Kind hasst die Schule und ist frustriert und weigert sich bei der Mitarbeit

    Hallo ihr Lieben,


    ich muss zugeben, dass ich mir etwas Sorgen um meinen Sohn mache. Er ist 7 Jahre alt und wurde 2019 eingeschult. Am Anfang schien es so, als würde ihm die Schule Spaß machen. Aber zugegebener Maßen hatte ihm da eher die OGS Spaß gemacht, als die Schule mit den Lerninhalten selbst.


    Vorweg muss ich erwähnen, dass er vor dem Schulstart 3 Jahre in einem Heilpädagogischen Kindergarten war, wo er mühsam das Sprechen lernen musste und sich von den Erzieherin bei den sozialen Interaktionen begleiten lassen musste. Er war auch da schon der Typ Mensch, der ungerne etwas machte, wo er sich nicht sicher war, dass er es kann. Und ähnlich ist es heute auch noch.


    Gerade das Lesen und Schreiben fällt ihm unsagbar schwer anzunehmen und dann auch umzusetzen. Beim Schreiben fängt es eigentlich schon bei den Schwungübungen an. Das war das erste, wo er sich "ausgeklinkt" hat und der Klassenlehrerin ist das bei so vielen Schülern natürlich nicht aufgefallen, bzw konnte sie sich da natürlich nicht gesondert um meinen Sohn kümmern.


    Er besucht schon die Fördergruppe, die durch die OGS angeboten wird. Aber auch da fällt er durch das Raster und durch Corona ist sein Rückstand noch mehr gewachsen. Wir versuchen das privat selbst mit ihm nachzuholen. Aber da tritt der typische Eltern-Kind-Effekt auf. Bei uns kann er über all das frustriert sein und lässt sich nicht zum Lesen üben oder sonstigen Sachen überreden. Wir kommen da einfach nicht an ihn ran.


    Nun haben wir uns an eine Sprachschule gewendet und er soll dort Einzelnachhilfe erhalten, in der Hoffnung, dass durch eine fremde Person das vielleicht besser klappt. Habt ihr vielleicht einen Tipp für mich?

  • 23 Antworten

    Ich würde an deiner Stelle einmal mit der Klassenlehrerin sprechen. Mitschüler können gemein sein, wenn ein Klassenkamerad etwas nicht so schnell kann oder versteht. Das nennt man Hänselei oder Mobbing, dazu sind nicht nur ältere Schüler fähig, sondern schon Kinder in der Grundschule. Wer weiß, was man zu deinem Kind alles gesagt hat! Wenn das so sein sollte, ist es verständlich, daß die Schule ihm keinen Spaß mehr macht, nachher kommt es noch soweit, daß er mit Angst zur Schule geht. Ich würde zunächst einmal das Gespräch mit der Klassenlehrerin suchen, eventuell ist ihr aufgefallen, wie sich die anderen Kinder in Bezug auf deinen Sohn verhalten. Mir ist ein Fall von Mobbing bei einem achtjährigen Mädchen bekannt, sie hat die Sache zu Hause aus Angst nicht erwähnt, weil ihre Mitschüler ihr sagten, wenn du zu Hause etwas sagst, wirst du dein blaues Wunder erleben. Das Kind war total eingeschüchtert und verängstigt. Ein Schulwechsel löste die Problematik. Ich wünsche dir und deinem Kind alles Gute!

    Hey, danke für deine Antwort. Dieses Gespräch gab es schon und das wurde im Zeugnis dann auch bestätigt. Sie sagt, dass er sehr gut in der Schule angesehen sei und bei allen beliebt. Aber wir können das gerne nochmal ansprechen. Danke für den Tipp!

    was hat der heilpädagogische Kiga geraten? Ist er in einer Regelschule vielleicht überfordert? Das frustriert natürlich - und Frust hemmt die Motivation.

