"Oberteilpflicht" als Erziehungsfrage?

    Ich machte letztens mit meiner Tochter (11) einen Ausflug ins Hallenbad, wo wir eine Bekannte aus meiner Schulzeit trafen. Mir fiel ziemlich bald auf, dass ihr etwas nicht passte; auf meine Nachfrage meinte sie dann, meine Tochter hätte sich doch schon etwas "anständiger" anziehen können. Die Bemerkung bezog sich auf den Umstand, dass meine Tochter zwar eine Badehose aber kein Oberteil anhatte. Was nun ihre körperliche Entwicklung anbelangt, die da vielleicht hätte Anstoß erregen können, ist außer dem beginnenden Längenwachstum bisher nichts vom Eintritt der Pubertät zu bemerken; so unterscheidet sie sich etwa hinsichtlich ihrer Brust noch nicht von gleichaltrigen Jungs.


    Ganz ehrlich gesagt war ich von der Reaktion meiner Bekannten doch einigermaßen unangenehm berührt: Ich musste unweigerlich an die gewisse diesbezügliche Hysterie made in USA denken, wo man schon Kleinkinder in Bikinis und Badeanzüge steckt - irgendwie sind das doch abnorme Auswüchse. Wirklich verärgert hatte mich dann allerdings der Kommentar, das alles sei in erster Linie eine Frage der Erziehung und darüberhinaus würde meine Tochter so auch zu einer Zielscheibe der Pädophilen gemacht. Außerdem sei ein solcher "Auftritt" doch wahrscheinlich in Schwimmbädern ohnehin verboten, das ginge bestenfalls in Freibädern - und da nur unter gewissen Bedingungen. In der weiteren Folge dieser Auseinandersetzung versuchte ich dann, verschiedene Meinungen (auch aus diversen Internetforen) einzuholen und war eigentlich entsetzt, wie viele Verfechter der oben erwähnten amerikanischen "Haltung" sich da äußern. Wenn die wissen würden, dass meine Tochter, die unter anderem mit den Nachbarjungs leidenschaftlich gern Fussball spielt, dabei an warmen Sommertagen auch schon mal ihr T-Shirt auszieht - und niemand aus der Nachbarschaft daran Anstoß nimmt, dann sollte eigentlich die Sicht der Dinge derer, die so streng über "Sitte und Anstand" wachen, schon mal einen Knacks bekommen...Ach ja - Probleme (mit Bademeistern etc.) wegen meines so "freizügig" in Erscheinung tretenden Kindes gab es bisher noch nicht; vielleicht war es Glück, vielleicht sprach aber auch die Stimme der Vernunft und rief zur Mäßigung.... :-)

  • 314 Antworten

    Pädophile stehen auf Kinder – nicht nur auf nackte Kinder.


    Deine Tochter war also unkonventionell angezogen. Was genau daran Anstoß geben soll, ist unklar, aber es war immerhin unkonventionell – das ist Grund genug für eine Verhaftung für manche Leute.


    Du hast nichts falsch gemacht. Du setzt Dich mit der Sache kritisch auseinander und kommst zum Schluss, dass es noch keinen Grund gibt, auf dem Oberteil zu bestehen. Ich würde mich Deiner Argumentation anschließen.


    Fußball spielen geht auch nicht! Das ist eigentlich ein Männersport. Und alle Profifrauenfußballerinnen sind lesbisch. Wer nicht will, dass die Tochter auch lesbisch wird, verbietet ihr das Fußballspielen aus Erziehungsgründen und aus Anstand.

    Hm, Dein Beitrag macht mich nachdenklich.


    Insofern, dass ich spontan auch denken würde: In dem Alter fände ich es nicht mehr angemessen ohne kompletten Badeanzug oder Bikini rumzulaufen, außer es ist am FKK-Strand.


    Aber an einem amerikanischen Einfluss liegt das bei mir ganz sicher nicht- meine Eltern sind bzw waren um die 80 und mit Sicherheit nicht so "amerikanisiert" wie andere jüngere Eltern heute.


