• Klasse springen ?

    Hallo, die Schule möchte das unser Sohn im zweiten Halbjahr von der 5 in die 6 Klasse springt. Wie helfe ich meinem Kind am besten und am schnellsten die Lücken zu füllen ? Vielen Dank!
  • 60 Antworten
    marblemadness schrieb:

    Mein ganzes Leben leide ich unter einem "Anders-Gefühl". Man sagt Dinge und andere verstehen es nicht. Ganz so, als würde ich fremd sprechen.

    Willkommen im Club.

    _Lynx_ schrieb:
    marblemadness schrieb:

    Mein ganzes Leben leide ich unter einem "Anders-Gefühl". Man sagt Dinge und andere verstehen es nicht. Ganz so, als würde ich fremd sprechen.

    Willkommen im Club.

    Gibt es da irgendwelche Medikamente für?

    Ich habe den Faden jetzt nur in Auszügen gelesen, aber die emotionale Entwicklung würde ich auch nicht vernachlässigen. Ist es dasselbe Kind, bei dem du dich in zwei anderen Fäden gefragt hast, ob es im Grundschulalter die Klassenfahrt überstehen wird und ob es überhaupt die Gymnasialempfehlung kriegen wird? Falls ja, würde ich insbesondere in Corona-Zeiten eher vom Überspringen abraten. Wenn dein Sohn sich intellektuell unterfordert fühlt, würde ich andere Ausgleiche suchen. Im Moment gibt es auch viele Angebote in der Begabungsförderung, die digital laufen.

    Und: Du selbst hast doch auch immer wieder gesundheitlich zu kämpfen. Ich würde nicht unterschätzen, was das familiär an Kraft kosten kann, wenn das Springen schief geht.

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    Manirca schrieb:

    Ich habe den Faden jetzt nur in Auszügen gelesen, aber die emotionale Entwicklung würde ich auch nicht vernachlässigen. Ist es dasselbe Kind, bei dem du dich in zwei anderen Fäden gefragt hast, ob es im Grundschulalter die Klassenfahrt überstehen wird und ob es überhaupt die Gymnasialempfehlung kriegen wird? Falls ja, würde ich insbesondere in Corona-Zeiten eher vom Überspringen abraten. Wenn dein Sohn sich intellektuell unterfordert fühlt, würde ich andere Ausgleiche suchen. Im Moment gibt es auch viele Angebote in der Begabungsförderung, die digital laufen.

    Und: Du selbst hast doch auch immer wieder gesundheitlich zu kämpfen. Ich würde nicht unterschätzen, was das familiär an Kraft kosten kann, wenn das Springen schief geht.

    Da ich nur ein Kind habe, wird es wohl das sein.

    Aktuell geht er jetzt max. 3 Wochen in die 6 Klasse. Wenn ihm das zuviel wird darf er gerne jederzeit in seine Klasse zurück.


    Was das gesundheitliche betrifft. In zwischen habe ich aufgrund meiner Erkrankungen Pflegegrad 2 bekommen. Das entlastet uns alle.

    Ich finde es auch schwierig, mit der ganzen Planung irgendwie eine Woche vor dem Springen anzufangen. Und dann zu hoffen, dass es bei "Scheitern" über verstärkte Nachhilfe funktionieren wird. Das Kind hat doch keinen Spaß, wenn es jetzt springt und dann ständig Nachhilfe braucht, um an die anderen ranzukommen. Das bedeutet ja nicht, dass der Druck abnimmt - und so würde ich es mir ja für mein Kind wünschen, dass es nach einem Wechsel weniger Druck hat, gleich welcher Art - sondern sogar noch zunimmt. Ganz abgesehen vom Wechseln in Online-Unterrichtszeiten, also ohne neue Sozialkontakte, und der Aufgabe, sich da nachher sozial einzufinden. Das ist ja noch gar nicht erledigt.


    Erscheint mir alles sehr sehr wenig durchdacht. Habt ihr denn schon mal über Alternativen nachgedacht?

