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    Mein Sohn und die Schule

    Wir wissen derzeit nicht so recht, was wir mit unserem Sohn machen sollen.

    Vorab: Unsere beiden Jungs gehen auf's Gymnasium, der Große in die 7., der Kleine in die 6. Klasse.


    Es geht um den Kleinen, 11 Jahre alt. Bei ihm wussten wir nicht so recht auf welche Schule er gehen soll, hatten in Klasse 4 mehrfach Kontakt mit dem Beratungslehrer, und weil er und seine Klassenlehrerin in für Gymi-fähig hielten, und er auch gerne hin wollte, ging er also hin.

    Er hat nie zu den Besten gehört, war immer gutes Mittelfeld. Er hat eine gute Auffassungsgabe, was ihn allerdings nicht interessiert, mag er nicht unbedingt lernen. Er ist SEHR selbstbewusst, lässt sich von niemandem was sagen, im Zweifel auch von seinen Lehrern erstmal nicht. Seine Klassenlehrerin sagte einmal, dass er zwar irgendwann dann doch tut was er soll, aber man merkt ihm dann seinen Widerwillen deutlich an. Seine Lehrer hielten in bis zum letzten Elternsprechtag noch für richtig auf dieser Schule.


    Seine Noten waren in der 5. Klasse auch immer im Mittelfeld, er hatte Spaß an der Schule. Einer seiner Kumpels ging nach der 5. Klasse ab, hat auf die Realschule gewechselt. Das hat ihn ziemlich entsetzt. Er sagte, er möchte aber auf jeden Fall auf dem Gymi bleiben, das sei so eine tolle Schule.


    Und nun Klasse 6. Die ersten Arbeiten sind gelaufen, Mathe 4-5, Französisch 4. Ich hatte mit ihm gelernt, er meinte er könne alles. Schrieb dann aber z.B in Französisch il sont und ils est, und in Mathe +- mit plus gerechnet und -- mit minus, also wirklich basics. Und war in Französisch, auch zu Hause noch, fest davon überzeugt, dass cinque sieben heißt. ":/ Seine Arbeiten Ende des letzten Schuljahres waren auch schon nicht sooo berauschend. Er meinte heute Mittag, Realschule sei doch eine tolle Idee, er will sowieso keinen Beruf für den man Abi braucht, wozu dann Gymi.

    Jetzt am Abend will er doch wieder unbedingt auf dem Gymi bleiben.


    Mich persönlich macht das verrückt. Das ständige Antreiben zum Lernen, das Lernen mit ihm, worauf er keine Lust hat und was dann im Endeffekt doch nichts bringt.


    Und für den Großen wäre es auch besser, wenn der Kleine auf einer anderen Schule wäre. Der Kleine findet es nämlich super, das Problem hatten wir in der Grundschule auch schon, den Großen vor versammelter Mannschaft auf dem Pausenhof zu hänseln, und seine Kumpels machen kräftig mit. In der Klasse des Großen ist der Kleine als Idiot schon durch.


    Was machen wir bloß mit diesem Kind?

    Am Montag werde ich mit der Beratungslehrerin sprechen.

    Aber vielleicht hat ja jemand von euch auch schon sowas in der Art durch mit seinem Kind?

  • 112 Antworten
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    Tory80 schrieb:

    Das ständige Antreiben zum Lernen, das Lernen mit ihm, worauf er keine Lust hat und was dann im Endeffekt doch nichts bringt.

    da würde ich ansetzen , ihm sagen, dass du nicht für seine Schulnoten verantwortlich bist, dass du ihm gerne hilfst, aber nur wenn er will.


    Er muss auf dich zukommen , dich fragen, ob du ihm hilfst.


    Einfach den Spieß versuchen umzudrehen.

    Heißt natürlich aushalten, dass er vielleicht auch mal eine Arbeit komplett versemmelt, weil er sich überschätzt.


    Und son hin und her : heute Gymnasium , morgen Regelschule .... da würde ich ihm gleich eine Ansage ,achen, dass man das nicht ständig wechseln kann und dass ihr das als Eltern auch nicht genehmigt. Notfalls muss er eine Klasse wiederholen. So mal eben schnell auf die Regelschule wechseln, weil man gerade kein Bock hat, dass würde ich ihm nicht erlauben.


    Klar, weiß man nicht, ob das funktioniert.


    Aber dieses , dass du ihn antreibst, dass wird auf DAuer auch nichts.

