Mein Kind das Zirkuspferd - der heutige Förderwahn und "mein Kind ist genial"-Wahn

    Hallo!


    Ich muss das einfach mal loswerden und würde gerne wissen, ob nur ich das so sehe oder ob diese „Förderung“ angemessen ist:


    Meine eine Tochter ist fast 2 und ich habe noch einige Bekannte aus der Krabbelgruppe, deren Kinder im gleichen Alter wie meine Tochter sind. Ich nenne hier mal nur eine von diesen Bekannten, aber im Grunde trifft das auf fast alle von ihnen zu. Also, diese Bekannte hat eine 2jährige Tochter (ist letzte Woche erst 2 geworden) und ist m. E. richtig extrem in ihrem Förderwahn. Bei jedem Treffen werden Sachen erzählt, die ihr Kind angeblich kann, was meiner Meinung nach eigentlich kaum sein kann. Z.B. kann ihr Kind angeblich schon das halbe ABC (Buchstaben erkennen und benennen), 10 Farben erkennen/zuordnen, 3-Wort-Sätze, Verkehrsregeln – und das sind nur ein paar der Dinge. Sie versucht es auch immer mal wieder uns vorzuführen, aber bisher hat ihr Kind da nie mitgemacht oder hat z.B. auf ihre Aufforderung „Sarah, zeig mir mal den gelben Baustein“ den roten genommen, dann den blauen, dann den rosanen und irgendwann dann den gelben Baustein. Sprich: gesehen habe ich diese Fähigkeiten bisher nicht. Okay, 3-Wort-Sätze können einige Kinder in diesem Alter bestimmt und das betreffende Kind plappert auch viel, aber halt immer einzelne Worte und oftmals die Gleichen. Obwohl ich die beiden sogar am häufigsten treffe, habe ich noch nicht mal ein „Mama Auto“ oder so von dem Kind gehört. Wenn ich die beiden treffe, dann kommt auch permanent ein „Sarah, sag doch mal xyz“ – das Kind soll ständig etwas vorführen oder vorsagen. Wie ein Zirkuspferd!


    Wenn sie sieht, dass meine Kleine z.B. auf dem Spielplatz gut klettern kann, dann MUSS ihre Tochter das sofort auch können, obwohl diese gerade gar nicht klettern sondern lieber im Sand buddeln möchte, generell kein großes Interesse daran hat oder es auch noch gar nicht kann.


    Bitte nicht falsch verstehen: ich mag die Mütter aus der Krabbelgruppe und ihre Kinder schon, aber mir ist dieser „Förderwahn“ und dieses "Zirkusverhalten" halt aufgefallen und ich finde das ziemlich übertrieben. Warum z.B. muss ein gerade 2 gewordenes Kind schon das ABC lernen? Vorallem habe ich den Eindruck, dass gerne ein Wettbewerb daraus gemacht wird: welches Kind das das Tollste und Intelligenteste!?! Insgeheim denke ich mir aber trotzdem manchmal „fördere ICH mein Kind denn genug?“, denn meine Kleine ist zwar motorisch gut dabei, aber spricht z.B. fast nichts. Klar, ich lese ihr vor, singe viel, aber ich bringe ihr jetzt nicht gezielt die Farben oder das ABC bei oder sowas. Natürlich sage ich mal „das ist der rote Baustein“ oder so, aber halt nicht in Verbindung mit richtigen Übungen zum Farben lernen.Irgendwie glaube ich, dass sie dafür noch zu klein ist bzw. noch kein Interesse daran hat.


    Mal ganz ehrlich: findet ihr diese o.g. Förderung nicht auch übertrieben? Habt ihr euren Kindern in dem Altern versucht gezielt sowas oder andere Dinge beizubringen? Wenn ja, welche?

  • 79 Antworten

    Das sieht man oft, Mütter die mit ihren Kindern angeben oder prahlen was es alles kann und wie toll es sei. Großeltern können das aber auch ganz gut.