    Evtl wäre die Sprachheilschule der bessere Lernort? Die Gruppen sind kleiner und enger betreut.

    Ein Schulstart unter Frust prägt fürs Leben - ich würde da recht schnell mit Hilfe von Fachpersonal eingreifen.

    Laut des Kindergartens gab es eine Empfehlung für die Regelschule. Aber mein Gefühl war, dass die damit natürlich auch eine Statistik erfüllen wollen. Sprache fiel ihm schon immer schwer. Geschichten vorlesen war nichts für ihn und auch so ist er recht "Mundfaul".


    Der Papa ist bei "Fachpersonal" sehr kritisch. Ich selbst studiere Heilpädagogik und versuche gewisse Dinge anzuwenden. Aber dadurch, dass ich die Mutter bin, greift es nicht immer unbedingt bei ihm. Und auch wenn ich das studiere, ist der Papa dem gegenüber nicht offener, wenn ich das anspreche.

    Kurz zum Thema "Sprachheilschule":

    Es stimmt zwar, dass die Klassen kleiner sind. ABER auch in der Sprachheilschule wird normalerweise nach dem Regellehrplan der normalen GS gelehrt, mit für Deutsch angepassten Materialien.

    Jenach Bundesland gibt es an den Sprachheilschulen auch Klassen auf L-Niveau (Lernförderung )> das ist jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.


    Eine Option wäre ggf. noch eine Lernförderschule - dort wird doch sehr langsam und vertiefend am Stoff gearbeitet und sich Zeit gelassen.

    Und auch dort sind sie Klassen nicht größer als 10/12 Schüler.


    Eine weitere Option wäre noch eine Schulbegleitung - da ist die Hürde aber höher ranzukommen. Da muss auch die med. Diagnose entsprechend sein - wobei Sprache da etwas schwieriger ist.

    Gibt es bei euch von der Stadt oder Kreis einen Schulpsychologen?

    Das könnte eine gute Anlaufstelle für euch sein!

    Wie wäre eine Förderschule? In einer Regelgrundschule mit so großen Klassen geht jeder unter, der nicht mitkommt.

    Ich finde es für ein Kind sehr frustrierend wenn es merkt, dass es immer der letzte ist.

    Andrejka schrieb:

    Wie wäre eine Förderschule? In einer Regelgrundschule mit so großen Klassen geht jeder unter, der nicht mitkommt.

    Ich finde es für ein Kind sehr frustrierend wenn es merkt, dass es immer der letzte ist.

    Es ist ja auch eine Frage - ob nicht können bzw. nicht wollen.


    Beim Nicht-Können wäre eine Förderschule eine Option. Also wenn der Junge überfordert ist.


    Stimme zu, dass eine (Schul-)Psychologin eigentlich die erste Ansprechperson ist > um der Ursache auf den Grund zu gehen.

    Und dann zu schauen, wie es weiter gehen kann bzw. muss.

    Durch meinen eigenen Beruf bin ich grundsätzlich für eine Inklusion in der Regelschule. Wenn irgendwann die Schwierigkeiten überwunden sein könnten, könnte er eben auch einen Abschluss machen. Das ist auf einer Förderschule nicht immer der Fall. Und ich glaube, dass es bei ihm auch viel nicht wollen ist. Aber die Idee, dem genauer auf den Grund zu gehen, ist eine gute Idee. Danke dafür.

    Oft ist genau das schon schwierig - herauszufinden, wo hört "nicht wollen" auf und "nicht können" an.


    Vor dem Rätsel stehe und stand ich bei meinem Kind auch und manchmal stellte sich die vermeintliche "Weigerung" als Unter-oder Überforderungsreaktion heraus.