    Vielleicht liegt es dann eher daran, dass ich sehr konservativ erzogen wurde und ich immer auch Angst hätte dass sich mein Kind in Gefahr bringt, Pädophilen auffallen könnte usw....


    Ich persönlich würde ganz instinktiv, einfach aus Mama-Beschützerinstinkt heraus sagen: solange ich darüber bestimmen kann, wird mein älteres Kind sich am Oberkörper bedecken müssen....


    Und mit älter meine ich so ungefähr Schulalter... Aber ich muss gestehen, dass ich auch meinem Kleinkind schon UV-Badekleidung angezogen habe – also ist auch mein Vierjähriger nie ohne Oberteil unter der freien Sonne im Freibad gewesen. (Und ich selbst würde mich im Übrigen auch nie oben ohne zum Sonnenbaden legen weil ich meine Haut nicht unnötig "stressen" will)


    Dass ich nichts dagegen hätte, wenn eine Tochter dann später wenn es erwachsen ist dann in Berlin an der Krummen Lanke oder an einem FKK-Strand oben ohne herumliefe... steht auf einem anderen Blatt.


    Aber Dein Beitrag bringt mich schon zum Grübeln. Vielleicht steckt da noch zu viel unerwartete Prüderie in mir drin? (Ausgerechnet in mir???)


    Werde ich mal drüber nachdenken.... Für mich hat das aber weniger mit bewusster Entscheidung zu "Sitte und Anstand" zu tun sondern damit, was ich einfach irgendwie mit Schutz assoziiere..


    Und ja, es gibt die Pädophilen und ich glaube auch schon, dass denen Kinder besonders auffallen die aus dem Rahmen fallen. Und wenn es "nur" dadurch ist, dass sie oben ohne sind.


    Ich gestehe, das wäre für mich schon auch ein Argument und ich habe auch schon früher mein Baby nicht gerne ungeschützt vor Blicken in der Öffentlichkeit gewickelt. Einfach weil es diese Menschen gibt und ja, es ist für mich schon ein Beschützen wenn ich meinem Kind dann beibringe sich nicht auffällig zu kleiden (oder eben nicht zu kleiden....)

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    Ich sehe das so, dass ein Büstenhalter dazu da ist, etwas zu halten. Solange es nichts zu halten gibt, wäre er eine Brustbinde. Wofür?


    Man kann ja nun beliebige Körperteile tabuisieren und behaupten, das Bedecken gebietet die Moral oder die Verbrechensverhütung. Dann landen wir beim Ganzkörper-Shador. Stelle dir mal vor, ein Fußfetischist sieht die nackten Füße deiner Tochter ...


    Gehen wir doch wieder zurück in die 1920er Jahre und singen "Ich hab dein Knie gesehn – das durfte nie geschehn ..."


    Man muss erlangte Freiheiten auch nutzen und dafür einstehen – sonst gehen sie verloren.


    Ich habe das Gefühl, dass wir mehr und mehr Freiheiten verlieren. Früher durfte man z.B. ein Konto bei der Bank haben, heute muss man. Sonst kann man nicht mal ein Auto zulassen.


    Ich kann nachvollziehen, dass du verunsichert bist. Aber lass dir nicht von Bekannten unsinnige Vorschriften machen.

    Also, ich würde deiner Tochter erklären das sie sich irgendwann, wenn sie Brüste bekommt, bedecken muss. Aber auch nur, damit sie nicht plötzlich aus allen Wolken fällt weil sie in einem halben Jahr (oder etwas später) plötzlich doch ein T-Shirt beim Fußball, oder einen Badeanzug beim schwimmen tragen muss. Mehr nicht.