    Meine Cousine gilt auch als hochbegabt und hatte eine Schulklasse in der Grundschule übersprungen. Auf dem Gymnasium hatte sie gute Noten geschrieben und später Psychologie studiert. Sie war stets die Jüngste und auch Kleinste in der Klasse. Aber sie konnte durch ihren Intellekt und ihre ausgeprägte emotionale Reife (die mich immer wieder beeindruckt) erfolgreich anknüpfen und hatte keine Probleme in der Schule, weder mit Unterforderung, noch im sozialen Bereich.
    Ich habe erst im Studium erfahren, dass ich "hochbegabt" bin und konnte das überhaupt nicht nachvollziehen, denn in der Schule war ich nicht der Überflieger und auch nicht unterfordert. Mein Psychologiedozent hatte mir lächelnd erklärt, dass ein hoher IQ nicht unbedingt aussagt, dass man überdurchschnittliche schulischen Leistungen erbringt.
    Also ein hoher IQ ist nichts anderes als ein Messwert. Wie man damit umgeht und was man daraus macht ist höchst individuell.:)_ Meiner Cousine hätte man mit einer Schule für Hochbegabte keinen Gefallen getan *:)
    Ich denke ihr trefft die richtige Entscheidung für euer Kind, sodass es glücklich ist auf allen Ebenen :-)

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    AliceHargreaves schrieb:

    Weil hier einige schrieben er könne ja den anderen helfen, ich persönlich sehe es nicht als Aufgabe an von guten S


    AliceHargreaves schrieb:
    AliceHargreaves schrieb:

    Weil hier einige schrieben er könne ja den anderen helfen, ich persönlich sehe es nicht als Aufgabe an von guten S

    ...Schülern?


    Weil du dich auf meinen Beitrag beziehst:

    Es KANN eine Aufgabe von guten Schülern sein, anderen zu helfen. Es kann eine Möglichkeit sein sich in der Schule nicht darum zu langweilen, nur weil man einen Vorsprung hat. Bei uns ist "springen" absolut unüblich. Gute Lehrkräfte können aber differenziert unterrichten.


    Hochbegabte sind allerdings darin nicht in jedem Fall besser als andere. Ich kenne Kolleginnen und Kollegen, die haben in vielen Dingen voll den Durchblick, aber sie sind nicht in der Lage, anderen zu helfen, unter andrem genau darum, weil sie keinen Blick auf die Schwierigkeiten haben.
    Die sind dann so ähnlich wie ein Mathematiklehrer, der nur darum in diesen Beruf kam, weil er immer gute Mathe-Noten hatte. Aber Null Begabung den Stoff zu erklären.

    Möpi16 schrieb:

    Dann würdest du also sagen: Hochbegabung ist eine Behinderung? ;-)

    Ganz ehrlich: In gewisser Weise kann es schon eine Behinderung sein, zumindest, wenn man den Begriff wortwörtlich versteht.


    In meiner Grundschulklasse hatten einst etliche Intelligenztests stattgefunden. Unsere Klasse war zusammengewürfelt aus Kindern aus zwei verschiedenen Kinderheimen und Kindern aus Akademikerfamilien und deshalb für ein Forschungsprojekt interessant.


    Die beiden mit dem höchsten IQ (um 140) in allen Tests waren ein Junge aus dem Heim und ich. Das Heimkind war ein grottenschlechter Schüler und auch deutlich verhaltensauffällig. Ich war mit meinen Leistungen irgendwo in der oberen Mitte und ebenfalls ziemlich seltsam (Asperger-Syndrom).


    Dem Jungen tat es gut, dass er von nun an sehr gezielt gefördert wurde. Nach der Grundschule kam er in ein spezielles Internat, machte dort sein Abi und ist heute emeritierter Professor der Physik.


    Um mich kümmerte sich aber niemand. Ich war stinkend faul, unpünktlich, renitent und hasste die Schule, in der ich von Lehrern und Schülern gemobbt wurde. In meiner Persönlichkeitsentwicklung war ich deutlich hinterher. I.d.R. zeichnete ich im Unterricht, plante Wohnhäuser oder erfand Geheimschriften. Mein Abi schaffte ich trotzdem. Meine Eltern unterstützten mich nie. Sie gratulierten mir nicht mal zum Abi, später auch nicht zum sehr guten Studienabschluss.


