• Klasse springen ?

    Hallo, die Schule möchte das unser Sohn im zweiten Halbjahr von der 5 in die 6 Klasse springt. Wie helfe ich meinem Kind am besten und am schnellsten die Lücken zu füllen ? Vielen Dank!
  • 60 Antworten
    _Lynx_ schrieb:
    Möpi16 schrieb:

    Macht es denn gar keinen Sinn auch mit weniger Hochbegabten zusammen zu sein?

    Ich vermute mal, dass es für Hochbegabte schwierig und nicht entwicklungsgerecht sein dürfte, sich dauernd auf das intelligenzmäßig niederige Niveau bzw. das geistige Tempo nebst Auffassungsgabe anderer einstellen zu sollen. Sie müssen das zwar faktisch im Alltag ständig, aber ich finde wir durchschnittlich Begabte können das wahrlich nicht von Hochbegabten erwarten und es ist sicher auch nicht sinnvoll für Hochbegabte.

    Dann würdest du also sagen: Hochbegabung ist eine Behinderung? ;-)


    Schule ist nicht alles, und auch in den Schule geschieht mehr als nur fachliche Ausbildung. In der Schule lernt man mit anderen zusammen sein, mit ihnen umgehen, Rücksicht nehmen, verschiedene Begabungen schätzen und anerkennen. Neben der Schule bleibt zudem für Hochbegabte viel Zeit, sich in kleine Projekte einzugeben, Kurse (auch für Erwachsene) zu besuchen, usw.


    Ich finde es schade, wenn Schüler in meinem Alter allein auf ihre persönliche Rolle (ich nenne es absichtlich so) als Hochbegabte ausgerichtet werden. Mir ist die Motivation nicht klar. Geht es darum, dem Kind den grossen Vorsprung vor anderen zu schaffen?


    Ich bin froh in einem Land zu leben, in dem das Überspringen von Klassen nicht üblich ist.

    _Lynx_ schrieb:

    Das muss in etwa so sein, als wenn sich ein Porsche ständig mit seiner Geschwindigkeit an die eines Fahrrades anpassen müsste. Dabei ist der Porsche darauf nicht ausgelegt und so wird auch kein Fahrspaß aufkommen. Der Porsche gehört auf die Rennstrecke, zu anderen Sportfahrzeugen.

    Menschen kann man nicht mit Porsches und Fahrrädern vergleichen.

    Und wenn schon: ein Porsche fährt eben doch auf normalen Strassen herum, und man erwartet vom Fahrer, dass er die Sicherheit der Fahrradfahrer nicht dem Fahrspass opfert. :)z

    schade, dass das Überspringen so einen negativen Reflex hier auslöst;

    wir haben unserem Kind und auch allen anderen, die es was anging,

    gesagt, dass manche Kinder halt ne Klasse wiederholen müssen und manche ne Klasse überspringen. "Differenzierung" ist doch sooo ein großes Wort heutzutage, gleich neben "Inklusion" und "Integration" - wieso muss diese Version davon defizitär übersetzt werden? Ist doch bissl sinnbefreit, oder?

    Übrigens zeigen die meisten Studien, dass sich die kids meistens das Jahr iwann später wieder holen - mal so, mal so.

    Möpi16 schrieb:

    Dann würdest du also sagen: Hochbegabung ist eine Behinderung? ;-)

    Nein, aber es kann zu Inkompatibilitäten mit anderen führen, ganz ohne eine Behinderung zu sein.


    Möpi16 schrieb:

    Schule ist nicht alles, und auch in den Schule geschieht mehr als nur fachliche Ausbildung. In der Schule lernt man mit anderen zusammen sein, mit ihnen umgehen, Rücksicht nehmen, verschiedene Begabungen schätzen und anerkennen.

    Genau das lernt man in der Schule nicht. Schon gar nicht, wenn man irgendwie nicht wie die Mehrheit der Mitschüler tickt. Gerade Hochbegabte erfahren in der Schule regelmäßig, dass sie mit ihrem Wesen dort nicht erwünscht sind, und drohen zu verkümmern oder sich zumindest dauerhaft selbst einzuschränken und nicht ihr volles Potential zu entfalten.


    Möpi16 schrieb:

    Mir ist die Motivation nicht klar. Geht es darum, dem Kind den grossen Vorsprung vor anderen zu schaffen?

