Konsequenz, Regeln, Grenzen... alles schön und gut. Aber man sollte nicht glauben, mit solchen Gemeinplätzen alle Probleme lösen zu können (zumal dann auch die Gefahr entsteht, daß es in Bestrafungsorgien und Gängelung durch sinnlose Ge- und Verbote ausartet, wie man z.T. auch hier bei einigen Ratschlägen sehen kann).


    Ich schließe mich der Minderheit hier an, die meint, daß auch die Perspektive der Tochter sehr wichtig ist. Ja gut, TE, du kannst sie nicht verstehen – aber so viel siehst du ja sicher, daß sie im Moment nicht gerade glücklich ist. Deshalb nimmst du dir jetzt ja auch mehr Zeit für sie, was ich gut finde – eine allgemeine Weisheit wie "mit 13 braucht man Vorbilder" taugt überhaupt nichts. Sie hat ja selber gesagt, daß sie sich wünscht, daß du mehr Zeit für sie hast. Und angesichts der schlimmen Sache mit dem Vater, der sie nicht sehen will (denn ER will SIE nicht sehen, ihre eigene Verweigerung ist ja nur die Reaktion darauf), war es wahrscheinlch auch richtig, diesem Wunsch nachzukommen.


    Nein, du kannst nichts dafür, daß ihr Vater sich nicht um sie kümmert – das ändert doch aber nichts daran, daß so etwas einen Menschen sehr unglücklich machen, das Selbstwertgefühl untergraben, Aggressionen verursachen kann? In der Pubertät denken ja eh viele "keiner versteht mich, keiner liebt mich", und das mit dem Vater ist dann sozusagen der "Beweis" dafür. Ja, du tust alles, um ihr das Gegenteil zu beweisen, aber momentan dringst du damit nicht zu ihr durch. Du hast möglicherweise recht damit, daß sie sich ungeliebt fühlt. Das heißt nicht, daß du ihr nichts mehr auftragen oder verbieten solltest – aber es heißt, daß du weise abwägen solltest. (ALLES erlauben, NICHTS kritisieren, verbieten oder verlangen würde bei ihr außerdem eventuell als Gleichgültigkeit ankommen!)


    Zumal sie ja auch anfängt, erwachsen zu werden, und das bedeutet zunächst mal keineswegs reiferes Verhalten, sondern einfach nur Abgrenzung, der Wunsch nach Privatsphäre, nach Autonomie und Ernstgenommenwerden.


    Daher würde ich ihr Zimmer wirklich als IHRE Sache betrachten. Ja, das Geschirr braucht ihr – aber der Rest kann dir doch egal sein? Tür zu und du sieht es nicht. Die Kleidung, die sie nicht in den Wäschekorb tut, wird dann eben auch nicht gewaschen. Das würde ich aber nicht groß ankündigen, sondern eben einfach nicht mehr in ihr Zimmer gehen. Wahrscheinlich steigen auch die Chancen, das Geschirr wiederzusehen, wenn die Aufforderung dazu nicht mit Kritik am Gesamtzustand des Zimmers einhergeht. Die Teller selber holen würde ich AUF KEINEN FALL (außer einen einzigen für dich selbst, wenn alle alle sein sollten).


    Zum Thema Schule würde ich auch nichts sagen – würde ihr nur mitteilen, daß sie mit Fragen zu den Hausaufgaben oder Schulproblemen gerne zu dir kommen kann, weiter nichts.


    Daß Klauen nicht geht, weiß sie ja sicher selbst. Daß sie es trotzdem tut, kann ich in gewisser Weise verstehen – bestimmte angesagte Klamotten, Schminke, Freizeitbeschäftigungen kosten eben Geld und sie hat das Gefühl, nicht verzichten zu können. Klar, sie "weiß", daß ihr momentan nicht so viel Geld habt. Aber WEISS sie es wirklich? "Wir haben nicht so viel, ich bin arbeitslos" ist nicht besonders konkret und mit 13 hält man das leicht für die Ausrede einer lieblosen Mutter, die einem nichts gönnt. Daher könntest du ihr mal im Einzelnen (auf Papier, aber nicht im Streit) vorrechnen, wie viel Geld ihr habt und wie hoch dagegen die notwendigen Ausgaben sind. Sie bekommt nicht wenig Taschengeld – vielleicht sieht sie das ja dann. Vielleicht verrät sie dir im Rahmen eines ruhigen Gespräches auch, wie viel die anderen eigentlich bekommen (wirklich mehr?). Und vielleicht läßt sich dieses Gespräch so gestalten, daß sie es nicht als vorwurfsvoll empfindet, sondern es eher so sieht, daß du sie ernst nimmst und sie für erwachsen genug hältst, um über die Familienfinanzen aufgeklärt zu werden.


