Sohn will zu Vater ziehen - Mutter macht Drama

    Hallo Zusammen,


    ja der Titel klingt reißerisch, aber anders kann ich es langsam nicht mehr ausdrücken.
    Wir benötigen Rat und Tipps, wie wir jetzt am besten mit der Situation umgehen sollten und wenn ich ehrich bin, muss ich mich auch mal auskotzen.


    Es geht um den fast 17jährigen Sohn meines Lebensgefährten. Seine Mutter ist leider psychisch erkrankt. Soweit nichts Schlimmes, das bin ich selbst und werde dazu gleich sicher noch einen Faden im Psychologie-Teil aufmachen, da mich die Situation arg triggert. Mir erging es in meiner Kindheit nämlich fast genau so wie dem Sohn (der Einfachheit nennen wir ihn hier mal Micha).


    Micha's Mama ist leider Meisterin der emotionalen Erpressung. Funktioniert etwas nicht nach ihrem Willen, wird das Gegenüber per emotionaler Erpressung gefügig gemacht. Micha und seine Mama haben schon seit etlichen Jahren immer wieder Streit und Probleme, Micha hat bisher immer klein beigegeben und dann war die Welt zu Hause auch wieder für kurze Zeit rosarot. Nun ist er in einem Alter, wo er sich eben nicht mehr alles bieten lässt und hat MAL Widerworte gegeben. Und wir waren dabei, er hat wirklich rein gar nichts Schlimmes gesagt!

    Aber das Drama, was daraus nun seit inzwischen 5 Wochen folgt, ist unbeschreiblich! Micha ist dann erstmal zu mir und meinem Lebensgefährten geflüchtet um mal ein wenig Abstand zu bekommen und damit Beide runterkommen können, aber inzwischen steht fest, Micha hat die Nase voll, er will nicht mehr zu seiner Mutter, will beim Vater bleiben und nach dem was ich da so mitbekommen habe (ich stecke ja nun mittendrin) halte ich das auch für das Allerbeste für Micha. Ich selbt versuche ihm viel zu erklären, dass seine Mama ihn liebt, nicht anders kann (ich kenn mich mit ihrer Erkrankung leider gut aus, da meine Mutter sie auch hatte) und er an dem Disaster keine Schuld trägt. Zu verstehen, dass die eigene Mutter es nicht aus Boshaftigkeit macht, sondern aufgrund einer Erkrankung, hat mir persönlich sehr geholfen und ich hoffe, es hilft ihm auch.


    Neulich hat sie ihm dann z. B. seine Klamotten vor die Tür gepackt, Fotos davon gemacht und ihm geschickt. Als er nicht reagierte, rief sie seinen Vater an und bat, das Telefonat auf Laut zu stellen, so dass wir es alle hören konnten und sollten. Sie sagte, dass sie jetzt für ihren Sohn gestorben sei und er keine Mutter mehr hat! Nur um wenig später wieder anzurufen und zu betteln, dass er nach Hause kommt. Nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus jetzt 5 Wochen übelstem Drama.


    Lange Rede kurzer Unsinn.. Mein Lebensgefährte war inzwischen mit Micha bei einem Familientherapeuten und die Mutter war auch eingeladen. Sie kam nicht dahin, sie hält das für "Pillepalle". Miteinander Reden geht nur nach IHREN Vorstellungen, sonst eben gar nicht.


    Und genau da liegt gerade unser Problem. Micha muss sich jetzt für den Sommer für eine Ausbildung bewerben und benötigt dafür seine Zeugnisse. Allein nach Hause will er aus verständlichen Gründen nicht, Mutter ist wegen Homeoffice fast immer da. Jemand mitbringen wurde ihm von der Mutter verboten. Können wir also nicht machen, ist sonst ja Hausfriedensbruch. Klar, sie will ihr Kind natürlich überreden, wieder Heim zu kommen. Auch verständlich, keine Frage... dennoch wird Micha nicht allein zu ihr gehen und soll das auch nicht - auch laut Familientherapeut nicht.

    Er benötigt aber die Zeugnisse und die rückt sie nicht raus. Sie erpresst ihn jetzt damit, dass er sie gerne bekommen kann, aber nur wenn er allein kommt.