    Bist du neidisch auf Hochbegabte oder findest du gar, dass Hochbegabte eh schon privilegiert genug sind und bloß nicht gefördert werden sollen "damit der Abstand zu anderen leistungsmäßig nicht zu groß wird"?


    Es wirkt so für mich, als würdest du den Hochbegabten ihr Talent irgendwie nicht so ganz gönnen.


    Jeder Schüler hat Förderung verdient - nur nicht die Hochbegabten. Finde den Fehler.

  • Anzeige

    Es gibt inzwischen viele Studien dazu, dass es gerade hochbegabten Kindern gut tut, nicht unbedingt zu überspringen. Aber, Lynx, ich glaube, mit dem Thema hast du dein ganz eigenes Problem, oder?

    hikleines schrieb:

    Aber, Lynx, ich glaube, mit dem Thema hast du dein ganz eigenes Problem, oder?

    Den persönlichen Bezug hatte ich doch erwähnt in meinem ersten Beitrag, von daher verstehe ich den Sinn deiner Anmerkung nicht. ":/ Und ja, wie gesagt, wäre ich lieber gesprungen, aber nein, ich bin nicht hochbegabt.

    “Dann würdest du also sagen: Hochbegabung ist eine Behinderung?” - Jein. Es erschwert das Leben schon. Angefangen von der Schule, wo mans immer zuerst weiss aber nie drankommt und Stunden damit verbringt, zu warten, bis die anderen es checken, weiter zu Gruppenarbeiten bei denen alle anderen bremsen, bis zu Situationen in der Arbeitswelt wo man längst weiß was funktionieren würde aber man muss auf Teamprozesse und andere warten. Man verbringt sehr viel Zeit damit, zu warten und sich zurückzunehmen. Ich weiß nicht, wo ich sein könnte, wenn das Niveau jeweils an meiner Auffassungsgrenze gelegen hätte statt recht weit drunter.

  • Anzeige

    Ich dachte, es sei inzwischen eher Methode, hochbegabte Schüler punktuell innerhalb ihrer Klasse zu fördern, so wie man eben lernschwächere Kinder ja auch nicht unbedingt sitzen bleiben lässt, sondern innerhalb des Klassengefüges unterstützt. Gerade, weil Hochbegabung nun mal überhaupt nichts darüber aussagt, ob die Kinder emotional und sozial weiter sind als ihre Mitschüler.


    Die Schule hat uns heute schon abgeholt im Thema Englisch aufholen. Nach ihrer Erfahrung ist das kein Problem. Sie haben dort sehr viel Erfahrung im springen.

    Viele Fächer sind ganz neu dazu gekommen in der 6 Klasse. Da hat er nicht viel nachzuholen.

    Danke, für deinen Erfahrungsbericht. Das Distanzlernen kommt ihm eher entgegen, denke schon das er zumindest teilweise Autodidakt ist.

    criecharlie schrieb:

    mein kind war in der neuen klasse auch deutlich glücklicher - für die klasse war es auch superman, die waren todesbeeindruckt und es war gleich gut aufgenommen worden. dass ganze skurrile wurde dann einfach auch dem zugeschrieben, dass es ja gesprungen ist, also sowieso "anders" - und musste vom kind dann nicht mehr versteckt werden.

    war mit die glücklichste zeit in der schule, die zeit nach dem springen bis zum schulwechsel.

    Meiner war nach einer Probestunde in der neuen Klasse deutliche glücklicher als in der alten Klasse. Ich hoffe das bleibt so.

    sportfan schrieb:

    Hallo Moosglöckchen,

    keine Antwort zum Schulischen, aber habt ihr schon mal ans Autismusspektrum gedacht? Habe gerade alle deine Aussagen noch einmal gelesen, weil ich schon beim ersten Lesen mit jedem Satz mehr dachte, dass er im Spektrum sein könnte. Würde auch mit Hochbegabung zusammenpassen.

