Mein Mann, seine Tochter & ich!

    Hallo zusammen!


    Ich versuche mich jetzt mal irgendwie zu sammeln und meine Gedanken in Worte zu fassen, denn ich bin im Moment mit meinen Nerven komplett am Ende. Ich denke mal, dass dieser Beitrag ziemlich lang wird und deswegen warne ich Euch schon mal vor. Ich weiß auch nicht wirklich was ich mir hiervon erhoffe, aber ich muss mir das alles mal von der Seele schreiben und vielleicht hat eine neutrale Person ein paar Tipps für mich.


    Ich fange einfach mal an:
    Wie man schon im Titel lesen kann geht es um meinen Mann, seine Tochter und mich. Mein Mann und ich haben zum einen zwei gemeinsame Töchter im Alter von 6 und 10 und er hat eine Tochter im Alter von 16 Jahren. Wir sind schon seit 18 Jahren zusammen und natürlich wird sich jetzt jeder denken: "18 Jahre zusammen, seine Tochter ist 16 ... Wie geht das?". Unsere Beziehung war am Anfang sehr schwierig, viel hin und her und dann ist seine Tochter mit einer anderen Frau entstanden. Ich möchte dieses Thema nicht zu sehr aufgreifen, weil das nicht das Problem jetzt ist. Ich möchte nur sagen, dass er mich nicht betrogen hat und ich auch kein Problem mit seiner Tochter aus diesem Grund habe.
    Er hatte in den letzten Jahren einen sehr heftigen Streit um das Sorgerecht, weil seine Tochter bei uns wohnen wollte und das Jugendamt es immer verboten hat. Er hat sehr viel Kraft, Zeit und Geld in diesen Streit gesteckt, aber ich konnte das verstehen. Ich würde um unsere gemeinsamen Töchter genau so kämpfen.
    Es war für mich auch nie ein Problem, dass sie bei uns wohnen wollte, weil ich immer mit ihr klar kam. Wenn sie am Wochenende oder in den Ferien bei uns war gab es nie großartige Probleme. Sie respektiert mich, kommt mit ihren kleinen Schwestern gut klar usw.
    Dieses Jahr hat mein Mann den Streit gewonnen, sie lebt jetzt bei uns und jetzt merke ich so langsam die Probleme, die ich damit habe.
    Sie ist 16 Jahre alt ... schminkt sich teilweise extrem, zieht sich manchmal viel zu freizügig an, geht ständig feiern, kommt betrunken nach Hause, bringt Typen mit nach Hause für eine Nacht etc.
    Ich habe Freundinnen mit Töchtern in diesem Alter und auch die meinen es ist übertrieben. Wenn ihre Töchter so wären würden sie denen sonst etwas erzählen. Mein Mann möchte davon, aber nichts hören.
    Er ist schon immer eher der lockere in der Erziehung, aber bei unseren gemeinsamen Töchtern gleichen wir uns da gegenseitig aus. Er locker, ich etwas strenger. Ich mische mich aber in die Erziehung seiner Tochter nicht ein und deswegen gleicht sich da gar nichts aus.
    Er ist einfach nur locker, findet es okay was sie macht und lässt sie machen. Sie ist auch nicht total rebellisch. Wenn ich ihr mal sage sie soll im Haushalt helfen, das Zimmer aufräumen etc. dann macht sie das auch. Sie geht auch zur Schule und bringt ganz gute Noten nach Hause, aber das "Party-Girl-Verhalten" ist für mich einfach nicht in Ordnung, weil unsere kleinen Töchter das mitbekommen.
    Die beiden mögen ihre große Schwester, spielen zusammen mit ihr Modenschau, sie ist die "Heldin" mit ganz viel Kleidung und Schminke usw. Ich habe einfach Angst, dass die kleinen sich das abgucken und denken sie müssen mit 16 irgendwann genau so sein. Mein Mann möchte, aber auch davon nichts hören. Er findet das Verhalten mit 16 Jahren total normal.
    Ich weiß langsam echt nicht mehr weiter, weil wir deswegen sehr oft streiten. Unsere Ehe leidet auch darunter und er unterstellt mir immer zu streng zu sein. Bin ich zu streng? Sehe ich die ganz Sache zu ernst?