    Wir haben schon in der Schule angerufen, um ein Duplikat zu bekommen. Dank Corona ist das aber gerade leider alles, aber nicht einfach und es kann noch Wochen dauern, bis wir es bekommen.


    Genau so ist es mit der Geburtsurkunde, die er zum Ummelden auf den Vater benötigt. Die rückt sie auch nicht raus. Nur eben, wenn er allein kommt. Okay, auch davon können wir ein Duplikat bekommen, aber ihr ahnt es.. dank Corona in einer Großstadt auch nicht so easy und dauert....
    Und am Ende geht's dabei ja auch um's Kindergeld, den Unterhalt etc.. Mein Lebensgefährte ist gerade im Krankengeld wegen einer langwierigen Verletzung und er übernimmt jetzt schon viele Dinge, die er gerade eigentlich nicht leisten kann. Klar, ich unterstütze wo ich kann, aber da wir gerade auch noch im Umzug stecken, ist das auch nicht alles mal so eben herbei gezaubert. Da die Mutter ja nicht mal die Kleidung etc.. des Sohnes herausrückt, geschweigedenn seine Möbel, haben wir hier auch schon einiges anschaffen müssen. Das Kind braucht ja nunmal jetzt warme Kleidung und ein vernünftiges Bett.

    Wie sind eure Erfahrungen bei sowas mit dem Jugendamt, an das wir uns morgen natürlich wenden werden? Sie sind schon involviert, aber das wir jetzt nicht an die wichtigen Unterlagen kommen etc.. ist neu und das wollen wir morgen mit dem Jugendamt klären. Oder geht sowas am Ende tatsächlich nur über einen Anwalt? Wir sind gerade wirklich überfordert mit der Situation und wünschen uns nur noch, dass endlich etwas Ruhe einkehrt und wir alle mal runterkommen können. Seit 5 Wochen passiert ständig was Neues in diesem Drama und ständig leistet sich die Mutter Dinger, das glaubt einem keiner, der nicht selbst daneben sitzt und es hört / liest.


    Sorry für den langen Text.. stecken natürlich jetzt auch viele Emotionen drin. Alles was wir wollen, ist das Beste für Micha! Die Hoffnung ist, dass das Verhältnis zu seiner Mutter mit dem nötigen Abstand wieder besser wird und sie vielleicht doch mal mit zur Familientherapie geht, damit die 2 eine vernünftige Gesprächsbasis finden. Es ist am Ende ja immernoch seine Mama, die ihn sehr liebt und er liebt sie ja auch. Aber davon bin ich überzeugt, getrennt wohnen ist für Micha das Beste.


    Viele Grüße


    Snoeffi


  • 13 Antworten

    Bin jetzt kein Experte, aber ich würde überlegen ob man nicht in Begleitung der Polizei die Unterlagen beschaffen kann.

    Oder er geht ins Haus, wenn sie mal einkaufen ist.

    So lange er dort noch gemeldet ist kann er doch ins Haus gehen und Diebstahl ist es auch nicht.

    Darüber haben wir auch schon nachgedacht aber... das traut Micha sich nicht. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sein Handy ortet.... :-(

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    Ach und die Polizei macht da ohne Einstweilige Verfügung vom Anwalt glaube ich auch nichts, bzw ohne das Jugendamt. Aber das wäre noch zu prüfen, da bin ich unsicher. Werden wir aber in Erfahrung bringen

    Da ist definitiv das Jugendamt der richtige Ansprechspartner.


    Wann wird der junge Mann 18?


    Ich würde mich auf jeden Fall schleunigst ans JA wenden und die Sachlage schildern, solange er noch Anspruch hat.


    Ich kenne einen Jungen, dem das Jugendamt in ähnlicher Lage sehr gut geholfen hat, gerade was Vermittlung und Deeskalation betrifft.


    Der lebt jetzt in einer eigenen kleinen Wohnung wird aber auf eigenen Wunsch locker vom JA betreut und hat jetzt ein richtig gutes Verhältnis zu Vater und Mutter gleichermaßen. Das war schon beachtlich und alleine hätte er das vermutlich nicht so geschafft.


    Ich finde es gut, dass du dich so kümmerst. Ich finde vor allem auch toll, dass du nicht aus den Augen verlierst, dass er seine Mutter liebt und aus ihr ja wahrscheinlich wirklich die Krankheit (Borderline?) spricht.


