Pubertät und Sex

    Hallo zusammen,


    ich lebe jetzt seit knapp 2 Jahren mit einer Partnerin zusammen. Sie hat einen (jetzt) 14jährigen Sohn mit in die Beziehung gebracht, der bei uns lebt. Ich hatte vorher keine Kinder und wurde da sozusagen voll ins kalte Wasser geworfen, da ich jetzt schon so ein bisschen eine Erzieherrolle innehabe.


    Nicht, dass ich den Vater ersetzen will, einen Vater hat er und hat auch regelmäßig Kontakt mit ihm und wenn es grundlegende Entscheidungen sind, die den Sohn betreffen, halt ich mich auch zurück und überlasse das der Mutter und dem Vater da eine Lösung zu finden. Aber da er bei uns lebt, übernehme ich halt (zwangsläufig) so im Alltag eben auch die Erziehung mit.


    Der Sohn hat jetzt seit einem drei-viertel Jahr eine Freundin. Sie ist ebenfalls 14, geht in die Parallelklasse von ihm und wir kennen die Eltern auch und haben uns etwas mit ihnen angefreundet und auch was zusammen unternommen und so. Dadurch kam es dann auch zustande, dass die Freundin mal bei uns übernachtet hat oder er bei der Freundin. Also in Ferien oder am Wochenende. Und die Länge der Beziehung finde ich in dem Alter eigentlich schon fast beeindruckend. ;-)


    Wir sind das ganze aber wohl sehr blauäugig angegangen, da wir alle der Meinung waren (so vom Verhalten und den Interessen der beiden), dass Sex noch eine untergeordnete Rolle spielt.


    Die Freundin hat jetzt vor kurzem erzählt, dass die beiden ihr erstes Mal hatten. Glücklicherweise haben sie an Verhütung gedacht und ein Kondom benutzt.


    Das führte jetzt zu Diskussionen (nicht Streit, sondern Gespräche halt) zwischen den Eltern der Freundin und uns und auch zwischen meiner Freundin und mir wie man da zukünftig damit umgeht.


    Die Gespräche drehen sich darum, ob man das jetzt "tolerieren" soll, da man es eh nicht verhindern kann und die Beziehung nicht kaputt machen soll, dass sie auch mit solchen Themen zu einem kommen und es von sich aus erzählen oder ob 14 Jahre einfach noch so jung ist, dass man versuchen sollte das irgendwie zu unterbinden, wie auch immer, aber mit dem Risiko die Beziehung zu den Kindern zu schädigen. Das Thema ist echt nicht einfach.


    Wenn ich die beiden sehe, sind es noch Kinder. Von allem her. Interessen, Gespräche usw.


    Wie seht ihr das?

  • 32 Antworten
    Zitat

    ob man das jetzt "tolerieren" soll, da man es eh nicht verhindern kann

    Da hast du Recht: Jetzt ist es eh zu spät. Solche "Werte" müssen Kindern viel früher vermittelt werden. Da beiden Eltern das anscheinend nicht so wichtig war (die Gründe reichen von "es ist peinlich drüber zu reden" über "wir wollen doch keine Spießer sein" bis "wenn wir es verbieten, dann tun sie es doch"), läßt sich da auch nicht viel machen.


    Meine Eltern haben mir früh mitgegeben, das mit Sex auch Verantwortung einhergeht. Das aus solchen Verbindungen Kinder kommen können. Und sie haben mir mitgegeben, das ich mir nur gutes damit tun würde, solange so warten, bis ich in der Lage bin für Frau und ein evtl. Kind sorgen zu können.


    Darum habe ich von mir aus erst "spät" mein "1. Mal" gehabt. Aber nicht weil meine Eltern es "verboten" haben, sondern weil ich mir der Tragweite bewusster war.


    Was du/ihr tun könnt: Zeigt und sagt ihnen, das Sex etwas besonderes sein soll und Verantwortung über Leben (das eigene und auch "Neues") mit sich bringt. Und das die Option "dann machen wir es halt weg, wenns passiert ist", keine Option sein sollte (= Wegwerfgesellschaft)

    Zitat

    ob 14 Jahre einfach noch so jung ist, dass man versuchen sollte das irgendwie zu unterbinden, wie auch immer,

    wenn zwei 14 jährige sex haben wollen, dann werden sie auch sex haben- wie auch immer. nachdem man ja 14jährige nicht rund um die uhr überwachen kann, wird es ihnen mit etwas einfallsreichtun auch gelingen.

    Akzeptieren. Ihr werdet es eh nicht verhindern können (ist ja schon geschehen).


    Akzeptanz bietet auch die Chance, vernünftige Gespräche über Verhütung etc. zu führen - und auch als Ansprechpartner da zu sein, falls mal was passiert (Kondompanne bspw.). Und ggf. ein bisschen Taschengeld extra für die Verhütung, eben damit das zuverlässig klappt.


    Ich persönlich finde es altersmäßig auch etwas früh, aber es ist halt so und die beiden scheinen ja verantwortungsbewusst zu sein und Du kommentierst selber die "reife" Beziehung.


