheit höchst verletzlich und schutzbedürftig ist? Auch mangelnde Hygiene kann ja ein psychischer Schutzwall sein und ziemlich unmissverständlich sagen: komm mir nicht zu nahe! Das ist nur eine von vielen möglichen Hypothesen, mit denen man versuchen kann, sich der Seele dieses Mädchens anzunähern.


    Zu allen, die der Meinung waren, man müsse sich nur mal in einer ruhigen Minute mit dem Kind hinsetzen und ihm erklären, weshalb Körperhygiene so wichtig ist, möchte ich sagen, dass ich das für eine Beleidigung im doppelten Sinne halte: erstens für die TE, weil es unterstellt, dass das in dem ganzen Spektrum dessen, was sie schon probiert hat, bisher noch nicht vorgekommen ist, und zweitens für das Kind, weil es unterstellt, dass sein extremes Verhalten auf Informationsmangel beruhe, der mit pädagogischen Erklärungen zu beheben sei. Und weil es mit solchen (womöglich wiederholten) Belehrungen indirekt als begriffsstutzig hingestellt würde.


    Leider kann man das Mädchen nicht fragen, warum sie so ist. Also man kann natürlich schon, aber man wird keine substanziell weiterbringende Antwort erhalten. Denn wenn sie es so einfach sagen könnte, hätte sie es ja nicht nötig, so verklausuliert auf ihre innere Not aufmerksam zu machen. Genau das tut sie nämlich meines Erachtens. Oder wie soll man das deuten? Die Signale konsequenter Vernachlässigung / Geringschätzung ihres Körpers haben eine höchst demonstrative Qualität, die derjenigen eines Hungerstreiks kaum nachsteht. Überhaupt ist die Körperbezogenheit sämtlicher Konfliktpunkte auffällig – dem würde ich auf jeden Fall weiter nachgehen.


    Wenn man mit dem Kind redet, kann es auch nicht darum gehen, wie man es von der Notwendigkeit des Zähneputzens überzeugen kann, denn damit würde man das Zähneputzen indirekt als etwas hinstellen, was seiner Zustimmung bedarf. Tut es aber nicht. Es muss einfach sein, egal ob das Kind davon "überzeugt" ist oder nicht. Man kann und sollte darüber reden, wie das Notwendige so angenehm und verträglich wie möglich gestaltet werden kann. Aber Zähneputzen an sich ist nicht diskutier- und verhandelbar, Punkt. Ebensowenig wie unkontrolliert auf die Straße rennen oder nackte Haut ungeschützt der Sonne aussetzen. (Wenn ich übrigens glaubwürdig vertreten will, dass Letzteres auf keinen Fall geht, dann geht es natürlich auch nicht als kalkulierter Warnschuss – es sei denn, ich will mich vor einem ausgesprochen klugen Kind vollends zum Affen machen.)


    Das sind also schon mal drei Dinge, über die man nicht oder allenfalls sehr sparsam reden sollte: a) sie braucht keine (weiteren) Belehrungen über den Sinn von Hygiene, denn sie ist ja nicht doof; b) die Frage, warum sie das ablehnt, ist ebenfalls überflüssig, weil von ihr nicht beantwortbar und wahrscheinlich eher als Vorwurf denn als echtes Interesse ankommend, und c) Überzeugungsversuche sind auch fehl am Platze, wenn es um Überzeugungen von der Sache her gar nicht gehen kann. All das – und sicher noch manches mehr – lässt man besser. Denn wenn man zu viele überflüssige Worte verliert, die das Kind gar nicht braucht, bilden sich Resistenzen. ;-) Dann entwertet man diese wichtigste aller Währungen und darf sich nicht wundern, wenn die eigenen Worte für das Kind irgendwann nur noch "Tinnitus" sind. Lieber weniger reden und in der eingesparten Sendezeit auf Empfang schalten!


    Der "Kampf" im Hotel sollte eine Lehre sein: man hat sich mit einer Abgrenzungsexpertin angelegt, die wahrscheinlich immer die längere Puste hat, weil sie seit frühester Kindheit nichts so sehr trainiert hat wie das. Alle gehen zum Pool und vergnügen sich, sie bleibt allein zurück. Das hat auch etwas erschreckend Sinnbildhaftes. Dass man das letztlich zulässt, ist übrigens auch eine Botschaft an sie, sei es beabsichtigt oder nicht. Aber selbstverständlich durchschaut sie auch, dass das Vergnügen der anderen am Pool teils nur aufgesetzt war, in Wahrheit ist man ob der Unfähigkeit, sie kooperativ zu integrieren, gründlich gefrustet – nur will man ihr das nicht zeigen. Man will ihr ja nicht die Genugtuung geben, alles "regieren" zu können, und das verstehe ich auch inbrünstig. Aber es ist halt kein echtes Aussteigen aus dem Teufelskreis, sondern bleibt eine Double-Bind-Situation, die bei allen Beteiligten mindestens ein diffuses Unbehagen zurück lässt. Oder, wenn man so will: jeder kann sich als Pyrrhus-Sieger fühlen. Das meinte ich oben mit Nebenwirkungen und Folgekosten. Letztlich hat sie nur ihre "Festung" perfektioniert.