    Ein Wort an die Haudrauf-Konsequenten: Meine Mutter war sehr konsequent. SEEEEEHR. Ich fühlte mich auf Schritt und Trott kommandiert und kontrolliert. So weit es ging (aber sehr weit ging es nicht), habe ich mich dem durch Verweigerung entzogen. Es wird euch aber freuen zu hören, daß es dann auch manchmal eins hinten drauf gab. :)^ (Nein, nicht verprügelt, das nicht.) Die Schule war superstreng. Mutter immer auf der Seite der Lehrer. Es gab kein Entkommen. Also habe ich drüber nachgedacht, wegzulaufen – sah aber ein, daß ich nichts zum Hinlaufen hatte. Also Selbstmordgedanken und autoaggressives Verhalten. "Konsequenz" und Strenge lösen alle Probleme – sicher... %-|

    @ Hanseline

    Zitat

    Es wird euch aber freuen zu hören, daß es dann auch manchmal eins hinten drauf gab

    :|N Tut mir leid, wie es bei Dir gelaufen ist. Aber solche Aussagen Deinerseits sind :(v


    Ich kann hier im Faden NIEMANDEN finden, der dies befürworten würde. Also bitte!

    Zitat

    Ein Wort an die Haudrauf-Konsequenten: Meine Mutter war sehr konsequent. SEEEEEHR. Ich fühlte mich auf Schritt und Trott kommandiert und kontrolliert.

    Dann hatte das, was Deine Mutter dort tat, NICHTS mit liebevoller Konsequenz und klaren nachvollziehbaren Regeln des Zusammenlebens zu tun, sondern eher, wie Du selbst schreibst:

    Zitat

    daß es in Bestrafungsorgien und Gängelung durch sinnlose Ge- und Verbote ausartet

    Daß dies keinem Kind gut tut, darüber dürften sich (fast) alle einig sein.

    Nachtrag:


    Ich bin übrigens eines der Kinder, die erst von den leiblichen Eltern "einfach" weggegeben wurden, später noch vom Adoptivvater "einfach" verlassen wurden (im Glauben, er wäre mein leibl. Vater). Und MIR haben GERADE Regeln, an die ich mich HALTEN konnte, geholfen. ;-) *:)

    Guten Morgen meine Lieben! Ich muß sagen, dass ich heute morgen sehr überwältigt war. Als sie zur Schule gehen wollte, kam sie zurück und hat mich ganz doll gedrückt ;-D


    Das mit der Arbeitslosigkeit und dem Geld hab ich ihr schon mal vorgerechnet und ihr gesagt was alles kostet Miete Strom und so weiter....

    @ 77ergreis:

    Du darfst schlafen? Hast Du es gut ich musste immer rennen bis mir die Hacken brannten ;-D

    @ Samlema

    Einzelheiten würden wohl hier den Faden sprengen, zumal die Adoptionsproblematik wieder eine ganz eigene ist. ;-) (wenn Du Dich da austauschen möchtest, gern per PN @:) ).


    Ich kann nur in Bezug auf die TE und den Faden noch mal klar sagen.


    Kinder/Jugendliche, die den Vater vermissen, wollen nichts sehnlicher als sich NICHT anders fühlen als andere. Sie wollen nicht ständig den Verlust dadurch vor Augen haben, daß sie in die Opferrolle gedrängt werden. Sei es durch einen Psychologen oder besonderes – absolut kontraproduktives – Mitleid bzw. übertriebenes Verständnis.