    Hier mal ein Link dazu und warum solche Mütter so reagieren:

    https://www.herder.de/kizz/kin…ind-kann-das-alles-schon/


    Zitat

    Mütter suchen über den Nachwuchs Anerkennung


    Wer neigt besonders zum Angeben? "Nach meinen Erfahrungen sind es primär die Frauen, die sich anders als durch das Kind nicht verwirklichen können, aber in sich einen starken Druck nach Anerkennung verspüren", sagt Kirchner. Wer also seine Lebenswelt auch für Berufstätigkeit, Hobbys, Kunst, oder Freunde öffnet, ist weniger anfällig fürs Angeben. Hinzu kommt in den Augen der Psychologin, dass Mütter in ihrem (unbezahlten) Job als Hausfrau und Mutter selbst zu wenig Lob, Anerkennung und Bestätigung bekommen und sich diese deshalb über ihre Kinder holen müssen.

    Das ist dann die Folge daraus.

    Zitat

    Wenn Mütter in übersteigerter Form mit ihren Sprösslingen prahlen, werden gleichzeitig die anderen Kinder und Eltern abgewertet.

    Danke dir für die schnelle Antwort.


    Ja, ich habe schon den Eindruck, dass es zumindest die eine Mutter sehr, sehr freut, dass ihr Kind schon sehr viel mehr spricht wie meins und sie ihre Tochter gerne als "hochbegabt" sehen möchte. Dabei heißt das Sprechen alleine ja eigentlich nicht viel - meine Kleine hat zwar bereits einen großen passiven Wortschatz und versteht alles, legt aber wohl mehr Wert auf das Lernen der motorischen Fähigkeiten und Musik, denn sie schleppt ständig CDs an, tanzt und klettert viel und neuerdings findet sie Gefallen daran kurzzeitig auf einem Bein zu balancieren. Das Sprechen macht zwar Fortschritte und es kommt immer mal wieder ein Wort dazu, aber halt seeeeehr langsam. Ich mache ihr da aber auch keinen Stress, denn es geht ja voran und wenn ihre Interessen eher beim Rumturnen und Tanzen sind, dann ist das ja auch in Ordnung und als Mutter kann man ja eh nicht viel machen was die Interessen der Kinder angeht ;-)


    Wenn ein Kind in dem Alter Interesse an Buchstaben usw. hat, dann ist das ja auch in Ordnung es zu fördern und zu unterstützen. Man will ja auch, dass sein Kind seine Fähigkeiten optimal entwickeln kann :-) Aber um es einem Kind "gezielt" beizubringen, da empfinde ich es einfach als noch zu früh und m. E. hat das dann auch nichts mit "Förderung der Intelligenz" oder Hochbegabung zu tun.

    Das Vergleichen wird mit zunehmendem Alter besser, dann können einfach alle Kinder alles und den Eltern wird's bis auf Ausreißer vielleicht albern, sich darüber zu profilieren.


    Meine Kinder haben sich total unterschiedlich entwickelt.

    Nr. 1 hat total froh ganz viel allein gespielt, macht sie heute noch.

    Nr. 2 hat wahnsinnig früh sehr viel gesprochen.

    Nr. 3 war motorisch ein Frühstarter. Spricht aber mit 2.5 noch kaum.


    Das kommt schon noch alles.

    musteblume schrieb:

    Das Vergleichen wird mit zunehmendem Alter besser, dann können einfach alle Kinder alles und den Eltern wird's bis auf Ausreißer vielleicht albern, sich darüber zu profilieren.

    Nö, nur die Kinder gleichen sich in ihren Fähigkeiten an, die Eltern bleiben aber leider gleich blöde und auf ihrem Trip. Wenn solche Eltern(teile) mehr Bewusstsein dafür hätten, was das mit ihren Kindern macht, würden sie die Finger davon lassen. Dieser Optimierungs- und Profilierungswahn ist die Garantie für erfolgreich gestörte Kinder und Jugendliche. Außer sie besitzen so etwas wie eine gesunde Resilienz ihren Eltern gegenüber. Das spricht dann eigentlich für mehr Kitas und Kindergärten. Die Einschulung kommt da leider zu spät, bis zum 6. Lebensjahr sind die großen Weichen bereits gestellt.