    Meine Eltern haben es ähnlich gehalten wie du: Wo nichts ist kann dem Kind auch nichts weggeguckt werden. Bei mir setzte die Pubertät wohl früher ein (mit elf Jahren hatte ich einen BH schon nötig). Eine 'Kleidungsauflage' bekam ich aber trotzdem erst als das "Mama, an meinen Brustwarzen tut's weh ... was ist das?" (also Anfang des Brustwachstums) kam. Und anders würd' ich's auch nicht machen, wenn ich eine Tochter hätte.


    Lass dich nicht bekloppt machen.

    Jedes Elternteil muss selbst wissen, wie es darüber entscheidet.


    Aber ich sehs genauso wie deine Bekannte: Mädchen nicht obenrum nackt, sondern mit Oberteil. Und das ungefähr ab der 1. Klasse.


    Wies andere machen, ist deren Problem, geht mich nichts an.

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    Ich bin so bis 6 Jahre oben ohne im Schwimmbad gewesen, dann wollte ich selber unbedingt nen Badeanzug haben, weil ich den von Mama so toll fand ":/


    Mit 11 wäre es mir persönlich selber schon totel unangenehm gewesen oben ohne rumzulaufen, auch wenn ich noch keine Brüste hatte, das war einfach eine Zone, die ich nicht jedem zur Schau stellte ;-)

    was ist so schlimm daran ein bikinioberteil zu tragen?


    ich hab auch als kleines kind (also so ab 3 jahren) einen badeanzug bzw bikini getragen und geschadet hats mir nicht ;-)


    warum ist es dir so "wichtig" dass deine tochter oben ohne schwimmen gehen darf?


    gerade mit 11 jahren, wo die mädels anfangen sich zu verlieben und sich für jungs zu interessieren.... dass deiner tochter das nicht von alleine peinlich ist, finde ich eher verwundernswert, als die aussage deiner bekannten :-/

    Wenn man mal großzügig darüber hinwegsieht ;-D , dass ich es auch unangemessen finde, wenn eine 11-jährige ohne Bikinioberteil rumläuft, [...]


    Ich meine nur, da es mir total unnatürlich vorkommt, dass eine Mutter sich darüber aufregt.

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    Hallo Isa73,

    Zitat

    auf meine Nachfrage meinte sie dann, meine Tochter hätte sich doch schon etwas "anständiger" anziehen können.

    Ein schönes Beispiel dafür, dass "anständig" immer noch eine Definitionssache ist. :-)


    Dafür, dass es eine weitläufige Bekannte ist, finde ich ihre Art und Weise doch ziemlich anmassend. Wie Du Dein Kind erziehst und welche Werte Du vermittelst, bleibt immer noch Dir überlassen, solange das Kindeswohl gewahrt ist. Und das ist ja wohl der Fall.


    Meine Güte, wenn ich da an meine Kindheit dachte. Zum Glück!!! wurde mir nicht permanent vermittelt, dass der Körper ja vor den Blicken irgendwelcher komischer Menschen geschützt werden sollte. Ich durfte mich tatsächlich am Strand (Freibad brauchten wir nicht) frei bewegen, bis eine Brust erkennbar war. Meine Eltern, Großeltern und ich selbst sowie mein Bruder waren – bis die NATÜRLICHE Scham von ganz allein einsetzte mit zunehmender körperlicher Entwicklung – oft am FKK. Es war das natürlichste der Welt.


    Neulich kam in der Kita meiner Tochter ein 5jähriges Mädchen und zeigte mir ganz stolz, dass sie schon einen BH (so ein Bustieroberteil) hätte. %:| Wenn diese Mutter meint, das muss so sein, werde ich mich nicht einmischen. Ich persönlich finde es ziemlich übertrieben und ja ... prüde.


    Pädophile brauchen nicht zwingend nackte Kinder für Phantasien. Angezogene reichen vollkommen. Von daher finde ich dieses Argument an den Haaren herbeigezogen. Meine Meinung. ;-)

    @ Knacks

    :)= :)z

    Ich finde es hochgradig seltsam wenn eine 11jährige so herumläuft und würde es – nach einer Nacht drüber schlafen – auch nicht erlauben. Einfach weil es für mich eine Gefährdung des Kindes darstellt- und mir kann keiner erzählen dass es für einen Pädophilen keinerlei Unterschied macht ob ein Kind bekleidet ist oder nicht....