    LeaGetUp schrieb:

    Durch meinen eigenen Beruf bin ich grundsätzlich für eine Inklusion in der Regelschule. Wenn irgendwann die Schwierigkeiten überwunden sein könnten, könnte er eben auch einen Abschluss machen. Das ist auf einer Förderschule nicht immer der Fall. Und ich glaube, dass es bei ihm auch viel nicht wollen ist. Aber die Idee, dem genauer auf den Grund zu gehen, ist eine gute Idee. Danke dafür.

    Ich bin Schulbegleitung und sehe es als großes Manko an, dass man an Förderschulen so oft nicht höhere Abschlüsse machen kann - selbst wenn das Kind lediglich emotionale Probleme hat aber kognitiv fit.


    Mein eigenes Kind ist inklusiv auf einem Gymnasium.


    Schulbegleitung wäre natürlich etwas, das zum Beispiel ganz einfach als "Impulsgeber" arbeiten könnte. Daran erinnern, dass gearbeitet werden muss, auch motivieren (zB ihn im Unterricht darin bestätigen dass es nicht schlimm ist wenn etwas nicht richtig ist, er das ja noch lernt usw. Das sagen zwar auch Eltern, aber mehr Gewicht haben da doch andere)


    Vielleicht auch ein bisschen herausfinden was ihn am Schulalltag so zur Verweigerung führt.


    Mein Sohn macht auch bis heute lieber nichts, bevor er einen Fehler machen könnte.

    Zitat

    Mein Sohn macht auch bis heute lieber nichts, bevor er einen Fehler machen könnte.

    Ich denke, dass auch mein Sohn so ist. Wir werden mal schauen, wie weit die Nachhilfe kommt und ihn da vielleicht auch bestärken kann. Und ich finde inklusive Modelle auch deutlich besser, als am Ende vielleicht keinen Abschluss zu haben. Sonst müssen wir schauen, ob vielleicht ein anderes Schulmodell für ihn besser ist. Mit dem Montessori Konzept kam er im Heilpädagogischen Kindergarten schon in Berührung und ich finde es als Schulmodell auch nicht schlecht. Zudem haben Kinder mit Beeinträchtigungen eben auch eine Art Anrecht auf einen Nachteilsausgleich. Das fände ich auch nicht schlecht, wenn das zum Tragen käme.

    LeaGetUp schrieb:
    Zitat

    Mein Sohn macht auch bis heute lieber nichts, bevor er einen Fehler machen könnte.

    Ich denke, dass auch mein Sohn so ist. Wir werden mal schauen, wie weit die Nachhilfe kommt und ihn da vielleicht auch bestärken kann. Und ich finde inklusive Modelle auch deutlich besser, als am Ende vielleicht keinen Abschluss zu haben. Sonst müssen wir schauen, ob vielleicht ein anderes Schulmodell für ihn besser ist. Mit dem Montessori Konzept kam er im Heilpädagogischen Kindergarten schon in Berührung und ich finde es als Schulmodell auch nicht schlecht. Zudem haben Kinder mit Beeinträchtigungen eben auch eine Art Anrecht auf einen Nachteilsausgleich. Das fände ich auch nicht schlecht, wenn das zum Tragen käme.

    Wir haben das Thema "es ist ok, Fehler zu machen" immer wieder. Das kommt immer wieder, er ist einfach sehr, sehr pedantisch und selbstunsicher und je mehr da mit gedrängt wird desto schwieriger wird es - aber ohne Druck geht es eben auch nicht ganz.


    Gerade das Schreiben ist immer wieder Thema - er kann es gut, ordentlich usw (Schreibschrift übrigens besser, das ist besser als dieses ständige Absetzen müssen bei der Druckschrift) aber es wirkt meistens als müsse er quasi auf die Folterbank.


    Sprache ist bei uns nur insofern Thema, als das er, wenn er unsicher ist sehr schnell und undeutlich spricht - immer aus Angst etwas könne fehlen, nicht richtig sein... Wir denken jetzt an Logopädie.


    Es fällt mir aber auf, dass wirklich alles immer im Zusammenhang steht mit Unsicherheit.