    Besser akzeptierend und auch da eine gewisse elterliche Erziehungsaufgabe übernehmend als verbietend, was zur Heimlichkeit zwingt.

    Ganz ehrlich, ich würde da jetzt kein riesen Fass aufmachen. Verbieten könnt ihr es eh nicht, dann tun sie es heimlich und die Gefahr das sie in der Eile auf Gummis verzichten steigt. Ebenso würde ich da jetzt keine großen Diskussionen mit denen starten, das geht dann mehr in Richtung unangenehm und peinlich. Außerdem könnte es sein das sie sich euch garnicht mehr anvertrauen wenn ihr da jetzt zu viel "Stress" macht.


    Lasst denen hier und da mal 5€ für Gummis rüberwachsen und respektiert ihre Privatssphäre (anklopfen wenn es etwas dringendes gibt und ansonsten halt in Ruhe lassen wenn es nicht unbedingt sein muss), den Rest würde ich einfach laufen lassen.

    Zitat

    Da hast du Recht: Jetzt ist es eh zu spät. Solche "Werte" müssen Kindern viel früher vermittelt werden. Da beiden Eltern das anscheinend nicht so wichtig war (die Gründe reichen von "es ist peinlich drüber zu reden" über "wir wollen doch keine Spießer sein" bis "wenn wir es verbieten, dann tun sie es doch"), läßt sich da auch nicht viel machen.

    Ganz so stimmt das auch wieder nicht. Es wurde schon darüber geredet. Meine Freundin hatte mit ihrem Sohn und auch mit der Freundin des Sohnes vor einiger Zeit mal ein Gespräch darüber... also getrennt jeweils. Und sie hatte dabei den Eindruck, dass die Sexualität bei den beiden noch nicht so die große Rolle spielt.


    Die Freundin vom Sohn hatte damals zu meiner Freudin (die beiden haben zusammen gebacken, während der Sohn und ich mit dem Hund unterwegs waren) gesagt, dass sie es sich jetzt noch gar nicht vorstellen kann... ob das jetzt gelogen war oder sich einfach so schnell geändert hat, können wir nicht wirklich beurteilen.


    Dass sie zumindest beim Thema Verhütung eine Verantwortung übernommen haben und ein Kondom benutzt haben, ist auf jedenfall sehr positiv.


    Die Frage ist jetzt eher in die Richtung: Würdet ihr die beiden weiter - ab und zu mal - zusammen übernachten lassen? Oder sagen "Ne, in getrennten Zimmern schlafen ab jetzt."? Die Beziehung der beiden an sich verbieten will niemand.

    Zitat

    Die Frage ist jetzt eher in die Richtung: Würdet ihr die beiden weiter - ab und zu mal - zusammen übernachten lassen? Oder sagen "Ne, in getrennten Zimmern schlafen ab jetzt."?

    Das müsst ihr als Eltern entscheiden, was euch da wichtig ist. Wenn es für euch im Prinzip "egal" ist, dann laßt es wie es ist. Wenn ihr aber meint, das sie damit nicht umgehen können, dann ist es eure Pflicht, da einzuschreiten. Aber einfach nur zu sagen, wir wollen das nicht, wird da nicht ausreichen. Aber ich denke, das ist euch schon klar ;-)

    Zitat

    da man es eh nicht verhindern kann

    Genauso sehe ich das auch.


    Was mich eher beeindruckt ist das Vertrauen, dass ausgerechnet die Freundin offen über das erste Mal gesprochen hat. Zu meiner Zeit war das im Eltern-Kind-Verhältnis eher exotisch. Ich hätte mit sowas niemals in dem Alter bei meinen Eltern antanzen können, das hätte tagelang stressige Diskussionen gegeben.


    Ich würde dies zum Anlass nehmen, zuerst mit den Eltern der Freundin eine Einigung zu finden, wie man gemeinsam damit umgeht. Offenbar wissen es ja alle. Denn für die Freundin sind immer noch ihre Eltern verantwortlich und im Zweifelsfall gilt, was sie sagen.


    Wenn die jungen Leute aber ein bisschen Reife mitbringen, dann denke ich, dass man ihnen klarmachen kann, dass Sex nicht nur ein spaßiges Spiel ist. Dass Verhütung wichtig ist und immer an oberster Stelle steht - auch wenn sie in 1-2 Jahren ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol sammeln werden. Genauso muss man ihnen bewusst machen, dass auch Verhütung scheitern kann und man nach dem Spaß schlimmstenfalls schwanger ist. Man muss ihnen erklären, was das für deren Leben bedeuten würde und dass es noch etwas früh sei, so ein Risiko einzugehen. Vielleicht bringt man sie dazu, selbst nochmal darüber nachzudenken und vielleicht sich noch ein Weilchen auf Fummeln zu beschränken.

    Da gibt es nichts zu tolerieren, besser gesagt verbieten, es ist einfach deren Recht miteinander sexuell zu verkehren. Da zählt auch nicht von wegen sie machen es sowieso (machen sie natürlich sowieso). Es ist einfach ihr Recht über den Körper zu bestimmen und eigene, gewollte, sexuelle Erfahrungen zu machen. Punkt.