    Einen ultimativen Schutz gibt es nicht, aber ich habe meinen Sohn schon als Baby/Kleinkind nicht unter freiem Himmel bzw ungeschützt vor Blicken gewickelt und ich würde auch später nicht wollen, dass mein Kind halbnackt vor anderen herumläuft... (ja, ich weiß, das wirkt "prüde" aber ich glaube schon, dass das eine Form von Schutz darstellen kann)

    Ach ja – richtiggehende BHs würde ich meinem kleinen Mädchen sowieso nicht anziehen. Einfach weil das auch so sehe: Da muss noch nichts gehalten werden. Es betont außerdem Geschlechtsmerkmale und damit die Sexualität – die noch gar nicht da sind – daher finde ich es absolut unmöglich einem kleinen Mädchen einen BH anzuziehen der suggeriert, dass da schon mehr ist....


    Nein, ich finde es für mich wichtig und einzig richtig, dass ein Mädchen dann einen Badeanzug anzieht.

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    Mit 11 Jahren sind Kinder in der weiterführenden Schule und verbringen damit Zeit mit Mitschülern, die mit ihnen gemeinsam die Pubertät erleben werden, die ich nahester Zukunft kommt.


    Insofern würde ich zwar die Kirche im Dorf lassen, aber ein Bikinitop- oder Badeanzug für eine 11jährige finde ich durchaus angemessen. Von Büstenhalter ist da keine Rede, würde man Kleidung auf diese Funktion begrenzen, gäbe es auch keinen Grunde, eine Badehose anzuziehen, schließlich gibt es da bei Mädchen auch nichts zu halten.

    Ich bin bis ich ca. 11 war nur mit Badehose rumgelaufen und versteh die Aufregung drüber überhaupt nicht. Ich fand Badeanzüge doof und Bikinioberteile auch, die Dinger haben mich genervt und ich war todtraurig, als ich dann aufgrund der Entwicklung eines Brustansatzes sowas tragen musste.


    Da wo ich herkomme, war das übrigens auch völlig normal (nein, meine Eltern waren keine FKKler und ich stamme aus einer stinknormalen Kleinstadt). Heute ist es offenbar "unanständig".


    Schon merkwürdig. Einerseits schreien so viele danach, dass man Kinder wieder länger Kindsein lassen soll, andererseits sollen sich Mädchen möglichst früh eine nichtvorhandene Brust bedecken.

    Ich halte es für seltsam bis unwahrscheinlich, dass eine Elfjährige sich völlig ungezwungen oben ohne präsentiert – in dem Alter ist doch schon alles peinlich.


    Sollte es doch solche Freigeister geben: in Hallenbädern herrscht normalerweise Bekleidungspflicht. Pubertät hin oder her, die Tochter wird wohl nicht mehr wie ein Kleinkind aussehen.


    Was ich aber eigentlich sagen möchte.. dieses ewige Pädophilenargument, ich kanns nicht mehr hören. Knacks hats ganz gut gesagt:

    Zitat

    Stelle dir mal vor, ein Fußfetischist sieht die nackten Füße deiner Tochter ...

    Oder gar ein pädophiler Fußfetischist, omgomgomg!!!111elfelf..


    Wenn tatsächlich irgendein pädophil gesonnener Mensch einen Blick auf eines eurer Kinder wirft, dann wird gar nichts, absolut überhaupt nichts passieren. Punkt, Ende, aus. Pädophilie wird nicht per Blickkontakt übertragen, Missbrauch auch nicht.


    Und wenn ihr durch die Bank weg pädophil empfindenen Menschen vorwerft, Gewalttäter und Vergewaltiger zu sein, dann solltet ihr euch schämen, weil das nicht nur "prüde" sondern bösartig ist.

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