    Erst an der Uni lebte ich auf und war dann auch endlich erfolgreich. Fast die ganze Studienzeit über hatte ich feste Stellen an der Uni, arbeitete an Forschungsprojekten mit und schrieb wissenschaftliche Artikel, die dann allerdings den Namen meines Profs als Autor trugen ... War mir damals wurscht. Das naturwissenschaftliche Studium machte mir Spaß, und endlich hatte ich einen passenden Platz für mich gefunden.


    Beruflich besonders erfolgreich war ich nie, was natürlich auch an meiner mangelhaften Team-Fähigkeit (Asperger lässt grüßen) lag. Gut 15 Jahre lang war ich recht erfolgreich selbstständig, bis mir meine Gesundheit einen fetten Strich durch die Rechnung machte. Wissenschaftlich arbeite ich aber bis heute, ebenso schreibe ich wissenschaftliche Artikel und bin im regelmäßigen Kontakt mit einigen Universitäten.


    Aus heutiger Sicht bin ich durchaus der Ansicht, dass Hochbegabung eine Art Behinderung bedeuten kann. Beneidenswert ist sie i.d.R. nicht. Es mag Einzelfälle geben, in denen hochbegabte Kinder die Förderung erhalten, die sie benötigen und die ihnen wirklich gut tut. Vielleicht ist es heute ja auch grundsätzlich anders. Das kann ich aber nicht beurteilen, da meine Schulzeit ca. 50 Jahre zurück liegt.

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    hikleines schrieb:

    Ich finde es auch schwierig, mit der ganzen Planung irgendwie eine Woche vor dem Springen anzufangen. Und dann zu hoffen, dass es bei "Scheitern" über verstärkte Nachhilfe funktionieren wird. Das Kind hat doch keinen Spaß, wenn es jetzt springt und dann ständig Nachhilfe braucht, um an die anderen ranzukommen. Das bedeutet ja nicht, dass der Druck abnimmt - und so würde ich es mir ja für mein Kind wünschen, dass es nach einem Wechsel weniger Druck hat, gleich welcher Art - sondern sogar noch zunimmt. Ganz abgesehen vom Wechseln in Online-Unterrichtszeiten, also ohne neue Sozialkontakte, und der Aufgabe, sich da nachher sozial einzufinden. Das ist ja noch gar nicht erledigt.


    Erscheint mir alles sehr sehr wenig durchdacht. Habt ihr denn schon mal über Alternativen nachgedacht?

    Das mit der Nachhilfe war alleine meine Idee. Die Schule sieht das ganz entspannt.


    Was für Alternativen ?

    Hallo,


    ich wundere mich schon ein bisschen, dass hier ein Schüler mitten im Halbjahr der fünften Klasse springen soll. Zumindest in unserem Bundesland wären das gleich zwei Fremdsprachen, die selbständig gelernt werden müssen, dann kommt in Mathe viel neues, Physik kommt in der sechsten komplett neu dazu und es fehlt ein Jahr Biologie, Geschichte und Geografie, welches komplett im Selbststudium erarbeitet werden müsste. Zudem müsste hier die gesamte Lehrerkonferenz zustimmen und nach so kurzer Zeit an einer neuen Schule mit neuer Klasse würde hier kein Lehrer so eine Entscheidung treffen.
    Aufgrund der gesamten Situation mit Corona ist doch nach vier Monaten Schule kein Kind der fünften Klasse wirklich einzuschätzen.

    Unser Sohn geht auf ein Gymnasium für mathematisch/naturwissenschaftlich begabte Kinder und für uns ist das eine sehr gute Wahl gewesen.

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    marblemadness schrieb:
    _Lynx_ schrieb:
    marblemadness schrieb:

    Mein ganzes Leben leide ich unter einem "Anders-Gefühl". Man sagt Dinge und andere verstehen es nicht. Ganz so, als würde ich fremd sprechen.

    Willkommen im Club.

    Gibt es da irgendwelche Medikamente für?

    Nein, gibt es nicht. Persönlich kann ich aber sagen, dass es bei mir viel besser geworden ist bzgl. dieses Alien-Gefühls - ich habe da aber viele Jahre regelmäßig drüber gegrübelt und ich denke, komplett wird es nie verschwinden.