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    Tory80 schrieb:

    Was machen wir bloß mit diesem Kind?

    Naja, er ist 11 und kommt in die Pubertät. Und ehrlich, wer hat schon Lust auf Lernen.

    Wenn man mal an die eigene Kindheit/Jugendzeit zurückdenkt, waren wir nicht anders;-)

    Da sollte man Verständnis haben.

    Es gibt diese Phasen und Schule und immer Lernen, wer hat da wirklich Bock drauf? ;-D


    Bleib entspannt und ruhig. Sprich mit ihm das er sich auch zusammenreißen muss und erzähle ihm von deiner Schulzeit und wie du gelernt hast und sein Papa.

    Schule ist nicht immer schön und es braucht immer wieder Motivation den ganzen Tag da zu sitzen und zu lernen, Arbeiten schreiben, der Stress usw


    Gib ihm Zeit und setz ihn nicht unter Druck.


    Wichtig ist das er auch seine Freizeit hat, also nur Lernen und das evtl unter Druck führt nicht zum Erfolg.

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    wintersonne 01 schrieb:

    Aber dieses , dass du ihn antreibst, dass wird auf DAuer auch nichts.

    So sehe ich das auch :)^


    Das bringt nichts und Tory80, das würdest du ja auch nicht für dich wollen. Überleg mal wenn deine Eltern das mit dir gemacht hätten, wie hättest du dich dabei gefühlt?

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    Das hatten wir tatsächlich schon, dass er eine Arbeit total versammelt hat, weil wir ihn nicht gedrängt haben, was zu tun. Selbst mit Drängen hatte er schon schlechte Noten, weil er den Zettel mit dem, was er hätte lernen sollen, erst nach der Arbeit wiedergefunden hat. Er ist grundsätzlich ziemlich unorganisiert.


    Das Thema Realschule war in der 4. Klasse auch schonmal auf dem Tisch, weil es eben nicht gleich klar war, auf welche Schule er gehen würde.


    Ich fände inzwischen diese Idee gar nicht mal mehr so schlecht, ich habe echt Bedenken, dass er total den Anschluss verliert und dann gar nicht mehr mitkommt. Bei den versammelten Basics in den letzten Arbeiten.

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    Tory80 schrieb:

    Ich fände inzwischen diese Idee gar nicht mal mehr so schlecht

    Ich würde noch abwarten.



    Tory80 schrieb:

    Er ist grundsätzlich ziemlich unorganisiert.

    Das ist ja kein großes Problem.

    Organisation kannst du ihm ja zeigen und ihr könnt zB ein Hausaufgabenheft einführen wo er sich was notiert, was wichig ist.

    Dann könnt ihr verschiedene Organizer kaufen wo er Sachen/Zettel ablegen kann usw usw

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    Hyperion schrieb:

    Wichtig ist das er auch seine Freizeit hat, also nur Lernen und das evtl unter Druck führt nicht zum Erfolg.

    Oh, Freizeit hat er reichlich. Es läuft so, dass er nach Hause kommt, kurz Hausaufgaben macht, und den restlichen Tag frei hat. Wir erwarten nicht, dass er jeden Tag nur lernt. Speziell vor Arbeiten halt.

    Hyperion schrieb:

    Das bringt nichts und Tory80, das würdest du ja auch nicht für dich wollen. Überleg mal wenn deine Eltern das mit dir gemacht hätten, wie hättest du dich dabei gefühlt?

    Weißt du, meine Eltern mussten mich nicht treiben, ich habe nach meinem Zeug geguckt. Klar habe ich auch mal was nicht kapiert, habe dann gefragt und Hilfe bekommen, aber ich war wirklich organisiert in meiner Schulzeit.



    Er ist halt wirklich unorganisiert, sein Ranzen sieht aus wie Kraut und Rüben. Letztens musste die Klasse ein Herbarium machen, also getrocknete Blätter aufkleben und was dazu schreiben.Wären wir nicht hinterher gewesen, hätte er nicht mal Blätter gesammelt. Hat er dann gemacht. Wären wir nicht hinterher gewesen, hätte er es total chaotisch abgegeben; teilweise von Hand hingesudelt, teilweise am PC geschrieben.

    Da hatte er keine Lust drauf, also hat er sich keine Mühe gegeben.

    Im Endeffekt wurde es so auch nur eine 3-, weil sie auch zu Nadelbäumen was hätten machen sollen. Hatte er überhört.