    Wie hätte man diese Situation, wenigstens rückblickend, besser gestalten können? Ich habe viele Gedanken, aber keine Rezepte. Vielleicht später mal mehr dazu. Hier möchte ich den Blick auf die triviale Tatsache richten, dass wir hinsichtlich des Verstehens ihres Verhaltens offenbar noch ziemlich am Anfang stehen. Wenn gängige und auch weniger gängige Schritte nicht zum Erfolg führen, muss man sich eingestehen, dass man dazulernen muss. Das Mädchen selbst wird den Weg zeigen, wenn man nur den Kampfanzug auszieht und sich wirklich auf sie einlässt.

    Naja die Mutter kann das nur selbst analysieren wo die Problematik liegt oder eine gute Kindererzieherin Psychologin, wenn die Situation schon zu gefestigt ist.


    Dinge ändern sich nicht dadurch das man 100 verschiedene Dinge aus zu probieren.


    1. Fühlt sich die kleine geliebt und verstanden.


    2. Wurde sie oft verwöhnt vorher, und hat sich das geändert durch Lebensumstände


    3. Ist woanderst gleich oder nur bei Dir. (hinweis auf verfahrene Beziehung zwischen Mutter Kind)


    4. hat das Kind andere Problematiken


    5. Ernährung jeh nachdem hat teilweise die sehr zuckerhaltige ungesunde Ernährung auch Einflüsse auf.


    Was sie mit den verhalten auch provozieren kann ist wirklich aufmerksamkeit, es gibt möglichkeiten sie nach so einem verhalten in die Auszeit zu schicken.


    http://www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/wie-sie-ihrem-kind-mit-der-auszeitmethode-klare-grenzen-setzen.html


    hier ein Beschrieb.


    Im Gegenzug soll die Aufmerksam bei positiven gesteigert werden/ mit Lob etc.

    Choupette Finnian


    das kInd ist hochbegabt und hat sich zwei Fremdsprachen im Kindergarten selbst beigebracht, da wundert mich eine solche Formulierung kein Stück.

    Naja das mit dem Hochbegabt sein da hat Gretchen Recht, sollte man jetzt mal endlich bei Seite lassen. Aber die Frage die bestehen bleibt ist einfach Warum tut die Kleine sich so arg verweigern? Dafür gibt es einen Grund den man wohl nicht richtig verstehen kann weil sie ihn nicht formuliert. Und solche Antworten wie: "Ich finde Zähneputzen doof", oder "Jeder Mensch ist anders", da fragt man sich schon was dahinter steckt. Allerdings kann eine sechsjährige sehr wohl erklären was ihr nicht gefällt. Sie ist keine drei mehr. Und sie kommt bald in die Schule. Und da sie sehr gut versteht warum die Eltern so verzweifelt sind sollte sie auch mal auf die Fragen der Eltern richtig vernünftig antworten. Wenn mir etwas nicht in den Kram gepasst hat dann habe ich es auch meinen Eltern ins Gesicht gesagt allerdings kam das nie gut bei denen an.


    Es ist wichtig das die Eltern sich nochmals mit ihr in aller Ruhe hinsetzten und sie fragen was sie bedrückt und warum sie so sauer ist. Denn es ist wohl eher ein Rumbocken in dem Sinne, ich bin sauer auf etwas oder sogar auf die ganze Welt. Und wenn Gretchen schon erzählt das sie selbst mit dem Zahnputzbecher nach ihnen wirft dann hat sie ein Problem was geklärt werden muss. Solange sie nicht mit ihren Eltern spricht können die sich nur schlecht in ihre Gedanken hineinversetzten. Die sind ja nicht Moses und denen geht auch nicht beim Beten ein Licht auf. Also muss die Kleine auch mal mit der Sprache rausrücken.

    Zitat

    Solange sie nicht mit ihren Eltern spricht können die sich nur schlecht in ihre Gedanken hineinversetzten. Die sind ja nicht Moses und denen geht auch nicht beim Beten ein Licht auf. Also muss die Kleine auch mal mit der Sprache rausrücken.