    Mehr Gedanken würde ich mir über die Verhütung machen und dort an Aufklärung ansetzen. Vor allem in der Anwendung von Kondomen und in dem Zusammenhang mir auch die absurdesten Fragen selbst zu stellen die ein (junger) Mensch so haben kann.


    Also ob man zwei Kondome nehmen kann, mehrfache Verwendung, falsches aufsetzen, ist das Reservoir für das Sperma da und wieso man dies zusammendrücken sollte, Dichtigkeit von Kondom und die Frage ob unbemerkt Löcher drin sein können, gerissenes, das Verhältnis zu ölhaltigen Cremes und was weiß ich. Da gibt es ja auch bei Erwachsenen 150.000 Fragen und Situationen.


    Vor allem aber vermitteln dass bei einem Missgeschick kein Verschweigen statt findet, immerhin kann man später ja nicht mehr viel machen.


    So sehe ich das. Ich kann Menschen nicht ausstehen die Menschen ihre eigene Sexualität verbieten wollen, speziell Jugendlichen. Genau wie man niemanden zu sexuellen Handlungen zwingt und verdeutlicht dass ihr Körper ihnen gehört, ist das Gegenteil, dies verbieten zu wollen, eigentlich nichts anderes.


    Mein Körper gehört mir, heißt es, aber nicht nur in der einen Hinsicht.

    @ Comran

    Zitat

    Was mich eher beeindruckt ist das Vertrauen, dass ausgerechnet die Freundin offen über das erste Mal gesprochen hat.

    Sie hat zu meiner Freundin irgendwie ein sehr großes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Sie hat es nicht ihren Eltern erzählt, sie hat es meiner Freundin erzählt. Und sie kommt auch immer mit sonstigen Problemen immer zu ihr und legt großen Wert auf die Meinung meiner Freundin bei allen Themen.


    Aber ja ich finde es auch beeindruckend, dass sie das erzählt. Aber ist ja irgendwie auch beruhigend. Wenn sie damit von sich aus zu einem kommen, dann weiss man dass sie mit (wohl) allen Problemen zu einem kommen würden...

    Zitat

    Aber ja ich finde es auch beeindruckend, dass sie das erzählt. Aber ist ja irgendwie auch beruhigend. Wenn sie damit von sich aus zu einem kommen, dann weiss man dass sie mit (wohl) allen Problemen zu einem kommen würden...

    Und das würde ich fördern, nicht durch Verbote der Übernachtung. :-)

    Was würde das Schlafen in getrennten Zimmern jetzt noch verändern?


    Immerhin haben sie soviel Vertrauen, dass sie davon erzählt haben. Das würde damit wahrscheinlich dahin sein...


    Mein Alter Nachbar hat immer gesagt "wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch" ich denke ich würde eher in die Richtung arbeiten, dass beide die Tragweite ihres Handelns bewusster wird. Sie verantwortungsvoll damit umgehen

    Zitat

    Vor allem aber vermitteln dass bei einem Missgeschick kein Verschweigen statt findet, immerhin kann man später ja nicht mehr viel machen.

    Das war auch mien Gedanke. Sex findet statt, Vertrauen in die Eltern ist auch da. Die sicherste Basis, dass die Kinder sich im Falle einer Panne an die Eltern wenden und kompetente Hilfe bekommen.


    Akzeptanz, Aufklärung über Verhütung - und allgemein verantwortungsbewusste Sexualität, Ausprobieren vs. Neinsagen,... Das ist jetzt wichtig.

    Ich finde die Offenheit toll, würde ich mir später bei meinen Kindern auch so wünschen.


    Was die Übernachtung angeht: Mir wäre es lieber, die machen es in einem geschützten Bereich, also zu Hause, als sonstwo. Das ist ja erst der Anfang der sexuellen Beziehung, dass man da noch nicht so reif erscheint ist doch normal. Und trotz der 14 Jahre sind die beiden schon lange zusammen und wahrscheinlich ziemlich verliebt. Ist doch toll. Solange die Verhütung stimmt, seh ich kein Problem. Ich war auch in dem Alter und das war eine sehr aufregende Zeit. ;-D

    Danke mal für eure Antworten. Haben mir bisher viel geholfen.


    Das war gestern einfach so ein kleiner "Schock"... als ob man mit dem Vorschlaghammer eine drauf bekommen hat... und dann gehen einem halt so viele Sachen durch den Kopf und man will am Ende ja alles richtig machen in der Beziehung. Und für mich ist das einfach immer noch etwas neues, da ich ja nicht mit dem Kind aufgewachsen bin, sondern eher als Quereinsteiger dazu gekommen bin mich mit sowas beschäftigen zu müssen. ]:D


    Dass wir es nicht verbieten (können und wollen ;-) ) war eigentlich schon klar, bevor ich hier geschrieben habe. Ich wollte nur mal so ein paar Meinungen zu dem Thema hören, die "von außen" kommen.