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    Hyperion schrieb:

    Das ist ja kein großes Problem.

    Organisation kannst du ihm ja zeigen und ihr könnt zB ein Hausaufgabenheft einführen wo er sich was notiert, was wichig ist.

    Dann könnt ihr verschiedene Organizer kaufen wo er Sachen/Zettel ablegen kann usw usw

    Doch, das ist ein Problem. Er hat einen Schulplaner, wo er Hausaufgaben aufschreiben kann und Termine für Arbeiten eintragen kann. Macht er aber nicht.

    Er hat in seinem Zimmer Stapelboxen, eine pro Fach, wo er sein ganzes Zeug reintun könnte. Macht er aber nicht.

    Wir haben ihm alle Möglichkeiten angeboten, sich zu organisieren, die uns eingefallen sind. Will er aber nicht.

    Er hat einen Organizer für seinen Ranzen, ein Fach pro Schulfach. Juckt ihn nicht.

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    Tory80 schrieb:

    Er ist halt wirklich unorganisiert

    Da brauchen Kinder meist Anleitung, Struktur und Führung. Das sind Dinge die muss man immer wieder wiederholen und ein Auge darauf haben. Das kostet Zeit und Nerven, aber

    Ein bischen Chaos ist ja auch ok.

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    Ja, das lässt sich so leicht sagen... Macht es ihm vor und er organisiert sich... Wenn es dem Kind nicht wichtig erscheint, dann gibt es da keine Motivation.

    Wir haben hier dasselbe Problem. Es ist einfach anstrengend. Man triezt ja nicht, damit die Kids nur Einsen schrieben, sondern damit wenigstens die basics wie Ranzen packen und Hefter führen klappen.

    Wir haben uns daher für die Realschule entschieden. Das ist uns noch Kampf genug... Und vielleicht fällt der Groschen ja noch.

    Vielleicht könnt ihr mit ihm etwas vereinbaren. Ein paar Regeln die erfüllt sein müssen um am Gymi zu bleiben,oder dann halt wenn es nicht klappt doch zu wechseln. Das natürlich nicht als Strafe kommunizieren, sondern eher so, dass das halt die Voraussetzungen dafür sind.

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    Tory80 schrieb:

    Wir haben ihm alle Möglichkeiten angeboten, sich zu organisieren, die uns eingefallen sind. Will er aber nicht.

    Vielleicht braucht er ein eigenes Organisationssystem?":/


    Oftmals ist es schwer mit einem Organisationssystem zurechtzukommen da man nicht mag, was einfach nicht "deins" ist.

    Vielleicht muss er sich ein eigenes überlegen bzw ihr zusammen.


    Vielleicht nochmal zusammen überlegen, ihn fragen was er für Ideen hat

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    So in die Richtung würde ich auch denken, wobei ich mir dabei das einzelne Kind dabei genau ansehen würde.


    Soll heißen, mein Sohn ist jetzt, mit 13, erst soweit, dass er sich selbst von sich aus hinsetzt und für eine Arbeit lernt.


    Gerade in der Selbstorganisation brauchen manche Kinder mehr, manche weniger Hilfe.


    Klar ist ja, dass es mit der Zeit langsam weniger werden sollte, aber wie schnell ist definitiv nicht einheitlich.


    Bei uns ist es immer Versuch und Irrtum.


    Zum Thema Irrtum: ich würde auf keinen Fall davon ausgehen, dass es für ihn auf der Realschule leichter wird. Lernen und schreiben und Leistung zeigen und gehorchen muss man auch dort.


    Das schreibe ich nur, weil viele Gymnasiallehrer das offembar nicht auf dem Schirm haben. Und weil ich leider schon viele Jugendliche gekannt habe, die auf der Realschule gleich weiter abgestürzt sind, und das nicht, weil sie dumm waren.


    So schnell runternehmen würde ich ihn nicht, nicht wegen dieser Noten. Dazu müsste mehr kommen.


    Klingt für mich eher nach einem Problem mit der Selbstorganisation und vielleicht auch dem Wie beim Lernen - und der Motivation.

    • Neu
    Julikäfer schrieb:

    Ja, das lässt sich so leicht sagen... Macht es ihm vor und er organisiert sich... Wenn es dem Kind nicht wichtig erscheint, dann gibt es da keine Motivation.