    Heutzutage finde ich es gar nicht mehr schlimm, anders zu sein. Nur ich finde es doch schade, dass es selten Menschen gibt, mit denen die Passung groß genug für eine echte gute Bekanntschaft bis Freundschaft ist - aber es gibt sie.

    Monsti schrieb:
    Möpi16 schrieb:

    Dann würdest du also sagen: Hochbegabung ist eine Behinderung? ;-)

    Ganz ehrlich: In gewisser Weise kann es schon eine Behinderung sein, zumindest, wenn man den Begriff wortwörtlich versteht.

    Um mich kümmerte sich aber niemand. Ich war stinkend faul, unpünktlich, renitent und hasste die Schule, in der ich von Lehrern und Schülern gemobbt wurde. In meiner Persönlichkeitsentwicklung war ich deutlich hinterher. I.d.R. zeichnete ich im Unterricht, plante Wohnhäuser oder erfand Geheimschriften. Mein Abi schaffte ich trotzdem. Meine Eltern unterstützten mich nie. Sie gratulierten mir nicht mal zum Abi, später auch nicht zum sehr guten Studienabschluss.


    Aus heutiger Sicht bin ich durchaus der Ansicht, dass Hochbegabung eine Art Behinderung bedeuten kann. Beneidenswert ist sie i.d.R. nicht. Es mag Einzelfälle geben, in denen hochbegabte Kinder die Förderung erhalten, die sie benötigen und die ihnen wirklich gut tut. Vielleicht ist es heute ja auch grundsätzlich anders. Das kann ich aber nicht beurteilen, da meine Schulzeit ca. 50 Jahre zurück liegt.


    Ich sehe da zwischen uns sehr, sehr viele Parallelen.

    In der Schule war ich auch nie eine herausragende Schülerin. Vieles hat mich einfach nicht interessiert. In den Naturwissenschaften schnitt ich immer sehr gut, aber die kamen mir persönlich zu kurz. Damals schrieb ich auch schon erste Erzählungen - das Fach "Deutsch" hat mir trotzdem überhaupt nicht gefallen. Viele Dinge, z.B. über Astronomie oder Physik, habe ich mir dann zu Hause durchgelesen.


    Und wie Du schon sagtest: Eine richtige Förderung gab es bei uns nicht. Ich habe dann an den Mathe-Olympiaden teilgenommen und durfte als erste damals an den Computern arbeiten. Meinen Eltern war das alles ziemlich egal. Ich war ein stilles, unauffälliges Kind, dass kein Ärger machte. Im Gegensatz zu meiner Schwester. Die wurde und wird bis heute bevurzugt. Immer das Gefühl zu haben das fünfte Rad am Wagen zu sein ist nicht schön.


    Komischerweise hat mich das früher nie bedrückt oder geärgert. Ich habe dann auch schnurstraks mein Diplom mit Note "Sehr gut" gemacht und fing an zu arbeiten. Die Schatten dieser verkorksten Kindheit fielen mir aber irgendwann auf die Schuhe. Sicherlich trägt dazu meine unzufriedene, berufliche Situation in großem Maße bei.

    Ich war immer ein Idealist und wollte "die Welt ein bisschen besser machen". Irgendwann merkte ich allerdings, dass man da gegen Windmühlen kämpft. Die Devise ist "nach unten treten, nach oben buckeln".

    marblemadness schrieb:

    Die Schatten dieser verkorksten Kindheit fielen mir aber irgendwann auf die Schuhe.

    Das war bei mir auch so, und zwar um das 40. Lebensjahr herum. Diese Zeit war sehr schmerzhaft. Die Krise hatte aber auch ihr Gutes: In der Folge änderte ich vieles in meinem Leben.


    Auch ich war bzw. bin Idealistin, doch mit dieser Einstellung bleibt man oft genug auf der Strecke. Dies gilt jedoch bei weitem nicht nur für Hochbegabte ...


    Seit über 20 Jahren bin ich ganz bewusst nur noch ehrenamtlich tätig. Damit konnte ich so etwas wie Konkurrenzdenken, Arschkriecherei, Neid und Intrigen weitgehend umschiffen. Ich mache mein Ding, und kümmere mich nicht darum, was andere denken.

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