    Ja, das haben wir nochmal testen lassen. Autismusspektrum wurde jetzt von mehrfach ausgeschlossen. Denke er ist einfach kein Mainstream und auf seine Art sehr speziell.

    marblemadness schrieb:

    Vielleicht ein kleiner Einwurf von meiner Seite:


    Wenn Eure Kinder wirklich hochbegabt sind, würde ich mich als Elternteil schon mal auf eine steinige Vita bei einigen einstellen. Der Pfad zwischen Segen und Fluch kann da mitunter sehr schmal werden.

    Das ist mir schon lange klar. Meiner denkt in Sphären da komme ich bzw. wir nicht mit dafür sind wir einfach zu durchschnittlich intelligent. Ja, manchmal habe ich mir in den letzten Jahren ein einfaches durchschnittliches Kind gewünscht.

    AnnaKarma schrieb:

    “Dann würdest du also sagen: Hochbegabung ist eine Behinderung?” - Jein. Es erschwert das Leben schon. Angefangen von der Schule, wo mans immer zuerst weiss aber nie drankommt und Stunden damit verbringt, zu warten, bis die anderen es checken, weiter zu Gruppenarbeiten bei denen alle anderen bremsen, bis zu Situationen in der Arbeitswelt wo man längst weiß was funktionieren würde aber man muss auf Teamprozesse und andere warten. Man verbringt sehr viel Zeit damit, zu warten und sich zurückzunehmen. Ich weiß nicht, wo ich sein könnte, wenn das Niveau jeweils an meiner Auffassungsgrenze gelegen hätte statt recht weit drunter.

    So empfindet mein Sohn aktuell die Schule.

    hikleines schrieb:

    Ich dachte, es sei inzwischen eher Methode, hochbegabte Schüler punktuell innerhalb ihrer Klasse zu fördern, so wie man eben lernschwächere Kinder ja auch nicht unbedingt sitzen bleiben lässt, sondern innerhalb des Klassengefüges unterstützt. Gerade, weil Hochbegabung nun mal überhaupt nichts darüber aussagt, ob die Kinder emotional und sozial weiter sind als ihre Mitschüler.

    Das mit der punktuellen Förderung hatte man bei meinem probiert. Zudem sind in seiner neuen Klasse sehr viel mehr besondere Kinder da passt er viel besser dazu.

  • Anzeige
    hikleines schrieb:

    Ich dachte, es sei inzwischen eher Methode, hochbegabte Schüler punktuell innerhalb ihrer Klasse zu fördern, so wie man eben lernschwächere Kinder ja auch nicht unbedingt sitzen bleiben lässt, sondern innerhalb des Klassengefüges unterstützt. Gerade, weil Hochbegabung nun mal überhaupt nichts darüber aussagt, ob die Kinder emotional und sozial weiter sind als ihre Mitschüler.

    :)^

    _Lynx_ schrieb:

    Bist du neidisch auf Hochbegabte (...)

    Wie kommst du denn darauf?
    Wenn dem so wäre, müsste ich doch erst recht dafür sein, dass sie mir aus meiner Schulklasse in eine höhere ent-springen...;-D

    Ich hatte in meiner Schulzeit auch das Problem, dass ich mich mit dem Unterrichtsstoff gelangweilt habe. In vielen Fächern habe ich während dem Unterricht bereits die Hausaufgaben erledigt. So musste ich bspw. ab der 5. Klasse nie meine Mathe-Hausaufgaben daheim machen. :D Ich muss dazu sagen, ich hatte großteils Lehrer die das ganze unterstützt haben, mir auch mal schwierigere/kniffligere Aufgaben extra gegeben haben, etc. Die Ausnahme war eine Lehrerin. Die hat mir während dem Unterricht meine Materialien (Buch, Heft, etc.) weggenommen, ich darf nicht vorarbeiten und würde, wenn das nochmal passiert, einen Eintrag ins Klassenbuch bekommen. Man kann sich vielleicht vorstellen, in welchen Fach ich auf einmal deutlich schlechter war, weil ich nicht mehr aufgepasst habe und keinen Spaß mehr an den Aufgaben hatte. Die Note sackte in diesem Fach von einer 1 im Vorjahr auf gerade noch eine 3 in diesem Schuljahr ab. Aber wie gesagt, war das nur eine Situation.


    Generell war es für mich eine gute Lösung, nicht zu springen. Es wurde bei uns in der Schule auch nicht angeboten. So hatte ich sehr viel Zeit für verschiedene Hobbies und war zudem in 4 Projektgruppen am Nachmittag pro Schuljahr (IT, Sport, verschiedene Musikgruppen und Kunst).