    Wir haben hier dasselbe Problem. Es ist einfach anstrengend. Man triezt ja nicht, damit die Kids nur Einsen schrieben, sondern damit wenigstens die basics wie Ranzen packen und Hefter führen klappen.

    Wir haben uns daher für die Realschule entschieden. Das ist uns noch Kampf genug... Und vielleicht fällt der Groschen ja noch.

    Vielleicht könnt ihr mit ihm etwas vereinbaren. Ein paar Regeln die erfüllt sein müssen um am Gymi zu bleiben,oder dann halt wenn es nicht klappt doch zu wechseln. Das natürlich nicht als Strafe kommunizieren, sondern eher so, dass das halt die Voraussetzungen dafür sind.


    :)z:)^:)=


    Es "ticken" einfach nicht alle Kinder so, dass sie von sich aus alles an Organisation nachmachen, was ihnen vorgelebt wird....


    Da können Eltern noch so viel tun, es muss erst Klick machen. Vorher geht es schief

    • Neu

    Ich kann mal von meiner bewegten Schulkarriere erzählen...

    Ich bin ein recht ruhiger, introvertierter Typ. Ich bin nach der Grundschule (war ein ehr durchschnittlicher Schüler) auch auf ein Gymnasium gegangen, es galt als das renommierteste im Ort und war ein sog. humanistisches Gymnasium, wo man ab der 5. Klasse wahlweise Latein oder Englisch wählen konnte. Ich fühlte mich dort schon nach kurzer Zeit unwohl. Am Anfang war mir das aber selber gar nicht bewusst. Ich kam mit Lehrern, Mitschülern und Schulstoff nicht klar. Noten waren entsprechend schlecht. Nachdem ich die 7. Klasse wiederholen musste, wechselte ich auf eine Realschule.

    Dort blühte ich förmlich auf, ich merkte zum ersten mal das Schule auch Spaß machen konnte. Da merkte ich erst wie schlecht ich mich auf der anderen Schule eigentlich gefühlt hatte. Ich hatte nie Probleme mit dem Stoff mitzukommen, obwohl ich auch nie das Gefühl hatte das es dort leichter wäre. Es war halt anders und dieses "anders" war besser für mich. Problemlos schaffte ich den Abschluss mit Oberstufenqualifikation, ohne das ich speziell darauf hingearbeitet hätte.

    Danach wechselte ich wieder. Auf eine sog. Berufsfachschule, die eine gymnasiale Oberstufe anbot, heute nennt sich die Schule Berufskolleg. Dort gab es z.B. Fächer wie Maschinenbau oder Elektrotechnik. Neben Mathematik war eines dieser Fächer auch vorgeschriebenes Abiturfach. (Ich entschied mich für Elektrotechnik.)

    Da ich das Abi trotz allem nicht schaffte - was mir zu dem Zeitpunkt völlig egal war -, ging es danach für mich weiter auf eine Fachhochschule, wo ich ein Informatikstudium begann.

    Das brach ich nach einigen Semestern ab, bin heute selbstständiger Unternehmer (Solo-Selbstständiger) und habe mit Maschinenbau, Elektrotechnik, Mathematik und Latein praktisch gar nichts mehr zu tun. Zum Glück auch nichts mit Corona...

    Die Schullaufbahn bestimmt also nicht zwingend den weiteren Lebensweg oder beruflichen Erfolg. Und lieber eine Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Je länger sich der kleine auf dem Gymnasium abgehängt fühlt, desto weniger Zeit kann er auf einer für ihn geeigneten Schule sinvolles lernen.

    PS: In der gymnasialen Oberstufe war es natürlich nötig neben Englisch eine zweite Fremdsprache zu erlernen. Drei Jahre lang hat sich der - ungelogen und ernst gemeint - beste Lehrer, den ich je kennengelernt habe abgemüht, mich in die Geheimnisse dieser Sprache einzuweihen. Vollkommen vergeblich. Am Ende "schenkte" er mir die Note 4. Obwohl eine 6 sicher noch zuviel gewesen wäre.

    Ein stänig notwendiges Antreiben zu lernen, halte ich auch für problematisch. Klar, nur wenige laufen jeden Morgen freudestrahlend zur Schule, weil sie was fürs Leben lernen wollen. Aber ständig - übertrieben formuliert - mit der Peitsche hinter ihm zu stehen, wird ihn Schule nie als was positives sehen lassen.

    Nur weil man nicht für ein Gymnasium geeignet ist, heißt das nicht das man doof ist.