    Ich entschuldige mich schon mal, dass der Beitrag jetzt wirklich so lang geworden ist, aber ich musste die Sache jetzt einfach mal schreiben. Eine neutrale Person hier im Forum kann vielleicht ein bisschen objektiver dazu etwas sagen. Das wäre mir eine große Hilfe.



    Gruß Uli

  • 52 Antworten
    Uli67 schrieb:

    Sie ist 16 Jahre alt ... schminkt sich teilweise extrem, zieht sich manchmal viel zu freizügig an, geht ständig feiern, kommt betrunken nach Hause, bringt Typen mit nach Hause für eine Nacht etc.

    Naja, was extrem ist, ist sehr individuell. Deine Vorstellung von "extrem" könnte z.B. für mich noch viel zu harmlos oder aber übertrieben sein. Freizügig kleiden, feiern gehen und trinken ist für mich grundsätzlich in dem Alter normal. Ob sie das alles zu extrem betreibt, kann man schwer beurteilen, ohne die Kleidung zu sehen, ohne die Schminke zu sehen, ohne die Feierintervalle zu kennen und wie sehr sie sich besäuft. Typen für ONS bei den Eltern unterm Dach finde ich mit 16 etwas krass, aber das ist leider auch ein bisschen Zeichen der Zeit (unverbindlich, rumprobieren, möglichst wild unterwegs sein,...)


    Wieso hältst du dich aus der Erziehung raus? Du bist nicht die leibliche Mutter, aber "nur" deshalb bist du keine Fremde, die nichts zu melden hat. Zumal ihr nun auch zusammen lebt. Und wenn du nicht jedes Wochenende irgendwelche Bubis aus ihrem Zimmer durch euer gemeinsames Familienheim schleichen sehen willst, dann ist das z.B. dein gutes Recht.

    Uli67 schrieb:

    Ich habe einfach Angst, dass die kleinen sich das abgucken und denken sie müssen mit 16 irgendwann genau so sein.

    Du kannst deine Kinder nicht davor bewahren, sich Vorbilder zu suchen.

    Die "schlechten" Vorbilder können auch im Nachbarhaus wohnen oder zum Freundeskreis deiner Töchter zählen.


    Ab einem gewissen Alter kommen alle Kinder in Kontakt mit Sex, Drogen, Alkohol.

    Mit Strenge erreichst du nichts, auch nicht mit Verboten.

    Das gilt auch für deine Stieftochter.


    Man muss seine Kinder einfach stark machen, damit sie ein gutes Selbstvertrauen entwickeln können.

    Dann besteht wenig Gefahr, dass sie sich von anderen beeinflussen lassen.

    Ich habe bei meinen Söhnen auf ein gutes Vertrauensverhältnis gesetzt und sie ausreichend aufgeklärt über Verhütung, über die Gefahren von Drogen und Alkohol.


    Und dann habe ich sie im entsprechenden Alter losgelassen in dem Vertrauen, dass sie auf sich aufpassen werden.

    Zitat

    Ich mische mich aber in die Erziehung seiner Tochter nicht ein und deswegen gleicht sich da gar nichts aus.

    Warum eigentlich nicht? Natürlich bist Du nicht ihre Mutter und willst das auch gar nicht sein, aber sie lebt in eurem Haushalt,, und da gibst Du mit Deinem Mann die Regeln vor. Sieht Dein Mann das nicht so?
    Ich bin durchaus der Meinung, dass Du gefragt werden musst, bevor unbekannte/fremde Personen bei euch übernachten.

    mariposa schrieb:

    aber sie lebt in eurem Haushalt,, und da gibst Du mit Deinem Mann die Regeln vor. Sieht Dein Mann das nicht so?
    Ich bin durchaus der Meinung, dass Du gefragt werden musst, bevor unbekannte/fremde Personen bei euch übernachten.

    Das ist auch der Haushalt (das Zuhause) der Kinder.

    Auch Kinder haben das Recht, Besuch mitzubringen.

    Ich finde nicht, dass die Eltern das allein entscheiden können.


    Natürlich kann man Absprechen treffen, damit sich niemand gestört fühlt.

    Öhm zumindest was das Übernachten angeht finde ich dass das doch noch die Eltern entscheiden können. Zumindest bei Minderjährigen. Also moralisch. Rechtlich ist das sowieso ok.