    An einem Beispiel in meinem Bekanntenkreis fällt mir auf, dass Eltern sogar in der Lage sind, Autismus bei ihren Kindern zu "fördern". Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen.

    ich find den förderwahn im. Schulalter viel schlimmer. Das Kind hat nur 3en- also muss es Dienstag und Donnerstag zur Nachhilfe- jede Woche, auch in den Ferien- montags dann Tennis und mittwochs fussbal(man kann ja nicht wissen worin das Kind mal profi wird.) Freitags ist dann noch Zeit für Geige weil des machen die intelligenten Familien so.


    Ich werde es so halten wie meine Mutter-wir mussten nichts nach der Schule machen, hätten aber gedurft. Mittags war Zeit zum spielen und den Sommer haben wir im Freibad verbracht. Wochenenden waren frei und Ferien auch. Wir hatten eine schöne, stressfreie Kindheit und es ist trotzdem was aus uns geworden

    Caro2225 schrieb:

    Vorallemhabe ich den Eindruck, dass gerne ein Wettbewerb daraus gemacht wird: welchesKind das das Tollste und Intelligenteste!?!

    Mein Sohn ist nun 1 1/2 Jahre alt und wir sind noch in 2 Baby-Treffs aktiv dabei. Dieses Phänomen, dass einige Mütter mit ihren Kindern regelrecht "angeben" kenne ich glücklicherweise nur von Einzelfällen, zu denen der Kontakt mit der Zeit zufällig eingeschlafen ist ;-) Mein Eindruck von diesen Müttern deckt sich mit Hyperions Beitrag. In der Regel konnten diese Mütter "vermeintlich" sonst nichts vorweisen und hatten nichts anderes womit sie sich profilieren können.


    Die Mütter mit denen ich jetzt noch in den Gruppen und im Freundeskreis Kontakt habe sind nicht so. Natürlich berichten wir uns gegenseitig von den Fortschritten der Kleinen, aber es ist kein "Schaut her, wieviel weiter mein Kind ist als euers.", sondern ein neutraler Austausch und es gibt immer ehrliche Anerkennung von den anderen. Das find ich sehr schön. Zudem werden auch nicht nur die eigenen Kinder gelobt, sondern eben auch die anderen, wenn einem was auffällt ("Erik, du kannst ja mittlerweile richtig toll laufen!"). Und es sind eben tatsächlich Mütter, die auch neben dem Kind, teilweise auch neben den Kindern noch ein Leben und eigene Interessen haben, sodass man sich auch mal über Hobbys, Reisen, den Job austauschen kann und es sich nicht immer nur um die Kinder dreht.


    Caro2225 schrieb:

    Insgeheim denke ich mir abertrotzdem manchmal „fördere ICH mein Kind denn genug?“, denn meine Kleine istzwar motorisch gut dabei, aber spricht z.B. fast nichts.

    Diese Gedanken sind wahrscheinlich normal, wenn das eigene Kind nicht alles immer als erste kann. Mein Sohn hat erst mit 10/11 Monaten das Krabbeln gelernt. Gelaufen ist er erst mit 15 Monaten. Vom Sprechen sind wir auch noch weit entfernt, 5-6 Wörter/Silben kann er bewusst für Dinge verwenden. Andere Kinder aus den Gruppen und im Freundeskreis plapperten in dem Alter schon viel mehr Wörter. Aber jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Und als Mama eines "gemütlichen" Kindes wird man mit der Zeit auch gelassener.


    Caro2225 schrieb:

    Mal ganz ehrlich: findet ihr diese o.g. Förderung nicht auchübertrieben? Habt ihr euren Kindern in dem Altern versucht gezielt sowas oderandere Dinge beizubringen? Wenn ja, welche?

    Ich versuche meinem Sohn schon Dinge bewusst beizubringen. Eins der ersten Dinge war, dass er vom Bett gefälligst mit den Beinen und Po voran runterkrabbelt und sich nicht todesmutig mit dem Kopf voran runterstürzt. Das nächste war dann der heiße Herd und dass er, wenn wir vor die Tür gehen, auf uns wartet, bevor er die Treppe anfängt runterzustürmen.