    Sie brauchen viel mehr die innere Gewißheit, daß es zwar traurig ist, daß der Vater nicht für sie da ist, aber die Mutter dafür umso mehr absolut selbstsicher und klar weiß, wo es lang geht und bereit ist, dem Kind/Jugendlichen dadurch Halt und Sicherheit zu bieten.


    Sie wollen einfach nur NORMAL sein!

    @ cat78

    Als erstes: :)* @:) Du bist nicht alleine.


    Wir haben das Trara vor ein paar Jahren auch durchgemacht. Mein Töchterchen hat ähnliche Phasen und Probleme durchlebt, wie das Deine. Ein Patentrezept gibt es nicht. Jeder Mensch ist anders.


    Aber, Hinweise, was bei uns geholfen hat, kann ich Dir gerne geben. Ob es auch für euch paßt, weiß ich nicht.


    Regeln funktionieren meist nur, wenn sie verhandelt werden. Beide müssen gut damit leben können.


    Zimmer ist privat, nur Wäsche im Wäschekorb und Geschirr in der Küche, werden gereinigt, was im Zimmer ist, ist im Handlungskreis des Töchterchens.


    Geld stehlen, geht gar nicht. Da mußt Du unmissverständlich einen Riegel vor machen. Wenn sie auch bei anderen oder im Handel lange Finger macht, auflaufen lassen. Das tut weh und ist peinlich, zeigt ihr aber deutlich die Konsequenzen.


    Beim Kontakt mit dem Vater solltest du dich gänzlich zurück ziehen. Klar machen, daß du weder für sein noch für ihr Verhalten verantwortlich bist.


    Nimm dir Zeit für sie. Kläre Konfliktpunkte gleich und entgültig, wärme nach Möglichkeit keinen Konflikt auf. Klären, abhaken, Ergebnisse aufgreifen (positive und negative).


    Wenn Du Dich sehr aufregst, teile ihr dies mit, daß Du 10 oder 15 Minuten brauchst, um Dich zu beruhigen und die Angelegenheit zu bedenken. Und komme dann auch wieder darauf zurück. Dann kannst du durchatmen, zur Ruhe kommen und fällst keine Entscheidungen, die überhastet und unausgegoren sind.


    Gehe Kompromisse ein, und zeige, daß auch sie Kompromisse eingehen muss, um miteinander auszukommen. Zeige auch die Gebiete auf, wo Kompromisse möglich sind und welche, die nicht verhandelbar sind.


    Bleibe konsequent und stelle nur Regeln auf und zeige Konsequenzen auf, die auch haltbar sind. Sonst wird man leicht unglaubwürdig.


    Hole Dir Hilfe, und sei es nur erstmal für Dich, um Abstand zum Geschehen zu bekommen und einen Überblick für Dich.


    Alles Gute, und wenn die Erziehung bisher ok war, findet sie auch den Boden wieder. Kopf hoch.

    Ja danke für Deine Tipps. Heute kam die nächste Hiobsbotschaft! Die hat in der Schule eine Scheibe kaputt gemacht! Sie sagt das war nicht mit Absicht. Aber ich bekomme wohl einen Brief von der Schule....

    @ cat

    Zitat

    Sie sagt das war nicht mit Absicht

    Schließe nicht aus, daß dies wirklich so ist. :)z


    Setzt euch zusammen und besprecht dies in aller Ruhe gemeinsam. Frag sie, ob sie eine Idee hat, wie sie dies wieder ausbügeln kann, da ja die Scheibe sicher ersetzt werden muß. Überlege Du Dir im Gegenzug auch einen Vorschlag, wie sie dafür die Verantwortung übernehmen könnte.


    Und dann wartet doch erst einmal den Brief von der Schule ab. Sprich ggf. nochmals mit den dort Verantwortlichen, ev. auch mit Deiner Tochter gemeinsam. Es wird sich eine Lösung finden. :)*

    Ja ich weiß das. Ich werde dann auch nochmal mit ihrer Lehrerin sprechen, wie das genau passiert ist! Und dann überlegen wie ich das wieder bezahlen soll. Weil....ich blöde habe die Haftpflicht gekündigt weil ich mich nach einer neuen umsehen wollte....Ich wieder....