    (Besuch im "Kinder"zimmer ganz zu verbieten ist ein No-Go, klar)

    Ich sehe da drei Ansätze das Ganze anzugehen:

    1. Was sind denn die Gründe für strengere Regeln? Welche Ängste stecken dahinter und sind diese begründet? Soll heißen, wenn sich ihr Lebenswandel sonst nicht weiter negativ auswirkt, musst Du vielleicht akzeptieren, dass sie jetzt nunmal in einem Abnabelungsprozess ist. In 2 Jahren ist sie bereits 18, in 4 schon 20. Sie steht also der "jungen Frau" schon näher als dem Kind, zumal Entwicklung in der Regel nur in eine Richtung verläuft. Es gilt also auch zu akzeptieren, dass sie kein Kind mehr ist und auch nie wieder eines sein wird. Hier würde ich also die Regeln daran ausrichten, was auch noch in eurer Verantwortung liegt, beispielsweise zu welchen Uhrzeiten sie zuhause zu sein hat bzw. dass ihr Bescheid wisst, wo sie sich aufhält und das starker Alkohol tabu ist (und bei offensichtlichem und offensivem Verstoß dann auch Konsequenzen ziehen).


    Auch Übernachtungsgäste in eurer Wohnung entzieht sich ja nicht eurem Einflussbereich. Wobei es mir lieber wäre, wenn mein Kind sexuell aktiv wäre, dies in den eigenen vier Wänden ist und nicht in Autos, Toiletten oder Büschen.


    2. Alternativen anbieten bzw. diese unterstützen. Soll sie denn statt Feiern in ihrem Zimmer die Decke anstarren? Auch Gesellschaftsspiele mit Eltern und jüngeren Geschwistern werden wohl kaum Teenager dauerhaft brav zuhause halten. Aber wenn sie beispielsweise einem intensiven Hobby oder Sport nachgehen würde, würde sie womöglich selbst auf die ein oder andere Party verzichten, weil dann ihre Prioritäten anders lägen.


    3. Das Gespräch suchen. Da wären wir dann aber wieder bei 1., denn Du müsstest dann sinnhaft und nachvollziehbar erläutern, was Dich stört und warum Du das nicht für klug hältst. Nehmen wir beispielsweise die Schminke: ist es unvorteilhaft? In Deinen Augen nicht altersgemäß? Wenn ja, warum? Ich vermute, diese extreme Schminke kommt vorallem von Youtube und den dortigen "Influencern" mit ihren Tutorials. Es gibt aber auch genügend "Influencer" die sich mit Nachhaltigkeit, Komsumfallen (ständig kommt ne neue Limited Edition raus, um Dir Dein Taschengeld aus dem Ärmel zu locken) und Minimalismus, Vegetarismus etc. beschäftigen. Mach' Dich da selbst mal schlau. Jugendliche sind einerseits zwar sehr manipulierbar, andererseits aber auch auf Sinnsuche und offen für neue und bessere Einflüsse.


    Und denk' dran: in wenigen Jahren ist der Spuck schon vorbei, da lohnt es sich doch nicht, darüber eure Beziehung an den Rand des Erträglichen zu bringen. Guck' lieber, wie ihr sie positiv beeinflussen könnt und welche Werte ihr ihr mit auf den Weg geben könnt.

    Ich war als Jugendliche auch kein Kind von Traurigkeit und ging gerne abends aus. Das ist zwar schon rd. 15 Jahre her, aber ich kam mit 16 nicht im Traum auf die Idee Jungs nur für eine Nacht nach Hause mitzunehmen. Da gab es feste Regeln. Jungs waren nicht grundsätzlich verboten, aber ich musste den über Nacht Besuch vorher absprechen und mitteilen, wer denn da genau kommt (Name und woher ich ihn kenne). ONS, die ich spontan kennengelernt habe, fielen also weg, aber darauf legte ich auch keinen Wert.


    Ich würde auch nicht wollen, dass meine eigenen Kinder oder auch die Kinder meines Partners ohne Absprachen Besuch nach Hause bringen. Ich möchte gerne wissen, wer sich wann in meinem Haus aufhält, da ich keine Überraschungen nachts auf dem Weg zur Toilette erleben möchte ;-) Da würde ich also schon auf mein Mitspracherecht bestehen. Das hat auch nichts mit Strenge zu tun.

    gato schrieb:

    Aber nicht jeden und zu jeder Tageszeit. Wie war das mit den eigenen Grenzen?