    Aktuell versuche ich ihm beizubringen, dass er nicht auf die Straße laufen darf. Aber sobald er Autos sieht, knallt eine Sicherung durch und er ist in seiner eigenen Welt X-\

    Solche Dinge sind mir wichtig, weil sie für seine körperliche Unversehrtheit wichtig sind. Zählen und das Alphabet lernen die Kleinen später meiner Meinung nach von selbst spielerisch durch Bücher und Lieder oder wenn sie im Haushalt helfen (Tisch decken für X Personen, etc.). Da würde ich wohl nicht auf die Idee kommen meinem Sohn irgendwas vorzubeten, was er wiederholen muss.

    Wenn ich später merke, dass er besondere Interessen hat, wie beispielsweise, dass er tatsächlich von sich aus gerne seinen Namen schreiben lernen möchte oder ihm einfache Mathematik anfängt Spaß zu machen, würde ich das natürlich (spielerisch) fördern und ihn nicht auf die Schule vertrösten. Ansonsten darf er erstmal Kind sein und muss nichts nach einem von mir ausgeklügelten Lehrplan lernen ;-)

    bambi91 schrieb:

    ich find den förderwahn im. Schulalter viel schlimmer. Das Kind hat nur 3en- also muss es Dienstag und Donnerstag zur Nachhilfe- jede Woche, auch in den Ferien- montags dann Tennis und mittwochs fussbal(man kann ja nicht wissen worin das Kind mal profi wird.) Freitags ist dann noch Zeit für Geige weil des machen die intelligenten Familien so.

    Das fängt auch schon früher an. Ich kenne eine 2-fache Mutter von Kindergartenkindern, die vor Corona jeden Werktag nachmittags eine Aktivität mit den Kids hatte (Ballett, Reiten, Musikgarten, Kinderturnen 2 x) :-o



    bambi91 schrieb:

    Ich werde es so halten wie meine Mutter-wir mussten nichts nach der Schule machen, hätten aber gedurft. Mittags war Zeit zum spielen und den Sommer haben wir im Freibad verbracht. Wochenenden waren frei und Ferien auch. Wir hatten eine schöne, stressfreie Kindheit und es ist trotzdem was aus uns geworden

    Das ist eine gute Einstellung. Ich wurde als Schulkind immer dazu gedrängt, unbedingt was zu machen (Vereinssport, Musikschule, etc.). Teilweise ging mir das ziemlich auf den Keks, da bei mir dadurch die Botschaft ankam "Kind, mit dir ist was nicht in Ordnung, du interessierst dich für nichts". Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass meine Eltern damit ihre eigene Interessenlosigkeit verarbeiten wollten. Meine Eltern hatten während meiner Kindheit keine Hobbys oder besondere Interessen, da konnte ich mir als Kind also auch nichts abgucken. Ich hoffe, dass wir unserem Sohn ein besseres Vorbild sind.

    Bei uns im Umfeld ist es sehr unterschiedlich. Wobei mir dabei aufgefallen ist, dass diese “Poser-Mütter” auch vorher mitunter ihre Eigenarten diesbezüglich hatten. Es wurde nur ausgeprägter.


    Unser Kind musste nach der Geburt das erste Jahr zur Physio, aber nicht, um andere zu überholen, sondern um die Basics beizubringen. Es also ein fördern, aber in meinen Augen ein notwendiges Fördern. Darunter fallen bei mir auch Dinge, die Platypus geschrieben hat, ich nenne es “Überlebenstraining”, wie eben mit dem Popo zuerst das Sofa runter und nicht mit einem Köpper.


    Wir sind und waren nie in einer Krabbelgruppe oder Babyschwimmen. Lag aber vielleicht auch daran, dass wir zum einen eh aufgrund der Therapien genug zu tun hatten und zum anderen nicht wirklich eine große Schnittmenge mit den “Reifgeborenen” hatten. Im Alltag fördern wir ihn eher nebenbei, schauen uns Bücher an, unser Sohn interessiert sich immer mehr für Buchstaben und Zahlen. Daher bleiben wir eben an Hausnummern oder Straßenschildern stehen. Jedoch nicht mit dem Ziel, das Alphabet in diesem Jahr zu lernen, sondern weil es für ihn ein Spiel ist. Sehe ich jedoch entspannt.