    Alles Gute!

    Wenn er weiß dass er geortet wird kann er das abstellen.

    Da gibt es im Netz sicher Anleitungen dazu, oder ihr kauft ihm ein neues Handy.

    Gebraucht bei eBay Kleinanzeigen kriegt man schon günstig was.

    Hat Micha noch einen Schlüssel für die Wohnung?

    Vielleicht kann er ja Mutti aus der Wohnung locken indem er sich mit ihr verabredet und wenn sie das Haus verlässt schnell reingehen.

    Der Treffpunkt müsste dann etwas weiter weg sein.

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    Paritu, du liegst in Sachen Erkrankung leider richtig . Ein schwieriges Thema und ich weiß leider, wohin es mich geführt hat das jahrelang mit meiner Mutter auszuhalten. Ich hab am Sterbebett meinen Frieden mit ihr gemacht, leide aber noch heute unter den Folgen ihrer emotionalen Erpressung. Und ich wünsche mir sehr, dass wir Micha davor schützen können.


    Er wird in wenigen Wochen erst 17, bis zum 18. hat’s also zum Glück noch Zeit.


    Was du schreibst macht uns Mut, vielen Dank dafür!!! Das JA ist schon eingeschaltet, allerdings hat die Eskalation übers Wochenende nochmal deutlich zugenommen und das müssen wir morgen mit denen besprechen. Puuuuh.... als wenn das Jahr nicht schon schwierig genug wäre...

    Plüschbiest... Ohje, manchmal kommt man auf die einfachsten Sachen nicht vor lauter Stress! Ein Handy hab ich hier noch, das geb ich ihm gleich morgen früh! Gute Idee!


    Mal sehen was das Jugendamt morgen sagt... Vielleicht können die sie ja milde stimmen und sie stellt die Sachen vor die Tür, damit wir sie abholen können oder so..

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    Snoeffi schrieb:

    Paritu, du liegst in Sachen Erkrankung leider richtig . Ein schwieriges Thema und ich weiß leider, wohin es mich geführt hat das jahrelang mit meiner Mutter auszuhalten. Ich hab am Sterbebett meinen Frieden mit ihr gemacht, leide aber noch heute unter den Folgen ihrer emotionalen Erpressung. Und ich wünsche mir sehr, dass wir Micha davor schützen können.


    Er wird in wenigen Wochen erst 17, bis zum 18. hat’s also zum Glück noch Zeit.


    Was du schreibst macht uns Mut, vielen Dank dafür!!! Das JA ist schon eingeschaltet, allerdings hat die Eskalation übers Wochenende nochmal deutlich zugenommen und das müssen wir morgen mit denen besprechen. Puuuuh.... als wenn das Jahr nicht schon schwierig genug wäre...

    Ach man, ich wünschte ich hätte mich geirrt... Das ist wirklich eine Sch***Krankheit und kein Kind sollte so ein emotional instabiles Verhalten aushalten müssen.


    Ich glaube aber, es ist viel wert, dass er euch hat und nicht alleine dasteht.


    Ein emotional stabiler Elternteil ist da echt Gold wert - und du kümmerst dich ja sogar auch noch richtig toll.


    Gerade wenn ihr ihm vermittelt, dass er gleichermaßen sagen kann "Ich will von ihr weg" und dann auch wieder traurig sein darf über die Ablehnung durch die Mutter...


    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr gute Hilfen bekommt. Sicher wäre psychologische Hilfe auch sehr, sehr wichtig. Immerhin erträgt er das seit bald 17 Jahren - oder hat sich das früher nicht so gezeigt?

    Snoeffi schrieb:

    Nicht zuletzt deshalb, weil sie sein Handy ortet.... :-(

    Dann nimmt er sein Handy nicht mit???

    Davon abgesehen: Wieso macht ihr dagegen nichts? Muss ja eine App drauf sein, die das tut. Runterschmeißen oder einmal alles Wichtige sichern und auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Das ist wirklich schnell gemacht.

    Schule anfragen, dass die ihm eine Kopie des Zeugnisses erstellt. Ebenso das Amt kontaktieren wegen der Geburtsurkunde. Wenn das iwie geht, soll die Mutter auf dem Zeug hockenbleiben und sehen wie ihre Druckmittel wertlos werden.