    Schon Erwachsenen fällt es oft schwer – oder ist ihnen ganz unmöglich –, ihre Beweggründe klar zu benennen. Je weniger alltäglich und je tieferreichend und elementarer, desto schwieriger wird es. Individualist hat es in seinem sehr lesenswerten und klugen Beitrag doch auch schon geschrieben:

    Zitat

    Leider kann man das Mädchen nicht fragen, warum sie so ist. Also man kann natürlich schon, aber man wird keine substanziell weiterbringende Antwort erhalten. Denn wenn sie es so einfach sagen könnte, hätte sie es ja nicht nötig, so verklausuliert auf ihre innere Not aufmerksam zu machen.

    Könnte sie es artikulieren, dann täte sie es. Sie kann es nicht, also sucht sie andere Wege, um sich mitzuteilen. Oder vielmehr, denn das klingt so bewusst: Ihr Problem sucht sich andere Wege, um sich mitzuteilen. So etwas muss man nachspüren, ganz behutsam und am besten gemeinsam, besonders unabdingbar wird das gemeinsame Nachspüren, wenn das Gegenüber ein Kind ist, das so komplexe Innenschau einfach nicht allein leisten kann. Wenn der Fokus darauf liegt, den anderen zu verstehen, nicht, ihn geradezubiegen und zum Funktionieren zu bringen, dann öffnen sich ganz neue Zugänge zueinander.


    Das Mädchen zeigt ganz frühe Tendenzen, sich in der Not gegen sich selbst zu richten. Sie verzichtet auf Vergnügen und hockt allein im Hotelzimmer, sie wäscht sich nicht, vernachlässigt sich also, und nimmt die volle Breitseite der feindseligen, angeekelten, verächtlichen Reaktionen in Kauf. Das ist kein so auffällig selbstverletzendes Verhalten wie etwa das Ritzen, aber es ist ebenfalls ein Verhalten, mit dem die Kleine sich selbst Schaden zufügt. Das tut ein Mensch nicht aus reinem Trotz, sondern aus innerer Bedrängnis heraus. Worin diese innere Bedrängnis besteht und wie man ihr helfen kann: Das herauszufinden wäre meine erste Priorität. Sie ist offenbar ein kluges, liebes, außergewöhnliches Mädchen mit einem Problem, das sie allein nicht lösen kann. Und ich wäre als Elternteil ein Stück weit erleichtert, dass sie zumindest ihre Wortlosigkeit so klar kommuniziert, dass sie also den Konflikt und damit den Kontakt sucht. Manche Kinder werden einfach nur ganz still, wenn sie mit sich selbst nicht gut klarkommen, und das wird leicht übersehen und ist schwierig zu überwinden. Dieses Mädchen aber sagt ganz klar, wenn auch nicht mit Worten: Mir geht es nicht gut. Das ist gar kein so schlechter Anfang.

    Die Frage: "Warum machst du das?" oder "Was ist denn nur mit dir los?" ist alleinstehend übrigens oft eine richtig üble Kommunikationsbremse, vor allem dann, wenn es eigentlich gar keine wirkliche Frage aus Interesse ist und im Verbund mit viel Zeit und Bereitschaft kommt, darüber wirklich zu sprechen und das zu akzeptieren, was der andere sagt, sondern die verklausulierte Aufforderung: "Lass das jetzt sofort sein!" Wenn eine Antwort gefordert wird, womöglich sogar zackig, und zwar eine befriedigende Antwort, die man verstehen und nachvollziehen kann, dann setzt das den anderen, der ja unter Druck steht, noch mehr unter Druck, und dann wird das so unangenehm fragende Gegenüber schnell nicht als Hilfe empfunden, sondern als Teil des Problems. Kennt doch eigentlich fast jeder auch aus eigener Erfahrung?


    Bei der Hotelsache hätte mein ideales Ich, das ganz oft gerade geistesabwesend und deshalb nur in Glanzmomenten verfügbar ist, der Kleinen (die ich ja schon als ausnehmend stur und unbestechlich kenne) gesagt: "Ich hab dich so lieb – ich würde dich so schrecklich gern dabeihaben. Komm, wir setzen uns auf den Balkon und überlegen uns, wie wir das machen." Ich bin allerdings auch grundlegend der Auffassung, dass man sich als Eltern ganz sicher nicht alles gefallen lassen muss, aber durchaus manchmal auszuhalten hat, dass Kinder emotionale Zuckungen haben, die noch nicht so klar gerichtet sind und deshalb mitunter die Eltern als Repräsentanten der Begrenzungen und Schmerzen der Welt treffen. Wer immerzu alles schrecklich persönlich nimmt, ist mit dem Kinderhaben nicht so ungemein gut beraten oder sollte sich den Leberwurstmodus abgewöhnen; man kann ausgezeichnet Grenzen setzen, ohne andauernd beleidigt zu sein. Die Grenze "Ohne Sonnencreme keine Sonne auf der Haut" ist nicht diskutierbar. Was man innerhalb dieser Grenzen aber an kreativen Lösungen und Alternativen finden kann, ist ein weites Feld.