    Evoluzzer, wie kann man denn Autismus fördern?? Ich erleb es andersrum. Viel Förderung, wenig greift bei autistischen Kindern. Allerdings hat meine auch ADHS plus Autismus und das ist oft kontraproduktiv zueinander.

    Aber das autistische Verhalten gefördert wird, mag ich kaum glauben.

    Irgendwie habe ich das mit dem Zitieren hier noch nicht ganz raus - sorry, wenn ich dann mal einen Fehler mache *g*

    Hatschepsut_ schrieb:

    Bei uns im Umfeld ist es sehr unterschiedlich. Wobei mir dabei aufgefallen ist, dass diese “Poser-Mütter” auch vorher mitunter ihre Eigenarten diesbezüglich hatten. Es wurde nur ausgeprägter.


    Unser Kind musste nach der Geburt das erste Jahr zur Physio, aber nicht, um andere zu überholen, sondern um die Basics beizubringen. Es also ein fördern, aber in meinen Augen ein notwendiges Fördern. Darunter fallen bei mir auch Dinge, die Platypus geschrieben hat, ich nenne es “Überlebenstraining”, wie eben mit dem Popo zuerst das Sofa runter und nicht mit einem Köpper.


    Wir sind und waren nie in einer Krabbelgruppe oder Babyschwimmen. Lag aber vielleicht auch daran, dass wir zum einen eh aufgrund der Therapien genug zu tun hatten und zum anderen nicht wirklich eine große Schnittmenge mit den “Reifgeborenen” hatten. Im Alltag fördern wir ihn eher nebenbei, schauen uns Bücher an, unser Sohn interessiert sich immer mehr für Buchstaben und Zahlen. Daher bleiben wir eben an Hausnummern oder Straßenschildern stehen. Jedoch nicht mit dem Ziel, das Alphabet in diesem Jahr zu lernen, sondern weil es für ihn ein Spiel ist. Sehe ich jedoch entspannt.


    @ Hatschepsut:

    Ja, das sehe ich auch als notwendiges Fördern. Auch dass man dem Kind z.B. beibringt sich nicht mit dem Kopf voran vom Sofa zu stürzen oder nicht an den heißen Herd zu gehen. Was ich mit Förderwahn meinte ist eher, dass man einem 2 jährigen Kind irgendwas beibringt, wofür es (noch) keine Interesse hat - eben wie z.B. Buchstaben oder Zahlen lernen, auf dem Spielplatz die Klettergerüste hochklettern. Wenn das Kind wirklich Interesse zeigt - ok, dann würde ich meine Kleine auch nicht davon abhalten und ihr das versuchen spielerisch zu erklären und beizubringen. Aber wenn sie kein Interesse zeigt, dann sehe ich dafür noch keine Veranlassung. Das stresst doch nur das Kind und vorallem auch den Elternteil, weil das Kind halt wahrscheinlich nicht wirklich mitmachen möchte ;-)

    Bin gerade mit meinem.Sohn zur Kur - und hatte gerade gestern zu dem Thema ein Seminar;-D.


    Lt. Aussage des Psychologen ist die ganze gesellschaftliche Entwicklung eine Ursache für dieses Verhalten von Eltern.

    Früher gab es 5-7 bzw. mehr Kinder pro Familie. Wenn da mal eines in der Entwicklung nicht normal war - kein Problem, die Wahrscheinlichkeit, das eines der anderen fiter, .... gewesen ist, war groß.

    Heutzutage, in den Familien mit 1/2 Kindern sind die Eltern viel mehr hinterher - das ihr Kind eine Norm erreicht bzw. übertrifft > weil man genau weiß, dass man nur diese eine Chance hat.


    Und welche Eltern wollen denn nicht, dass ihr Kind auch mal besser ist als all die anderen - dass ist glaub ich normal.

    Man muss aber auch einsehen können - wenn das nicht funktioniert und es für sich akzeptieren. Druck ausüben und die Kids nur triezen - das ist keine normale kindliche Entwicklung > und kann auch nach hinten losgehen.