    Meine Eltern waren ähnlich drauf und als ich nimmer daheim gewohnt hab, konnten viele Dinge so erledigt werden. Mir kam das Amt da durchaus entgegen. Generell hat mir das offene Wort geholfen, auch bei Krankenkassenproblemen o.ä. Da war ich auch 16/17 hab erklärt was los ist und gebeten mir eine Lösung zu bieten. Natürlich müssen Dinge beachtet werden und es ist Rennerei, aber es kann zum Ziel führen@:)


    Ich wünsche deinem Stiefsohn viel Kraft, gut dass ihr ihm beisteht:)*

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    Snoeffi schrieb:

    Darüber haben wir auch schon nachgedacht aber... das traut Micha sich nicht. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sein Handy ortet.... :-(

    das kann man ja dann mal nicht mitnehmen.


    Ich würde auch warten bis sie einkaufen geht (vielleicht kann jemand aus dem Haus oder der Nachbarschaft Bescheid sagen ) ... jemand kann den Jungen ja begleiten und vor dem Haus warten.


    Ein 17 jähriger sollte sich schon trauen in die Wohnung zu gehen, wenn er weiß , dass sein Vater vor dem Haus steht.

    Paritu schrieb:

    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr gute Hilfen bekommt. Sicher wäre psychologische Hilfe auch sehr, sehr wichtig. Immerhin erträgt er das seit bald 17 Jahren - oder hat sich das früher nicht so gezeigt?

    Ich bin auch sehr schwer dafür, dass der Junge psychologische Hilfe bekommt, aber er selbst sagt, es geht ihm gut und er möchte das nicht. Solange er das nicht selber möchte, bringt es natürlich nicht viel. Ich hab ihn im Auge und wenn ich merke, da stimmt was nicht, werde ich nicht müde das Gespräch mit ihm zu suchen und es ihm wieder anzubieten. Immerhin geht er zum Familientherapeuten, mit dem er Gott sei Dank einen echten Glücksgriff getan hat. Der Mann ist richtig gut und auch sehr sympatisch! Und ich leiste im Grunde auch therapeutische Arbeit, tausche mich mit einer eigenen Psychologin aus, was ich noch tun kann etc.. Allerdings muss ich auch aufpassen, dass es mich nicht zu sehr selbst triggert. Es kommen bei mir natürlich gerade auch viele der alten Emotionen hoch.
    Und zu deiner Frage: Sie war wohl schon immer so. Aus diesem Grund ging auch die Ehe mit meinem Lebensgefährten in die Brüche. Selbst ihre Geschwister stehen Micha bei und können ihn verstehen. Er hat zum Glück also familiär ganz ganz viel Rückhalt.


    Fiorentina2017 schrieb:

    Schule anfragen, dass die ihm eine Kopie des Zeugnisses erstellt. Ebenso das Amt kontaktieren wegen der Geburtsurkunde. Wenn das iwie geht, soll die Mutter auf dem Zeug hockenbleiben und sehen wie ihre Druckmittel wertlos werden.

    Danke erstmal für deine lieben Worte :-) Wir haben Beides bereits angefragt. Dank Corona ist das gerade alles sehr langwierig und die Bewerbungen müssen bald raus. Wir leben in einer Großstadt, hier ist auf den Ämtern gerade das Chaos los und kurz vor Weihnachten sowieso. Aber genau das war natürlich auch unser Gedanke, dass wir uns die Sachen eben notfalls anderweitig besorgen.


    wintersonne 01 schrieb:

    Ein 17 jähriger sollte sich schon trauen in die Wohnung zu gehen, wenn er weiß , dass sein Vater vor dem Haus steht.

    Grundsätzlich gebe ich dir absolut Recht. Allerdings weiß ich ganz genau was los ist, wenn Mutter'n aus welchem Grund auch immer im Türrahmen steht. Und das weiß auch Micha. Die Angst vor ihrer Reaktion ist einfach zu groß und da kann ich den Jungen auch verstehen. Er hat schon viel mitgemacht die letzten Jahre und gerade die letzten Wochen. Unsere Aufgabe ist es jetzt - so sehen wir das jedenfalls - ihn möglichst erst mal vor solchen Szenen zu beschützen und ihm diesen nicht unnötig auszusetzen. Ich selbst weiß, was das mit der Psyche anrichten kann....