    Es überschreitet ja nicht die eigenen Grenzen, wenn bei der Tochter jemand im Zimmer übernachtet. Es sei denn, die hören mitten in der Nacht laute Musik oder stören auf andere Weise.

    Absprachen kann man natürlich treffen.

    Mich wundert deine Rolle extrem. Ich habe auch ein Stiefkind, inzwischen 11, und ich nehme, auch wenn ich nicht der leibliche Vater bin, eine Erziehungsrolle bei ihr ein. Natürlich liegen viele Entscheidungen bei meiner Frau, aber es gibt auch viele Dinge die ich mit meiner Stieftochter kläre und inzwischen bin ich ihr ein väterlicher Freund und sie fragt mich auch oft um Rat. Wie haben ein sehr liebevolles Verhältnis, auch wenn ich zwischendurch mal Entscheidungen treffe, die sie nicht so toll findet. Und ich kenne dieses Kind erst seit ein paar Jahren.


    Du kennst deine Stieftochter seit Geburt und überlässt die Erziehung deinem Mann und hälst dich raus? Ich finde damit machst du es dir selbst viel zu einfach. Im besten Fall hätte ich gehofft, das es gar keine Unterschiede zwischen deinen Töchtern und ihr gibt... aber durch dein Raushalten hast du sie, aus meiner Sicht, in eurer Familie separiert. Ihr eine andere Rolle gegeben als eure anderen Kinder.


    Ich fürchte nur, mit 16 wird das jetzt schwierig da noch was zu verändern. Ich empfinde es nicht normal, mit 16 One-Night-Stands mit nach Hause zu nehmen. Damit ist sie sicherlich nicht der durchschnittliche Teenager sonder gehört eher zu einer kleinen Minderheit. Die meisten Mädchen entdecken in dem alter ihre Sexualität und leben sie nicht so excessiv aus. Natürlich gibt in jeder Klasse 1-2 Mädchen die so sind, aber die haben auch den entsprechenden Ruf. Ich will sie nicht verurteilen, sehe das aber nicht wie andere hier als "nomal" oder altersgemäß an. Ich bezweifel das es für ihre Entwicklung gut ist, was sie da tut - aber sicherlich wird es beide Fälle geben: Mädchen, denen das nicht geschadet hat und andere die daran Jahre später zu knabbern hatten.


    Gegen Feiern ansich ist nichts einzuwenden, wobei mir das auch ein wenig viel Alkohol wäre wenn sie immer betrunken nach Hause kommt. Aber ich glaube auch da wird man mit Druck kaum noch was erreichen. Das kommt alles viel zu spät.


    Was du aber tun solltest: DEINE Grenzen aufzeigen. Übernachtungsgäste in eurer Wohnung sind anzumelden oder bleiben draussen. Ihr seid kein Hotel sondern eine Familie und da entscheiden die Eltern wer im Haushalt lebt oder zu Besuch ist. Gerade Nachts möchte ich auch nicht unbedingt einfach mir unbekannte Personen im Haus haben, und das würde ich auch ganz klar so kommunizieren.


    Kann es sein, das die Tochter genau deshalb zu euch wollte, weil ihr Vater keine Grenzen aufzeigt und sie bei euch machen kann, was sie will? Ich bekomme leider genau diesen Eindruck.

    Also alles ist soweit akzeptabel, aber wie locker hier manche wegen wildfremden Übernachtungsbesuch sind ist erschreckend. Klar darf man Besuch haben, aber das Mädchen wohnt da nicht alleine und für alle anderen ist das nicht gerade angenehm jemanden wildfremden in der eigenen Bude zu haben und vor allem nicht zu wissen, ob und wer da mitgekommen ist. Da würde ich klare Grenzen ziehen. Übernachten dürften feste Freunde und Freundinnen die man kennt.

    Beim Schminken etc. wär ich wirklich gleichgültig, weil das einfach dazugehört wenn man groß wird und sich ausprobiert (und sich in zwei Jahren schon zu Tode schämt wie man mal rumgelaufen ist ;)). Aber ONS mit 16? Also bitte....