    Wenn man unterfordert ist, muss sich eine Lösung finden. Ob das jetzt für einen persönlich springen oder individuelle Förderung in der Klasse (wie bei mir) der Fall ist, muss man für jede Person individuell entscheiden.

    die meisten hier, ohne persönliche erfahrung, scheinen echt zu meinen, dass das "nur" ein problem der langeweile ist. ":/

  • Anzeige

    criecharlie  

    Schein ist nicht Sein. ...

    Hochbegabung (oder auch nur eine gute Auffassungsgabe bzw. ein wacher Geist, der von Gleichaltrigen abweicht), hat mehrere Problemdimensionen.

    Als Hochbegabte sollte ich die 2. Klasse überspringen. Ich bin heilfroh, dass sich meine Eltern damals dagegen entschieden hatten. In meiner Klasse war ich eh schon die Jüngste. Zwar war ich im Lernstoff weit voraus und langweilte mich, in meiner Persönlichkeitsentwicklung war ich aber klar hinterher. Die Langeweile führte bei mir zur totalen Faulheit. Hausaufgaben ignorierte ich standhaft und holte mir deshalb jede Menge Ermahnungen (teilweise auch körperliche Gewalt). Damit war ich irgendwann aber irgendwo in der Mitte, was mir persönlich gefiel. Endlich war ich wie die meisten anderen!

    Moosglöckchen schrieb:
    marblemadness schrieb:

    Vielleicht ein kleiner Einwurf von meiner Seite:


    Wenn Eure Kinder wirklich hochbegabt sind, würde ich mich als Elternteil schon mal auf eine steinige Vita bei einigen einstellen. Der Pfad zwischen Segen und Fluch kann da mitunter sehr schmal werden.

    Das ist mir schon lange klar. Meiner denkt in Sphären da komme ich bzw. wir nicht mit dafür sind wir einfach zu durchschnittlich intelligent. Ja, manchmal habe ich mir in den letzten Jahren ein einfaches durchschnittliches Kind gewünscht.

    Ich schreibe es ja aus Sicht einer Betroffenen. Mir wurde zwar nie angeboten Klassen zu überspringen, aber das war damals in der DDR auch nicht üblich. Allgemein wurde selten auf individuelle Bedürfnisse eingegangen - das Konzept war ja alle gleich zu behandeln. Den Unterricht fand ich oft langweilig und habe mir dann in der Bibliothek immer unzählige Bücher mit nach Hause genommen. Meine Eltern hat das aber nie interessiert. Es wurde immer nur belächelt.

    Zudem durfte ich mir regelmäßig zur Zeugnisausgabe einen Tadel abholen, weil ich im "Benehmen" immer eine "3" hatte. Ich fand es eben langweilig und habe immer andere Sachen gemacht. Für meine guten Zensuren habe ich nie ein Lob bekommen. Und heute, 30 Jahre später, merke ich, was das mit mir gemacht hat. :°(

    Ich bedaure oft, dass ich meine Möglichkeiten nicht ausgeschöpft habe. Mein ganzes Leben leide ich unter einem "Anders-Gefühl". Man sagt Dinge und andere verstehen es nicht. Ganz so, als würde ich fremd sprechen. Später, als dann festgestellt wurde, dass ich hochbegabt bin, fing ich an mir viele Vorwürfe zu machen, was sich bis heute nicht geändert hat. Mein Geld verdiene ich mit stupider, langweiliger Arbeit, die ich besoffen oder krank genauso gut mache, als wäre ich nüchtern. So kann man seine Vita natürlich auch gegen die Wand fahren.

    Ich kann allen Eltern, die ein Kind haben, dass hochbegabt ist, nur raten damit sorgfältig umzugehen. Hochbegabung bedeutet nicht, dass man doppelt so viel in der halben Zeit erledigt, Klassen überspringt oder mit 5 Jahren Mozart spielt. Das ist monetäres Wunschdenken und genau so funktioniert es eben nicht. Jedes Kind hat eine andere Begabung (auch jene ohne Hochbegabung) und wenn man diese fördert, ohne zu überfordern, macht man sehr vieles richtig.

  • Anzeige