    Ich finde es ja gut, wenn man Kinder fördert, aber einem nicht mal 2jährigen bereits das ABC beibringen zu wollen wenn kein Interesse da ist...also ich weiß ja nicht. Das Kind merkt doch, dass immer wieder Dinge "verlangt" werden, wozu es einfach noch nicht in der Lage ist und/oder es nicht möchte und ich kann mir gut vorstellen, dass das unglaublich frustriert.


    Bei der besagten Mutter (sie ist der Extremfall, deshalb nehme ich sie als Beispiel) wurde das Kind auch hingesetzt, obwohl sie weiß, dass man das auf keinen Fall tun soll. Nur, weil das Kind das mit 8 Monaten noch nicht selber gemacht hat. Das Gleiche dann mit dem Hinstellen und Laufen. Das Ergebnis: Ihre Tochter läuft erst seit gut 8 Wochen frei und sehr, sehr wackelig/stelzig. Natürlich ist das nicht sicher, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie so spät dran ist, weil immer wieder in den Entwicklungsablauf eingegriffen wurde.


    Ich finde es nicht schlimm, wenn mein Kind etwas später dran ist. Okay, ich lasse mich hin und wieder auch leicht verunsichern und natürlich schaue ich auch was die anderen Kinder in ihrem Alter so können, aber so lange es immer Fortschritte gibt, gerate ich nicht in Panik ;-) Sprachlich ist meine etwas ihren Altersgenossen hinterher, aber es geht immer wieder etwas voran und das ist die Hauptsache. Heute hat sie z.B. zum ersten Mal "Opa" gesagt - also mit Bedeutung (aussprechen konnte sie es bereits, aber hat es noch nicht mit dem Opa als Person verknüpft - bis heute) - wieder ein Fortschritt :)= Dafür ist eine Kleine ein totaler Kletteraffe, schaut was für Bewegungen man so machen kann und tanzt mehrmals am Tag durch die Wohnung - das können selbst manche von den Kindern noch nicht, die mit 10 Monaten und damit 4 Monate früher wie meine Tochter bereits frei laufen konnten!


    Ich weiß auch nicht warum mich dieses "Förderthema" momentan so nervt. Vielleicht weil dieses Prahlen beim letzten Treffen so Überhand genommen hat und ich manchmal ein bisschen das Gefühl hatte, dass die Fortschritte meiner Kleinen durch dieses ewige übertreffen "abgewertet" wurden.

    Da fallen mir gerade meine Nachbarn aus der Kindheit ein. Deren Sohn war in meinem Alter und sollte wohl ums verrecken Fußballprofi werden - mehrmals die Woche zum Training, in den Ferien Fußballcamp usw. Er war auch gut und hatte Spaß an dem Sport, aber ich habe auch ein paar Mal gehört, wie der Vater ihn wegen einem verpatzten Spiel zu Hause so richtig zur Sau gemacht hat. Und der Vater war nicht mal der Trainer...


    Ich dagegen wurde zu gar nichts gezwungen oder motiviert - fand ich aber auch nicht toll. Bei mir gab es eigentlich nichts außer Schule und Freunde. Keine besonderen Hobbys oder eine interessante Sportart. Auch sind meine Eltern nie mit mir irgendwo hingegangen als ich klein war. Ich gehe bei meinen Töchtern den Mittelweg bzw. habe das zumindest vor.

    Das Fussballbeispiel nannte der Redner auch]:D.


    Er sagte auch - es ist wichtig, ein gesundes Mittelmass zu finden.

    Sein Kind fördern ist nicht schlecht - solange es nicht in Druck ausartet. Das Kind muss es immer noch freiwillig machen und nicht unter Zwang.


    Das Kind ist ein menschliches Wesen und kein Roboter bzw. Projekt zur Selbstverwirklichung. Nur leider verlieren das viele Eltern aus dem Blick. Man hat nur das eine - und das soll mglst. perfekt werden.

    Das ist das Problem der Leistungsgesellschaft heute - wer nicht die Leistung bringt ist nicht perfekt.